Gut am Arbeitgeber finde ich
Die Kollegen sind absolut goated in der Abteilung. Der Zusammenhalt und der Humor im Team waren das Highlight. Technisch gesehen was den Arbeitsplatz angeht hat sich zum Ende hin viel getan und man hat genug Zeit für die Berufsschule bekommen.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Führungskultur, Kommunikation, Gleichberechtigung, Kleinkariertheit, Fehlplanung, Standort-Nachteil, Alleine im Büro, Ignanz, Übernahme-Bedingungen
Verbesserungsvorschläge
Echte Ausbildung statt „Abstellen“: Ein strukturierter Ausbildungsplan sollte nicht nur auf dem Papier existieren, sondern in der Praxis umgesetzt werden. Azubis gehören fachlich gefördert und sollten nicht lediglich für monotone Arbeiten „abgestellt“ werden.
Sinnhaftigkeit von Dienstzeiten: Der 18-Uhr-Präsenzdienst sollte hinterfragt werden, wenn in der Abteilung faktisch kein Bedarf besteht. Es ist frustrierend, wenn Mitarbeiter Kritik äußern und diese nicht ernst genommen wird.
Rückhalt durch die Abteilungsleitung: Die Abteilungsleitung sollte sich gegenüber der Führungsebene stärker für die Belange der eigenen Mitarbeiter starkmachen.
Regeln nicht blind umsetzen: Starre Vorgaben sollten regelmäßig auf ihre Sinnhaftigkeit geprüft werden, statt sie ohne Rücksicht auf die Arbeitssituation durchzudrücken.
Faire Gleichberechtigung beim Homeoffice: Es wirkt extrem ungerecht, wenn Homeoffice-Regelungen davon abhängen, wie viel emotionaler Druck (z. B. durch Weinen im Nebenraum) ausgeübt wird. Hier sollte Sachlichkeit und Gleichbehandlung für alle zählen, statt individuelle Ausnahmen aufgrund emotionaler Ausbrüche zu machen.
Nachhaltigkeit bei Projekten: Projekte wie der Bistro-Umbau sollten zu Ende gedacht werden. Dass man nach einem teuren Umbau alles nach wenigen Monaten wieder einstellt, ist bei der isolierten Lage ohne Essensalternativen absolut unverständlich.
Fachliche Empfehlungen ernst nehmen: Gutachten vom Betriebsarzt oder Vorschläge des Betriebsrats sollten als wertvolle Leitplanken fungieren und nicht ignoriert werden.
Arbeitsatmosphäre
Die Atmosphäre wird fast ausschließlich durch die Kollegen gerettet, die absolut goated sind. Ich habe selten so humorvolle und lustige Menschen erlebt; der Zusammenhalt auf dieser Ebene war das Highlight der Ausbildung. Allerdings herrscht strukturell eher eine deprimierende Stimmung. Es gibt zwar einen weiteren Azubi, der ebenfalls sehr nett war, allerdings wurde dieser noch mehr „abgestellt“ als ich, sodass wir fachlich oder organisatorisch nie etwas zusammen gemacht haben. Man arbeitet also eher nebeneinanderher statt miteinander.
Karrierechancen
Die Übernahme wurde nur befristet und mit einer erneuten Probezeit angeboten (XD?). Besonders enttäuschend war die Verweigerung von Homeoffice: Obwohl der Betriebsarzt schon zu Beginn der Ausbildung eine HO-Empfehlung ausgesprochen hatte, wurde dies blockiert. Die Begründung der Führung später bei der Übernahme waren lediglich drei Tage an Minusstunden auf dem Zeitkonto, die sich über die gesamten drei Jahre Ausbildung angesammelt hatten. Diese Stunden waren gesundheitsbedingt und wurden von mir immer offen kommuniziert. Bei einem täglichen Pendelweg von insgesamt zwei Stunden wäre Homeoffice die logische Entlastung gewesen, wurde aber trotz ärztlicher Befürwortung und meiner Transparenz wegen solcher Kleinigkeiten ignoriert. Das zeigt leider, wie wenig Wertschätzung man hier erfährt.
