Struktur, Transparenz und soziale Verantwortung müssen wachsen
Verbesserungsvorschläge
Im HR-Bereich sehe ich klaren Professionalisierungsbedarf. Aus meiner Sicht sollte die Personalfunktion strategischer aufgestellt und stärker mit erfahrenen Fachkräften besetzt werden. Gerade in leitenden HR-Positionen halte ich fundierte Praxiserfahrung, Führungskompetenz und Einblick in unterschiedliche Organisationsstrukturen für essenziell.
Eine stärkere Seniorität an der Spitze würde helfen, Prozesse stabiler, transparenter und nachhaltiger zu gestalten. HR sollte nicht nur administrativ arbeiten, sondern als kompetenter, erfahrener Sparringspartner für Mitarbeitende und Führungskräfte agieren. Dafür braucht es aus meiner Sicht mehr praktische Erfahrung und breitere unternehmerische Perspektive in Schlüsselpositionen.
Die Work-Life-Balance sollte nicht nur kommunikativ, sondern operativ konsistent umgesetzt werden. Empfehlenswert wäre eine realistische Ressourcen- und Kapazitätsplanung, um strukturelle Mehrbelastung zu vermeiden. Flexible Arbeitsmodelle könnten im Sinne einer glaubwürdigen Employee Value Proposition klar definiert und verbindlich implementiert werden.
Zudem würde ein systematisches Employee Experience Management helfen, Belastungsspitzen frühzeitig zu identifizieren (z. B. durch regelmäßige Pulsbefragungen) und gezielt gegenzusteuern. Eine konsistente Umsetzung stärkt nicht nur die Zufriedenheit, sondern auch Retention und Arbeitgeberattraktivität.
Die Arbeitgebermarke sollte klarer differenziert und strategisch positioniert werden. Aktuell fehlt eine starke, emotional aufgeladene Employer Branding-Strategie mit klarer Value Proposition und erkennbarem Markenkern.
Empfehlenswert wäre eine konsistente Kommunikationsstrategie über relevante Touchpoints hinweg (Karriereseite, Social Media, PR, Events), um die Brand Awareness und den Top-of-Mind-Recall zu erhöhen.
Darüber hinaus könnte durch sichtbares Corporate Social Responsibility Engagement die Markenwahrnehmung positiv beeinflusst und das Image als moderner, verantwortungsvoller Arbeitgeber gestärkt werden.
Arbeitsatmosphäre
Die Arbeitsatmosphäre habe ich über weite Strecken als wenig positiv erlebt. Es fehlte aus meiner Sicht an einem offenen, wertschätzenden Miteinander. Statt Zusammenarbeit auf Augenhöhe entstand häufig der Eindruck von Distanz zwischen einzelnen Ebenen und Bereichen.
Image
Das Image des Unternehmens nach außen wirkt aus meiner Sicht eher unscheinbar. Trotz langjähriger Marktpräsenz ist die Bekanntheit außerhalb der eigenen Branche vergleichsweise gering. In meinem persönlichen Umfeld kannten viele den Namen nicht oder konnten das Unternehmen nicht eindeutig einordnen.
Auch in der öffentlichen Wahrnehmung oder in sozialen Initiativen ist die Marke wenig präsent. Dadurch entsteht nicht der Eindruck eines stark sichtbaren oder besonders profilierten Arbeitgebers, sondern eher eines Unternehmens, das im Hintergrund agiert und wenig Außenwirkung entfaltet.
Work-Life-Balance
Die Work-Life-Balance habe ich insgesamt als unzureichend erlebt. Phasen mit hoher Arbeitsbelastung waren keine Ausnahme, sondern wiederkehrend. Deadlines wurden teilweise sehr ambitioniert gesetzt, wodurch Überstunden faktisch erwartet wurden – auch wenn sie nicht immer explizit angeordnet waren. Eine nachhaltige Planung war dadurch kaum möglich.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Im Bereich Umweltbewusstsein sehe ich das Unternehmen sehr stark aufgestellt. Digitale Prozesse und ressourcenschonendes Arbeiten sind klar erkennbar.
Im sozialen Bereich habe ich jedoch eine deutlich andere Erfahrung gemacht. Bei längeren Krankenständen hatte ich nicht den Eindruck, dass die langfristige Unterstützung der betroffenen Mitarbeitenden Priorität hat. Stattdessen entstand bei mir das Gefühl, dass frühzeitig über personelle Alternativen nachgedacht wird.
Auch bei familiären Belastungen wirkte die Flexibilität begrenzt. Darüber hinaus ist gesellschaftliches Engagement nach außen kaum sichtbar.
Kollegenzusammenhalt
Es gibt engagierte Kolleg:innen und fachlich durchaus interessante Projekte. Auf Teamebene funktioniert die Zusammenarbeit häufig gut, und einzelne Führungskräfte bemühen sich um ein konstruktives Arbeitsumfeld.
Organisatorisch habe ich jedoch deutliche Schwächen wahrgenommen. Besonders im HR-Bereich wirkte vieles auf mich wenig strukturiert und nicht ausreichend abgestimmt. Prozesse waren teilweise unklar definiert, Rückmeldungen dauerten länger als erwartet und Informationen wurden nicht immer transparent oder vollständig kommuniziert. Bei personalrelevanten Themen hatte ich mehrfach den Eindruck, dass Zuständigkeiten nicht eindeutig geregelt waren. Das führte zu Unsicherheit und zusätzlichem Abstimmungsaufwand.
Vorgesetztenverhalten
Aus meiner persönlichen Erfahrung sind Entscheidungsprozesse sehr stark auf den Vorstand bzw. eine kleine Führungsspitze konzentriert. Viele Themen werden klar von oben vorgegeben, ohne dass Mitarbeitende tatsächlich in Entscheidungsprozesse eingebunden werden. Eigene Vorschläge oder kritische Anmerkungen hatten aus meiner Sicht nur begrenzten Einfluss auf tatsächliche Entscheidungen.
Darüber hinaus hatte ich den Eindruck, dass persönliche Nähe zur Unternehmensführung eine spürbare Rolle spielt. Wer ein gutes persönliches Verhältnis zu bestimmten Entscheidungsträgern pflegt, scheint Vorteile in Bezug auf Sichtbarkeit, Vertrauen und Entwicklungsmöglichkeiten zu haben. Für Außenstehende oder neue Mitarbeitende ist es hingegen schwieriger, sich unabhängig von bestehenden Beziehungen langfristig zu positionieren.
Kommunikation
Die interne Kommunikation erschien mir teilweise kurzfristig und wenig nachvollziehbar. Entscheidungen wurden nicht immer transparent erläutert, was die Orientierung erschwerte. Der Führungsstil hängt stark vom jeweiligen Vorgesetzten ab – ich hätte mir mehr regelmäßiges Feedback und eine klarere Entwicklungsperspektive gewünscht.

