Leider keine empfehlenswerte Lehrstelle.
Gut am Arbeitgeber finde ich
Ehrlich gesagt fällt es mir schwer, etwas besonders Positives hervorzuheben. Die Arbeit hat mir persönlich viele Herausforderungen bereitet, und viele Bereiche könnten aus meiner Sicht verbessert werden.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Meine Zeit als Lehrling bei den Wiener Stadtwerke war leider überwiegend negativ. Die Betreuung der Lehrlinge ist oft mangelhaft, wichtige Informationen erreichen einen verspätet oder gar nicht, und viele Abteilungen haben nicht die zeitlichen Ressourcen, um Lehrlinge richtig einzuarbeiten. Entscheidungen der Holding werden strikt vorgegeben, ohne dass auf die Bedürfnisse der Lehrlinge oder der betroffenen Abteilungen Rücksicht genommen wird.
Unterstützung bei Problemen, Weiterbildungsmöglichkeiten und der Zusammenhalt in manchen Abteilungen lassen stark zu wünschen übrig. Für einen Berufseinsteiger direkt aus der Schule war dieses Verhalten des Unternehmens sehr enttäuschend und schockierend. Viele Situationen waren frustrierend, und ich habe von zahlreichen anderen Lehrlingen ähnliche schlechte Erfahrungen gehört. Insgesamt war meine Zeit dort leider eine sehr negative Erfahrung, und ich würde diese Lehrstelle nicht weiterempfehlen.
Verbesserungsvorschläge
Ich würde mir wünschen, dass die Wiener Stadtwerke die Lehrlinge konsequent und gezielt betreut. Die Basis dafür ist bereits vorhanden, wird aber meiner Meinung nach nicht ausreichend genutzt.
Besonders wichtig wäre mir, dass Lehrlinge bei Problemen ernst genommen werden und aktiv Unterstützung erhalten – gemeinsam Lösungen zu finden, statt sie wieder in schwierige Situationen zurückzuschicken.
Lehrlinge sollten gehört werden und es sollte darauf geachtet werden, was sie wirklich brauchen. Ein strukturiertes Briefing für Ausbilder in den Abteilungen könnte helfen, klar zu definieren, welche Inhalte und Aufgaben Lehrlinge durchlaufen sollen. Außerdem sollte geprüft werden, dass Abteilungen nur Lehrlinge aufnehmen, wenn ausreichend zeitliche Kapazitäten vorhanden sind, um diese sinnvoll einzubinden und einzuarbeiten.
Zusätzlich würde ich der Firma empfehlen, insgesamt lockerer und flexibler zu agieren. Die Holding wirkt im Vergleich zu den Tochterunternehmen sehr stark versteift, was teilweise die Zusammenarbeit und Entscheidungsprozesse erschwert.
Arbeitsatmosphäre
Die Arbeitsatmosphäre war je nach Abteilung unterschiedlich, da die Einteilung der Lehrlinge stark davon abhing, wo gerade Kapazitäten frei waren. Dadurch wurden geplante Abteilungswechsel und Zeiträume nicht immer eingehalten. Insgesamt war das Arbeitsumfeld sehr stressig, und die meisten Mitarbeiter waren stark auf ihre eigenen Aufgaben fokussiert. Dadurch fehlten häufig die zeitlichen Ressourcen, um Lehrlinge ausreichend einzuschulen und zu unterstützen.
Image
Das Image der Holding ist unter den Lehrlingen kaum vorhanden, da viele sie nicht wirklich kennen und es nur wenige direkte Berührungspunkte gibt. Auch bei anderen Tochterunternehmen genießt die Holding keinen besonders guten Ruf, da ihre Entscheidungen oft als sehr strikt und wenig beeinflussbar wahrgenommen werden, selbst wenn diese die Zusammenarbeit oder Arbeitsabläufe erschweren. Dadurch entsteht nicht immer ein positives Bild in der Zusammenarbeit. Zusätzlich gibt es aus meiner Sicht Führungskräfte, die diese starke Position sehr deutlich ausleben, insbesondere bei Personalthemen, was die Wahrnehmung der Holding weiter negativ beeinflussen kann.
Work-Life-Balance
Durch das Gleitzeitmodell besteht eine hohe Flexibilität bei der Arbeitszeitgestaltung, was ich als sehr positiv empfunden habe. Dadurch ist es gut möglich, Beruf und Privatleben miteinander zu vereinbaren.
Karriere/Weiterbildung
Grundsätzlich bieten die Wiener Stadtwerke sehr interessante und vielfältige Weiterbildungsangebote, die ich gerne häufiger genutzt hätte. Als Lehrling wurde mir jedoch oft vermittelt, dass dafür im Arbeitsalltag keine Zeit vorgesehen ist. Gleichzeitig kam es vor, dass ich aufgrund fehlender Aufgaben längere Zeit wenig zu tun hatte. In solchen Momenten hätte ich mir gewünscht, die vorhandenen Weiterbildungsangebote nutzen zu können, um mein Wissen sinnvoll zu erweitern und die Zeit produktiv zu verwenden.
