Gut am Arbeitgeber finde ich
Besonders positiv waren für mich die vielen interessanten und engagierten Menschen, die ich bei Hiltl kennenlernen durfte. Dadurch sind wertvolle berufliche Kontakte und teilweise auch persönliche Beziehungen entstanden, die über meine Anstellung hinaus bestehen bleiben.
Ein weiterer guter Vorteil ist die Verpflegung für Mitarbeitende. Das Angebot ist grösstenteils ausgewogen und gesund. Gegen einen pauschalen Abzug pro geleistete Arbeitsstunde kann man sich während der Arbeit frei verpflegen, was ich als praktisch und grosszügig empfand.
Auch die Bekanntheit, die lange Geschichte und das grosse Netzwerk des Unternehmens ermöglichen interessante Begegnungen und Einblicke. Insgesamt habe ich bei Hiltl viele wertvolle Erfahrungen gesammelt, spannende Menschen kennengelernt und wichtige Erkenntnisse für meinen weiteren Weg gewonnen.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Viele Entscheidungen wirkten aus meiner Sicht eher kurzfristig und reaktiv als nachhaltig geplant. Verantwortung wurde schnell übertragen, wenn personelle Lücken entstanden, jedoch nicht immer mit der notwendigen Begleitung, Anerkennung oder Entscheidungsbefugnis verbunden. Die aus meiner Wahrnehmung hohe Fluktuationsrate führte zusätzlich dazu, dass Wissen, Erfahrung und Kontinuität verloren gingen und entstandene Lücken wiederholt von den verbleibenden Mitarbeitenden aufgefangen werden mussten. Gleichzeitig erschwerten Micromanagement, unklare Zuständigkeiten und wiederkehrende Abstimmungsschlaufen ein selbstständiges und effizientes Arbeiten.
Besonders schade finde ich, dass im Unternehmen viele talentierte und engagierte Menschen arbeiten, deren individuelles Potenzial nicht immer erkannt oder sinnvoll eingesetzt wird. Wer bestehende Abläufe hinterfragte oder neue Ideen einbrachte, wurde aus meiner Wahrnehmung teilweise eher als schwierig wahrgenommen, anstatt als Chance für Weiterentwicklung gesehen zu werden.
Insgesamt hätte ich mir eine langfristigere Personalführung gewünscht, die Mitarbeitende gezielt entwickelt, ihre Stärken nutzt und ihnen das nötige Vertrauen schenkt. Die hohe Fluktuation sollte aus meiner Sicht nicht nur als eine Reihe einzelner Personalentscheidungen betrachtet werden, sondern auch Anlass geben, bestehende Strukturen und das Führungsverhalten selbstkritisch zu überprüfen.
Verbesserungsvorschläge
-Verantwortung und Funktion aufeinander abstimmen
-Mitarbeitende unabhängig von ihrem Alter und ihrer Betriebszugehörigkeit ernst nehmen
-Organisatorische und personelle Veränderungen zuerst mit den direkt betroffenen Personen besprechen
-Entscheidungen transparent und nachvollziehbar kommunizieren
-Die Leistung ehemaliger Mitarbeitender respektieren, auch wenn sich die Strategie verändert
-Führung auf Augenhöhe statt Micromanagement fördern
-Neue Ideen nicht nur einfordern, sondern tatsächlich ermöglichen
-Langjährige und engagierte Mitarbeitende stärker halten und wertschätzen
-Bei wiederkehrender Fluktuation auch die eigenen Führungsstrukturen kritisch hinterfragen
Arbeitsatmosphäre
Die Arbeitsatmosphäre war aus meiner Wahrnehmung von personeller Instabilität und häufigen Veränderungen geprägt. Bereits an meinem ersten Arbeitstag erfuhr ich, dass mein Vorgesetzter und zwei weitere Teammitglieder das Unternehmen verlassen würden.
Trotz dieser schwierigen Situation bemühte sich das austretende Team sehr um eine saubere und strukturierte Übergabe. Die Teammitglieder teilten ihr Wissen offen und versuchten während der verbleibenden Zeit, mich bestmöglich auf meine Aufgaben vorzubereiten. Dieses Engagement und ihre Professionalität habe ich sehr geschätzt.
Nach ihrem Austritt fehlten jedoch eine stabile Führungsstruktur, klare Zuständigkeiten und teilweise auch das notwendige Vertrauen in die Mitarbeitenden. Einerseits wurde erwartet, dass Verantwortung übernommen und operative Probleme selbstständig gelöst werden. Andererseits wurden Entscheidungen häufig kontrolliert oder ohne transparente Einbindung der betroffenen Mitarbeitenden getroffen.
