Wer Kritik äußert, wird schnell selbst zum Problem.
Gut am Arbeitgeber finde ich
Sehr gute Benefits, Essenszulage, Company Shop, attraktiver Kollektivvertrag und Manager-Bonus. Fachlich interessante Aufgaben und viele Entwicklungsmöglichkeiten. Besonders positiv habe ich außerdem viele Kolleginnen und Kollegen erlebt: Trotz meiner sehr negativen Erfahrungen mit Teilen des Managements war der persönliche Zusammenhalt im Team häufig gut.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Am negativsten habe ich die Führungskultur innerhalb der Quality-Organisation erlebt. Über lange Zeit gab es kaum regelmäßige 1:1-Gespräche oder konkretes, konstruktives Feedback. Selbst auf meine direkte Nachfrage, ob alles passe, wurden keine gravierenden Probleme angesprochen. Umso befremdlicher war es für mich, dass bei meiner Kündigung plötzlich eine umfangreiche Liste angeblicher Verfehlungen präsentiert wurde, von denen ich teilweise zuvor noch nie gehört hatte. Eine faire Möglichkeit, Kritik nachzuvollziehen, Stellung zu nehmen oder mich entsprechend zu verbessern, hatte ich dadurch aus meiner Sicht nicht.
Besonders problematisch empfand ich den Umgang mit kritischen Stimmen. Ich habe nicht nur bei mir selbst, sondern auch bei mehreren anderen Personen beobachtet, dass Mitarbeiter, die offen Kritik äußerten, Entscheidungen hinterfragten oder auf Probleme aufmerksam machten, teilweise sehr plötzlich nicht mehr im Unternehmen waren – für die übrigen Kollegen gefühlt „wie vom Erdboden verschluckt“. Dadurch entsteht aus meiner Sicht eine Atmosphäre, in der man sich sehr genau überlegt, ob man Probleme überhaupt offen anspricht.
Gerade in einer Quality-Organisation halte ich eine solche Wahrnehmung für besonders problematisch. Mitarbeiter sollten Quality-, GMP- und Compliance-Themen ohne Angst vor persönlichen Konsequenzen ansprechen können. Eine offene Fehler- und Speak-up-Kultur muss von der Führung tatsächlich gelebt und nicht nur auf dem Papier kommuniziert werden.
Zusätzlich empfinde ich die unterschiedlichen Maßstäbe innerhalb der Hierarchie als schwierig: Von Mitarbeitern werden Flexibilität und regelmäßige Job-Rotationen erwartet, während Teile des obersten Managements über viele Jahre in denselben Positionen bleiben. Gleichzeitig habe ich Führungskräfte häufig im Homeoffice und bei wichtigen Themen teilweise als schwer erreichbar erlebt.
Insgesamt hatte ich zuletzt den Eindruck, dass persönliche Sympathien, interne Politik und die Bereitschaft, sich anzupassen, teilweise mehr Gewicht haben können als Leistung, fachliche Argumente und das offene Ansprechen von Problemen. Das steht für mich im starken Widerspruch zu dem Anspruch, den ein internationaler Konzern insbesondere im Bereich Quality und Compliance an seine Führungskultur stellen sollte.
Verbesserungsvorschläge
Führungskultur innerhalb der Quality-Organisation kritisch und unabhängig überprüfen. Regelmäßiges, konkretes und dokumentiertes Feedback sollte selbstverständlich sein. Niemand sollte erst bei einer Kündigung erfahren, welche angeblich gravierenden Probleme über Monate bestanden haben sollen. Mitarbeiter, die Qualitäts-, GMP- oder Compliance-Themen kritisch ansprechen, sollten geschützt und ernst genommen werden. Außerdem sollten Regeln zu Rotation, Präsenz und Verantwortungsübernahme für alle Hierarchieebenen vergleichbar gelten.
Arbeitsatmosphäre
In meinem direkten Arbeitsumfeld innerhalb der Quality-Organisation zuletzt extrem belastend. Kritik wurde aus meiner Sicht nicht offen angesprochen, sondern teilweise erst Monate später gesammelt gegen mich verwendet. Ich hatte zunehmend das Gefühl, dass persönliche Sympathien wichtiger waren als Leistung und sachliche Zusammenarbeit.
Image
Das externe Image eines internationalen Qualitätsunternehmens und meine persönliche Erfahrung innerhalb der Quality-Organisation lagen für mich weit auseinander. Gerade in einem regulierten Umfeld sollten GMP, Compliance und eine offene Fehlerkultur im täglichen Handeln oberste Priorität haben und nicht erst dann Aufmerksamkeit bekommen, wenn etwas Ernstes passiert.
