Erfahrungsbericht zur aktuellen Arbeitssituation
Arbeitsatmosphäre
Die Arbeitsatmosphäre ist insgesamt sehr angespannt und von Misstrauen geprägt. Vorgesetzte werden teilweise in Positionen eingesetzt, ohne ausreichendes Fachwissen mitzubringen, was die Zusammenarbeit zusätzlich erschwert. Statt Unterstützung und Führung auf Augenhöhe kommt es immer wieder zu unangemessenem Verhalten, bis hin zu Mobbing.
Von Fairness oder Vertrauen ist hier wenig zu spüren. Man überlegt sich zweimal, was man sagt, selbst im Kollegenkreis, da Aussagen schnell negativ ausgelegt oder weitergetragen werden. Es bilden sich ständig kleine Grüppchen, was das Betriebsklima weiter verschlechtert und ein „Wir-Gefühl“ praktisch unmöglich macht.
Insgesamt herrscht eher ein Gegeneinander als ein Miteinander.
Kommunikation
Die Kommunikation wirkt auf den ersten Blick sehr aktiv, ist aber in der Praxis oft wenig zielführend. Meetings stehen nahezu ständig an der Tagesordnung und erwecken häufig den Eindruck, eher der Außendarstellung zu dienen als tatsächlich produktiv zu sein. Statt effizient zu arbeiten, wird man dadurch regelmäßig aus dem Arbeitsfluss gerissen.
Ein voller Terminkalender scheint hier mit Produktivität gleichgesetzt zu werden – Hauptsache beschäftigt wirken. Das führt dazu, dass wichtige Aufgaben liegen bleiben oder unnötig in die Länge gezogen werden.
Informationen werden grundsätzlich geteilt, allerdings oft in einem Ausmaß, das wenig Mehrwert bietet. Vieles ist redundant oder schlicht nicht relevant, wodurch es schwer wird, die wirklich wichtigen Inhalte herauszufiltern.
Kollegenzusammenhalt
Es gibt vereinzelt nette Kollegen, diese sind jedoch eher die Ausnahme als die Regel. Insgesamt ist der Zusammenhalt sehr schwach ausgeprägt und von Vorsicht geprägt. Persönliche oder auch berufliche Themen teilt man hier besser nicht, da Informationen schnell weitergetragen oder im Zweifel gegen einen verwendet werden.
Ein offenes und vertrauensvolles Miteinander ist kaum vorhanden. Stattdessen entsteht der Eindruck, dass man sich anpassen muss – sowohl optisch als auch von den Interessen her – um überhaupt akzeptiert zu werden. Wer sich nicht einfügt, hat es entsprechend schwer.
Auffällig ist auch, dass diejenigen, die sich besonders stark an Vorgesetzte anpassen und deren Erwartungen erfüllen, eher Vorteile haben. Das verstärkt das Gefühl, dass nicht Leistung oder Teamgeist im Vordergrund stehen, sondern Anpassung und taktisches Verhalten.
Work-Life-Balance
Von Work-Life-Balance kann hier praktisch keine Rede sein. Urlaubsplanung gestaltet sich schwierig bis unmöglich – im schlimmsten Fall hängt alles an einzelnen Kollegen. Wenn diese nicht verfügbar sind oder selbst auf Urlaub sind, gibt es oft keinen Ersatz, wodurch sich alles verzögert. Spontan frei nehmen oder Urlaub konsumieren wird dadurch zur Herausforderung.
Hat man es dann geschafft, Urlaub zu bekommen, bedeutet das nicht automatisch Erholung. Es kommt vor, dass man dennoch erreichbar sein oder sogar arbeiten muss, da es im Unternehmen an ausreichender Vertretung fehlt.
