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Mehr Fassade als gelebte Unternehmenskultur

1,5
Nicht empfohlen
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Ex-FührungskraftHat bis 2021 im Bereich Produktion in Wolkersdorf im Weinviertel gearbeitet und diesen Arbeitgeber mehrfach bewertet. (Mitarbeiter:innen dürfen ihren Arbeitgeber einmal im Jahr bewerten.)

Gut am Arbeitgeber finde ich

Das Einzige, was ich aus meiner Zeit bei diesem Arbeitgeber wirklich Positives mitnehme, ist die Erkenntnis, wie ich selbst niemals führen würde. Ich habe gelernt, wie wichtig Wertschätzung, Verlässlichkeit und ein respektvoller Umgang mit Mitarbeitenden sind – Eigenschaften, die ich dort leider vermisst habe.
Außerdem habe ich die Erfahrung gemacht, dass das Bild, das gegenüber Kunden und Geschäftspartnern vermittelt wird, aus meiner Sicht nur wenig mit dem internen Umgang mit den eigenen Mitarbeitenden gemein hat. Nach außen wird Professionalität präsentiert, während intern häufig ein völlig anderer Eindruck entsteht. Diese Erfahrung hat meinen Blick auf Führung und Unternehmenskultur nachhaltig geprägt.

Schlecht am Arbeitgeber finde ich

Die hohe Personalfluktuation ist aus meiner Sicht eines der größten Probleme des Unternehmens. Mitarbeitende, die über viele Jahre maßgeblich zum Aufbau und Erfolg beigetragen haben, verlassen das Unternehmen teilweise, ohne dass ihre Leistungen angemessen anerkannt oder offiziell gewürdigt werden. Gleichzeitig gehen dadurch wertvolles Fachwissen und wichtige Erfahrungen verloren, die sich nicht kurzfristig ersetzen lassen.
Darüber hinaus werden aus meiner Erfahrung wiederholt mündliche Zusagen zu Benefits oder anderen Vereinbarungen gemacht, die später nicht eingehalten werden. Spricht man diese an, entsteht häufig der Eindruck, dass man sich an die ursprünglichen Zusagen nicht mehr erinnern möchte. Das beeinträchtigt das Vertrauen in die Verlässlichkeit des Arbeitgebers und wirkt sich negativ auf die Motivation der Mitarbeitenden aus.

Verbesserungsvorschläge

Bereits im Bewerbungsprozess sollte mehr Zeit in die Auswahl geeigneter Kandidatinnen und Kandidaten investiert werden, um sowohl die fachliche Qualifikation als auch die gegenseitigen Erwartungen an die Unternehmenskultur und den Führungsstil besser abzugleichen.
Darüber hinaus sollte neu eingestellten Führungskräften und Personalverantwortlichen ausreichend Vertrauen entgegengebracht werden, damit sie notwendige Veränderungen im Bereich der Personalführung eigenverantwortlich umsetzen können. Aus meiner Sicht besteht hier deutlicher Verbesserungsbedarf. Eine stärkere Eigenverantwortung und konsequente Weiterentwicklung der Führungskultur könnten dazu beitragen, Mitarbeitende langfristig zu binden und das nachhaltige Wachstum des Unternehmens zu fördern.

Arbeitsatmosphäre

Es werden ständig neue Mitarbeiter vorgestellt, was auf eine hohe Fluktuation schließen lässt. Gleichzeitig arbeitet das Unternehmen mit einer Personalleihfirma zusammen, die jedoch ebenfalls nicht immer kurzfristig geeignetes Personal bereitstellen kann. Dadurch entsteht der Eindruck, dass die Personalsituation häufig angespannt ist.

Kommunikation

Die Kommunikation mit der Führungsebene gestaltet sich als schwierig. Für Besprechungen sind die Verantwortlichen oft nur schwer verfügbar. Selbst bei bereits vereinbarten Terminen sind sie häufig anderweitig beschäftigt, beispielsweise mit E-Mails oder Telefonaten, wodurch der Fokus auf das eigentliche Meeting verloren geht.

Kollegenzusammenhalt

Wie bereits im ersten Punkt erwähnt, gestaltet sich die Zusammenarbeit aufgrund der hohen Fluktuation als schwierig. Hinzu kommen die unterschiedlichen kulturellen Hintergründe sowie die dauerhaft angespannte Stimmung, was die Zusammenarbeit und den Teamzusammenhalt zusätzlich erschwert.

