Gut am Arbeitgeber finde ich
Der Kernauftrag: Die eigentliche Aufgabe des Kulturbetriebs – Kultur im Stadtbild sichtbar zu machen und vielfältige Veranstaltungen für die breite Öffentlichkeit anzubieten – ist absolut großartig und motivierend.
Das Arbeitszeitmodell: Der flexible Umgang mit den Arbeitszeiten, das Gleitzeitmodell und die faire Möglichkeit zum Überstundenabbau sind vorbildlich geregelt.
Die externen Schnittstellen: Die Möglichkeit, im Rahmen der Veranstaltungen intensiv mit externen Partnern zusammenzuarbeiten. Durch diese Kooperationen konnte ich enorm viel Praxis-Wissen sammeln und habe dort ehrlicherweise die meisten ausbildungsrelevanten Inhalte gelernt.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Nichteinhaltung von Zusagen:
Viele vorab versprochene Ausbildungsinhalte und der geplante Austausch mit anderen Unternehmen im Veranstaltungsbereich wurden über die gesamten drei Jahre nicht umgesetzt.
Schwierige Arbeitsatmosphäre & Blockaden:
Permanente Schlechte-Laune-Mentalität im Büro. Eigene Ideen und Vorschläge wurden im Keim erstickt und man wird als Azubi bewusst klein gehalten. Zudem fehlt bei vielen Kollegen die Bereitschaft zur Einarbeitung oder Wissensvermittlung.
Probleme im Marketing:
Zusammenarbeit mit dem bestehenden Marketingteam war im Alltag extrem schwierig bis faktisch unmöglich. Oft wurden Vorschläge meinerseits ignoriert und nicht umgesetzt oder in Meeting mit einbezogen.
Mangelnde Professionalität & Klüngel:
Teilweise kindisches Trotzverhalten von Kollegen bei sachlichen Konfliktlösungsversuchen mit dem Ausbilder. Durch private, freundschaftliche Verflechtungen zwischen Leitung und Angestellten fehlt es an Objektivität – Minderleistungen werden geschützt, während engagierte Arbeit nicht wertgeschätzt wird.
Fehlende Perspektiven:
Trotz verbaler Bekundungen im Alltag gibt es keinerlei Übernahmechancen. Konkrete Zusagen für eine Übergangslösung (Vertretungsstelle) verliefen nach meiner Zustimmung komplett im Sande.
Schlechte Arbeitsorganisation:
Extreme Unausgeglichenheit der Aufgaben (Phasen von akutem Leerlauf wechselten sich mit Überlastung ab). Gegen Ende der Ausbildung wurde ich zudem nur noch unorganisiert zwischen den Büros hin und her geschoben, abseits meines eigentlichen Teams.
Fehlende Arbeitsmoral:
Viel Jammern im Kollegium über angebliche Überlastung, obwohl viele Kollegen kaum bis gar nichts zu tun haben („Nicht mein Zuständigkeitsbereich“-Denken).
Schlechtes Außenimage:
Das Image des Kulturbetriebs ist bei externen Partnern stark negativ vorbelastet. Man schlägt bei der Vorstellung oft direkt auf Abneigung und wird traurigerweise schon positiv dafür hervorgehoben, wenn man einfach nur „der Nette/Gute vom Kulturbetrieb“ ist.
Verbesserungsvorschläge
Ausbildung priorisieren: Bitte dem Ausbilder die zeitlichen Freiräume geben, die für die Betreuung von Auszubildenden zwingend notwendig sind.
Objektive Führung: Führungskräfte sollten die Leistung der Mitarbeiter sachlich bewerten. Es braucht eine ehrliche und faire Differenzierung zwischen tatsächlichem Engagement und reiner Präsenz bzw. Leerlauf. Geleistete Arbeit verdient echte Wertschätzung.
Glaubwürdigkeit sichern: Zusagen, die vor oder während der Ausbildung gemacht werden, müssen verbindlich sein und eingehalten werden.
Fokus auf den Kernauftrag: Einigen Mitarbeitern sollte dringend wieder ins Bewusstsein gerufen werden, dass der Kulturbetrieb ein Dienstleister für die Aachener Bürger ist. Eine „Nicht mein Zuständigkeitsbereich“-Mentalität schadet dem Ruf der gesamten städtischen Einrichtung.
