Fragwürdige Unternehmensführung
Gut am Arbeitgeber finde ich
Als Angestellte darf man, in seiner Freizeit, kostenlos an Classes teilnehmen.
Verbesserungsvorschläge
Aus Arbeitgebersicht wären gezielte Schulungen zu Führung, Kommunikation und Teammanagement sehr empfehlenswert. Ausserdem wäre die Etablierung eines Betriebsrats – angesichts der Unternehmensgröße und der wiederkehrenden internen Problemen – ein wichtiger und notwendiger Schritt zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen.
Arbeitsatmosphäre
Die Arbeitsatmosphäre im Team war häufig von Frustration und Unzufriedenheit geprägt. Ein zentraler Grund hierfür lag darin, dass Vorschläge zur Verbesserung von Abläufen sowie konstruktives Feedback der Mitarbeitenden selten ernst genommen oder in Entscheidungen einbezogen wurden. Veränderungen – insbesondere in den Arbeitsprozessen – wurden oft sehr kurzfristig, unklar oder widersprüchlich kommuniziert und gingen teilweise auch mit der Reduktion von Mitarbeiter-Benefits einher, was oftmals nicht nachvollziehbar war da eine Erklärung des Vorgehens fehlte. Entscheidungen wurden häufig ohne Rücksprache getroffen, was das Gefühl verstärkte, in seiner Rolle nicht gehört und wertgeschätzt zu werden. Gerade als Rezeptionist*in hat man einen sehr direkten Einblick in Studioabläufe, technische Probleme und Kundenbedürfnisse – ein Wissen, das in der Praxis jedoch kaum Berücksichtigung fand.
Image
Ein zentrales Anliegen meiner Bewertung ist der starke Kontrast zwischen dem nach außen vermittelten Image und der tatsächlichen internen Struktur des Unternehmens. Während SuperCycle als modernes, junges, „female-owned“ Unternehmen mit motivierendem Spirit auftritt, spiegelte sich dies im Umgang mit Mitarbeitenden absolut nicht wider. Das Gefühl, jederzeit ersetzbar zu sein, wird offen kommuniziert. Die Fluktuation im Rezeptionsteam ist sehr hoch, während sich viele Trainer*innen hauptsächlich durch den Aufbau einer eigenen Community langfristig im Unternehmen halten.
Work-Life-Balance
Je nach Stundenumfang ließ sich die Tätigkeit als Rezeptionist*in gut mit einem Studium oder weiteren Job vereinbaren. Es ist jedoch wichtig zu wissen, dass Wochenenddienste üblich und auch gefordert sind. Man sollte auch bereit sein spontan einzuspringen und Dienste an Feiertagen zu übernehmen. Die Arbeitszeiten liegen entweder frühmorgens (ca. 6:30–11:15) oder am späten Nachmittag/Abend (ca. 16:30–21:30). Es gibt keine Zuschläge für Früh- bzw. Spätarbeit.
Karriere/Weiterbildung
Trotz mehrfach geäußerter Bereitschaft, mehr Verantwortung zu übernehmen, wurde mir keine Möglichkeit geboten meinen Aufgabenbereich zu erweitern. Der Auswahlprozess für andere Positionen im Unternehmen (zB. Corider*innen) war oft intransparent. Teilweise erhielten Personen die in engerem Kontakt zur Führungsebene standen, Positionen ohne offiziellen Auswahl-/Auditionprozess, während erfahrene Teammitglieder abgewiesen wurden – teils auf wenig wertschätzende und respektlose Weise.
Gehalt/Benefits
Eine transparente Kommunikation über Bezahlung wäre angebracht, da Gehälter scheinbar willkürlich und individuell ausverhandelt werden und es kein nachvollziehbares Schema gibt. Es gibt kein 13./14. Gehalt, und keine Zuschläge für Dienste am Wochenende oder zu Randzeiten – obwohl nahezu alle Schichten in diese Kategorien fallen. Die fehlende Zeiterfassung erschwert eine objektive Kontrolle von Arbeitsstunden. Der Aufgabenbereich der Rezeptionist*innen wurde mit der Zeit deutlich erweitert – ohne entsprechende Anpassung der Bezahlung oder Berücksichtigung der Inflationsentwicklung.
Vorgesetztenverhalten
Das Verhalten der Führungskräfte war in vielen Fällen wenig professionell und stark emotional aufgeladen. Die Struktur des Unternehmens vermittelt den Eindruck, dass weder in Personalentwicklung noch in Führungsqualitäten investiert wurde – trotz eines Teams von mittlerweile rund 100 Personen! Konflikte wurden selten direkt geklärt, sondern auf intransparente Weise im Hintergrund behandelt. Eine reflektierte Auseinandersetzung mit dem eigenen problematischen (Führungs-)verhalten war kaum erkennbar.
Arbeitsbedingungen
Bis vor Kurzem mussten dienstliche E-Mails über das private Handy versendet werden. Ein Betriebsrat existiert nicht. Zudem fehlen grundlegende Strukturen wie ein Zeiterfassungssystem. Überstunden müssen manuell gemeldet werden, was zusätzlichen Aufwand bedeutet.
Kommunikation
Die interne Kommunikation war häufig inkonsistent, unklar und intransparent. Das betraf sowohl Arbeitsanweisungen als auch Studio-policies und den Umgang mit Kund*innen. Zuständigkeiten waren nicht immer klar definiert, und die Kommunikation erfolgte oft unter hohem Druck. Änderungen im Schichtplan wurden teils sehr kurzfristig – mitunter spätabends – über Gruppenkanäle mitgeteilt, welche man in seiner dienstfreien Zeit im Überblick behalten musste. Auch bei wesentlichen organisatorischen Fragen (z. B. Absagebedingungen für Classes) änderten sich die Vorgaben wiederholt und ohne nachvollziehbare Erklärung. Rückfragen wurden teilweise mit Unmut beantwortet. Kritisch zu sehen ist auch der Umgang mit negativem Kundenfeedback: Dieses wurde teilweise ungefiltert weitergegeben, ohne Kontext oder eine vermittelnde Einordnung durch die Führungsebene. Dies vermittelte den Eindruck, dass Mitarbeitende nicht den nötigen Rückhalt durch ihre Vorgesetzten erfahren. Konstruktives Feedback von Angestellten hingegen stieß häufig auf Unverständnis oder wurde nicht weiter verfolgt – auch dann nicht, wenn es um konkrete Probleme wie defekte Ausstattung ging, auf die wiederholt hingewiesen wurde.