Wenn Werte nur noch an der Wand hängen
Gut am Arbeitgeber finde ich
Die Weiterbildungsmöglichkeiten finde ich durchaus positiv. Erstklassig ist auch, dass man geistesgegenwärtig die Büros direkt neben einer Tramhaltestelle mietete – besten Dank an die VBZ!
Zudem hatte die Zeit bei Faigle etwas von einem nie enden wollenden Monty-Python-Film – jeden Tag gab es neue, kreative Entscheidungen. Der Unterhaltungswert war Weltklasse.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Abschliessend würde ich niemandem empfehlen, hier zu arbeiten. Nicht wegen der Mitarbeitenden – diese sind grösstenteils kompetent, hilfsbereit und gute Menschen. Sondern wegen der aktuellen Führung, welche sich zunehmend in ihrer eigenen Echokammer bewegt und Kritik mit ihren eigenen Lobeshymnen übertönt.
Verbesserungsvorschläge
Nehmt eure Mitarbeitenden endlich ernst. Hört auf, sie zu vertrösten, anzulügen und auszunutzen. Räumt innerhalb der GL endlich auf – es fällt mittlerweile jedem auf, dass ein Posten nicht in diese GL gehört.
Verbessert eure HR-Leitung. Es kann nicht sein, dass man über ein halbes Jahr auf ein Zwischenzeugnis warten muss, obwohl man mehrfach darauf hingewiesen hat.
CEO und HR sind sich extrem nahe, was viele Mitarbeitende bemängeln und weshalb sie die Neutralität des HR gefährdet sehen. Wenn man dem CEO eine Teams-Nachricht schrieb, antwortete nicht selten die HR-Leitung. Dadurch litt mein Vertrauen in die Vertraulichkeit solcher Gespräche.
Diese enge Arbeitsbeziehung führte zu Unbehagen. Auch gemeinsame Geschäftsreisen nach Indien trugen nicht dazu bei, dieses zu reduzieren.
Besonders kritisch sehe ich den Umgang der HR-Leitung mit meinen Persönlichkeitsrechten. Ohne mein Wissen wurde mein behandelnder Arzt mehrfach kontaktiert. Die Angelegenheit war derart gravierend, dass mir mein Rechtsschutz empfahl, den Fall vor die Schlichtungsbehörde zu bringen.
Mein Arzt teilte mir zudem mit, dass auf ihn Druck ausgeübt worden sei und die Angelegenheit von Faigle als äusserst dringlich dargestellt worden sei. Die Situation war für ihn derart befremdlich, dass er künftig möglichst nichts mehr mit Faigle zu tun haben wolle.
Jeder darf selbst entscheiden, ob dies nun eine Red Flag ist oder nicht.
Arbeitsatmosphäre
Kann man sich nicht beschweren - die Mitarbeiter untereinander sind meist sehr kollegial und pflegen eine angenehme Atmosphäre.
Kommunikation
Die Kommunikation wird so gut wie von jeder Abteilung stark kritisiert, und zwar auf jeder Ebene.
Das Traurige an diesem Punkt ist, dass dies schon seit JAHREN immer und immer wieder kritisiert wird. In der GL befindet sich auch eine Person (mein Lieblings-GL-Mitglied), welche Kommunikation beherrschen sollte, da diese Person über einen B.Sc. in Kommunikation verfügt.
Faigle argumentiert meistens damit, dass die Kommunikation während der grossen ERP-Umstellung nicht immer optimal war.
Leute, lasst euch nicht anlügen – Faigle hatte schon vor dem Projekt immense Probleme mit der Kommunikation. Das ist kein Nebenprodukt einer vergeigten SAP-Migration. Würde Faigle die Kritik (und somit euch Mitarbeitende) ernst nehmen, so hätte man längst etwas unternommen.
Es gibt zwar den Faigle Talk, aber dieser Anlass wird meiner Meinung nach hauptsächlich dafür genutzt, um sich selbst auf die Schulter zu klopfen und sich selbst zu applaudieren.
Ein Event, bei welchem die GL-Darsteller Probleme schönreden und die Realität verweigern, während sie versuchen, ihr hohles Geschwätz den Mitarbeitenden in die Grosshirnrinde einzumassieren.
Vorgesetztenverhalten
Nachdem meine damalige Vorgesetzte aufgrund ihres jahrelangen übergriffigen Verhaltens freigestellt wurde, rapportierte ich direkt an den CEO sowie an die HR-Leitung (oder CEO-Office? ;)).
Ab hier begann eine Periode voller Hinhalterei, Lügen und Vertröstungen. Man bat mich, die ausfallende Abteilungsleiterin bis auf Weiteres zu kompensieren, ohne dass ich dafür in irgendeiner Form kompensiert worden wäre.
Man versprach, direkt einen Ersatz zu suchen. Jedoch war man sich in der GL und im VR schnell uneinig, was man überhaupt wollte, und vertagte diese strategische Entscheidung um 1,5 (!!!) Jahre.
In dieser überaus kurzen Überbrückungszeit wurde ich bei eigenen Vorschlägen regelmässig mit dem Verweis zurückgepfiffen: „Wartet noch ab, bis wir wissen wie es weitergehen soll.“
Der grosse Sankt-Nimmerleins-Tag trat schlussendlich ein und endete damit, dass man meine Stelle strich. Nachdem ich 1,5 Jahre immer wieder für alle möglichen Themen den Kopf hinhalten musste und Arbeiten erledigte, für die ich weder eingestellt noch kompensiert wurde.
