Gut am Arbeitgeber finde ich
Gestaltungsfreiheit war durchaus vorhanden – vorausgesetzt, man brachte das nötige Durchhaltevermögen mit und verstand es, zwischen eigenen Vorstellungen und den Vorgaben des Unternehmens zu navigieren.
Auch die funktionelle und geografische Flexibilität aufgrund der Zugehörigkeit zur Bouygues-Gruppe bot interessante Möglichkeiten.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Der viel zitierte Satz «Der Mensch im Mittelpunkt» war für mich persönlich einer der grössten Widersprüche zwischen Anspruch und Realität. Ich habe Situationen erlebt, in denen über Mitarbeitende in einer Weise gesprochen wurde, die mit diesem Anspruch nur schwer vereinbar war.
Auch beim Umgang mit persönlichen und insbesondere gesundheitlichen Informationen habe ich Erfahrungen gemacht, die mich irritiert haben. Vertraulichkeit und Diskretion schienen mir dabei nicht immer den Stellenwert zu haben, den ich von einem professionellen Arbeitgeber erwartet hätte.
Es wurden regelmässig Unternehmenswerte formuliert, hinter denen vermutlich jeder Mitarbeitende stehen konnte. Ich habe allerdings eine nicht unerhebliche Diskrepanz zwischen den offiziell kommunizierten Werten und dem gelebten Alltag wahrgenommen. Manches wirkte eher wie strategische Kommunikation nach aussen, nicht wie gelebte Unternehmenskultur.
Ähnlich verhielt es sich für mich mit den viel beschworenen Themen Innovation und Pioniergeist. Rückblickend habe ich das Unternehmen – von einigen wenigen Ausnahmen abgesehen – eher als träge denn als dynamisch erlebt.
Auch überdurchschnittlicher persönlicher Einsatz wurde aus meiner Sicht nicht immer angemessen wahrgenommen. Wer mitdenkt, zusätzliche Verantwortung übernimmt und konkrete Ergebnisse erzielt, bekam zwar gelegentlich das obligatorische Schulterklopfen, eine nachhaltige Anerkennung blieb aber vielfach aus. Für mich eine echte Motivationsbremse.
Als schwierig empfand ich auch eine Form der «Förderung», die aus meiner Sicht teilweise zu stark auf die Persönlichkeit der Mitarbeitenden zielte: «So bist du» versus «so solltest du sein». Bei erwachsenen Menschen halte ich das für einen fragwürdigen Ansatz. Gerade wenn Diversität gleichzeitig grossgeschrieben wird, wäre es für mich überzeugender, unterschiedliche Persönlichkeiten mit ihren Stärken zu nutzen und weiterzuentwickeln, statt sie in ein gewünschtes Verhaltensmuster bringen zu wollen.
Die vorhandene Flexibilität hatte leider auch eine Kehrseite. Mitarbeitende fanden sich teilweise in Funktionen wieder, die nur bedingt zu ihrer Ausbildung und Berufserfahrung passten. Die Folge war nicht selten Improvisation und damit auch eine gewisse Entwertung vorhandener Qualifikationen.
Hilfreich wären zudem klarere Stellen- und Aufgabenbeschreibungen gewesen. Gerade angesichts der Fluktuation und zahlreicher Neueinstellungen entstand bei mir zunehmend der Eindruck, dass Mitarbeitende nicht immer entsprechend der Funktion agierten, für die sie ursprünglich eingestellt worden waren. Zuständigkeiten waren dadurch nicht immer eindeutig, und es kam zu Überschneidungen und «Revierkämpfen».
Fazit: Für mich war es letztlich kein einzelnes Ereignis, das den Ausschlag gab. Es war die Summe vieler Erfahrungen über mehrere Jahre: Vorgesetztenverhalten, fehlende Anerkennung, kulturelle Widersprüche, der Umgang mit Mitarbeitenden und eine aus meiner Sicht zunehmende Distanz zwischen Anspruch und gelebtem Alltag.
Irgendwann war der Punkt erreicht, an dem ich für mich entschieden habe, dass es Zeit für etwas Neues ist.
Wer sich heute bei Losinger Marazzi bewirbt, sollte sich deshalb nicht nur von den jüngsten, ausgesprochen positiven Kununu-Bewertungen leiten lassen. Die Wahrheit liegt vermutlich – wie so oft – irgendwo zwischen «Hammer, dass ich hier arbeiten darf» und den deutlich kritischeren Erfahrungsberichten.
