»Der Fisch stinkt verlässlich vom Kopf her«
Gut am Arbeitgeber finde ich
Die publizierte Lebenswelt, obgleich sich diese zunehmend außerhalb der finanziellen Reichweite der Belegschaft befindet
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Methodische Unterbesezung zur (vermeintlichen) Effizienzsteigerung; absolutistischer Führungsstil, gleich eines Sonnenkönigs Ludwig XIV.
Verbesserungsvorschläge
Austausch der gesamten Führungsriege
Arbeitsatmosphäre
Geprägt von Stress, (Fake-)Deadlines & konstant hoher Arbeitslast
Image
Abgesehen von einigen unbedarften Konsumenten werden manche Bewertungen branchenintern gerne belächet; scheint das Inseratsvolumen doch nicht selten mit den Bewertungstendenzen zu korrelieren.
Work-Life-Balance
All-In-Verträge (überwiegend zum finanziellen Nachteil der Arbeitnehmer) sind selbst für Junior-Positionen Usus. Ich wurde sowohl im Urlaub als auch Krankenstand kontaktiert und gebeten, vorzeitig in das Büro zurückkehren.
Die maximal zulässige Arbeitszeit von 12 Stunden pro Tag wird insbesondere von Mitarbeitern der Event-Abteilung regelmäßig überschritten, Ruhezeiten teilweise nicht eingehalten. Dies scheint zwar im Zeiterfassungssystem auf, hat allerdings keine Konsequenzen.
Ein positiver Gleitzeitsaldo im Zeiterfassungssystem »timetac« wird mit jedem Monatswechsel auf Null gesetzt, einzig Minusstunden werden mitgenommen.
Urlaubstage »dürfen« nicht über den Jahreswechsel mitgenommen werden; es herrscht hoher Druck, diese bereits zum Jahresanfang restlos zu verplanen.
Karriere/Weiterbildung
Im Eingangsbereich des Unternehmens befindet sich das Kunstwerk »Erfolgsleiter« von Billi Thanner, passend sind die Sprossen der Leiter aus Licht: Denn Aufstiegschangen innerhalb des Unternehmens sind de facto nicht vorhanden. Es sei denn der respektive die Vorgesetzte schmeißt das Handtuch; aber selbst in diesem Fall kann man sicher sein, beträchtlich weniger als der Vorgänger bezahlt zu bekommen.
Teilweise werden Positionen auch einfach nicht nachbesetzt, die Leitung der Event-Abteilung blieb für annähernd 2 Jahre vakant, die Aufgaben wurden kurzerhand auf das bestehende Team aufgeteilt. Als sich eine Senior-Position intern für die Leitungsposition bewarb, hieß es »der Chef hätte schon jemand im Talon« (hatte er nicht). Stellenausschreibungen für die Position wurden zwar geschalten, allerdings beantwortete man die Bewerbungen großteils nicht. Ab und an wurden halbherzige Bewerbungsgespräche geführt (Highlight: Einen Bewerber ließ die Geschäftsführung ganze 40 Minuten warten).
Ganz vereinzelt gibt es betriebsinterne Weiterbildungen (z.B. Weinakademie), die Plätze sind allerdings stark limitiert (rund 10 bei 104 Beschäftigten) und die Ausschreibung ist nicht transparent.
Gehalt/Benefits
In einem Brief des Herausgeber an die Belegschaft wurde die neue Siebträgermaschine ironiefrei als »Sozialleistung« bezeichnet.
Während sich der Herausgeber bei Wohltätigkeitsveranstaltungen brüstet, gegen die »Armut in Österreich« vorzugehen bzw. auf Twitter/X die aufgehende Schere zwischen »Arm & Reich« im Land kritisiert, werden diese Umstände im Unternehmen begünstigt: Die Gehälter der regulären Dienstnehmer sind für die geleisteten Arbeitstunden bestenfalls durchschnittlich. Vollzeit-Praktikumsstellen (nicht selten mit Universitätsabschluss) werden deutlich unter dem Armutsniveau vergütet.
