Vom einstigen Vorzeige-Arbeitgeber zu einer Kultur, in der Schein und Sein auseinandergehen
Arbeitsatmosphäre
Die Führungskultur habe ich als wenig wertschätzend und stark von persönlichen Karriereinteressen sowie internen Machtspielen geprägt erlebt. Statt einer offenen und vertrauensvollen Zusammenarbeit entstand häufig der Eindruck, dass politische Überlegungen und persönliche Positionierung wichtiger waren als eine sachliche, gemeinsame Lösungsfindung.
Auch der Umgang mit kurzfristigen Homeoffice-Situationen empfand ich teilweise als wenig verständnisvoll. Es entstand der Eindruck, dass Flexibilität nicht selbstverständlich akzeptiert wurde und persönliche Anwesenheit teilweise stärker gewichtet wurde als die tatsächlichen Arbeitsergebnisse.
Darüber hinaus wirkte die nach außen vermittelte positive Arbeitsatmosphäre auf mich stellenweise aufgesetzt und spiegelte nicht immer meine tatsächlichen Erfahrungen im Arbeitsalltag wider.
Kommunikation
Am Standort habe ich eine ausgeprägte Zwei-Klassen-Kultur erlebt. Es entstand der Eindruck, dass es einen festen „Inner Circle“ gab, zu dem man Zugang haben musste, um frühzeitig und transparent über relevante Themen informiert zu werden. Selbst in Führungspositionen hatte man außerhalb dieses Kreises teilweise das Gefühl, wichtige Informationen erst verspätet oder als Letzter zu erhalten.
Auch Personalentscheidungen und die Besetzung von Teams wirkten auf mich nicht immer ausschließlich an objektiven Kriterien und dem tatsächlichen Bedarf orientiert. Vielmehr entstand der Eindruck, dass persönliche Sympathien und individuelle Interessen der jeweiligen Führungskräfte eine erhebliche Rolle spielten. Wer einen guten persönlichen Draht zur Standortleitung oder deren Stellvertretung hatte, schien dadurch Vorteile zu genießen.
Die Kommunikation war insgesamt stark auf KPIs, Standortentwicklung und Zielerreichung ausgerichtet. Was mir dabei fehlte, waren echte Gespräche auf Augenhöhe, Transparenz und ein konstruktiver Umgang mit kritischen Rückmeldungen. Wer Bedenken äußerte oder Schwierigkeiten ansprach, musste aus meiner Sicht damit rechnen, dass dies eher als Schwäche denn als veran
Kollegenzusammenhalt
Der Kollegenzusammenhalt war aus meiner Sicht stark von den einzelnen Teams abhängig und weniger vom Standort insgesamt geprägt. Einen echten Zusammenhalt über das gesamte Büro hinweg habe ich nicht erlebt.
Es gab Teams, die über Jahre zusammengearbeitet haben und entsprechend ein gutes Miteinander pflegten. Gleichzeitig gab es aber auch Bereiche, in denen der Umgang untereinander sehr angespannt war. Dort entstand teilweise ein Klima von Konkurrenz statt Zusammenarbeit, in dem man sich Erfolge nicht gegenseitig gönnte und wenig Vertrauen vorhanden war.
Besonders problematisch empfand ich, dass man teilweise sogar im Urlaub das Gefühl hatte, erreichbar bleiben oder weiterarbeiten zu müssen, weil man befürchtete, dass die eigene Abwesenheit intern zum Nachteil genutzt werden könnte. Ein solches Umfeld erschwert aus meiner Sicht langfristig eine offene und unterstützende Zusammenarbeit.
Work-Life-Balance
Eine ausgewogene Work-Life-Balance war aus meiner Erfahrung kaum gegeben. Ich war in der Regel fünf Tage pro Woche im Büro und habe teilweise sehr lange und intensive Arbeitstage geleistet. Nicht selten war ich einer der Letzten, die das Büro verlassen haben. Grundsätzlich war ich gerne vor Ort und habe den persönlichen Austausch geschätzt. Problematisch war für mich nicht die Präsenz an sich, sondern die hohe Arbeitsbelastung und der selbstverständliche Anspruch an den zusätzlichen Einsatz.
