Führung durch Druck, Ego und Willkür – Kritik wird ignoriert, trotz zahlreicher Warnsignale
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Schlecht am Arbeitgeber finde ich die stark hierarchische Unternehmenskultur, fehlende Kritikmöglichkeiten und den hohen sozialen Druck, der Mitarbeitende oft zum Schweigen bringt. Wahlplakate der FPÖ vor dem Firmensitz zu unterstützen statt sich davon zu distanzieren.
Verbesserungsvorschläge
Verbesserungsvorschläge wären, dass die HR eine aktivere Rolle einnimmt und sich stärker durchsetzt, unabhängig vom Einfluss der Geschäftsführung. Kritik oder Probleme mit Vorgesetzten sollten konsequent adressiert werden, damit Mitarbeitende sich sicher fühlen, ihre Anliegen zu äußern. Auch die Einführung eines Betriebsrats oder vergleichbarer Schutzmechanismen könnte dazu beitragen, dass Mitarbeitende nicht aus Angst schweigen müssen.
Arbeitsatmosphäre
Die Arbeitsatmosphäre war geprägt von permanenter Anspannung, Angst vor Fehlern und politischem Verhalten. Viele langjährige Mitarbeitende reagieren ablehnend auf neue Kolleg:innen, die versuchen, Struktur, Prozesse und nachhaltige Verbesserungen einzuführen. Fortschritt ist unerwünscht, wenn er bestehende Machtverhältnisse infrage stellt.
Image
Insgesamt entstand bei mir der Eindruck, dass das Marketing‑Image (z. B. Nachhaltigkeit, Frische, ethische Werte) in der Außendarstellung klar und stark ist, während kritische Nutzererfahrungen und Rückmeldungen dies in Teilen relativieren, was aus meiner Sicht zu einem etwas ambivalenten externen Markenbild beiträgt.
Work-Life-Balance
Eine ausgewogene Work-Life-Balance habe ich nicht erlebt. Überstunden waren die Regel, nicht die Ausnahme. Der Arbeitsdruck war so hoch, dass viele Mitarbeitende ihre Aufgaben innerhalb der regulären Arbeitszeit kaum bewältigen konnten.
Besonders problematisch empfand ich eine Praxis, die sich aus meiner Sicht stillschweigend etabliert hat: ausloggen und anschließend weiterarbeiten, um offiziell nicht als „zu lange arbeitend“ aufzufallen. Dieses Verhalten war kein Einzelfall, sondern gängige Praxis bei vielen Mitarbeitenden.
Wer seine Arbeit in der vorgesehenen Zeit nicht schaffte, galt nicht als überlastet, sondern als ineffizient – was zusätzlichen Druck erzeugte.
Dass Mitarbeitende ihre tatsächliche Arbeitszeit verschleiern müssen, um Erwartungen zu erfüllen, spricht für mich eine klare Sprache. Gesundheit, Erholung und langfristige Leistungsfähigkeit spielen in diesem System offensichtlich eine untergeordnete Rolle.
Karriere/Weiterbildung
Karrierechancen scheinen im Unternehmen stark davon abzuhängen, wie gut man den Vorgaben der Führung folgt und wie „unauffällig“ man agiert. Wer den Anweisungen folgt, keine Gefahr für die Führungskraft darstellt oder gut ins stark vernetzte Dorfgefüge passt, wird gefördert.
Persönliche Leistung oder innovative Ideen spielen dabei oft eine untergeordnete Rolle – Freundelwirtschaft, Bekanntschaften und politisches Verhalten sind entscheidend, um im Unternehmen voranzukommen.
Gehalt/Benefits
Aus meiner Sicht war die Vergütungsstruktur stark hierarchisch geprägt.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Das Unternehmen positioniert sich nach außen sehr deutlich als nachhaltig, fair und ethisch verantwortungsbewusst und verweist dabei auf pflanzliche, vegane Produkte, nachhaltige Verpackungen, klimafreundliche Produktionsprozesse sowie fairen Rohstoffeinkauf. Im internen Arbeitsalltag entstand bei mir jedoch der Eindruck, dass diese Themen vor allem dann eine erkennbare Priorität hatten, wenn sie wirtschaftlich sinnvoll oder marketingseitig nutzbar waren. Ein darüber hinausgehend konsequent gelebter Stellenwert dieser Werte innerhalb der Organisation war aus meiner Sicht nur eingeschränkt wahrnehmbar.