Arbeitsatmosphäre
Die Atmosphäre im Alltag ist leider oft sehr gedrückt. Das liegt zum einen an einer permanenten Schlechten-Laune-Mentalität im Team, zum anderen an einer spürbaren Blockadehaltung gegenüber neuen Impulsen. Eigene Ideen oder Verbesserungsvorschläge einzubringen, wurde durch direkte Abneigung und das Gefühl, „als Azubi ohnehin keine Ahnung zu haben“, im Keim erstickt. Neue Arbeitsmaßnahmen wie neue Programme, neue Strukturen oder neue Arbeitsmaßnahmen, wurden primär mit Ablehnung und Beschwerden seitens mancher Kollegen quittiert.
Das Betriebsklima ist von häufigen Konflikten geprägt. Oft gab es Streits, egal ob zwischen zwei Kollegen, oder zwischen Kollegen und mir.
Zum Ende der Ausbildung habe ich innerhalb weniger Monate drei Mal das Büro wechseln müssen, wo von ich an manchen Tagen nicht einmal einen festen Arbeitsplatz oder ein festes Büro hatte.
Auffällig ist das permanente Jammern über angebliche Überlastung im Kollegium, was bei objektivem Hinsehen (und auch in der Wahrnehmung externer Partner) in keinem Verhältnis zum tatsächlichen Arbeitsaufkommen steht. Dieses interne Klima spiegelt sich leider auch in der Außenwirkung/Image des Kulturbetriebs wider.
Karrierechancen
Die Übernahmechancen nach der Ausbildung gehen gegen null. Obwohl im Alltag von Kollegen und Vorgesetzten oft betont wurde, wie schwer mein Weggang zu kompensieren sei, wurde mir auf konkrete Nachfrage kein Stellenangebot unterbreitet.
Selbst ein konkreter Vorschlag der Gegenseite – eine Vertretungsstelle für eine langfristig erkrankte Kollegin als Übergangslösung – verlief nach meiner ausdrücklichen Zusage komplett im Sande. Es gibt hier leider keine verlässlichen Perspektiven oder verlässlichen Absprachen für Berufseinsteiger nach der Ausbildung.
Arbeitszeiten
es Zeiterfassungssystems und einer großzügigen Gleitzeitspanne von 06:30 bis 19:00 Uhr hat man eine super Kontrolle über seine Stunden. Aufgelaufene Überstunden konnten jederzeit und in jeglicher Form flexibel abgebaut werden.
Man muss natürlich die generelle Bereitschaft mitbringen, im Rahmen von Veranstaltungen auch mal länger zu machen und Überstunden anzuhäufen – das bringt der Beruf einfach mit sich. Seitens mancher Kollegen wurde mir zwar oft geraten, auf die Stunden zu achten und nicht zu viele zu machen, mir persönlich war die wertvolle Praxiserfahrung auf den Events jedoch wichtiger als das strikte Einhalten der Regelarbeitszeit. Für Azubis ist das Modell hier insgesamt absolut fair und entgegenkommend.
Ausbildungsvergütung
Die Vergütung während der Ausbildung war sehr gut. Ich habe in allen drei Lehrjahren eine absolut angemessene und ausreichend hohe Vergütung erhalten, die vollkommen zufriedenstellend war. In diesem Punkt schneidet der Betrieb wirklich positiv ab.
Die Ausbilder
Im direkten Umgang und in (Konflikt-)Gesprächen zeigt sich der Ausbilder stets von einer sehr professionellen Seite: Er agiert immer sachlich, unvoreingenommen und bleibt absolut fair. Das schafft eine angenehme Gesprächsbasis.
Leider hält die inhaltliche Betreuung nicht das, was vor Beginn der Ausbildung versprochen wurde. Große Ankündigungen bezüglich neuer Ausbildungsinhalte oder eines geplanten Austauschs mit anderen Unternehmen im Veranstaltungsbereich wurden über die gesamten drei Jahre hinweg nicht umgesetzt. Menschlich also ein gutes Fundament, strukturell und inhaltlich ist bei der Einhaltung von Zusagen aber noch deutlicher Nachholbedarf.