Auch während meines Urlaubs wurde ich wiederholt beruflich kontaktiert und musste teilweise weiterarbeiten. Dieser zusätzliche Einsatz wurde aus meiner Sicht weder angemessen wertgeschätzt noch als außergewöhnlich wahrgenommen, sondern vielmehr als selbstverständlich vorausgesetzt.
Flexibilität beim Arbeitsort war ebenfalls nur eingeschränkt möglich. Homeoffice nutzte ich ohnehin nur selten, in der Regel ein- bis zweimal im Monat, wenn es zu Hause wichtige Gründe dafür gab. Dennoch hatte ich bei meiner Führungskraft teilweise den Eindruck, dass Homeoffice persönlich negativ aufgenommen wurde.
Insgesamt fehlte mir ein gesundes Verständnis für Grenzen zwischen Beruf und Privatleben. Hoher Eins
Vorgesetztenverhalten
Das Konfliktverhalten meiner direkten Führungskraft habe ich als wenig professionell und nicht konstruktiv erlebt. Sachliche Gespräche über unterschiedliche Meinungen oder kritische Themen waren aus meiner Sicht schwierig, da auf Widerspruch teilweise persönlich beleidigt oder eingeschnappt reagiert wurde, anstatt sich rational mit den angesprochenen Punkten auseinanderzusetzen.
Anstatt Konflikte zunächst direkt und auf Augenhöhe zu klären, wurden Themen teilweise unmittelbar an die Standortleitung weitergegeben. Auch bei persönlichen Anliegen wurde zunächst Verständnis signalisiert, ohne dass ich anschließend das Gefühl hatte, dass diese wirklich ernst genommen oder durch konkrete Unterstützung aufgegriffen wurden.
Darüber hinaus hatte ich häufig den Eindruck, dass die eigene Positionierung und Karriereentwicklung für meinen Vorgesetzten eine zentrale Rolle spielten. Er stellte sich gerne in den Vordergrund und präsentierte Ergebnisse, Lösungsansätze und Ideen teilweise so, als wären diese ausschließlich von ihm ausgegangen. Die Beiträge und Leistungen anderer gerieten dabei aus meiner Sicht zu häufig in den Hintergrund.
Insgesamt fehlten mir ein souveräner Umgang mit Kritik, d
Interessante Aufgaben
Der Job im Vertrieb ist grundsätzlich spannend, dynamisch und kann gerade für ambitionierte Menschen sehr attraktiv sein. Wer sich bewusst für diese Tätigkeit entscheidet, sollte allerdings wissen, worauf er sich einlässt: Im Kern geht es um Vertrieb, Leistungsorientierung und das Erreichen klar definierter Ziele. Wer sich darin auszeichnet und später eine Führungsposition übernimmt, erhält zusätzliche Verantwortung und muss sich mit komplexeren Themen auseinandersetzen.
Allerdings hatte ich auch auf Führungsebene zunehmend den Eindruck, dass die tatsächlichen Gestaltungsmöglichkeiten stark begrenzt sind. Man ist Teil eines großen Systems, in dem strategische Entscheidungen und grundlegende Veränderungen kaum durch die eigenen Ideen beeinflusst werden können. Eigeninitiative und vertriebliche Leistung sind zwar gefragt, echte Mitgestaltung scheint jedoch nur bedingt erwünscht zu sein.
Dadurch entsteht aus meiner Sicht ein Widerspruch: Einerseits werden ambitionierte Mitarbeitende gefördert und in Führungspositionen entwickelt, andererseits bleiben sie häufig darauf beschränkt, vorgegebene Strukturen und Prozesse umzusetzen. Wer langfristig nicht nur Ziele erreichen, sondern auch
Gleichberechtigung
Gleichberechtigung und Diversität werden nach außen hin als wichtige Werte vermittelt. Am von mir erlebten Standort hatte ich in der Vergangenheit jedoch den Eindruck, dass diese Werte nicht konsequent im Arbeitsalltag gelebt wurden.