Die wiederkehrenden personellen Veränderungen sorgten zusätzlich für Unsicherheit und erschwerten den Aufbau einer langfristig stabilen Zusammenarbeit.
Image
Hiltl verfügt grundsätzlich über eine bekannte Marke mit einer langen Geschichte. Aus meiner persönlichen Wahrnehmung hat sich das Image des Unternehmens in den vergangenen Jahren jedoch stark verändert.
Intern wurde die Arbeit des Teams vor meiner Zeit eher abgewertet. Statt anzuerkennen, dass damals andere strategische Ziele und Ansätze verfolgt wurden, entstand der Eindruck, die geleistete Arbeit sei grundsätzlich nicht passend oder zu hochwertig gewesen.
Eine solche Kommunikation empfinde ich gegenüber den Menschen, die viel Zeit, Energie und Arbeit investiert haben, als wenig wertschätzend. Bereits als neue Person im Unternehmen war es unangenehm, auf diese Weise über ehemalige Mitarbeitende und ihre Leistungen sprechen zu hören. Zudem hinterliess es bei mir früh die Frage, wie später über die eigene Arbeit gesprochen werden würde.
Work-Life-Balance
Bereits bestätigte Ferien sollten nachträglich verschoben werden. Als mir eine Anpassung nicht möglich war, wurde darauf mit Unverständnis und Unzufriedenheit reagiert
Karriere/Weiterbildung
Durch meinen schwierigen Start und die kurzfristig übernommene Verantwortung hatte ich zunächst das Gefühl, mich fachlich und persönlich stark weiterentwickeln und schrittweise in eine verantwortungsvollere Position hineinwachsen zu können.
Aufgrund der instabilen personellen Situation und der fehlenden kontinuierlichen Begleitung gestaltete sich dies jedoch zunehmend schwierig. Verantwortung wurde zwar übertragen, daraus entstand für mich aber kein klarer oder verlässlicher Karriereweg.
Nach längerer Zeit unter diesen Bedingungen liess meine Motivation nach. Fehlende Strukturen, unklare Zuständigkeiten und wiederholte Abstimmungsschlaufen führten dazu, dass selbst kleinere Aufgaben teilweise unnötig mühsam wurden. Dies verlangsamte Arbeitsprozesse und erhöhte aus meiner Sicht auch die Fehleranfälligkeit.
Dabei sehe ich durchaus auch meinen eigenen Anteil: Mit sinkender Motivation wurde es schwieriger, weiterhin mit derselben Energie und Initiative zu arbeiten. Ich hätte mir gewünscht, dass meine Entwicklung frühzeitig aktiv begleitet, meine Stärken gezielter erkannt und gemeinsam konkrete Perspektiven erarbeitet worden wären.
Gehalt/Benefits
Das Gehalt empfand ich für meine ursprünglich vereinbarte Juniorposition grundsätzlich als fair. In der Phase, in der ich aufgrund der personellen Situation deutlich mehr Aufgaben und Verantwortung übernahm, hätte ich mir jedoch eine entsprechende Anpassung oder zumindest eine klarere Anerkennung meiner zusätzlichen Leistung gewünscht. Welche konkreten Ziele für eine Lohnentwicklung oder den nächsten Karriereschritt erreicht werden mussten, war zunächst nicht transparent definiert. Entsprechende Kriterien wurden erst im Nachhinein festgelegt.
Positiv war zunächst die Swibeco-Gutschrift, die flexibel in einen selbst gewählten Gutschein – beispielsweise von Coop oder Zalando – umgewandelt werden konnte. Diese Wahlfreiheit empfand ich als echten Mehrwert. Später wurde die Leistung durch einen SBB-Gutschein ersetzt, der vollständig auf einmal eingelöst werden musste und dadurch deutlich weniger flexibel nutzbar war. Diese Veränderung empfand ich als bedauerlich und eher als Verschlechterung des bisherigen Benefits.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Nach aussen positioniert sich das Unternehmen als fortschrittlich, verantwortungsbewusst und anders als klassische Gastronomiebetriebe. In meiner internen Wahrnehmung waren diese Werte im tatsächlichen Arbeitsalltag jedoch nicht immer im gleichen Mass spürbar. Besonders beim Umgang mit Mitarbeitenden, bei der internen Kommunikation und bei personellen Entscheidungen erlebte ich eine deutliche Diskrepanz zwischen dem vermittelten Image und der gelebten Realität.