Spaßfaktor
Die Arbeit auf den Veranstaltungen selbst und die Kooperation mit externen Personen im Rahmen der Projekte des Kulturbetriebs haben mir immer sehr großen Spaß gemacht – das ist definitiv das Highlight der Ausbildung.
Die tägliche Büro- und Verwaltungsarbeit war im Großen und Ganzen in Ordnung, allerdings krankte die Aufgabenverteilung oft an extremer Unausgeglichenheit: Entweder man hatte Phasen mit massivem Leerlauf oder man wurde mit Arbeit überhäuft; ein gesundes Mittelmaß gab es selten. Die Bürokratie und die langwierigen, teils unnötig wirkenden Prozesse sind eben typisch für eine städtische Einrichtung, das muss man wissen. Getrübt wird der Spaßfaktor im Alltag leider durch die oft gedrückte oder schlechte Stimmung innerhalb des Kollegiums, was sich negativ auf die allgemeine Arbeitsatmosphäre auswirkt.
Aufgaben/Tätigkeiten
Die Aufgabenqualität ist grundsätzlich gut: Wenn man Tätigkeiten zugeteilt bekommt, sind diese meist absolut sinnvoll und relevant für die Ausbildung. Positiv hervorzuheben ist, dass ich mich stark im Bereich Marketing einbringen durfte. Allerdings gestaltete sich hier die Zusammenarbeit mit dem bestehenden Marketingteam als äußerst schwierig und war kaum bis gar nicht produktiv möglich. Ein weiteres Problem ist der häufige Leerlauf – es gab phasenweise schlichtweg keine Aufgaben.
Auf den Veranstaltungen selbst sind die Aufgaben klar definiert, gut strukturiert und fordern echtes Mitdenken. Mein Tipp für zukünftige Azubis: Man darf sich nicht von der weit verbreiteten „Nicht mein Zuständigkeitsbereich“-Mentalität vieler Kollegen anstecken lassen. Wer hier etwas lernen will, sollte eigeninitiativ über den Tellerrand hinausschauen und auch bei fachfremden Dingen (wie Technik, Catering etc.) tatkräftig unterstützen.
Variation
Durch die Kombination aus Büroarbeit und den Einsätzen direkt vor Ort auf den Veranstaltungen ist die Ausbildung sehr abwechslungsreich gestaltet. Die administrativen Abläufe in der Event-Vorbereitung wiederholen sich zwar häufig, was in der Natur der Sache liegt und nicht weiter schlimm ist. Für zusätzliche Abwechslung sorgten die gelegentlichen Einsätze bei und mit externen Partnern, was den Einblick in die Praxis ganz gut abgerundet hat.
Respekt
Der Großteil des Kollegiums verhält sich absolut respektvoll. Leider gibt es im Team des Veranstaltungsmanagements jedoch spürbare Ausnahmen. Manche dienstälteren Kollegen blockieren Neuerungen oder Zusammenarbeit mit Verweis auf ihre jahrzehntelange Erfahrung („Ich bin seit 40 Jahren in der Kultur“), was einen zeitgemäßen Austausch erschwert. Besonders kritisch: Wenn mein Ausbilder und ich in Konfliktgesprächen nach effektiven und konstruktiven Lösungen gesucht haben, wurde dies von betroffenen Kollegen völlig abgelehnt und teils mit sehr kindischem Verhalten blockiert.
Problematisch ist zudem die mangelnde Objektivität bei den Führungskräften: Durch private, freundschaftliche Verflechtungen zwischen Leitungsebene und Teilen der Belegschaft entsteht der Eindruck, dass Minderleistungen bestimmter Personen gedeckt werden. Kritik wird hier leider mit zweierlei Maß gemessen: Während mir von fast allen Seiten im operativen Geschäft eine präzise und überdurchschnittliche Arbeit bescheinigt wurde, spiegelte die Leitung eine unberechtigte Unzufriedenheit wider. Hier fehlt es deutlich an objektiver Wertschätzung und fairer Leistungsbeurteilung abseits von Sympathien.