Arbeitgeber, der psychische Belastung und Respektlosigkeit zur Normalität macht
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Meine Zeit bei diesem Arbeitgeber war die schwierigste und belastendste Erfahrung, die ich bisher in meinem Berufsleben gemacht habe. Ich schreibe diese Bewertung, weil ich niemandem wünsche, Ähnliches durchmachen zu müssen.
Die Führung durch meinen direkten Vorgesetzten war für mich nicht professionell, sondern emotional unberechenbar und einschüchternd. In Stresssituationen wurde regelmäßig laut, aggressiv und vor anderen Kolleg:innen kommuniziert. Es gab mehrere Termine, bei denen der Vorgesetzte wutentbrannt mit der Hand auf den Tisch schlug und deutlich machte, dass nichts so laufe, wie er es sich vorstelle – nicht als sachliche Analyse, sondern als emotionale Explosion, die alle im Raum spüren mussten.
Es gab mehrfach Situationen, in denen ich angeschrien wurde, statt in Ruhe und respektvoll angesprochen zu werden. In einem Gespräch wurde mir explizit gesagt, der Vorgesetzte müsse „lauter werden“, damit ich verstehe, was er wolle. Das war für mich kein Führungsstil, sondern pure Demütigung.
Bereits nach sehr kurzer Zeit wurde mir in einem Gespräch gesagt, ich sei auf dem heutigen Arbeitsmarkt „leicht ersetzbar“. Solche Aussagen sind nicht motivierend, sondern schaffen gezielt Unsicherheit und Druck. Bereits nach kurzer Zeit wurde mir in einem Gespräch mit dem Vorgesetzten gesagt, ich sei für ihn ‚gestorben‘.“
Zusätzlich wurde im Büro wiederholt nach politischen Meinungen gefragt, etwa welche Partei man wählt. Ich halte solche Gespräche im Arbeitskontext für höchst problematisch, weil sie Spannungen im Team fördern und ein Klima schaffen, in dem sich Mitarbeitende unter Druck gesetzt fühlen, bestimmte Ansichten zu vertreten oder zu verbergen.
Ich wurde regelmäßig mit Aufgaben betraut, die nichts mit meinem eigentlichen Tätigkeitsbereich zu tun hatten. Statt mich in meiner Rolle zu unterstützen, wurde ich in Projekte gedrängt, für die ich weder ausreichend Informationen noch sinnvolle Unterstützung erhielt. Meine Arbeit wurde dann vor anderen Kolleg:innen kritisiert und ich wurde als ungeeignet dargestellt.
Ein weiteres großes Problem war die Inkonsistenz in den Erwartungen. Einerseits wurde von mir Selbstständigkeit verlangt, andererseits wollte der Vorgesetzte ständig jede Kleinigkeit absegnen. Wenn ich um Klarheit bat, reagierte man gereizt. Es entstand oft der Eindruck, dass nicht genau bekannt war, was eigentlich von mir erwartet wurde, ich aber trotzdem für Fehler verantwortlich gemacht wurde.
Die Arbeitsbelastung war in vielen Phasen extrem hoch. Es gab Tage, an denen ich mehr als zwölf Stunden gearbeitet habe, weil Aufgaben dringend erledigt werden mussten oder weil Termine sich überschritten. Gleichzeitig wurde mir an anderer Stelle vorgeworfen, ich hätte angeblich nichts zu tun, und es wurde regelmäßig der eigene Terminplan überprüfet. Dieser Widerspruch zwischen tatsächlicher Überlastung und dem Vorwurf der Untätigkeit war für mich sehr belastend und trug maßgeblich zu meinem Entscheid bei, das Unternehmen zu verlassen.
Zusätzlich wurde die Grenze zwischen Arbeit und Privatleben regelmäßig überschritten. Es gab Anrufe außerhalb der Arbeitszeit und sogar während Krankheitstagen. Das war für mich kein Zeichen von Engagement, sondern von fehlendem Respekt vor persönlichen Grenzen.
Die Organisation war chaotisch: Aufgaben landeten ohne Rücksprache bei anderen Personen und der Terminplan war besonders auf Leitungsebene oft unbrauchbar. Dazu kam ein Onboarding, das kaum als Einarbeitung bezeichnet werden konnte, weil wichtige Zugänge und Informationen erst sehr spät verfügbar waren. Statt eines klaren Plans herrschte Improvisation.