Work-Life-Balance

Grundsätzlich gibt es Maßnahmen zur Arbeitsorganisation, allerdings nicht in dem Umfang, wie man es sich wünschen würde. Fällt beispielsweise eine Produktionsmaschine aus, wird das Personal zwar freigestellt und dies als Entgegenkommen („Goodwill“) dargestellt. Da die Aufträge dennoch termingerecht fertiggestellt werden müssen, wird anschließend häufig vorgeschlagen, die ausgefallene Produktion am Wochenende nachzuholen – teilweise verbunden mit Einladungen, im Anschluss gemeinsam mit der Führungsebene ein Bier zu trinken.

Positiv hervorzuheben ist, dass sich selbst der Eigentümer gelegentlich in der Produktion engagiert. Allerdings verbringt er den überwiegenden Teil seiner Zeit in den klimatisierten Büroräumen und ist im Produktionsalltag daher nur selten präsent.

Vorgesetztenverhalten

Das Verhalten der Vorgesetzten überzeugt aus meiner Sicht nicht. Mitarbeitenden und Führungskräften wird nur wenig Vertrauen entgegengebracht, da häufig bis ins Detail in operative Abläufe eingegriffen wird. Eigenverantwortliches Arbeiten wird dadurch erschwert.
Zudem entsteht der Eindruck, dass Entscheidungen teilweise ohne ausreichende Kenntnisse der Produktionsabläufe getroffen werden. Dieses Führungsverhalten wirkt sich negativ auf die Motivation und das Arbeitsklima aus und erschwert den Aufbau eines engagierten und leistungsfähigen Teams.

Interessante Aufgaben

Die Aufträge und neuen Entwicklungen sind grundsätzlich sehr interessant und bieten viel Abwechslung. Allerdings werden neue Produkte aus meiner Sicht häufig zu früh in die Produktion überführt. Rezepte, die im Entwicklungsmaßstab – beispielsweise mit einer Küchenmaschine – gut funktionieren, lassen sich nicht ohne Weiteres auf große Produktionsanlagen mit speziellen Pumpen und anderen technischen Anforderungen übertragen. Dadurch entstehen vermeidbare Probleme und zusätzlicher Aufwand in der Produktion.

Arbeitsbedingungen

In den Produktionshallen gibt es weder eine Klimaanlage noch einen ausreichenden Sonnenschutz an den Fenstern. In Kombination mit Backöfen, wärmeabstrahlenden Leitungen und Geräten, deren Abluft unkontrolliert in den Arbeitsbereich abgegeben wird, entstehen an warmen Tagen sehr hohe Temperaturen. Dadurch werden die Arbeitsbedingungen erheblich erschwert und die körperliche Belastung für die Mitarbeitenden steigt deutlich.

Umwelt-/Sozialbewusstsein

Bei der Anschaffung neuer Anlagen wird grundsätzlich auf moderne und umweltfreundlichere Technologien geachtet. Ob diese langfristig tatsächlich den gewünschten Umweltnutzen erzielen, bleibt aus meiner Sicht jedoch abzuwarten und sehr fraglich. Zudem scheint die eingesetzte Technik für den Produktionsalltag noch nicht vollständig ausgereift zu sein. In der Vergangenheit kam es daher wiederholt zu technischen Defekten und ungeplanten Produktionsstillständen, die den Betriebsablauf beeinträchtigten.

Gehalt/Benefits

Wie bereits erwähnt, erfordert Qualität auch die Bereitschaft, entsprechend zu investieren. Zudem sollten mündlich zugesagte Vereinbarungen und Versprechen eingehalten werden. Aus meiner Sicht ist dies nicht immer der Fall. Werden zugesagte Leistungen oder Absprachen später angesprochen, erhält man teilweise die Rückmeldung, dass es eine solche Vereinbarung nie gegeben habe oder dass die erbrachte Mehrleistung freiwillig erfolgt sei. Dies beeinträchtigt das Vertrauen in die Verlässlichkeit der Führung und den fairen Umgang mit den Mitarbeitenden.

Karriere/Weiterbildung

Aus meiner Sicht sind die Möglichkeiten zur Karriereentwicklung und Weiterbildung unter der aktuellen Führung nur eingeschränkt gegeben. Zwar werden entsprechende Perspektiven oder Entwicklungsmöglichkeiten MÜNDLICH in Aussicht gestellt, diese werden jedoch häufig nicht oder nur teilweise umgesetzt. Mit der Zeit entsteht dadurch der Eindruck, dass Versprechen und die tatsächliche Umsetzung oftmals auseinandergehen. Das erschwert es, langfristig Vertrauen in die eigenen Entwicklungs- und Karrierechancen aufzubauen.


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Anonym · Sieh, ob’s deinen Kolleg:innen auch so geht.