Wenn entsprechende Bedenken geäußert wurden, wurde darauf zwar diplomatisch und politisch korrekt reagiert, allerdings fehlte mir teilweise eine glaubwürdige Auseinandersetzung mit den dahinterliegenden Problemen. Die gezeigte Überraschung über entsprechende Rückmeldungen stand für mich nicht immer im Einklang mit meinen persönlichen Erfahrungen.
Im Vergleich dazu habe ich andere Standorte des Unternehmens als deutlich diverser wahrgenommen. Durch personelle Veränderungen könnte sich die Situation am betreffenden Standort inzwischen positiv entwickelt haben; das kann ich allerdings nicht abschließend beurteilen.
Insgesamt sehe ich eine Diskrepanz zwischen dem nach außen vermittelten Anspruch und der von mir erlebten Realität. Entscheidend ist aus meiner Sicht nicht, Gleichberechtigung und Diversität kommunikativ zu betonen, sondern diese Werte durch konkrete Maßnahmen und eine offene, glaubwürdige Unternehmenskultur tatsächlich zu leben.
Umgang mit älteren Kollegen
Der Umgang mit langjährigen Kollegen lässt sich aus meiner Erfahrung nur schwer beurteilen, da die Fluktuation am Standort sehr hoch war. Das Prinzip wirkte häufig wie „Hire and Fire“: Mitarbeitende kamen und gingen, während ein nachhaltiger Aufbau langfristiger Arbeitsbeziehungen nur bedingt erkennbar war.
Mein Eindruck war, dass insbesondere erfahrene und langfristig erfolgreiche Mitarbeitende früher oder später ihre Perspektiven außerhalb des Unternehmens suchten, weil sie dort bessere Rahmenbedingungen oder Entwicklungsmöglichkeiten sahen. Dadurch ging aus meiner Sicht viel Erfahrung und Wissen verloren, das für eine nachhaltige Teamentwicklung wertvoll gewesen wäre.
Eine hohe Fluktuation ist nicht automatisch ein Zeichen für schlechte Arbeitsbedingungen. In Verbindung mit meinen übrigen Erfahrungen stellte sich für mich jedoch die Frage, warum es dem Standort offenbar schwerfiel, erfahrene und erfolgreiche Mitarbeitende langfristig zu halten.
Arbeitsbedingungen
Die Arbeitsbedingungen im Büro waren insgesamt gut. Der Standort war verkehrstechnisch gut angebunden, modern eingerichtet und die technische Ausstattung entsprach den Anforderungen. An der Büroinfrastruktur und den grundlegenden Arbeitsmitteln gab es aus meiner Sicht wenig auszusetzen.
Die räumlichen und technischen Rahmenbedingungen waren somit grundsätzlich gegeben. Die größeren Herausforderungen lagen für mich weniger in der Ausstattung als vielmehr in der Führungskultur, der Arbeitsbelastung und dem Umgang miteinander.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Mein Eindruck war, dass Umwelt- und Sozialbewusstsein vor allem in der Außendarstellung und im Employer Branding eine Rolle spielten. Das Unternehmen positionierte sich als nachhaltig und verantwortungsbewusst, allerdings konnte ich während meiner Tätigkeit nur wenige konkrete Maßnahmen erkennen, durch die diese Werte im Arbeitsalltag tatsächlich gelebt wurden.
Mir fehlten nachvollziehbare Anknüpfungspunkte zwischen der kommunizierten Haltung und der praktischen Umsetzung am Standort. Vieles wirkte auf mich eher wie eine zeitgemäße Positionierung, die den Erwartungen auf dem Arbeitsmarkt entspricht, als wie ein Thema, das aktiv und konsequent in den Arbeitsalltag integriert wurde.
Insgesamt hätte ich mir mehr konkrete Initiativen, transparente Ziele und eine nachvollziehbare Umsetzung gewünscht, die über die übliche Außendarstellung hinausgehen.
