Chaos, Reorgs und Management by Überraschung: Langweilig wird es hier nie
Gut am Arbeitgeber finde ich
- Die Themen und Aufgaben sind wirklich spannend, wenn man es schafft, das organisatorische Gewitter auszublenden.
- Der Kollegenzusammenhalt ist top, gemeinsam schafft man es, das interne Chaos mit Humor zu ertragen.
- Die 40-Stunden-Woche ist ein echter Pluspunkt und überdurchschnittlich für die Branche.
- Flexible Arbeitszeiten erleichtern vieles (wenn gerade keine neue Krisensitzung dazwischenkommt).
- Das Markenimage nach aussen ist stark, erstaunlich stark im Vergleich zur internen Realität.
- Es gibt einen PET-Korb. Small steps.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
- Die ständigen Reorganisationen ohne erkennbaren Nutzen oder Ziel.
- Die Kommunikation, die sich oft wie ein Spiel „Wer weiss eigentlich was?“ anfühlt.
- Beförderungslogik, die teilweise eher an eine Überraschungsbox erinnert als an ein Leistungsprinzip.
- Das Home-Office-Hin-und-Her, inklusive subtilem Druck, trotzdem ins Büro zu kommen.
- Bürobedingungen, die im Sommer tropische Temperaturen und ganzjährig Lärmkulissen bieten.
- Entscheidungen, die oft überraschend, unklar oder sehr kurzfristig getroffen werden, und genauso schnell wieder verschwinden.
- Das konstante Grundrauschen aus Stress, Unsicherheit und Planänderungen.
- Die konstante Entlassungen.
Verbesserungsvorschläge
- Vielleicht einmal ein Reorg-Projekt wirklich fertigdenken, bevor der nächste gestartet wird.
- Entscheidungen nicht im „Stille-Post“-Modus treffen, sondern klar kommunizieren – idealerweise bevor alles wieder umgeworfen wird.
- Home Office nicht als Bedrohung sehen. Es löst viele Probleme, kostet nichts und erhöht die Produktivität, eine Win-Win-Win-Situation, falls das Konzept noch unbekannt ist.
- Führungskräfte auswählen, die länger als drei Monate bleiben und tatsächlich führen wollen.
- Bürobedingungen verbessern oder weniger Druck machen, überhaupt dort zu sein, beides wäre revolutionär.
- Projekte nicht nach zwei Wochen vergessen, sondern vielleicht ein Dashboard nutzen, auf dem ersichtlich ist, was existiert, existierte oder nie existiert hat.
- Mitarbeitende fragen, bevor man Entscheidungen trifft, die sie direkt betreffen. Kleiner Tipp: das erhöht Bindung, Effektivität und senkt Chaos.
- Attraktivere Preise für das monatliche «Entlassungs-Bingo»: Wer die 2–3 nächsten Abgänge korrekt vorhersagt, sollte zumindest einen kleinen Bonus oder einen Wanderpokal erhalten. Fördert Transparenz und Prognosefähigkeit gleichermassen.
- Automatische Aktivierung des Benny-Hill-Themes auf sämtlichen Geräten, sobald eine Führungskraft etwas in den offiziellen Slack-Channels postet, zur akustischen Unterstützung bei spontanen Richtungswechseln und organisatorischen Höchstleistungen.
Arbeitsatmosphäre
Wenn im Hintergrund ein Laughing Track laufen würde, es würde perfekt passen. Das Unternehmen befindet sich seit Jahren in einem Reorg-Marathon, niemand weiss wieso, denn die Aufgaben bleiben immer gleich, nur die Teamnamen ändern sich. Gute Mitarbeitende gehen oder werden „umstrukturiert“, während gewisse Beförderungen eher an einen Überraschungsgast in einer Sitcom erinnern.
Image
Trotz allem ist das Image bei Schweizer Konsument:innen erstaunlich gut.