Gehalt/Benefits
Das Gehalt sowie die angebotenen Sozialleistungen sind fair und angemessen. Meiner Erfahrung nach gibt es hier keinen Grund zur Beanstandung.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Das Thema Umwelt- und Sozialbewusstsein wird im Unternehmen viel diskutiert, umgesetzt wird daraus aus meiner Sicht jedoch vergleichsweise wenig. Es bleibt oft bei Ankündigungen oder Gesprächen, konkrete Maßnahmen und Veränderungen im Arbeitsalltag sind eher begrenzt spürbar.
Kollegenzusammenhalt
Der Kollegenzusammenhalt war stark von der jeweiligen Abteilung abhängig. In vielen Abteilungen herrschte eine gute Stimmung und ein unterstützendes Miteinander, was ich sehr positiv erlebt habe. Leider habe ich aber auch das Gegenteil kennengelernt – Bereiche, in denen wenig Zusammenhalt vorhanden war und Mitarbeiter teilweise gegeneinander gearbeitet haben.
Auch unter den Lehrlingen wirkte der Zusammenhalt nach außen hin oft besser, als er tatsächlich war. Teilweise hatte ich den Eindruck, dass wir Lehrlinge im Arbeitsalltag wenig Beachtung finden und schnell untergehen. Unterstützung durch Kollegen oder das Lehrlingsmanagement war in solchen Situationen nicht immer ausreichend vorhanden, was ich persönlich sehr schade fand.
Umgang mit älteren Kollegen
Im Umgang mit älteren Kollegen habe ich kaum Unterschiede festgestellt. Die Wiener Stadtwerke sind insgesamt sehr modern aufgestellt, und auch ältere Mitarbeitende zeigen die Bereitschaft, sich neues Wissen und aktuelle Arbeitsweisen anzueignen. Dadurch gestaltet sich die Zusammenarbeit altersübergreifend meist angenehm und unkompliziert.
Vorgesetztenverhalten
Beim Vorgesetztenverhalten beziehe ich mich insbesondere auf das Lehrlingsmanagement, von dem ich persönlich sehr enttäuscht war. Ich hatte nicht das Gefühl, meine Meinung offen äußern zu können. Wenn Lehrlinge Probleme mit Abteilungen oder Kollegen angesprochen haben, entstand teilweise der Eindruck, dass diese Themen nicht ernst genommen oder relativiert wurden. Dadurch fühlte man sich als Lehrling eher zurückhaltend, solche Erfahrungen offen anzusprechen. Insgesamt hätte ich mir hier mehr Unterstützung, Verständnis und eine offenere Gesprächskultur gewünscht, insbesondere im Rahmen der Lehrlingsbetreuung
Arbeitsbedingungen
Die Büroräume sind ansprechend gestaltet, allerdings helfen sie wenig, wenn das Arbeitsklima nicht stimmt. Die technische Ausstattung ist modern und funktional, was den Arbeitsalltag erleichtert. Insgesamt sind die physischen Arbeitsbedingungen sehr gut, auch wenn andere Faktoren die Arbeitserfahrung stark beeinflussen können.
Kommunikation
Die Kommunikation gegenüber Lehrlingen war insgesamt unzureichend. Wichtige Informationen wurden oft sehr spät oder teilweise gar nicht weitergegeben, sodass man vieles nur nebenbei von Lehrlingen anderer Tochterfirmen erfahren hat. Zusätzlich empfand ich die allgemeine Kommunikation für Lehrlinge innerhalb der Wiener Stadtwerke als verbesserungswürdig. Während die großen Hauptunternehmen wie Wiener Netze, Wien Energie oder Wiener Linien sehr präsent sind, fehlte diese klare Identität und Zugehörigkeitsvermittlung bei uns leider, was häufig zu Verwirrung geführt hat.
Gleichberechtigung
Gleichberechtigung wird bei den Wiener Stadtwerken grundsätzlich großgeschrieben. Ich persönlich wurde in vielen Situationen sehr respektvoll behandelt. Gleichzeitig gab es aber auch Momente, in denen mir gesagt wurde, dass ich „ja nur Lehrling“ sei und mich daher nicht einmischen sollte. Das hat deutlich gezeigt, dass man mit dem Lehrlings-Titel hierarchisch teilweise heruntergestuft wird, auch wenn man als Person fair behandelt wird.
Interessante Aufgaben
Wenn sich Mitarbeiter die Zeit nehmen, einen Lehrling gut einzuschulen und einzubinden, erhält man spannende Einblicke und kann viele interessante Aufgaben kennenlernen. In solchen Fällen macht die Arbeit auch Spaß und man kann fachlich viel mitnehmen. Leider hing dies stark von der jeweiligen Abteilung und der verfügbaren Zeit der Mitarbeiter ab.