Work-Life-Balance
In verantwortungsvollen Quality-Funktionen teilweise sehr hohe Belastung. Ich habe bei Bedarf bis spät abends gearbeitet, um notwendige Aufgaben und Chargenfreigaben abzuschließen. Gleichzeitig war das obere Management aus meiner Wahrnehmung häufig im Homeoffice und bei dringenden Themen nicht immer ausreichend erreichbar.
Karriere/Weiterbildung
Viele Möglichkeiten, unterschiedliche Rollen kennenzulernen und sich fachlich weiterzuentwickeln. Die starke Rotation kann Entwicklung fördern. Gleichzeitig finde ich es widersprüchlich, wenn diese Rotation von vielen Mitarbeitern erwartet wird, während sie auf den höchsten Managementebenen deutlich weniger sichtbar ist.
Gehalt/Benefits
Sehr gute Benefits: Essenszulage, P&G Company Shop, attraktiver Kollektivvertrag der chemischen Industrie und – je nach Position – Manager-Bonus. Finanziell und bei den Zusatzleistungen definitiv eine Stärke des Arbeitgebers.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Nach außen bestehen hohe Standards und klare Unternehmenswerte. Entscheidend ist für mich aber, wie diese im Arbeitsalltag gelebt werden. Gerade bei Quality-, Compliance- und GMP-Themen sollte eine Organisation kritische Stimmen fördern und nicht als störend empfinden.
Kollegenzusammenhalt
Der Zusammenhalt unter vielen Kolleginnen und Kollegen war trotz der schwierigen Führungssituation gut. Ich habe von Kollegen und auch externen Partnern viel positives Feedback und Unterstützung erfahren. Das war für mich einer der besten Aspekte des Unternehmens.
Umgang mit älteren Kollegen
Kann ich persönlich nur eingeschränkt beurteilen. Generell hatte ich jedoch den Eindruck, dass Mitarbeiter schnell austauschbar werden können, wenn sie nicht mehr in die Vorstellungen bestimmter Führungskräfte passen. Man hat des öfteren gesehen, dass ältere Kollegen mit Paketen abgefertigt werden.
Vorgesetztenverhalten
Für mich mit Abstand der größte Schwachpunkt. Kaum konstruktives oder zeitnahes Feedback, dafür im Nachhinein massive Kritik. Trotz zuvor guter bis sehr guter Leistungsbeurteilungen hatte ich nach meinem Rollenwechsel zunehmend das Gefühl, gezielt negativ bewertet zu werden. Besonders problematisch finde ich eine Führungskultur, in der Mitarbeiter, die Entscheidungen sowie Qualitäts- oder Compliance-Themen kritisch hinterfragen, befürchten müssen, selbst zum Problem erklärt zu werden.
Arbeitsbedingungen
Grundsätzlich gute Rahmenbedingungen eines großen internationalen Konzerns. Problematisch finde ich allerdings, dass von Mitarbeitern regelmäßige Job-Rotationen und hohe Flexibilität erwartet werden, während sich Teile des oberen Managements über sehr lange Zeit in ihren Positionen halten. Aus meiner Sicht werden hier unterschiedliche Maßstäbe angelegt.
Kommunikation
Einer meiner größten Kritikpunkte. In rund einem Jahr hatte ich trotz mehrfacher Nachfrage nur wenige 1:1-Gespräche mit meiner direkten Führungskraft und mit der nächsthöheren Führungskraft kein einziges. Auf Nachfrage wurde mir vermittelt, dass alles passe. Bei meiner Kündigung existierte dann plötzlich eine lange Liste angeblicher Probleme, von denen ich teilweise vorher noch nie gehört hatte. So sieht für mich keine faire Feedbackkultur aus.
Gleichberechtigung
Grundsätzlich habe ich hinsichtlich der klassischen Gleichberechtigung keine größeren negativen Erfahrungen gemacht. Meine Kritik richtet sich vielmehr gegen Führungsverhalten, Feedbackkultur und den Umgang mit kritischen Mitarbeitern.
Interessante Aufgaben
Fachlich sehr interessante und verantwortungsvolle Aufgaben, insbesondere im Quality-Bereich und als Qualified Person. Man kann viel lernen und übernimmt früh Verantwortung. Umso bedauerlicher, dass meine Erfahrung mit der Führungskultur die eigentlich spannende Tätigkeit stark überschattet hat.