Identitätsverlust auf ganzer Linie
Gut am Arbeitgeber finde ich
Der Zusammenhalt unter den Kollegen (Entwicklern) ist sehr gut. Man unterstützt sich gegenseitig und versucht, trotz schwieriger oft Rahmenbedingungen professionelle Arbeit zu leisten.
Wenn man Glück hat und die 'Sterne richtig stehen' (Greenfield-Projekt, ausreichendes Kundenbudget), kann man sich hier ein wirklich tolles Arbeitsumfeld mit modernem Tech-Stack und hoher Code-Qualität aufbauen. In diesen Momenten zeigt sich, was eigentlich möglich wäre.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Ich habe in letzter Zeit eine massive Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit wahrgenommen:
Strukturelles Missverhältnis: Während an der produktiven Basis (Entwicklung) Personal abgebaut wurde, wirkte der administrative Overhead (Management, HR, Marketing) auf mich unverhältnismäßig aufgebläht.
Identitätskrise: Die Firma will scheinbar 'alles für jeden' sein. Dadurch fehlt aus meiner Sicht ein klarer technischer Fokus und eine echte Identität.
Entscheidungskultur: Maßnahmen wurden oft als 'Wunsch der Mitarbeiter' (Bottom-Up) verkauft, wirkten auf mich in der Realität aber wie harte Top-Down-Vorgaben. Zudem hatte ich den Eindruck, dass man sich primär an wenigen Meinungsführern orientiert, statt die breite Masse der Teams zu hören.
Führung: Kritik wird meinem Eindruck nach oft als persönlicher Angriff gewertet. Veränderungen wirkten auf mich häufig wie reiner Aktionismus: Es wurde ständig an Stellschrauben gedreht, ohne vorher die Ursachen wirklich zu analysieren oder daraus zu lernen."
Verbesserungsvorschläge
Findet eure Identität wieder, statt jedem Hype hinterherzulaufen.
Hört auf die Basis: Brecht die 'Echo Chamber' des Managements auf und nehmt das Feedback der Experten ernst, statt es mit Strohmann-Argumenten abzuwehren.
Menschlichkeit: Ein Leitbild auf Folien reicht nicht – Respekt zeigt sich im Umgang bei Konflikten und in schwierigen Zeiten.
Fokus: Investiert in technisches Know-how und funktionierende Teams statt in künstliche Hierarchien und 'Bullshit-Bingo' im Vertrieb.
Arbeitsatmosphäre
Innerhalb der Teams herrscht meist ein guter Spirit – solange man selbstorganisiert 'funktioniert'. Sobald Probleme auftreten (auch unverschuldete), wird der Druck von oben jedoch schnell spürbar und Verantwortung gefühlt nach unten delegiert. Durch den jüngsten Personalabbau und widersprüchliche Kommunikation ('Transparent' vs. Realität) empfinde ich die Stimmung als angespannt ('Sinkendes Schiff'). Zudem ist die Atmosphäre reine Glückssache: Je nach Projekt fühlt man sich teils wie ein externer Fremdkörper, ohne echten Bezug zur Firma.
Image
Der Firma fehlt aus meiner Sicht der Fokus. Man will 'alles für jeden' anbieten, was bei der Größe unglaubwürdig wirkt. Die Identität ging zwischen Influencer-Marketing und der chaotischen Realität verloren.
Work-Life-Balance
Gleitzeit ist vorhanden und gut. Die reale Belastung hängt jedoch extrem vom Projekt ab ('Projekt-Lotterie'). Wer in greenfield Projekten beschäftigt ist und ssich dazu noh um Wartungsverträge kümmern muss, spürt einen enormen moralischen Druck ('Soft Power'), immer verfügbar zu sein. Das macht Urlaubsplanung (z.B. Weihnachten) schwierig, da Redundanzen fehlen. In Großprojekten ist es entspannter, diese Ungleichheit empfinde ich als unfair.
Karriere/Weiterbildung
Kein strukturierter Plan. Weiterbildung passiert nicht gezielt. Man wird zum Generalisten erzogen, statt Expertenwissen aufbauen zu können.
Gehalt/Benefits
Benefits wurden über die Jahre immer weniger. Das Gehalt ist Branchenüblich, hat durch die Kürzung der Benefits aber schon deutlich nachgelassen.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Mülltrennung ist vorhanden, aber echte gelebte Nachhaltigkeit vermisse ich im Alltag. Durch die wieder strengeren Anwesenheitspflichten ('Back to Office') wird unnötiger Pendelverkehr mit dem Auto erzeugt, was für mich im Widerspruch zu einem modernen Umweltbewusstsein steht. Auch im Büro wirkt das Konzept nicht zu Ende gedacht: Statt nachhaltiger Lösungen (wie SodaStream) werden immer noch Unmengen an 0,5l-Flaschen angeboten. Das wirkt auf mich wenig zeitgemäß.
Kollegenzusammenhalt
Der Zusammenhalt unter den Entwicklern ist top – man hilft sich. Getrübt wird das Bild für mich durch eine spürbare 'Freunderlwirtschaft' in Richtung Führungsebene. Ich hatte den Eindruck, dass Karriere eher durch politische Nähe zum Management ('Inner Circle') gemacht wird als durch Leistung. Zudem wird Konfliktlösung oft vermieden und stattdessen hinter dem Rücken geredet.
Umgang mit älteren Kollegen
Langjährige Treue schützt hier nicht vor einem unwürdigen Abgang.
Vorgesetztenverhalten
Teamleads sind top, das Management darüber wirkt auf mich jedoch oft unprofessionell und impulsiv. Entscheidungen werden als 'Wunsch der Mitarbeiter' verkauft (Fake Bottom-Up), sind aber faktisch Top-Down. Bei Kritik reagiert man meinem Empfinden nach oft emotional statt sachlich. Fehler werden selten eingestanden, sondern die Schuld weitergeschoben. Das familiäre 'Wir' bröckelt, sobald es unbequem wird.
Arbeitsbedingungen
Hardware passt. Aber die Rahmenbedingungen (wie fixe Office Tage) werden oft von oben entschieden, für die die tägliche Arbeit der Teams scheinbar eine 'Black Box' ist. Prozesse wirken künstlich übergestülpt.
Kommunikation
Firmenweite Meetings finden statt, wirken auf mich aber oft ziellos (fehlende Agenda) und wie ein 'Einheitsbrei', der die unterschiedlichen Bedürfnisse der Teams ignoriert. HR-Entscheidungen gehen meinem Empfinden nach oft an der Realität vorbei. Kritische Nachfragen werden ungern gesehen. Besonders störend: Wichtige Infos sickern oft nur durch den Flurfunk durch, während offizielle Kanäle ein geschöntes Bild zeichnen.
Gleichberechtigung
Weniger ein Geschlechter-Thema, sondern eines der Zugehörigkeit. Wer zum 'alten Kreis' gehört, hat Vorteile. Zudem empfinde ich ein starkes Gefälle zwischen den Standorten: Das Headquarter ist das 'Wunschkind', andere Standorte fühlen sich bei Entscheidungen oft abgehängt und ignoriert."
Interessante Aufgaben
Reines Glücksspiel. Man landet entweder im coolen Greenfield-Projekt oder im Chaos-Projekt mit Legacy-Code. In den Phasen ohne Projekt ('Bench') fehlte mir ein sinnvoller Plan; zugewiesene Aufgaben wirkten oft wie Beschäftigungstherapie für den Papierkorb. Strategische Weiterentwicklung der Mitarbeiter durch spannende Aufgaben findet kaum statt.