Nicht geeignet für Menschen, die Struktur und Verlässlichkeit schätzen
Verbesserungsvorschläge
Der Geschäftsführer lässt sich aktuell coachen, um sich als Unternehmer weiterzuentwickeln – das halte ich für einen wichtigen und richtigen Schritt. Er hat den Wunsch, das Unternehmen in einem guten Zustand an seine Tochter zu übergeben. Ich wünsche ihm, dass das Coaching dabei hilft, mehr Struktur im Unternehmen zu etablieren und insbesondere die Kommunikation mit den Mitarbeitenden zu verbessern. Eine offene, wertschätzende Gesprächskultur könnte dazu beitragen, dass Mitarbeitende sich langfristig wohlfühlen und bleiben. Das würde nicht nur die Arbeitsqualität steigern, sondern auch die Fluktuation deutlich reduzieren. Ebenso wäre ein transparenter und positiver Umgang mit Weiterbildungswünschen wünschenswert – denn ohne Entwicklungsmöglichkeiten sehen viele keine Perspektive und orientieren sich schnell neu.
Arbeitsatmosphäre
Die Führungskultur war aus meiner Sicht wenig nachvollziehbar. Entscheidungen wirkten oft impulsiv oder persönlich motiviert, was sich negativ auf das Vertrauen und die Stabilität im Team auswirkte.
Kommunikation
Die interne Kommunikation war oft geprägt von großen Visionen und dem Wunsch nach Verbesserung. Leider blieb die Umsetzung häufig vage, und konkrete Maßnahmen wurden selten klar kommuniziert. Probleme wurden meist auf frühere Mitarbeitende zurückgeführt, sodass eine echte Aufarbeitung nicht möglich war. Eigenes Fehlverhalten wurde von der Führungsebene nicht reflektiert.
Kollegenzusammenhalt
Der Kollegenzusammenhalt war stark davon geprägt, wie nah einzelne Mitarbeitende zum Chef standen. Es bildeten sich Lager: Einige wurden in Entscheidungen und Gedankengänge offen eingebunden, andere hingegen hatten deutlich weniger Einblick. Das führte im Team zu einer gewissen Spaltung und zu Misstrauen, da nicht mehr klar war, wem man sich gegenüber offen äußern konnte.
Work-Life-Balance
Überstunden waren ausdrücklich erwünscht – unabhängig davon, ob sie sinnvoll oder notwendig waren. Die Arbeitsweise war häufig wenig effizient, was das Zeitpensum zusätzlich erhöhte. Einige Mitarbeitende kamen sogar am Wochenende zur Arbeit. Die Überstunden wurden in einer Excel-Liste dokumentiert, konnten aber weder in Form ganzer Tage abgefeiert noch ausgezahlt werden. Wer früher ging, musste sich meist rechtfertigen – was die Work-Life-Balance deutlich beeinträchtigte.
Vorgesetztenverhalten
Der Führungsstil war stark tagesformabhängig. In stressigen Phasen kam es oft zu lautstarken Eskalationen statt konstruktiver Problemlösung. In entspannteren Momenten konnte es dagegen passieren, dass man mit privaten Themen wie Golf vom Arbeiten abgehalten wurde. Besprechungen wurden häufig spontan ohne Struktur oder Zeitrahmen einberufen, was die Arbeitsplanung zusätzlich erschwerte.
Interessante Aufgaben
Die Aufgaben sind abwechslungsreich und grundsätzlich interessant. Wer eigenständiges Arbeiten und Learning by Doing schätzt, kann hier viel lernen. Allerdings fehlten klare Strukturen oder Einarbeitungsprozesse – man musste sich vieles selbst beibringen. Fehler waren trotz dieser Bedingungen nicht erwünscht und wurden wenig tolerant behandelt.
Gleichberechtigung
Aus meiner Erfahrung herrschte ein eher traditionelles Rollenverständnis gegenüber weiblichen Mitarbeitenden. Der Umgang war zum Teil von Erwartungen an ein bestimmtes äußeres Erscheinungsbild und ein freundliches, zugewandtes Verhalten geprägt. Kommentare dazu empfand ich als unangemessen. Gleichberechtigung auf Augenhöhe war für mich in diesem Arbeitsumfeld nicht durchgehend spürbar.
Umgang mit älteren Kollegen
Ich habe erlebt, dass auch ältere und langjährig beschäftigte Kolleg:innen sehr abrupt und ohne die Möglichkeit zur Verbesserung entlassen wurden. Das empfand ich als respektlos und als ein Zeichen dafür, dass soziale Verantwortung in der Führungsetage wenig Beachtung fand.
Arbeitsbedingungen
Ich habe mich in den Räumlichkeiten grundsätzlich wohlgefühlt, das Büro ist modern und gepflegt. Dennoch fehlten ergonomische Standards wie höhenverstellbare Tische. Auch der fehlende IT-Support war im Alltag spürbar – bei Problemen musste man sich an den Buchhalter wenden, was nicht immer praktikabel war.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Umwelt- oder soziale Verantwortung spielten im Arbeitsalltag aus meiner Sicht keine erkennbare Rolle. Es gab keine kommunizierten Initiativen oder Maßnahmen zu Nachhaltigkeit, Ressourcenschonung oder sozialem Engagement.
Gehalt/Benefits
Mein Gehalt war angemessen, und ich habe mich über zusätzliche Leistungen wie die Inflationsprämie gefreut – auch wenn diese spontan als „Weihnachtsgeld“ bezeichnet wurde. Was fehlte, war eine verlässliche Kommunikation: Ob und wann Sonderzahlungen geleistet werden, blieb oft unklar. Etwas mehr Planbarkeit und Offenheit zur wirtschaftlichen Situation hätten hier gutgetan.
Image
Das Image des Unternehmens in der Branche und im regionalen Umfeld ist meines Wissens nach eher negativ. Der Geschäftsführer wird häufig als arrogant wahrgenommen. Auch die Firma selbst steht bei Geschäftspartnern in der Kritik – insbesondere was die Qualität und die Einhaltung von Lieferterminen betrifft.
Karriere/Weiterbildung
Zwar wurden gelegentlich Schulungen angesprochen, wirklich umgesetzt wurde jedoch nichts. Wenn man eine Weiterbildung wollte, sollte man sie entweder selbst zahlen oder sich vertraglich für zwei Jahre ans Unternehmen binden. Das hat aus meiner Sicht nicht zur Motivation beigetragen, sich fachlich weiterzuentwickeln.
