Es könnte ein wirklich gutes Unternehmen mit viel Potenzial und einer starken Vergangenheit sein. Mangelnde Fachkompeten
Gut am Arbeitgeber finde ich
Wer aus technologischer Sicht neugierig, interessiert und motiviert ist, kann hier sehr viel lernen.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Neben den bereits erwähnten gravierenden Problemen sorgt vor allem die anhaltende Unsicherheit der letzten drei Jahre für ein schlechtes Arbeitsklima: Man weiß nie, wann die nächste Kündigungswelle bevorsteht – besonders wenn man nicht zu den bevorzugten Kreisen gehört. Dass die weltwirtschaftliche Lage angespannt ist, ist unbestreitbar. Es ist jedoch kritisch zu sehen, dass Personalkosten und Massenentlassungen als erste Stellschraube zur Einsparung genutzt werden, bevor unnötige Ausgaben gestrichen werden. Sinnvoller wäre es, zunächst Budgets für Events wie das Sommerfest oder den Skitag zu kürzen, an denen ohnehin das Interesse spürbar sinkt. Zudem fehlt eine ehrliche Analyse der enormen Projektkosten: Hier wird oft aufgrund von Inkompetenz oder mangelnder Einstellung im Projektteam immens Geld verschwendet. Anstatt diese echten Ursachen anzugehen, wird nun schon im dritten Jahr in Folge auf Entlassungen als vermeintliche Lösung zur Kostenoptimierung gesetzt.
Verbesserungsvorschläge
Der Fokus sollte dringend auf die Verbesserung des Arbeitsumfelds und der Kommunikation gelegt werden. Zudem sollte finanziellen Verlusten nicht mit Massenentlassungen begegnet werden, sondern mit einer objektiven und konsequenten Ursachenanalyse der tatsächlichen Probleme. Hochtrabende Optimierungsprojekte klingen auf dem Papier gut, bringen in der Praxis jedoch keinerlei spürbare Ergebnisse. Dies erfordert allerdings echte Einsicht von ganz oben – denn wie das Sprichwort so schön sagt: Der Fisch stinkt vom Kopf her.
Arbeitsatmosphäre
Das Arbeitsumfeld ist insgesamt sehr toxisch. Im Vordergrund steht nicht das Wohl des Unternehmens oder ein harmonisches Miteinander, sondern reine Eigeninteressen und das Erreichen individueller Erfolge – oft um jeden Preis. Entscheidend für das eigene Vorankommen ist vor allem die Zugehörigkeit zu bestimmten Netzwerke und die Pflege der richtigen Kontakte zu Führungspersonen. Wer sich nicht anpasst oder diesen Kreis nicht bedient, wird schnell isoliert. Wenn man konstruktive Probleme oder Missstände anspricht, wird man rasch als „Schwarzes Schaf“ abgestempelt. Probleme werden selten nachhaltig gelöst, sondern stauen sich mit der Zeit immer weiter an. Ein angenehmer Arbeitsalltag entsteht hier primär durch Anpassung und Passivität – oder dadurch, dass man stillschweigend die Aufgaben anderer mit übernimmt, die eigentlich nicht zum eigenen Verantwortungsbereich gehören. Burn-out kommt aufgrund des toxischen Arbeitsumfelds und der unfairen Arbeitsbelastung sehr häufig vor.
Image
Mitarbeitende, die zu den bevorzugten internen Kreisen gehören, äußern sich naturgemäß sehr positiv über das Unternehmen. Die Mehrheit beklagt jedoch das toxische Arbeitsumfeld. Ich persönlich konnte mich nie wirklich mit dem Unternehmen identifizieren oder stolz darauf sein, dort zu arbeiten – die Verhältnisse vor Ort waren stellenweise schlicht unbegreiflich.
Work-Life-Balance
Grundsätzlich ist die Work-Life-Balance in Ordnung, weist jedoch phasenweise deutliche Schwächen auf. Dies betrifft vor allem diejenigen Mitarbeitenden, von denen kontinuierlich hoher Einsatz erwartet wird. So kommt es beispielsweise vor, dass man für Geschäftsreisen oder Delegierungen eingespannt wird, um das Versäumnis anderer auszugleichen, was als äußerst unfair empfunden wird. Auch auf der Zielgeraden von Projekten entsteht eine Schieflage: Wenn andere ihren Aufgaben nicht nachkommen, wird der Druck auf die ohnehin motivierten und engagierten Mitarbeitenden abgewälzt, die das Projekt noch zum Erfolg führen wollen. Abgesehen von diesen spezifischen Situationen ist die Work-Life-Balance jedoch akzeptabel.
Karriere/Weiterbildung
Es gibt durchaus gute Möglichkeiten im Unternehmen, die man für die eigene berufliche und persönliche Weiterentwicklung nutzen kann.