Kollegenzusammenhalt
Von echtem Zusammenhalt kann aus meiner Sicht keine Rede sein. Die Stimmung war häufig toxisch, geprägt von hinterrücks geführten Gesprächen, Lästereien und Misstrauen. Offene Kommunikation fand kaum statt – stattdessen wurde viel über- statt miteinander gesprochen.
Das fördert keine Zusammenarbeit, sondern ein Klima der Unsicherheit und Vorsicht.
Vorgesetztenverhalten
Das Verhalten dieser Vorgesetzter habe ich als respektlos, herablassend und entwürdigend erlebt. Mitarbeitende wurden nicht ernst genommen, sondern teilweise belächelt oder ins Lächerliche gezogen.
Auch aus Gesprächen mit Kolleg:innen habe ich wiederholt mitbekommen, dass sich Führungskräfte hinter dem Rücken über Mitarbeitende lustig gemacht haben. Dieses Verhalten war kein Einzelfall, sondern schien in bestimmten Kreisen akzeptiert zu sein.
Kritik, Unsicherheiten oder Überlastung wurden nicht empathisch aufgefangen, sondern eher als Schwäche ausgelegt. Das führte zu einem Klima, in dem viele lieber geschwiegen haben, statt Probleme offen anzusprechen.
In der Gesamtschau hatte ich den Eindruck eines klaren Machtgefälles, das ausgenutzt wurde. Das, was ich selbst erlebt und von anderen mitbekommen habe, empfand ich als massiv grenzüberschreitend – teilweise mit Zügen von systematischem Ausgrenzen und Bloßstellen.
Für mich geht dieses Verhalten deutlich in Richtung Mobbing, auch wenn es oft subtil und hinter verschlossenen Türen stattfand.
Arbeitsbedingungen
Teilweise veraltete Arbeitsausstattung, insbesondere Bildschirme. In der betreffenden Abteilung wurden keine Firmenhandys zur Verfügung gestellt; dienstliche Tätigkeiten und Applikationen mussten über private Endgeräte abgewickelt werden. Die Arbeit fand überwiegend in Großraumbüros statt, begleitet von starkem Micromanagement. Die Sitzordnung der Abteilungsleitungen war so ausgerichtet, dass eine permanente Beobachtung der Mitarbeitenden möglich war.
Kommunikation
Der Kern des Problems liegt für mich eindeutig bei der Geschäftsführung, die diese Strukturen nicht nur duldet, sondern offenbar aktiv aufrechterhält. Entscheidungen wirkten häufig realitätsfern und rücksichtslos gegenüber den Mitarbeitenden.
Ideen mussten sofort umgesetzt werden – unabhängig von Kapazitäten oder laufenden Projekten. Die Konsequenzen für die Mitarbeitenden fanden dabei keinerlei Berücksichtigung und zogen sich abteilungsübergreifend durch das gesamte Unternehmen.
Gleichberechtigung
Schlecht am Arbeitgeber finde ich, dass meiner Wahrnehmung nach traditionelle Muster und homogene Führungsstrukturen oft dominieren, sodass es den Eindruck erweckt, als würden etablierte Personen bevorzugt und echte Diversität und Gleichberechtigung intern kaum gelebt werden -was ich persönlich als hinderlich für eine offene und vielfältige Unternehmenskultur empfinde.
Interessante Aufgaben
Was hier als „interessant“ verkauft wird, habe ich als veraltet und nicht mehr zeitgemäß erlebt. Neue Ideen oder moderne Ansätze wurden zunächst belächelt oder abgewertet, nur um später leicht verändert übernommen und als eigene Leistung verkauft zu werden.
Innovationskultur bedeutet hier offenbar nicht Weiterentwicklung, sondern Ideen anderer umzubenennen und intern zu vermarkten.