Unerträgliche Zustände, alle verlassen die Firma
Gut am Arbeitgeber finde ich
Früher waren es ganz klar die Menschen, das Produkt und die Stimmung. Leider muss man das mittlerweile in der Vergangenheit schreiben, weil es so einfach nicht mehr stimmt. Vor zwei Jahren war die Atmosphäre wirklich gut, die Teams waren motiviert, der Zusammenhalt stark, man hat gern miteinander gearbeitet. In den letzten ein bis zwei Jahren sind aber viele sehr gute und erfahrene Leute gegangen, und das hat den Teamspirit spürbar geschwächt. Die Realität schaut heute anders aus. Man hört überall Gespräche über LinkedIn-Profil-Updates, laufende Bewerbungen, erste Interviews, viel Frust, Enttäuschung und auch Wut. Die Stimmung ist nicht mehr dieselbe, die Energie ist raus. Seit der neuen, sehr starren Return-to-Office-Regelung dreht sich gefühlt alles nur noch ums Weggehen. Es wird ständig darüber geredet, sogar im Büro selbst, und konzentriertes Arbeiten fällt dadurch immer schwerer.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Was aktuell wirklich Sorgen macht, ist die Richtung, in die sich das Unternehmen entwickelt. Entscheidungen kommen plötzlich, sehr rigide und ohne echten Dialog, das wirkt wenig durchdacht. Die aktuelle Policy fühlt sich für viele so an, als würde bewusst Druck aufgebaut, damit Leute freiwillig gehen und man sich Kündigungen spart. Das Problem dabei ist, dass man komplett die Kontrolle darüber verliert, wer geht und wer bleibt. Es werden nicht gezielt Rollen oder Teams strategisch angepasst, sondern es gehen vor allem die leistungsstarken, mobilen und gefragten Leute als Erste, weil sie Alternativen haben. Weniger gefragte oder schwächere Profile bleiben länger, nicht aus Loyalität, sondern weil ihnen die Optionen fehlen. Das ist extrem gefährlich für ein Tech-Unternehmen, weil damit Wissen, Erfahrung und informelle Netzwerke verloren gehen. Leistung wird zunehmend über Anwesenheit interpretiert statt über Ergebnisse, obwohl über Jahre hinweg remote messbar und erfolgreich geliefert wurde. Viele haben ihr Leben auf diese Flexibilität ausgerichtet, das wird jetzt ignoriert. Benefits sind kaum vorhanden, was früher durch Flexibilität ausgeglichen wurde, dieser Ausgleich fehlt jetzt komplett. Feedback wird zwar eingesammelt, aber man sieht keine echten Konsequenzen daraus, dadurch verlieren Surveys ihren Wert. Innovation leidet spürbar, weil Motivation, Vertrauen und Eigeninitiative fehlen, genau das sind aber die Faktoren, die im Tech-Bereich den Unterschied machen.
Verbesserungsvorschläge
Ein kompletter Kurswechsel ist notwendig. Anstatt starren Regeln benötigt es flexible Modelle. Denkbar wäre zum Beispiel eine 50% Büroquote pro Monat, bei der Mitarbeitende selbst entscheiden, wann sie ins Büro kommen, solange die Quote erfüllt ist. Alternativ wäre ein echtes 3-2 Modell, das von Teams selbst definiert wird, abhängig von ihrer jeweiligen Arbeitsrealität, denkbar. Zusätzlich könnte es ein Kontingent von rund 25-30 Tagen frei wählbaren Remote-Arbeitstagen geben, die weltweit genutzt werden können. Präsenz darf niemals als Performance-Hebel oder Strafe verwendet werden. Leistung muss über klare, objektive KPIs bewertet werden. Unterschiedliche Modelle sollten pilotiert und datenbasiert verglichen werden, Fluktuation, Output und Zufriedenheit lassen sich messen. Wenn die Präsenz wirklich erhöht werden soll, braucht es einen echten finanziellen Anreiz. Z.B.: Zuschüsse zu den Öffi-Tickets oder Essenszuschüsse. Besonders wichtig wären interne Mitarbeiterbefragungen, die in Entscheidungen mit einfließen.
Arbeitsatmosphäre
Früher sehr gut, heute angespannt, laut vor Frust und Unsicherheit, viele sind innerlich schon weg.
Kommunikation
Zu wenig, zu spät und oft ohne echten Kontext, das verstärkt Unsicherheit und Gerüchte.
Kollegenzusammenhalt
War früher eine große Stärke, wurde durch viele Abgänge geschwächt, aktuell eher gegenseitiges Auffangen in einer schwierigen Phase, und im Grunde genommen das Unternehmen als Ganzes kritisieren.
Work-Life-Balance
Deutlich schlechter, vor allem durch starre Vorgaben ohne Spielraum für individuelle Lebenssituationen.
Vorgesetztenverhalten
Teamleads oft bemüht, stehen aber zwischen Entscheidungen von oben und frustrierten Teams, das untergräbt Autorität.
Arbeitsbedingungen
Selbst wenn man ein kleines Kind hat, das gestillt werden muss, oder einen Hund besitzt oder Familie im Ausland lebt, muss man sich ausnahmslos an die starre 4-Tage-Woche im Büro halten. Man wird angewiesen, sich krankzumelden, wenn man krank ist, da niemand von dieser Regelung ausgenommen ist. Es ist absurd, dass sie glauben, die talentierten Mitarbeiter würden länger als ein paar Monate bleiben.
Gehalt/Sozialleistungen
Niedriges Gehalt je nach Rolle, kaum Benefits, im Marktvergleich schwach.
Karriere/Weiterbildung
Lernen ist möglich, aber Entwicklung wirkt zufällig, klare Pfade und Transparenz fehlen.

