Außen hui, innen pfui – wo Schein und Sein weit auseinanderklaffen
Gut am Arbeitgeber finde ich
Die pädagogische Arbeit mit den Jugendlichen an sich ist sehr wertvoll und sinnstiftend.
Es gibt ein solides internes Fortbildungsprogramm.
Die Gegebenheiten und Zulagen im Turnusdienst sind auf einer sachlichen Basisebene okay.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Ein massiver Mangel an Empathie und Professionalität auf höherer Führungsebene.
Vertrauliche Inhalte aus Vieraugengesprächen werden offengelegt und missbräuchlich geframed.
Eine ausgeprägte Kultur des Redens hinter dem Rücken und eine mangelhafte, oft destruktive Feedbackkultur.
Große Diskrepanz zwischen dem blumigen Außenimage und der tatsächlichen, von Misstrauen geprägten Arbeitsatmosphäre vor Ort.
Verbesserungsvorschläge
Führungskompetenz schulen: Bereichsleiter müssen dringend im Bereich Datenschutz, Mitarbeiterfürsorge und emotionaler Kompetenz geschult werden.
Supervision schützen: Die Supervision darf nicht als Tribunal oder Disziplinierungswerkzeug zweckentfremdet werden, sondern muss ein sicherer Reflexionsraum bleiben.
Absprachen einhalten: Verbindliche Zusagen (z. B. bezüglich externer Fortbildungen oder Dienstplänen) müssen auch bei personellen Engpässen verlässlich bleiben.
Wertschätzung leben: Das Know-how und Engagement neuer sowie langjähriger Mitarbeiter sollte gefördert und respektiert werden, statt es kleinzureden.
Arbeitsatmosphäre
Geprägt von permanentem Reden hinter dem Rücken der Mitarbeiter und einer mangelhaften Feedbackkultur. Konstruktive Rückmeldungen fehlen fast völlig, was zu einer spürbaren Verunsicherung im Team führt.
Kommunikation
Die alltägliche, organisatorische Kommunikation war im Großen und Ganzen in Ordnung und funktionierte auf einer sachlichen Basisebene.
Kollegenzusammenhalt
Das Teamklima war stark zerrüttet und von Misstrauen geprägt. Trotz Supervisionen herrschte eine Atmosphäre, in der man extrem aufpassen musste, was man sagt, um nicht instrumentalisiert oder vorgeführt zu werden.
Work-Life-Balance
Der Turnusdienst ist ohnehin fordernd. Problematisch ist jedoch, dass individuelle Absprachen zur Vereinbarkeit von Beruf und externer Weiterbildung bei personellen Engpässen von der Leitung komplett ignoriert werden. Statt Unterstützung erfährt man Rechtfertigungsdruck.
Vorgesetztenverhalten
Die Führung durch die Bereichsleitung war von mangelnder Empathie und autoritärem Verhalten geprägt. Absprachen und die gesetzliche Fürsorgepflicht wurden vernachlässigt. Besonders schwer wiegt, dass vertrauliche Inhalte aus Vieraugengesprächen ungefragt in der Teamsupervision offengelegt wurden. Supervision wurde hier als Tribunal und zur öffentlichen Bloßstellung genutzt, anstatt als geschützter Raum.
Interessante Aufgaben
Die pädagogische Arbeit an sich und die Betreuung der Jugendlichen waren fachlich super und hätten mir extrem viel Freude bereitet. Leider stimmten die Rahmenbedingungen und das menschliche Umfeld überhaupt nicht.
Gleichberechtigung
Durchwachsen. Mit dem Bekanntwerden von Schließungen zweier Tageswohngruppen aufgrund von finanziellen Landeskürzungen wurden langjährige und ältere Mitarbeiter menschlich extrem fallen gelassen.
Umgang mit älteren Kollegen
Es gibt eine starke Akzeptanz von veralteten, pädagogischen Maßnahmen („alte Schule“). Älteren Kollegen wird leider kein korrigierendes Feedback gegeben, um Methoden an moderne Standards anzupassen.
Arbeitsbedingungen
Die Gegebenheiten vor Ort waren okay, aber sehr eingefahren. Auf konstruktive Verbesserungsvorschläge aus den Teams wird kaum bis gar kein Wert gelegt.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Außer einer oberflächlichen Mülltrennung, die in der Praxis oft nicht einmal konsequent eingehalten wurde, war von Nachhaltigkeit oder Fair-Trade-Gedanken leider nichts zu spüren.
Gehalt/Benefits
Das Grundgehalt liegt im unteren Bereich, wird jedoch durch die Turnus- und Nachtzulagen auf ein akzeptables Niveau gehoben. Gemessen an der enormen Verantwortung, die man in dieser Position täglich trägt, ist die Vergütung dennoch zu gering.
Image
Nach außen präsentiert sich die Einrichtung blumig und modern. Hinter den Kulissen bröckelt diese Fassade massiv. Das echte Gefühl des Miteinanders ist laut Kollegen vor Ort schon lange verloren gegangen. Schein und Sein klaffen weit auseinander.
Karriere/Weiterbildung
Es existiert ein gutes internes Fortbildungscurriculum, wenn auch manche Aussagen der Dozenten fragwürdig sind. Externe Weiterbildungen von Mitarbeitern werden jedoch abgewertet und kleingeredet. Finanzielle Unterstützung für Fortbildungen ist zudem an Bindungsfristen geknüpft.
