Vorsicht vor falscher Erwartungshaltung
Gut am Arbeitgeber finde ich
Wenn Dinge nicht total schief laufen, hat man eine gute Chance, nach vier Jahren einen festen Vertrag zu erhalten. Auch wenn ich oft genug erlebt habe, dass eigentlich guten Leuten der Vertrag auslief und nicht auf einen unbefristeten Vertrag umgestellt wurde.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Siehe "Verbesserungsvorschläge".
Verbesserungsvorschläge
Wenn das BMEIA anstrebt, nicht 30-40% der Belegschaft, die sie vorher in monatelangen Auswahlverfahren ausgewählt und angestellt hat zu verlieren, muss es auch nach der Aufnahme etwas mehr für die Mitarbeiter tun. In unserem Jahrgang haben viele aufgehört, weil sich das Haus aus ihrer Sicht total daneben benommen hat. Auch wird das Wort "Generalist" total ausgenutzt. Damit ist gemeint, das jede Person sämtliche Tätigkeiten im Haus ausführen können sollte. Das ist bei den vielen Berufsprofilen und Themengebieten im BMEIA aber völlig unrealistisch. Welcher ernstzunehmende Policy-Analyst mit Schwerpunkt in einer bestimmten Region möchte vier, acht oder zwölf Jahr lang rein administrative Arbeit an einem völlig willkürlich ausgewählten Arbeitsplatz verbringen?
Auch zu erwähnen ist, dass die Auswahl der Vertretungsbehörde, auf die man ja alle vier Jahre wechseln sollte, oft als Druckmittel durch die Personalabteilung verwendet wird. Posten werden oft nach persönlicher Beziehung und Präferenzen vergeben.
Und noch etwas: Die "Tele-Working"-Vereinbarung sollte nicht nur den Dienstältesten vorbehalten bleiben. Es kann nicht sein, dass man auch nach Jahren im Haus selbst nur einen Tag Homeoffice verwehrt bekommt, weil man ja nach "neu" sei.
Arbeitsatmosphäre
Kommt stark auf den Arbeitsort (Zentrale VS Vertretungsbehörden) an.
In der Zentrale wiederum kommt es auf die Abteilung bzw. das Referat an. Atmosphäre habe ich meist aber eher als bedrückend und behäbig empfunden.
Kommunikation
Aufgrund der strammen Hierarchie im Haus leidet die Kommunikation enorm. Es gibt diverse Anstrengungen, das zu verbessern. U.a. wurden Consultingfirmen engagiert, Feedbackschleifen zu verbessern. Das Ergebnis aber war wirklich nicht gut.
Work-Life-Balance
Zentrale: Ziemlich gut. Es gibt nur wenige Abteilungen/Referate, wo man öfter lange arbeiten muss. Man kann ziemlich gut planen.
Vertretungsbehörde: Besonders im Konsularischen Betrieb ist man eigentlich 24/7 in alarmbereitschaft, was nicht gerade gesund für die Psyche ist. Die Vertretungsbehörden sind tlw. überfordert, weil das junge, ausgebildete Personal fehlt.
Vorgesetztenverhalten
Durch die sehr starren Hierarchien können Vorgesetzte oft machen, was sie wollen. Hat man Glück, wird man durch den Vorgesetzten gefördert, vor allem wenn sich dieser für einen einsetzt.
Hat man Pech und landet bei einer weniger bemühten Führungskraft, hat diese Person eigentlich jede Macht, Einfluss auf die Karriereentwicklung zu nehmen.
Interessante Aufgaben
Teilweise interessante Aufgaben leiden unter starren und äußerst ineffektiven Arbeitsmethoden und internen Prozessen. Ein Mitarbeiter kann noch so bemüht sein - er wird an der Effizienz am Haus scheitern.
Umgang mit älteren Kollegen
Alter geht im Haus über alles. Selbst Personen, die in der Privatwirtschaft keine Minute überleben würden, werden hier hofiert.
Im Gegenzug dazu macht man den Jungen enormen Druck, alles in wenigen Monaten zu lernen, wofür Andere Jahrzehnte hatten.
Arbeitsbedingungen
Die Arbeitsbedingungen an sich sind OK. In der Zentrale sollte man wissen, dass man als "Neuer" (Also alle, die unter 20 Jahre im Haus waren..) zu einem "Bereitschaftsdienst" gezwungen wird, der 1-2x im Monat abgeleistet wird. Dabei hat man die Ehre, das weltweite Notfalltelefon des BMEIA entweder 14 Stunden (Nachtdienst) oder teilweise 24 Stunden zu bedienen. Meistens ist man dabei komplett alleine.
Es gibt Schulungen, die aber nur sehr oberfläch auf die Dinge vorbereiten, die man dann tatsächlich dort reinbekommt. Und da gibt es doch recht heftige Fälle (Tode, Familiendramas etc.). Hier sollte man unbedingt sowas wie eine Supervision für Mitarbeiter anbieten.
Gehalt/Benefits
Das Gehalt ist vor allem in den ersten Jahren lachhaft. In vielen Fällen werden Vordienstjahre nicht anerkannt. Man landet im BMEIA nach dem völligen Zufallsprinzip in Abteilungen. Und je nachdem, in welcher Abteilung man landet und was man davor beruflich gemacht hat wird dann entschieden, ob man Dienstjahre anerkannt und somit ein höheres Gehalt bekommt. In meinem Fall war das nicht so, und das Gehalt war absolut lachhaft.
Image
Dieses Haus hat ein Ansehen, das es aus meiner Ansicht nicht wirklich verdient. Aber es ist ein schöner Nebeneffekt, die Anerkennung zu erhalten, wenn man einmal Teil des Hauses ist.
Karriere/Weiterbildung
Es gibt laufend Weiterbildungsmöglichkeiten auf der Akademie des Bundes.