Arbeitszeiten
Die Arbeitszeiten sind an sich top, da es absolut keine Überstunden und keine Wochenendarbeit gibt. Man hat nach Feierabend wirklich seine Ruhe. Allerdings sollte man eher von einem „flexiblen Arbeitsanfang“ sprechen als von Gleitzeit, da die Kernzeit mit 6 Stunden extrem starr ist. Es gab einen Spätdienst bis 18 Uhr, den alle Mitarbeiter aus dem Homeoffice gemacht haben außer ich als Azubi der natürlich vor Ort sein musste.
Ausbildungsvergütung
Die Vergütung ist nichts Besonderes und liegt im Mittelfeld. Positiv ist, dass die Löhne immer absolut pünktlich ausgezahlt wurden. Allerdings gibt es keinerlei Extras: Fahrtkosten für den Schulweg oder Pendelkosten wurden nicht erstattet, was bei einem langen Arbeitsweg natürlich schade ist als Azubi.
Die Ausbilder
Man lernt hier vor allem eins: Eigeninitiative. Wer gerne Detektiv spielt und sich alles selbst beibringt, ist hier genau richtig – die Ausbilder lassen einem dafür nämlich alle Freiheiten (ob man will oder nicht). Für die Azubis wurde/wird keine Zeit eingeplant und man merkt das in der Abteilung noch nie fachgerecht ausgebildet wurde.
Spaßfaktor
Der Spaßfaktor in der Ausbildung ist leider gering, da der Alltag meist eintönig ist und niemand Zeit hat, einem etwas beizubringen. Es gibt zudem einen krassen Unterschied in der Dynamik: Während das Team untereinander absolut goated war und sehr lustig waren, ist das Verhältnis zur AL und GF eher bescheiden. Am Ende retten zwar die tollen Kollegen die Stimmung, aber ohne echten Lerneffekt bleibt die Motivation auf der Strecke.
Aufgaben/Tätigkeiten
Die Aufgaben bieten leider kaum fachlichen Tiefgang, da man abseits vom Support nur sehr selten kleinere Tickets bearbeiten darf. Ein wirklicher Lerneffekt durch größere Projekte blieb aus, da ich nie die Gelegenheit bekam, gemeinsam mit erfahrenen Mitarbeitern an komplexeren Themen zu arbeiten. Mein einziges eigenes Projekt wurde zudem durch massives Fehlmanagement im Projektmanagement und mangelhafte Kommunikation so sehr gegen die Wand gefahren, dass das Ergebnis am Ende völlig ungenutzt blieb. Positiv hervorzuheben ist, dass zumindest genug Zeit zum Lernen für die Berufsschule eingeräumt wurde. Auch die technische Ausstattung hat sich deutlich gebessert: Während das erste Jahr technisch gesehen noch ein absoluter Horror war, bin ich zum Ende hin gut ausgestattet worden. Dennoch bleibt die fachliche Herausforderung weit hinter den Erwartungen an eine gute Ausbildung zurück.
Variation
Zwar gab es einen Einarbeitungsplan, dieser wurde in der Praxis jedoch schlecht umgesetzt, sobald Not am Mann war. Während spannende Abteilungen nur für eine Stunde besucht wurden, musste ich in monotonen Bereichen wie der Probenvorbereitung halbe Tage lang als Hilfskraft aushelfen über Wochen.
Respekt
Menschlich muss man trennen: Der Zusammenhalt unter Kollegen war top, aber die Führungsebene war whack. Es wurde extrem viel hinter dem Rücken gelästert und ich habe über Umwege Dinge über mich selbst erfahren, die ich noch gar nicht wusste. Man wusste im Haus über alles Bescheid, ohne im selben Raum gewesen zu sein. Ehrliche Kommunikation gab es nicht, stattdessen nur Flurfunk deluxe.