Kollegenzusammenhalt
Viele Kolleginnen und Kollegen waren engagiert, hilfsbereit und unterstützten sich gegenseitig. Gerade die Zusammenarbeit mit diesen talentierten und loyalen Menschen gehört für mich zu den positivsten Erfahrungen meiner Zeit bei Hiltl
Umgang mit älteren Kollegen
Grundsätzlich wurden Erfahrung und langjährige Betriebszugehörigkeit geschätzt. Gleichzeitig hatte ich den Eindruck, dass auch langjährige und kompetente Mitarbeitende nicht automatisch vor kurzfristigen personellen Entscheidungen geschützt waren
Vorgesetztenverhalten
Das Führungsverhalten erlebte ich häufig als stark kontrollierend. Eigenverantwortung wurde zwar erwartet, gleichzeitig wurde auch bei kleineren Themen eng eingegriffen. Dieses Micromanagement erschwerte es mir, Aufgaben wirklich selbstständig zu übernehmen, Entscheidungen zu treffen und mich innerhalb meiner Funktion weiterzuentwickeln.
Gerade in meiner Position als Junior hätte ich mir eine Führungskraft gewünscht, die mich strukturiert begleitet, mir Orientierung gibt und mich schrittweise auf zusätzliche Verantwortung vorbereitet. Stattdessen wurde ich aufgrund der personellen Situation ins kalte Wasser geworfen und musste viele Themen eigenständig auffangen. Verantwortung zu übernehmen war für mich grundsätzlich eine wertvolle Erfahrung – allerdings fehlten dabei häufig eine verlässliche Ansprechperson, klare Entscheidungswege und konstruktives Feedback.
Kritische Rückmeldungen oder frühzeitig angesprochene Probleme wurden aus meiner Sicht teilweise erst dann ernst genommen, als die Auswirkungen bereits deutlich spürbar waren
Arbeitsbedingungen
Die grundlegenden Arbeitsbedingungen waren insgesamt in Ordnung. Allerdings waren selbst bei kleineren Projekten häufig zahlreiche Abstimmungsschritte notwendig. Themen mussten über verschiedene Stellen und Standorte hinweg koordiniert werden, und es waren teilweise unverhältnismässig viele Personen sowie die Geschäftsleitung involviert.
Dadurch wurden Prozesse, die grundsätzlich einfach und effizient hätten umgesetzt werden können, unnötig kompliziert und zeitaufwendig. Klarere Zuständigkeiten, kürzere Entscheidungswege und mehr Handlungsspielraum innerhalb der jeweiligen Funktionen hätten den Arbeitsalltag deutlich erleichtert.
Kommunikation
Die Kommunikation zwischen den verschiedenen Abteilungen habe ich teilweise als angespannt und wenig konstruktiv erlebt. Aufgaben und Verantwortlichkeiten wurden häufig hin- und hergeschoben, anstatt gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Dadurch entstand eher ein Gegeneinander als eine abteilungsübergreifende Zusammenarbeit.
Auch die Kommunikation seitens der Vorgesetzten fand nicht immer auf Augenhöhe statt. Aussagen wie «Du bist noch jung», «Das kommt schon gut» oder der Hinweis, ich sei «erst seit fünf Monaten da», vermittelten mir den Eindruck, dass mein Alter und meine Betriebszugehörigkeit stärker gewichtet wurden als meine tatsächliche Leistung und die bereits übernommene Verantwortung. Insgesamt hätte ich mir eine transparentere, lösungsorientiertere und wertschätzendere Kommunikation gewünscht.
Gleichberechtigung
Aus meiner Wahrnehmung bestand eine deutliche Kluft zwischen den operativen Mitarbeitenden im Restaurant und den Mitarbeitenden in administrativen Funktionen. Die Leistung der operativen Teams wurde sichtbar anerkannt, während die Arbeit im Hintergrund deutlich weniger Wertschätzung erhielt.
Mitarbeitende aus administrativen Bereichen, die bestehende Abläufe hinterfragten oder kritische Punkte ansprachen, wurden aus meiner Sicht eher als schwierig wahrgenommen. Dabei wurde häufig übersehen, wie viel Arbeit im Hintergrund notwendig ist, um Projekte, Prozesse und den operativen Betrieb überhaupt zu ermöglichen.
Ich hätte mir eine gleichwertigere Anerkennung aller Funktionen gewünscht. Der Erfolg eines Unternehmens entsteht nicht nur durch die unmittelbar sichtbare und umsatzbringende Arbeit im Restaurant, sondern ebenso durch die Menschen, die im Hintergrund planen, koordinieren, hinterfragen und Probleme lösen.
Interessante Aufgaben
Positiv in Erinnerung bleiben mir die Schulungen von Mitarbeitenden zu neuen Getränken sowie die Einführung von Uber Eats. Bei diesem Projekt erhielt ich die notwendige Unterstützung und Begleitung. Ich hätte mir gewünscht, dass diese Form der Unterstützung nicht nur bei einzelnen Projekten vorhanden gewesen wäre, sondern mich kontinuierlich durch meine gesamte Zeit im Unternehmen begleitet hätte.