Auch beim Thema Homeoffice klafft eine deutliche Lücke zwischen Versprechen und Realität. Im Arbeitsvertrag werden Homeoffice-Möglichkeiten in Aussicht gestellt, in der Praxis stößt deren Nutzung jedoch auf Widerstand seitens der Geschäftsführung. De facto läuft es auf eine klassische 5-Tage-Bürowoche hinaus.
Zusätzlich entsteht ein Ungleichgewicht, wenn Führungskräfte selbst nur eingeschränkt vor Ort sind, während für andere deutlich strengere Erwartungen gelten.
Vorgesetztenverhalten
Hier braucht man nicht lange um den heißen Brei reden: Die Führungsebene hat insgesamt einen sehr schlechten Ruf. Sowohl die Geschäftsführung als auch direkte Vorgesetzte tragen kaum zu einer positiven Arbeitsumgebung bei.
Teams werden teilweise unzureichend geführt, es kommt zu unangemessenem Verhalten, und eine klare, faire Führung ist oft nicht erkennbar. Neue Führungskräfte übernehmen Teams, ohne ausreichende fachliche Kenntnisse mitzubringen, teilweise sogar aus völlig anderen Bereichen. Der Eindruck entsteht, dass Positionen eher intern verschoben werden, anstatt gezielt nach Kompetenz zu besetzen.
Statt das Team zu unterstützen, wird häufig Druck aufgebaut und immer mehr gefordert, ohne die notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen. Wertschätzung oder respektvoller Umgang sind dabei kaum spürbar.
In meiner bisherigen beruflichen Laufbahn habe ich noch keine derart schlechte und respektlose Behandlung erlebt.
Interessante Aufgaben
Die Aufgabenbereiche sind grundsätzlich sehr breit gefächert, was durchaus positiv ist. Man hat oft die Möglichkeit, eigenständig zu arbeiten und Projekte nach eigenen Vorstellungen zu gestalten und voranzutreiben.
Allerdings fehlt es deutlich an einer klaren Aufgabenverteilung. Häufig liegt wichtiges Wissen nur bei einzelnen Personen, was die Zusammenarbeit erschwert und Prozesse unnötig verlangsamt.
Zusätzlich kommt es vor, dass sinnvolle Projektvorschläge, Optimierungen oder Einsparungsideen von Vorgesetzten abgelehnt werden – nicht unbedingt aus fachlichen Gründen, sondern eher, um zusätzlichen Aufwand zu vermeiden. Das bremst die Weiterentwicklung und führt zu Frustration.
Gleichberechtigung
Aus persönlicher Sicht kann ich keine gravierenden negativen Erfahrungen berichten. Allerdings entsteht im Gesamtbild ein teilweise kritischer Eindruck, insbesondere im Umgang mit einzelnen Kolleginnen.
Es wirkt stellenweise so, als ob bei Bewerbungen nicht ausschließlich fachliche Qualifikationen im Vordergrund stehen, sondern auch äußere Merkmale eine Rolle spielen könnten. Dieser Eindruck ist natürlich schwer objektiv zu belegen, trägt jedoch zu einem unangenehmen Gesamtgefühl bei.
Zudem wurde eine frühere Geschäftsführerin durch einen männlichen Nachfolger ersetzt, was von mir und einigen Kollegen als nicht nachvollziehbare Entscheidung wahrgenommen wurde. Insgesamt bleibt daher ein gemischter Eindruck in Bezug auf Gleichberechtigung bestehen.
Umgang mit älteren Kollegen
Ältere Kollegen werden im Arbeitsalltag häufig eher in Ruhe gelassen und genießen teilweise gewisse Vorteile. Zudem werden auch regelmäßig ältere Mitarbeiter neu eingestellt, was grundsätzlich positiv zu bewerten ist.
Wertschätzung scheint vorhanden zu sein – allerdings vor allem dann, wenn man sich gut ins bestehende Umfeld einfügt. Eine gezielte Förderung oder Weiterentwicklung findet hingegen kaum statt.