Gehalt/Benefits
Die Gehaltszahlung erfolgt stets pünktlich und zuverlässig. Die Höhe des Gehalts entspricht jedoch aus meiner Sicht nicht der Realität und spiegelt die tatsächlichen Anforderungen sowie den Markt nicht angemessen wider.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Ob das Unternehmen im Sinne des Fair Trade handelt, lässt sich von meiner Seite aus nicht abschließend bestätigen – dies zu prüfen liegt im Verantwortungsbereich der entsprechenden Fachstellen. Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich lediglich berichten, dass es im Einkaufsbereich einige Vorgänge gibt, die bei mir persönliche Fragen aufwerfen.
Kollegenzusammenhalt
Das Wort Kollegenzusammenhalt existiert in diesem Unternehmen schlichtweg nicht. Es scheint zwei Gruppen zu geben: Zum einen diejenigen, die durch gute Vernetzung kaum Leistung erbringen müssen und dennoch ungestört bleiben. Zum anderen engagierte und motivierte Mitarbeitende, die Probleme ansprechen und Lösungen vorschlagen, jedoch keine Chance auf Gehör finden, weil sie nicht zu diesem Kreis gehören. Man hat das Gefühl, dass viele Personen nicht zum Arbeiten ins Unternehmen kommen, sondern vielmehr, um gegeneinander zu kämpfen. Natürlich gibt es Ausnahmen, aber im Allgemeinen erlebt man hier kein kollegiales Miteinander, sondern das gegenseitige Verfolgen von Einzelinteressen. Echter Zusammenhalt und eine zielgerichtete Zusammenarbeit existieren nicht – obwohl das gemeinsame Ziel im Sinne des Unternehmenserfolgs eigentlich an erster Stelle stehen sollte. In der Praxis ist davon leider nichts zu spüren.
Umgang mit älteren Kollegen
Soweit ich das aus meiner Sicht beurteilen kann, werden ältere Kolleginnen und Kollegen geschätzt und erleben keine Benachteiligung im Arbeitsalltag. Dies beruht auf meinen persönlichen Beobachtungen vor Ort, auch wenn ich als junger Mitarbeiter die Situation natürlich nur aus dieser Perspektive bewerten kann.
Vorgesetztenverhalten
Auch beim Vorgesetztenverhalten zeigt sich das bereits erwähnte Grundproblem der internen Interessengruppen. Natürlich gibt es Ausnahmen und durchaus gute Führungskräfte im Unternehmen. Allgemein betrachtet werden Probleme und konstruktive Lösungsansätze von vielen Vorgesetzten jedoch nicht neutral behandelt, sondern rein nach individuellen Interessen bewertet.
Kommunikation
In puncto Kommunikation gibt es zwei zentrale Problemfelder. Zum einen ist der Umgangston unter Kolleginnen und Kollegen oft herablassend und verletzend, wenn man nicht zum engen Bekanntenkreis gehört. Wenn man sachliche und konstruktive Probleme anspricht, wird man nicht ernst genommen, sondern auf abwertende Weise abgetan. Zum anderen mangelt es massiv an funktionierender Informationsweitergabe. Bei Änderungen an Arbeitsabläufen, Prozessen oder Produkten wird es regelmäßig versäumt, die betroffenen Kolleginnen und Kollegen rechtzeitig zu informieren, was den täglichen Arbeitsfluss enorm erschwert. Dieses Kommunikationsdefizit konnte seitens des Unternehmens bislang nicht gelöst werden. Zudem erfordert die Arbeit eine enge Zusammenarbeit mit internationalen Standorten wie in Marokko, Mexiko, Rumänien und Tschechien. Auch hier stockt die Kommunikation erheblich; mit einigen Standorten verläuft sie noch zäher als mit anderen. Das größte Problem dabei ist, dass man selbst für Verzögerungen verantwortlich gemacht wird, wenn ein Standort schlichtweg nicht auf Anfragen reagiert oder die Zusammenarbeit verweigert.
Gleichberechtigung
Aus meiner eigenen Wahrnehmung heraus werden Frauen im Unternehmen geschätzt und erfahren keine Benachteiligung oder Diskriminierung. Als junger Mann kann ich dies natürlich nur aus meiner persönlichen Perspektive und anhand meiner Beobachtungen im Arbeitsalltag beurteilen.
Interessante Aufgaben
Technologisch gesehen bietet das Unternehmen äußerst interessante sowie innovative Themen, durch die man sehr viel lernen und wertvolle Erfahrungen sammeln kann. Dies bezieht sich jedoch speziell auf die Bereiche Technik, Entwicklung und Produktion; über die Tätigkeit anderer Abteilungen kann ich keine Aussage treffen.