Hinter glänzender Fassade stecken starre Strukturen, eine ungeeignete Führung und wenig Raum für persönliche Entfaltung.
Gut am Arbeitgeber finde ich
Das Team und die Lage vom Büro
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
• Homeoffice-Regelung wie aus dem Jahre 2002
• Wenig echtes Vertrauen in Mitarbeitende
• Doppelmoral bei sozialen Werten
• Feedback wird nicht als Chance, sondern als Bedrohung gesehen
• Vieles hängt von persönlichen Beziehungen ab – nicht von Leistung
• Diskussionen bei jeder Veränderung – ob Teilzeit, Gehalt oder mehr Verantwortung
Verbesserungsvorschläge
• Den Mitarbeiter:innen wirklich zuhören, nicht nur so tun.
• Bedürfnisse der Mitarbeitenden ernst nehmen – und vor allem fragen, statt zu raten oder von sich selbst auszugehen.
• Flexiblere Arbeitsmodelle zulassen – Vertrauen statt Präsenzpflicht.
• Kritikfähigkeit trainieren – vor allem auf Führungsebene.
• Gleichbehandlung nicht nur predigen, sondern umsetzen.
• Lernen, dass man als Führungskraft und auch als Arbeitgeber nie „ausgelernt“ hat.
Arbeitsatmosphäre
Im Büro: Das Team ist herzlich, engagiert und hat einen guten Schmäh. Neue Leute wurden offen aufgenommen – Grüße gehen an der Stelle raus! Diese positive Stimmung entstand allerdings weniger durch gezielte Teamförderung, sondern mehr durch die Menschen selbst. Kurzum: Das Unternehmen hatte Glück mit dem Personal – nicht umgekehrt. Deshalb nur 2 Sterne.
Getrübt wurde die gute Stimmung nämlich von einer inkonsequenten Führung, die auf Emotionalität basiert. Hier war jeder Tag ein Überraschungsei.
Außertourlich: Zum Geburtstag bekommt jede Person Champagner, einen Kuchen, Blumen und ein Ständchen. Im Jahr gibt es ein Teambuilding (wobei das wenig mit der Stärkung des Teamzusammenhalts zu tun hat), ein Sommerfest und eine Weihnachtsfeier.
Image
Nach außen: Innovativ, grün, nachhaltig, zukunftsorientiert. Das Unternehmen wirkt wie ein Vorzeigebetrieb und dieses Bild will um jeden Preis gehalten werden. Das Marketing ist vor allem auch durch den bekannten Gründer und das Standing der betreuten Marke stark.
Nach innen zeigt sich ein anderes Bild: Eher analog, unsicher, kontrollierend, empfindlich. Die Lücke zwischen Selbstbild und Realität ist spürbar – und für Mitarbeitende auf Dauer frustrierend, sobald die schöne Fassade zu bröckeln beginnt.
Work-Life-Balance
Theoretisch wird ein gutes Verhältnis zwischen Arbeit und Privatleben geschätzt – praktisch eher erschwert. Ressourcenknappheit? Vorhanden. Neue Mitarbeitende? Schwer zu finden.
All-In-Verträge sind gängig und Homeoffice theoretisch möglich, aber in homöopathischer Dosis. Zwei Tage im Monat, sofern sie nicht an einem Montag, Freitag oder nach Urlaub liegen. Also am besten einfach nie, denn Homeoffice ist eh "quasi wie Urlaub".
Das vermittelte Gefühl: Präsenz ist gleich Produktivität. Vertrauen hatte mehr mit Kontrolle zu tun. Flexibilität und ein vertrauensvolles Umfeld sind in diesem Unternehmen leider nicht vorhanden. Auf die wiederholten Wünsche von den Mitarbeiter:innen wird schlicht weg nicht gehört. Wem das nicht passt, musste gehen.
Also wer es schafft, unter diesen Bedingungen noch von Balance zu sprechen, verdient Respekt. Oder einen Preis.
Karriere/Weiterbildung
Karrierechancen gibt es – vor allem für Menschen mit Anpassungstalent. Wer Widerspruch vermeidet und nicht zu auffällig eigene Ideen verfolgt, kann sich gut positionieren.
Weiterbildungen sind theoretisch möglich, aber nicht proaktiv gefördert. Eigeninitiative ist gefragt – inklusive Überzeugungsarbeit. Und auch hier gilt: Wer beliebt ist, hat bessere Karten.
Gehalt/Benefits
Die Bezahlung ist überdurchschnittlich – allerdings inklusive Überstundenpaket im All-In-Format. Fällt das weg, ist die Bezahlung branchenüblich. Wer sonstige Extras abseits des Büro-Obsts möchte, bekommt einen Kaffee für 30 Cent.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Im Bereich Nachhaltigkeit und Bio ist das Unternehmen sehr engagiert – und das spürt man auch. Die externe Kommunikation ist durchdacht, die Werte im Produktbereich glaubwürdig.
Sozialbewusstsein intern? Kommt stark auf den Kontext an. Wenn es unbequem oder teuer wird, endet die Rücksicht schnell. Kündigungen werden bürokratisch durchgezogen, statt empathisch gestaltet. Einvernehmliche Übereinkünfte, die absolut üblich sind und keinen Nachteil für das Unternehmen bringen, werden bewusst verweigert, um jenen, die das Unternehmen aus freier Entscheidung heraus verlassen, noch einen Gehfehler mitzugeben.
Die Vision geht eben nur soweit, wie der eigene Schatten reicht.
Kollegenzusammenhalt
Ob bei stressigen Deadlines, technischer Pannenhilfe oder schlicht moralischer Unterstützung – die Kolleg:innen waren füreinander da und das war auch nötig!