Aus persönlicher Erfahrung kann ich berichten, dass über einen längeren Zeitraum hinweg versucht wurde, für einen langjährigen Kollegen eine fachlich relevante Schulung zu organisieren. Trotz mehrfacher Anfragen an die Führungsebene wurde dies über lange Zeit hinweg ignoriert oder abgelehnt, vermutlich auch aus Kostengründen. Bis heute hat dieser Kollege keine entsprechende Weiterbildung oder Zertifizierung in seinem Fachbereich erhalten.
Insgesamt entsteht der Eindruck, dass ältere Mitarbeiter zwar akzeptiert, jedoch nicht aktiv weiterentwickelt werden.
Arbeitsbedingungen
Die Arbeitsbedingungen sind insgesamt sehr schlecht und wirken in vielen Bereichen nicht zeitgemäß. Das Gebäude ist deutlich in die Jahre gekommen, und bauliche Mängel beeinträchtigen regelmäßig den Arbeitsalltag – darunter Probleme wie Wasserrohrbrüche, defekte Fenster sowie nicht zuverlässig funktionierende Heizungs- und Klimaanlagen.
Gerade die Temperaturregelung ist ein großes Problem: Im Winter kann es im Büro trotz sitzender Tätigkeit unangenehm kalt werden, teilweise unter 19 Grad. Im Sommer zeigt sich das gegenteilige Extrem – durch die Bauweise heizen sich die Räume stark auf. Da Klimaanlagen aus Energiespargründen zeitweise abgeschaltet werden, kann es vorkommen, dass man morgens bereits in ein stark aufgeheiztes Großraumbüro kommt. Eine effektive Regulierung ist zusätzlich davon abhängig, wer Zugriff auf die Steuerung hat, und individuelle Empfindlichkeiten einzelner Kollegen erschweren eine einheitliche Lösung.
Die Arbeitsplätze selbst sind zwar relativ modern und grundsätzlich in Ordnung, allerdings wird dies durch andere Faktoren deutlich relativiert. Der Geräuschpegel im Großraumbüro ist oft sehr hoch und erinnert eher an einen stark frequentierten öffentlichen Rau
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Zum Umwelt- und Sozialbewusstsein meines Arbeitgebers kann ich nur eingeschränkt etwas sagen. Im Alltag fallen vor allem einfache Maßnahmen auf wie das Abschalten von Licht, das Einsparen von Strom und das konsequente Ausschalten von Klimageräten. Darüber hinaus sind mir keine größeren oder strukturierten Nachhaltigkeits- oder Sozialinitiativen bekannt.
Gehalt/Benefits
Es wird teilweise mit einer Überzahlung zum Kollektivvertrag geworben, allerdings zeigt sich in der Praxis, dass diese Überzahlung faktisch als Standardleistung verstanden wird und weniger als zusätzlicher Benefit wahrgenommen werden kann. Die Gehälter werden zuverlässig und pünktlich ausbezahlt. Aus meiner Erfahrung ist es jedoch schwierig, eine einmal festgelegte Gehaltseinstufung zu verbessern – selbst bei zusätzlicher Leistung oder besonderem Einsatz sind Bonuszahlungen oder Gehaltserhöhungen nur sehr eingeschränkt möglich.
Image
Persönlich habe ich immer versucht, gute Miene zum bösen Spiel zu machen, allerdings hört man auch im Kollegenkreis (Flurfunk) kaum positive Rückmeldungen. Viele Mitarbeiter wirken überlastet und arbeiten nur noch das Nötigste ab, während andere wiederum kaum ausgelastet sind und einen sehr ruhigen Arbeitstag haben – das hängt stark von der jeweiligen Abteilung ab. Nach außen wirkt das Unternehmen noch relativ professionell, bei näherem Hinsehen bleibt jedoch der Eindruck einer IT-Firma, die vieles auslagert und versucht, so wenig wie möglich selbst abzudecken bzw. nur eingeschränkt dazu in der Lage ist.