Work-Life-Balance
Flexible Arbeitszeiten sind super, solange man die Überstunden gut wegbekommt. Die 40-Stunden-Woche ist ein Lichtblick.
Home Office dagegen wird strategisch abgebaut, trotz offizieller Erlaubnis steht man oft unter subtiler Beobachtung (tägliche Kontrollrunde vom CEO), ob man wirklich ins Büro kommen könnte. Begründungen variieren zwischen kreativ und kurios.
Karriere/Weiterbildung
Die „flache Hierarchie“ sorgt dafür, dass fast niemand aufsteigt, mit Ausnahme jener, die in der Hierarchie irgendwie trotzdem nach oben schweben. Wie genau das funktioniert, wäre vermutlich ein interessantes Forschungsprojekt.
Gehalt/Benefits
Löhne sind leicht unter dem Marktdurchschnitt, aber die 40-Stunden-Woche und bisherige Home-Office-Regelung gleichen das aus. Wie lange letzteres noch gilt, bleibt ein spannender Cliffhanger.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Immerhin gibt es einen PET-Korbeimer. Fortschritt!
Kollegenzusammenhalt
Überraschend gut. Vielleicht liegt es daran, dass man gemeinsam überlebt. Die Stimmung ist oft frustriert, aber untereinander hilft man sich, ein bisschen wie auf einer sinkenden Titanic, aber immerhin spielt das Bordorchester (die Mitarbeitenden) hervorragend zusammen.
Umgang mit älteren Kollegen
Erfahrene Mitarbeitende wechseln früher oder später zu Arbeitgebern, die weniger auf Improvisationstheater setzen. Das Durchschnittsalter bleibt jung, vermutlich, weil jüngere Mitarbeitende günstiger sind und weniger hinterfragen.
Vorgesetztenverhalten
Ein Würfelspiel: Manche Führungskräfte sind richtig gut, andere verschwinden schneller als man sie kennenlernen kann. Konsistenz? Ein Luxusgut. Manche Mitarbeitende wechseln ihre Vorgesetzten häufiger als andere ihre Zahnbürste, fünf bis sechs Chefs pro Jahr sind keine Seltenheit.
Arbeitsbedingungen
Stress gehört zum Inventar. Die Büroräume sind so laut und chaotisch, dass man sich manchmal fragt, ob man nicht doch in einem Co-Working-Space für Start-ups gelandet ist.
Im Sommer wird es tropisch warm (Klimaanlage? Was ist das?), Meetingräume sind ständig überbucht und Sitzplätze Glückssache.
Home Office würde viel davon lösen, aber bei gewissen Entscheidungen scheint Logik nicht zugelassen zu sein.
Wenn keine Arbeitsplätze mehr frei sind, wird kreatives Arbeiten gefördert... etwa in der Küche, was angeblich den Vorteil hat, die Mittagspause effizienter zu gestalten.
Kommunikation
Einmal im Monat gibt es eine Townhall, in der präsentiert wird, was man vor zwei Wochen noch ernst gemeint hat. Danach ist alles ohnehin wieder anders. Projekte haben die Halbwertszeit eines Joghurtbechers, vieles wird kommentarlos fallen gelassen.
Dank flacher Hierarchie darf jede Ebene fleissig ihre eigene Interpretation beitragen, das Resultat gleicht dem Spiel „Stille Post“, nur mit höherem Wirtschaftsschaden.
Gleichberechtigung
In Sachen Gleichberechtigung macht das Unternehmen vieles richtig: Alle Mitarbeitenden erhalten unabhängig von Geschlecht oder Herkunft ein vergleichbar hohes Niveau an Druck, Stress und spontanen Richtungswechseln.
Interessante Aufgaben
Was die Aufgaben angeht: sehr spannend! Das Management versucht zwar sein Bestes, dies durch konstantes Chaos zu sabotieren, aber inhaltlich bleibt es interessant.


