Gut am Arbeitgeber finde ich
Die Tätigkeit beinhaltete teilweise verantwortungsvolle Aufgaben, die mit einem gewissen Vertrauen übertragen wurden. Einige dieser Aufgaben waren anspruchsvoll, was zu einem positiven Arbeitsgefühl beitragen konnte. Allerdings waren viele Tätigkeiten überwiegend monoton. Gelegentlich entstand der Eindruck, dass ich Aufgaben übernehmen musste, die wenig Mehrwert hatten, während andere Mitarbeitende davon entlastet wurden.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Der Umgangston gegenüber Auszubildenden wirkte teilweise unangemessen, was ich insbesondere durch Rückmeldungen von Auszubildenden auf Baustellen wahrgenommen habe. Die Arbeitszeiten, insbesondere freitags, ließen nur wenig Flexibilität zu, was sich nachträglich etwas verbessert hat. Eine spezielle Aufgabe im Bereich Angebotskalkulation war aufgrund fehlender fachspezifischer Vorkenntnisse (Elektrotechnik) sehr herausfordernd. Die Einarbeitung durch den Ausbilder war nicht ausreichend auf die Bedürfnisse eines Einsteigers abgestimmt. Obwohl viele Inhalte erklärt wurden, fehlte oft die Verständlichkeit für jemanden ohne Vorkenntnisse. Nachfragen waren aufgrund der Komplexität der Materie und der Überforderung nur begrenzt möglich. Eine innerbetriebliche Weiterbildung zur Unterstützung wurde nicht angeboten. Insgesamt empfand ich diese Zeit als wenig effektiv genutzt.
Verbesserungsvorschläge
Ergänzung zur Bewertung (nach Reaktion des Arbeitgebers):
Zunächst möchte ich sagen, dass ich mich über die Rückmeldung gefreut habe und hoffe, dass es allen Mitarbeitenden gesundheitlich gut geht.
Vorab: Diese Bewertung habe ich nicht geschrieben, um das Unternehmen in ein schlechtes Licht zu rücken. Vielmehr beschäftige ich mich seit längerer Zeit – unter anderem durch mein Studium – intensiv mit beruflicher Reflexion und persönlicher Weiterentwicklung. In diesem Zuge kam ich zu dem Schluss, dass eine sachliche und reflektierte Bewertung – so kurz sie in meinem Fall auch ausgefallen ist – für beide Seiten wertvoll sein kann.
Direkt nach meiner Ausbildung hätte ich diese Bewertung nicht schreiben können, da ich ehrlich gesagt einfach froh war , die Zeit hinter mir zu lassen. Dass nun etwa vier Jahre vergangen sind, empfinde ich nicht als Nachteil – im Gegenteil: Der zeitliche Abstand erlaubt es mir , eine objektive, nicht emotionale, sondern fachlich begründete Einschätzung abzugeben. Eure Antwort fällt im Vergleich dazu leider deutlich persönlicher aus und geht kaum auf meine inhaltlichen Kritikpunkte ein – sehr schade!
Zur Aussage, ich hätte mich den Aufgaben „sehr gut gestellt“:
Ich finde es bemerkenswert, dass man mir im Nachhinein bescheinigt, ich hätte meine Aufgaben gut gemeistert – denn während meiner gesamten Ausbildungszeit habe ich nie entsprechendes Lob oder Anerkennung erhalten. Im Gegenteil: Besonders mein Ausbilder hat wiederholt und deutlich Kritik geäußert (häufig begründet / häufig nicht). Eine wertschätzende Rückmeldung war kaum vorhanden.
Zur innerbetrieblichen Ausbildung:
Die erwähnten monatlichen Ausbildungsrunden fanden zwar statt, waren jedoch klar auf die technischen Auszubildenden (Elektriker) zugeschnitten. Ich habe daran teilgenommen, aber inhaltlich hatten diese Treffen für mich kaum Relevanz oder verständlichen Bezug zu meinen konkreten Aufgaben. Zu glauben, dass mir diese Lerneinheiten denselben Mehrwert gebracht hätten wie den technisch Azubis, erscheint mir stark übertrieben & realitätsfern. Anders als sie hatte ich keinerlei technisches Grundverständnis – weder aus der Berufsschule noch durch langjährige Erfahrung auf Baustellen oder praktische Schulungen.
Zum Thema technisches Verständnis:
Die Aussage, ich hätte im Laufe der Zeit „ein wenig technisches Verständnis entwickeln“ sollen, verkennt die tatsächliche Komplexität meiner Aufgaben. Es ging nicht um einfache Abläufe, sondern um das Verständnis fachlich anspruchsvoller technischer Texte, die z. B. in der Angebotskalkulation relevant waren – und das ohne fundierte Einführung, aktive fachliche Begleitung oder passende Weiterbildung.
Aus eurer Antwort geht außerdem hervor , dass auch kaufmännische Mitarbeitende – wie meine damalige Ausbilderin – technisches Verständnis entwickelt haben sollte, da sie in einem Handwerksbetrieb tätig ist. Natürlich muss man dabei berücksichtigen, dass Sie ihre Ausbildung vermutlich nicht im Bereich Einkauf absolviert hat, wie ich – ihre Aufgaben waren sicherlich andere. Dennoch wirkt diese Erwartung aus heutiger Sicht widersprüchlich: Wenn von mir als Auszubildendem verlangt wurde, tiefgreifende technische Inhalte zu verstehen, ohne fachliche Grundlage, dann sollte diese Anforderung doch auch für andere Mitarbeitende gelten.
Diesen Eindruck hatte ich persönlich aber nie. Ob ich das objektiv bewerten kann, sei dahingestellt – doch aus meiner subjektiven Perspektive wirkte diese Anforderung an mich wie eine doppelte Messlatte, die nicht konsequent innerhalb des Unternehmens gelebt wurde.
Abschließend:
Die Antwort des Unternehmens wirkte auf mich leider eher persönlich und ausweichend als sachlich und konstruktiv. Auf meine inhaltliche Kritik – etwa zur Aufgabenverteilung, Einarbeitung oder dem Umgangston – wurde nicht eingegangen. Stattdessen wurde überwiegend meine Person kommentiert. Eine offenere und reflektiertere Auseinandersetzung hätte ich mir sehr gewünscht.
Trotzdem hoffe ich, dass mein Feedback als ehrlicher Impuls verstanden wird – nicht als Angriff , sondern als Rückmeldung aus der Perspektive eines ehemaligen Auszubildenden.
Ich wünsche dem Unternehmen weiterhin wirtschaftlichen Erfolg und allen Mitarbeitenden alles Gute – vor allem Gesundheit, berufliche Erfüllung und ein faires Miteinander.