Der Chef wirkte in vielen Situationen selbst überfordert, wenig empathisch und stark auf Kontrolle fixiert. Kommunikation war oft unklar, Entscheidungen wurden kurzfristig geändert, und es gab kaum ein echtes Interesse daran, Rückmeldungen der Mitarbeitenden ernst zu nehmen.
Insgesamt habe ich in diesem Unternehmen kaum Wertschätzung erlebt. Stattdessen dominierten Kontrolle, Druck und ein Gefühl ständiger Unsicherheit. Es gab keine soziale Infrastruktur im Unternehmen: keine Teambuildings, keine Feiern, keine gemeinsamen Events – obwohl solche Dinge in den Stellenanzeigen aktiv beworben wurden. Das Arbeitsklima war für mich von Anfang an stark belastend, und die Situation verbesserte sich mit der Zeit nicht, sondern verschlechterte sich eher.
Wer ein professionelles, respektvolles und gesundes Arbeitsumfeld sucht, sollte sich dieses Unternehmen sehr genau ansehen. Für mich war die Zeit hier eine Erfahrung, von der ich anderen nur abraten kann.
Arbeitsatmosphäre
Die Arbeitsatmosphäre war angespannt und emotional belastend. Es gab kaum Raum für entspanntes Arbeiten, stattdessen dominierten ständige Kritik, unklare Erwartungen und die Angst, jederzeit falsch zu liegen.
Image
Das externe Image wurde zwar gepflegt, aber intern sah die Realität ganz anders aus. Nach außen hin wurde ein professionelles Bild vermittelt, während intern Kontrolle, Druck und Respektlosigkeit den Alltag prägten.
Work-Life-Balance
Von Work-Life-Balance konnte keine Rede sein. Es gab extrem lange Arbeitstage, ständige Erreichbarkeit auch außerhalb der Arbeitszeit und kaum Rücksicht auf private Grenzen oder persönliche Umstände.
Karriere/Weiterbildung
Weiterbildung und Karriereentwicklung wurden kaum unterstützt. Es gab keine strukturierten Angebote, keine klaren Perspektiven und wenig Interesse daran, Mitarbeitende langfristig zu fördern.
Gehalt/Benefits
Karriereperspektiven und Gehaltsthemen wurden intransparent und willkürlich behandelt.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Umwelt- und Sozialbewusstsein gab es kaum.
Kollegenzusammenhalt
Der Zusammenhalt im Team wurde durch die Führungsebene eher geschwächt als gestärkt. Durch Lästern über einzelne Personen, ungleiche Behandlung und das Schüren von Unsicherheit entstand ein Klima des Misstrauens statt echter Unterstützung.
Umgang mit älteren Kollegen
Der Umgang mit älteren Kollegen wirkte oft von oben herab oder gleichgültig. Erfahrung wurde wenig wertgeschätzt, und auch hier herrschte eher ein Klima der Kontrolle als der Wertschätzung.
Vorgesetztenverhalten
Das Verhalten der Vorgesetzten war emotional unberechenbar, kontrollierend und oft respektlos. Es wurde laut geworden, Druck ausgeübt und Mitarbeitende vor anderen abgewertet, statt konstruktiv zu führen.
Arbeitsbedingungen
Die Arbeitsbedingungen waren durch hohe Belastung, unklare Strukturen und fehlende Ressourcen geprägt.
Kommunikation
Die Kommunikation war intransparent, widersprüchlich und häufig respektlos. Informationen kamen unvollständig oder falsch an, Rückfragen wurden als Störung empfunden, und Kritik wurde oft vor anderen geäußert, statt im geschützten Rahmen.
Gleichberechtigung
Das Gefühl von Gleichberechtigung fehlte. Es gab klare Hierarchien, bei denen Entscheidungen einseitig getroffen wurden und Mitarbeitende kaum Einfluss auf ihre eigene Arbeitsgestaltung hatten.
Interessante Aufgaben
Aufgaben waren oft nicht klar definiert, teilweise fachfremd und wurden ohne sinnvolle Einarbeitung oder Unterstützung vergeben. Statt interessanter Projekte herrschte ein Gefühl von Willkür und Überforderung.