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Wien 
(SDW)
Bewertung

Ihr Unternehmen?

Veraltete Rollenbilder hinter einer modernen Marketing-Fassade

1,0
Nicht empfohlen
Angestellte/r oder Arbeiter/inHat zum Zeitpunkt der Bewertung im Bereich Administration / Verwaltung in Wien gearbeitet.

Gut am Arbeitgeber finde ich

Es ist beeindruckend, mit wie viel Herzblut die Kollegen an der Basis für die Klienten da sind, obwohl die Rahmenbedingungen im Unternehmen immer schlechter werden. Das Team kompensiert die Fehlentscheidungen der Führung durch puren Einsatz.

Schlecht am Arbeitgeber finde ich

Das auf diese Bewertung nun sicherlich wieder eine 4* Bewertung folgen wird. Gutes Marketing ist alles.

Verbesserungsvorschläge

Der wichtigste Verbesserungsvorschlag wäre, die Freunderlwirtschaft zu stoppen und eine angstfreie Kommunikation zu ermöglichen. Da jedoch selbst diese Bewertung vermutlich als Bedrohung wahrgenommen wird, fehlt die Basis für einen echten Dialog.

Arbeitsatmosphäre

Die Atmosphäre hat einen neuen Tiefpunkt erreicht: Nachdem bereits mehrere Kolleginnen in der Vergangenheit das Unternehmen verlassen haben (oder gegangen wurden), herrscht eine regelrechte Schockstarre. Die Angst, als Nächste ins Visier zu geraten, führt dazu, dass sich viele in ihre Büros zurückziehen und ihre Arbeitszeit schweigend absitzen. Ein offener Austausch findet nicht mehr statt; man isoliert sich, um keine Angriffsfläche zu bieten.

Kommunikation

Die Kommunikation ist faktisch zum Erliegen gekommen. In Meetings herrscht beklemmendes Schweigen, da jede Äußerung als Risiko wahrgenommen wird, ins Visier der überheblichen Führungsebene zu geraten. Es herrscht eine Kultur der Freunderlwirtschaft, in der ein enger Zirkel autoritär entscheidet, während Kritik passiv-aggressiv im Keim erstickt wird. Führung bedeutet hier nicht Unterstützung, sondern das Ausnutzen von Existenzängsten.

Kollegenzusammenhalt

Der Zusammenhalt ist zweigeteilt. Einerseits gibt es eine starke Solidarität unter denjenigen, die gemeinsam unter dem Druck und der Angstkultur leiden. Andererseits ist das Klima durch Freunderlwirtschaft und einen ‚inneren Zirkel‘ vergiftet. Wirkliches Vertrauen ist schwierig, da die Angst vor Konsequenzen bei falscher Wortwahl immer mitschwingt. Zudem belasten sexistische Kommentare und respektloses Verhalten einiger Kollegen das Miteinander, wobei Betroffene oft allein gelassen werden, da Fehlverhalten keine Konsequenzen hat.

Work-Life-Balance

Es gibt zwar Benefits wie Homeoffice, aber die Work-Life-Balance leidet massiv unter der Atmosphäre. Die ständige Angst, den Job zu verlieren, führt dazu, dass man auch privat nie wirklich abschalten kann. Man ist zwar räumlich zu Hause, mental aber im Überlebensmodus der Firma gefangen.

Vorgesetztenverhalten

Das Vorgesetztenverhalten ist geprägt von einer Mischung aus Überheblichkeit und völliger Entkopplung von der Basis. Führung findet hier nicht durch Vorbildfunktion statt, sondern durch das Ausnutzen einer Kultur der Angst. Die Kommunikation gleicht dem Spiel ‚Stille Post‘: Informationen sind oft widersprüchlich oder kommen gar nicht erst an. Auf kritische Rückfragen wird stoisch mit denselben Phrasen geantwortet, ohne auf die eigentliche Problematik einzugehen. Besonders belastend ist die Freunderlwirtschaft, die einen ‚inneren Kreis‘ schützt – selbst wenn Meldungen über Sexismus, Mansplaining oder Gaslighting vorliegen, bleibt dies für die betreffenden männlichen Kollegen folgenlos. Wer die Wahrheit anspricht, wird systematisch ins Visier genommen.

Interessante Aufgaben

Mein Aufgabenbereich ist an sich sehr abwechslungsreich und fachlich äußerst interessant. Leider wird das positive Bild durch die instabile Lage getrübt: Aufgrund massiver Einsparungen ändert sich der Fokus laufend. Es herrscht eine enorme Ungewissheit über die Zukunft der Projekte, was strukturiertes Arbeiten erschwert und die Motivation trotz der spannenden Themen drückt

Gleichberechtigung

Nach außen hin präsentiert sich die Firma modern, intern herrscht ein repressives System. Frauen werden nur dann respektiert, wenn sie sich absolut ruhig verhalten. Wer den Mund aufmacht oder Missstände beim Namen nennt, verliert jeglichen Rückhalt.