Diese Hinhaltetaktik ist an Widerwärtigkeit kaum zu überbieten. Die Unwahrheit war Faigles Hammer und die Vertröstung ihr Meissel.
Interessante Aufgaben
Da Faigle nicht wirklich weiss, wofür Marketing da ist, bewegten sich auch die Aufgaben häufig auf eher überschaubarem Niveau.
Mit dem früheren CEO engagierte Faigle zwar für kurze Zeit einen externen Marketingberater (der im Wesentlichen das Gleiche sagte wie ich, nur in einem fast schon homöopathischen Ton), doch aus der ganzen Übung wurde nichts.
Dieser Berater kostete Zehntausende Franken. Umgesetzt wurde jedoch keine einzige seiner Massnahmen. Stattdessen wurde er nicht mehr zurate gezogen – mit der messerscharfen Begründung: „Wir müssen zuerst schauen, welchen Approach wir überhaupt verfolgen wollen.“
Das Ganze erinnerte stellenweise an eine Realsatire. Was tröstlich ist, denn manchmal ist dem Wahnsinn der Gegenwart nur noch mit der Komödie beizukommen.
Gleichberechtigung
Es gibt keine Gleichberechtigung.
Viele Bewertungen vor meiner bemängelten bereits, dass man nur durch Vetterliwirtschaft weiterkommt. Und es mag sein, dass dies in jeder Firma bis zu einem gewissen Grad vorkommt, aber bei Faigle ist es wirklich frappierend.
Wie viele Stellen durch „Freunde“ besetzt wurden, die man rein zufällig kannte. Wie man per „Zufall“ in eine GL-Rolle rutscht, obwohl man inhaltlich wenig zu bieten hat – einfach weil man beim VR gut dasteht. Es hat stellenweise fast etwas von einem Zauberstück, bei dem man anstelle eines Hasen einen GL-Posten aus dem Hut zaubert.
Es gibt einzelne Ausnahmen. Es gab durchaus Personen, die sich ihre zusätzliche Verantwortung verdient und erarbeitet haben. Sie bilden jedoch nicht die Mehrheit.
Arbeitsbedingungen
Durch den Umbau mittlerweile okay. Während des Umbaus, welcher sich sehr lange hinzog: untragbar.
Ich erinnere mich gerne an das alte Büro zurück, welches angeblich voller Asbeststaub war (zumindest waren das die Gerüchte, die damals kursierten und erklären sollten, weshalb die Fenster überhaupt saniert werden mussten).
Die Arbeiter flexten damals irgendein Teil am Fensterrahmen ab, und die Funken sprühten auf meinen Bildschirm.
Homeoffice zu dieser Zeit? Nein. Man musste eisern an der 60/40-Regel festhalten.
Übrigens eine jener Regeln, die von jedem Teamleiter so ausgelegt werden, wie es gerade passt. Es gibt Mitarbeitende, die zu 100 % im Homeoffice arbeiten, und niemand sagt etwas dazu, weil gewisse Teamleiter offenbar gleicher sind als andere.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Einmal pro Monat wird man eingeladen, auf dem Firmenparkplatz Abfall einzusammeln. Offenbar gilt dies als Beitrag zum Umwelt- und Sozialbewusstsein.
Gehalt/Benefits
Die Sozialleistungen sind 50/50 – also nicht wirklich gut. Viele Arbeitgeber bieten 60/40 oder gar 70/30. Das Minimum scheint hier jedoch der Standard zu sein.
Auch die Lohnbänder wirken hoffnungslos veraltet und haben mit dem realen Arbeitsmarkt wenig zu tun. Während Faigle in gewissen Abteilungen mit der grossen Schöpfkelle anrichtet, liegen andere Bereiche weit unter dem marktüblichen Lohnniveau.
Man sollte nicht Zehntausende Franken in Apéros und bedruckte T-Shirts investieren (die niemand will), während gleichzeitig solche Ungerechtigkeiten bestehen.
Und wenn man dann noch hört, dass es angeblich „gute“ Jahre waren, man aber gleichzeitig zwei bis drei Jahre keine Lohnerhöhung erhält, schlägt das dem Fass den Boden aus.
Image
Faigle lebt vom Ruf und den Kontakten des VRP.
Durch den Glanz längst vergangener Tage hat Faigle bei den Kunden aktuell noch ein gutes Standing und lebt davon, dass es ihnen in der Vergangenheit finanziell sehr gut ging. Nur so lässt sich erklären, weshalb es in dieser Firma derart ineffiziente Prozesse gibt, welche täglich Geld verbrennen.
Wachstum erzielt man primär, indem der VR ein- bis zweimal pro Jahr auf Shoppingtour geht und kleinere Firmen dazukauft. Organisches Wachstum, welches durch eine starke Führung erzielt wird, ist verschwindend gering.
Karriere/Weiterbildung
Hier muss man zwischen Karriere und Weiterbildung unterscheiden.
Beim Thema Weiterbildung ist Faigle sehr gut und auch fair. Wenn man sich engagiert und einen willigen Teamleiter hat, wird eine Weiterbildung in der Regel finanziert.
Ob man anschliessend mit dieser Weiterbildung in der Firma auch Karriere macht, steht auf einem ganz anderen Blatt. Hier sind wir wieder beim Thema Vetterliwirtschaft.
Mein Rat: Macht eure Weiterbildung und setzt diesen Trumpf anschliessend klug ein.
