Ein besonderes Erlebnis...
Gut am Arbeitgeber finde ich
Wenn man einfach nur arbeitet und genug Distanz hat kann man hier ganz gut über die Runden kommen. Man darf nicht zu viel Energie in die Themen oben investieren und sollte es einfach als 9-5 Job sehen. Dann ist es absolut OK.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Klassisches Baugewerbe gepaart mit Boomer-Mentalität. Riesen Potenzial welches quasi links liegen gelassen wird.
Verbesserungsvorschläge
Endlich den Sprung machen und sich auch von Werten und Firmenkultur zu einem modernen Unternehmen entwickeln.
Arbeitsatmosphäre
In dieser Firma wurde die Inspiration für "Game of Thrones" gefunden. Die Menge an Bürointrigen ist ein Wahnsinn. Hier wird sich noch gegenseitig in den Rücken gefallen, Steine in den Weg gelegt und gelästert. Währenddessen dreht sich das Rad weiter und man muss sich beeilen mitzuhalten. Die Mitarbeiterfluktuation ist unglaublich hoch. Man muss hier quasi vom ersten Tag an performen. Es gibt wenig Einarbeitungszeit und die meisten Führungskräfte sind in ihrer Position ohne eine entsprechen Ausbildung oder Weiterbildung. Zwischen den einzelnen Abteilungen gibt es kaum Berührungspunkte (bis auf die Montage) und man tauscht sich auch eher wenig aus.
Work-Life-Balance
Hier wird Leistung groß geschrieben! Leistung = Anwesenheit in der Firma. Je mehr Überstunden man macht desto besser arbeitet man. Die grundsätzliche Haltung der Führungsebene ist, dass Mitarbeiter zu wenig arbeiten. Manche Abteilungen arbeiten Samstag und Sonntag durch. Das Problem ist bekannt, wird allerdings nicht aktiv behandelt. Hier hängt es wirklich davon ab wo man landet und welche Grenzen man selber absteckt. Kann natürlich dann dazu führen, dass wenn gerade nicht Notstand ist, man einfach durch jemand anderen ersetzt wird der besser ins Weltbild passt.
Home-Office ist grundsätzlich möglich wenn es der Vorgesetzte erlaubt. In manchen Abteilungen wird damit aber grundsätzlich verbunden, dass man weniger arbeitet wenn man im HO ist.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Der Einfluss des Konzerns aus Frankreich ist hier recht stark und hat dazu beigetragen, dass das Thema mehr Beachtung bekommt. Die Geschäftsführung fährt allerdings G-Klasse während Mitarbeiter mit Elektroautos ausgestattet werden.
Karriere/Weiterbildung
Maßnahmen zur Weiterentwicklung muss man sich selber raushandeln und erkämpfen. Wie und ob man die Karriereleiter raufklettern kann ist extrem undurchsichtig.
Kollegenzusammenhalt
Kann innerhalb des eigenen Teams ganz gut sein. Da hört es dann aber schon auf. Es gibt starkes Inseldenken, jede Abteilung schaut als erstes auf sich. Durch die hohe Fluktuation bleiben die langjährigen Mitarbeiter unter sich und machen einfach nur ihren Job. Was verständlich ist, wenn die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass der neue Mitarbeiter nur ein paar Monate durchhalten wird. Teamspirit und Zusammenhalt wird von einzelnen Personen getragen. Veranstaltungen gibt es hin und wieder, die sind eigentlich immer nett. Dennoch bleibt man unter den Leuten/Personen die man kennt.
Umgang mit älteren Kollegen
Wegen dem Alter wird man hier nicht diskriminiert. Wenn man in der Firma Pension geht bekommt man auch einen Geschenkkorb. Es gibt nicht viele Mitarbeiter die wirklich lange dabei sind, aber die die es sind haben quasi einen Sonderstatus und sind sowas wie Heilige.
Vorgesetztenverhalten
Gibt schon sehr spannende Führungskräfte. Eine sagte mal zu einem Mitarbeiter "Ich bin Gott, mein Wort ist Gesetz!". Hatte ich auch noch nie. Das Spektrum ist sehr breit - es gibt gute Führungskräfte die sich sehr um die einzelnen Mitarbeiter bemühen, es gibt andere die Terrortaktiken fahren und die Mitarbeiter möglichst klein halten.
Im oberen Management werden Konfrontationen vermieden und unbeliebte (aber notwendige) Entscheidungen meistens verschoben oder gar nicht getroffen. "Mit gutem Beispiel voran gehen" ist KEIN Grundsatz der Firmenleitung.
Arbeitsbedingungen
Man kriegt was man zum arbeiten braucht und je nach Abteilung sogar hochwertiges Equipment. Durch die Größe der Firma ist es natürlich mit IT und ähnlichem immer wieder mühsam. Aber auch die Büroanlage ist super.
Kommunikation
"Wir kommunizieren offen, transparent und wertschätzend!" - der Satz schafft es auf diverse Powerpoint Folien (die aber einfache Mitarbeitenden nicht zu sehen bekommen). Dabei bleibt es dann aber auch. Kommunikation innerhalb der Firma ist quasi non-existent. Dafür funktioniert der Flurfunk und die Gerüchteküche perfekt. Man muss nur mit den richtigen Leuten Kaffee trinken, dann ist man ganz gut informiert. Kennt man die nicht, dann bleibt man komplett unwissend.
Gehalt/Benefits
Gehalt kommt immer pünktlich und wird korrekt abgerechnet. Die Bezahlung ist im Normalfall sehr gut und über dem Branchenschnitt. Hier muss man jedoch auf sich selber schauen und sich bereits im Vorfeld ein gutes Ergebnis heraushandeln. In manchen Abteilungen funktioniert auch die Taktik der Kündigung zur Gehaltserhöhung.
Es gibt auch gratis Kaffee.
Gleichberechtigung
In den oberen Führungsebenen gibt es genau zwei Frauen (von ~15 Positionen). Leichter Boomer-Sexismus ist eigentlich Gang und Gebe. Liegt natürlich auch an der Branche die sehr stark Männerlastig ist. Hier wird gendern auch noch mit einem Augenzwinkern betrieben, leichter Rassismus ist an der Tagesordnung (wie im Baugewerbe leider zu erwarten) und derbe Witze sind OK. Natürlich gibt es Frauen und auch Mitarbeiter mit Migrationshintergrund die teilweise auch höhere Positionen haben. Aber die allgemeine Kultur der Firma ist hier im Jahr 2000 stecken geblieben.
Interessante Aufgaben
Auch sehr abhängig davon wo genau man unterwegs ist. Manche Abteilungen sind gut darin die Arbeit zu verteilen. Andere stapeln sie auf ein paar wenigen Schultern. Das Problem ist bekannt, aber man macht nicht aktiv was dagegen. Die grundsätzliche Arbeit ist sehr spannend und kann sehr vielfältig sein.
Kreative Köpfe müssen in der richtigen Abteilung landen um sich entfalten zu können. Wenn man die falsche Abteilung erwischt wird man von der Führungskraft einfach nur klein gehalten.