Umgang mit älteren Kollegen

Hier wird mit zweierlei Maß gemessen: Ältere männliche Kollegen, insbesondere jene aus dem ‚inneren Kreis‘, werden mit Samthandschuhen angefasst und sind quasi unantastbar. Im krassen Gegensatz dazu steht der Umgang mit erfahrenen Kolleginnen: Ihr Handlungsspielraum wird massiv eingeschränkt, sie werden extrem kontrolliert und psychisch unter Druck gesetzt. Das Ziel scheint nicht die Kündigung zu sein, sondern die Kolleginnen so lange zu zermürben, bis sie von sich aus gehen. Ein respektvoller Umgang mit Lebensleistung und Erfahrung ist – sofern man nicht zum ‚Boys Club‘ gehört – nicht vorhanden.

Arbeitsbedingungen

Die Arbeitsbedingungen sind von einer massiven Schieflage geprägt. Während die Belegschaft in engen Büros zusammenrückt, ist die Führungsebene in ein neues Gebäude umgezogen. Homeoffice wird zwar angeboten, oft jedoch nur unter Verwendung privater Endgeräte und nach einem System der Bevorzugung: Gut vernetzte Kollegen haben mehr Freiheiten als der Rest. Ein striktes Überstundenverbot führt zudem dazu, dass die Gleitzeit von vielen ‚ausgesessen‘ wird, indem sie frühmorgens ohne echte Aufgaben im Büro erscheinen. Insgesamt wirkt die Ausstattung und die Regelung der Arbeitszeit wenig professionell und stark von persönlicher Gunst abhängig.

Umwelt-/Sozialbewusstsein

Das Umwelt- und Sozialverhalten ist von absurder Symbolpolitik geprägt. Ein aktuelles Highlight: Die Mülleimer in den Büros wurden abgeschafft, um Müllbeutel einzusparen. In der Realität führt dies dazu, dass Mitarbeiter für jedes Stück Abfall quer durch das Gebäude laufen, was meist mit ausgiebigen Zigarettenpausen und Smalltalk auf dem Gang kombiniert wird. Es wird an Cent-Beträgen gespart, während die Produktivität durch diese ‚Müll-Wanderungen‘ massiv sinkt. Ein durchdachtes Konzept für Nachhaltigkeit oder soziales Miteinander sieht anders aus.

Gehalt/Benefits

Aktuell findet ein massiver Abbau von Sozialleistungen statt. Alles wird ‚evaluiert‘, was in der Realität eine Streichung bedeutet – der Obstkorb ist bereits weg, die Jahreskarte steht wohl als Nächstes auf der Liste. Externe Weiterbildungen werden nur noch in Ausnahmefällen gewährt, wobei die Kriterien hierfür völlig intransparent sind. Es drängt sich der Verdacht auf, dass auch hier das Prinzip der Freunderlwirtschaft greift: Wer loyal schweigt, hat bessere Karten. Das Gehalt allein kann diesen Verlust an Wertschätzung und Entwicklungsmöglichkeiten nicht ausgleichen.

Image

Das Image des Unternehmens ist eine reine Marketing-Konstruktion, die mit der gelebten Realität wenig zu tun hat. Während man sich nach außen modern und wertschätzend gibt, bestimmen intern Freunderlwirtschaft, veraltete Rollenbilder und die Angst vor Konsequenzen das Bild. Das Image hat bereits sehr gelitten, was zum Teil daran liegt, wie man insbesondere mit Mitarbeiterinnen umgeht und dass erfahrene Kolleginnen schlussendlich so lange unter Druck gesetzt werden, bis sie ‚freiwillig‘ gehen. Der Glanz der Vergangenheit verblasst schnell, wenn man sieht, dass an einfachsten Dingen wie Mülleimern gespart wird, während die Führungsebene sich räumlich von der Belegschaft isoliert.

Karriere/Weiterbildung

Beförderung nach Loyalität, nicht nach Leistung“: „Karrierepfade sind intransparent. Es drängt sich der Eindruck auf, dass weniger die Kompetenz entscheidet, sondern die Zugehörigkeit zum engeren Kreis der Führung. Transparente Kriterien für Aufstiegschancen sucht man vergeblich. Wie eine bereits gegangene Kollegin vor kurzem sagte, "hat Leistung absolut keine Televanz, wenn du keine Beziehungen hast oder über ihre kleinen Witze lachst."

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