Bis 2023 wurden Praktikanten nicht zu den Weihnachtsfeiern eingeladen.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Mülltrennung ist nur rudimentär vorhanden; halbvolle Plastikflaschen werden ebenso wie Glas im Restmüll entsorgt. Auf Veranstaltungen werden kartonweise Magazine entsorgt; was einige Winzer bei der Beobachtung des Vorgangs bereits zu der Bemerkung verleitete, dass ihnen nun klar sei, wie »Falstaff« auf die angegebene Auflage käme.
Kollegenzusammenhalt
Innerhalb der Abteilung meist gut, zwischen den Abteilungen weniger: Aufgrund der methodischen Unterbesetzung zur (vermeintlichen) Effizienzsteigerung im Unternehmen werden Zusatzaufgaben und Verantwortungsbereiche von der Geschäftsführung gerne wie Geisterarmeen hin- und hergeschoben; in Folge mauert jede Abteilung aus Selbstschutz.
Umgang mit älteren Kollegen
Mit Ausnahme der Buchhaltung gibt es kaum ältere Beschäftigte im engeren Sinne im Unternehmen.
Vorgesetztenverhalten
Die Geschäftsführung scheint mit der Firma verheiratet und verbringt selbst Wochenenden und Urlaube im Büro arbeitend – grundsätzlich ihre freie Entscheidung, wenn sie nicht gleichsam diese Selbstaufgabe von ihren Untergebenen erwarten würde. Zitat: »Es gibt tatsächlich Mitarbeiter, die ihre E-Mails am Wochenende nicht lesen«. Wie einige Vorposter bereits anmerkten, hängt das Verhältnis auch davon ab, ob man (ihr) sympathisch ist.
Als Abteilungsleiter werden tendenziell »Ja-Sager« verpflichet, welche keinen Widerspruch leisten; fachliche Kompetenzen scheinen zweitrangig. Finden sich in seltenen Fällen tatsächlich kompetente Abteilungsleiter mit Führungsqualitäten, die sich für ihre Mitarbeiter einsetzen und Widerspruch gegenüber der Geschäftsführung leisten, werden diese binnen kürzester Zeit entfernt.
Arbeitsbedingungen
Das neue Büro dient in erster Linie der Repräsentation und ist nicht auf die Bedürfnissen einer zeitgemäßen Arbeitswelt ausgerichtet: Teilweise wird in Großraumbüros mit bis zu 30 Personen gearbeitet, zudem fehlt bei vielen Arbeitsplätzen die Abtrennung zum Gang mit dementsprechenden akustischen Folgen. Es gibt keine abgeschotteten Bereiche zum Telefonieren. Den einzig vorhandenen Besprechungsraum muss man trotz Buchung räumen, wenn der Herausgeber ihn plötzlich unangekündigt braucht.
Es gibt kein zentrales Lager für Büromaterial, stattdessen bedient man sich überwiegend Sponsorware (z.B. Taxi 40100 Blöcke, Kugelschreiber von Veranstaltungen); manche Mitarbeiter bringen aus diesem Grund ihr eigenes Büromaterial.
Einen Erste-Hilfe-Koffer gibt es erst seit der Arbeitsinspektor im Jänner 2023 seine Aufwartung machte; das Gleiche gilt für die Möglichkeit der Inanspruchnahme eines Betriebsarztes.
Benefits: Einmal in der Woche gibt es eine Obst-Bestellung; Mineralwasser (wenn auch das billigste am Markt erhältliche) wird bereitgestelt; die Menge reicht in der Regel bis Dienstag, bestenfalls Mittwoch; Kaffee ist kostenlos.
Kommunikation
Ungenügend; obwohl sich die Herausgeberschaft als »Kommunikationsprofi seit 40 Jahren« rühmt, kommt in dem Unternehmen wenig davon an: Teilweise kursieren in den Abteilungen unterschiedliche Informationen zu zukünftigen Bestrebungen & strategischen Ausrichtungen des Unternehmens.
Gleichberechtigung
Tendenziell werden alle unabhängig vom biologischen Geschlecht gleich (schlecht) behandelt.
Interessante Aufgaben
Zu Beginn durchaus, nach einem Jahr aber einfach nur »more of the same«.