Umgang mit älteren Kollegen
Was ich beobachten konnte: Wer jung, dynamisch, formbar und „ein Sonnenschein“ war, passte besser ins gewünschte Bild. Erfahrene Kolleg:innen wurden weniger wertgeschätzt. Besonders, wenn viel Know-how da war, fühlten sich bestimmte Personen „bedroht“.
Das ist nicht nur schade, sondern ein professionelles und vor allem auch menschliches Versäumnis.
Vorgesetztenverhalten
Das größte Problem im Unternehmen, meiner bescheidenen Meinung nach, und das sitzt wirklich an der tiefsten Wurzel.
Die Bereitschaft, Feedback anzunehmen, war in etwa so ausgeprägt wie die Freude über Steuerprüfungen. Obwohl stets betont wurde, man könne „über alles reden“, endeten konstruktive Kritikversuche in emotionalen Reaktionen – oder in Stille. Deshalb hat man’s dann irgendwann gelassen.
Entscheidungen wirkten oft impulsiv und persönlich gefärbt – und nicht, als wären sie Ergebnis eines professionellen Austauschs. Statt Klarheit und Orientierung zu geben, erzeugte das Verhalten der Führung oft Verwirrung oder Frust – besonders bei engagierten Mitarbeitenden, die sich gerne eingebracht hätten.
Mein Eindruck: Führung auf Gefühlsebene, nicht auf Augenhöhe.
Arbeitsbedingungen
Das Büro in der Wiener Innenstadt ist gut angebunden, schick und groß, keine Frage. Aber wenn sich mehrere Leute einen Laptop teilen müssen, wird’s eng – im Homeoffice wie im Kalender.
Hinter der strengen Homeoffice-Regelung stand das Argument des Teamzusammenhalts und der wichtigen Präsenz im Büro. Diese „Schäfchen im Stall“-Mentalität zeugt meiner Meinung nach von wenig Vertrauen, einem veralteten Verständnis von Teamstrukturen und Arbeit im Generellen. Meine Erfahrung hat gezeigt, dass ein wertschätzendes und gutes Klima in Teams mit mehr Homeoffice-Möglichkeit möglich ist – und dadurch teilweise sogar besser wird. Warum? Einfach, weil man den Menschen ermöglicht, ihr Arbeitsleben in einem gewissen Rahmen an ihr privates anzupassen. Jedenfalls entstand immer der Eindruck, dass die Arbeit im Homeoffice nicht den gleichen Stellenwert hatte, wie jene im Büro.
Achja und: Stehtische gibt es nur begrenzt. Ist keiner frei, ists Pech.
Alles in allem sind die Arbeitsbedingungen für ein Unternehmen, das Innovation im „Selbstverständnis“, in der „DNA“ und auf jeder Fahne stehen hat, ein Armutszeugnis.
Kommunikation
Kommunikation ist in vielen Unternehmen eine Baustelle. So ist das, wenn viele Persönlichkeiten aufeinandertreffen - I get the point! In diesem Unternehmen wird’s aber besonders knifflig. Denn Kommunikation war kein fester Bestandteil der Unternehmenskultur, sondern eher eine Art spontane Wortakrobatik: mal diplomatisch verklausuliert, mal so vage, dass man sie auch als Horoskop abdrucken könnte.
Wer Missverständnisse vermeiden wollte, musste manchmal nicht nur zwischen den Zeilen lesen, sondern dazwischen noch die Fußnoten suchen.
Das Credo lautete: Es kann immer über alles gesprochen werden! Die Realität: Feedback nach unten kam gerne unvermittelt und teilweise scharf formuliert, wohingegen Kritik nach oben besser gar nicht oder nur mit Schutzhelm und Fluchtplan angebracht wurde. Die Folgen: Unsicherheit, Spekulation und eine Kommunikationskultur, in der „ehrlich sein“ mit „vorsichtig schweigen“ verwechselt wurde.
Gleichberechtigung
Frauen in Führungspositionen? Vorhanden – und zwar nicht nur symbolisch. Das ist ein Pluspunkt. Aber Gleichbehandlung im Sinne von Fairness für alle? Da wird’s schwieriger.
Ob und wie gut man behandelt wurde, hing stark davon ab, wie man bei bestimmten Personen „stand“. Je nach Sympathie zur Geschäftsführung wurde man mal mit Samthandschuhen, mal mit Ofenhandschuhen behandelt. Objektive Kriterien wurden, wenn überhaupt, in einer anderen Abteilung aufbewahrt.
Fazit: Nähe zur Geschäftsführung oder Anpassungsfähigkeit führten zu Vorteilen, kritische Fragen oder eigenständiges Denken in zu großem Ausmaß eher zu Nachteilen. Gleichberechtigung ohne gezielte Beziehungspflege war leider nicht möglich.
Interessante Aufgaben
Die Themen rund um biologische Landwirtschaft, nachhaltige Wertschöpfungsketten und die Lebensmittelbranche im Allgemeinen sind fachlich relevant und spannend. Man hat die Möglichkeit, sich mit Fragen zu beschäftigen, die gesellschaftlich etwas bewegen – zumindest theoretisch.
In der Praxis war der Gestaltungsspielraum jedoch oft eingeschränkt und das Verständnis für Trends nicht unbedingt am Zahn der Zeit. Teilweise wurde von eigenen Interessen auf die Allgemeinheit geschlossen. Ideen mussten nicht nur fachlich gut sein, sondern auch dem persönlichen Geschmack der Entscheider:innen entsprechen. Und das war... volatil.