Gehalt/Benefits
Für Menschen, die in die Personalberatung einsteigen möchten, war das Unternehmen aus meiner Sicht früher eine gute Adresse. Die Unternehmenskultur wurde von mir damals als deutlich positiver wahrgenommen, die Entwicklungsmöglichkeiten waren attraktiv und auch das Vergütungs- und Bonusmodell war für vertriebsorientierte Mitarbeitende durchaus interessant.
In den vergangenen Jahren hat sich dieser Eindruck jedoch deutlich verändert. Durch umfassende Veränderungen bei Strukturen und Vergütungsmodellen haben sich die Rahmenbedingungen aus meiner Sicht insbesondere für Mitarbeitende im Vertrieb verschlechtert. Das Bonusmodell ist weniger attraktiv geworden, während gleichzeitig Leistungsdruck und Erwartungen weiterhin hoch sind.
Auch die von mir erlebte Führungskultur und die interne Zusammenarbeit haben dazu beigetragen, dass die ursprünglichen Entwicklungsperspektiven für mich an Attraktivität verloren haben. Wer sich fachlich und persönlich weiterentwickeln möchte, sollte daher nicht nur die möglichen Karrierewege betrachten, sondern auch genau prüfen, unter welchen Bedingungen diese Entwicklung stattfindet.
Image
Früher war ich stolz darauf, für dieses Unternehmen zu arbeiten, und konnte lange nicht nachvollziehen, warum andere diese Begeisterung nicht unbedingt teilten. Mit etwas Abstand hat sich meine Perspektive jedoch deutlich verändert.
Heute habe ich den Eindruck, dass das Unternehmen stark von seinem eigenen positiven Selbstbild geprägt ist und dabei unterschätzt, wie kritisch es von verschiedenen Stakeholdern am Markt wahrgenommen werden kann. Intern wurde aus meiner Sicht teilweise eine „Wir gegen alle“-Mentalität gefördert, bei der die eigenen Strukturen und Leistungen als besonders überlegen dargestellt wurden, während alternative Arbeitgeber und deren Möglichkeiten kaum ernsthaft in Betracht gezogen wurden.
Die Botschaft, dass die eigenen Rahmenbedingungen und Entwicklungsmöglichkeiten besonders gut seien und es kaum vergleichbare Alternativen gebe, stand für mich zunehmend im Widerspruch zu meinen persönlichen Erfahrungen. Gerade mit etwas Abstand und einem Blick auf den Markt wird deutlich, dass es durchaus Unternehmen gibt, die attraktivere Bedingungen, eine konstruktivere Führungskultur und bessere Entwicklungsmöglichkeiten bieten.
Besonders schade finde ich diese Entwick
Karriere/Weiterbildung
Wer vertrieblich erfolgreich ist und Eigeninitiative zeigt, hat grundsätzlich gute Chancen, sich im Unternehmen weiterzuentwickeln. Mit zunehmender Hierarchieebene hatte ich jedoch den Eindruck, dass politische Faktoren und persönliche Beziehungen eine immer größere Rolle spielen.
Führungspositionen werden aus meiner Sicht in erster Linie an vertriebliche Erfolge geknüpft. Was anschließend häufig fehlt, ist eine konsequente Weiterentwicklung der Führungskompetenzen. Gute Vertriebler werden zu Führungskräften befördert, ohne dass ihre Entwicklung als Führungspersönlichkeit im gleichen Maße gefördert und systematisch begleitet wird.
Zwar gibt es vereinzelt Remote-Formate wie Leadership-Coachings in Gruppen, deren praktischer Nutzen war für mich jedoch begrenzt. Diese Termine finden teilweise zwischen dem regulären Tagesgeschäft statt, sodass die notwendige Ruhe und Konzentration für eine nachhaltige Auseinandersetzung mit den Inhalten fehlen. Zudem habe ich ein konsequentes Nachhalten der besprochenen Themen und eine systematische Übertragung in den Führungsalltag vermisst.
Insgesamt liegt der Schwerpunkt aus meiner Sicht deutlich stärker auf vertrieblicher Leistung als auf der la