Verbesserungsvorschläge
Gegen die offiziell deklarierten Unternehmenswerte ist selbstverständlich nichts einzuwenden. Entscheidend ist, dass sie im Alltag tatsächlich spürbar werden. Führungspersonen haben dabei eine besondere Vorbildfunktion.
Das Stichwort wäre für mich: Glaubwürdigkeit.
Und wenn sich problematisches Verhalten einzelner Mitarbeitender über längere Zeit zeigt und auch Gespräche oder Abmahnungen keine nachhaltige Veränderung bewirken, braucht es irgendwann Konsequenzen. Ein Unternehmen kann sich nicht glaubwürdig eine moderne Kultur auf die Fahne schreiben und gleichzeitig hoffen, dass sich problematische Muster von selbst erledigen.
Arbeitsatmosphäre
Bei einem Unternehmen dieser Grösse lässt sich die Arbeitsatmosphäre kaum pauschal beurteilen. Zwischen Deutsch- und Westschweiz, Baustelle und Büro, Entwicklung und Engineering bestanden durchaus Unterschiede.
Ich habe sowohl Anerkennung und Wertschätzung erfahren als auch das Gegenteil: mangelnden Respekt, persönliche Spannungen, Missgunst und teilweise ein Verhalten, das aus meiner Sicht deutlich über normale berufliche Konflikte hinausging.
Mit der Zeit habe ich eine unangenehme Entwicklung wahrgenommen: weniger gemeinsames Arbeiten an der Sache, mehr Positionierung, Abgrenzung und teilweise auch persönliches Taktieren.
Einzelne problematische Situationen waren dem Vorgesetzten und dem HR bekannt. Dass daraus keine sichtbaren Konsequenzen oder eine erkennbare Unterstützung der Betroffenen folgten, empfand ich als enttäuschend und letztlich auch als demotivierend.
Image
Über längere Zeit wurde LM auf diesem Portal durchaus kritisch bewertet, unterhalb des Branchendurchschnitts.
Umso bemerkenswerter ist die Entwicklung der vergangenen Wochen: Innerhalb kurzer Zeit ist eine auffällige Häufung ausgesprochen positiver Bewertungen entstanden – teilweise in einem Ton, bei dem man fast den Eindruck bekommt, das Unternehmen habe über Nacht den Arbeitgeberpreis der Nation gewonnen. Die Gesamtbewertung liegt nun plötzlich über dem Branchendurchschnitt.
Natürlich kann sich eine Unternehmenskultur verändern. Sollte sich LM seit meinem Ausscheiden tatsächlich derart grundlegend weiterentwickelt haben, wäre das erfreulich.
Nur: Meine langjährige Erfahrung zeichnet ein deutlich weniger harmonisches Bild.
Deshalb würde ich Interessierten empfehlen, die aktuellen Bewertungen nicht isoliert zu betrachten, sondern auch ältere Erfahrungsberichte und die zeitliche Häufung der jüngsten Beiträge anzuschauen. Eine gesunde Skepsis ist sicherlich angebracht.
Work-Life-Balance
Grundsätzlich waren die Arbeitszeiten korrekt geregelt. Trotzdem kam es vor, dass Arbeiten ausserhalb der offiziellen Homeoffice-Zeiten zu Hause vor- oder nachgearbeitet wurden.
Als zunehmend belastend empfand ich allerdings weniger das effektive Arbeitspensum als vielmehr die Arbeitsbedingungen, die Atmosphäre und einen aus meiner Sicht teilweise sehr einseitigen Fokus auf Effizienz.
Karriere/Weiterbildung
Die intern angebotenen Schulungen empfand ich als unterschiedlich hilfreich, insgesamt eher durchschnittlich.
Wer sich hingegen proaktiv um externe Weiterbildungen bemühte, konnte auf die Unterstützung von LM zählen – insbesondere dann, wenn ein konkreter Nutzen für das Unternehmen erkennbar war. Kostenbeteiligungen und zusätzliche freie Tage für Weiterbildungen waren möglich.
Gehalt/Benefits
Die Gehälter wurden von zahlreichen Mitarbeitenden als eher unterdurchschnittlich im Markt wahrgenommen und waren meines Wissens auch wiederholt ein Thema bei Kündigungen.
Für mich persönlich war die Vergütung allerdings nicht der Grund für meinen Austritt.
Die Benefits waren insgesamt ordentlich und sicherlich geeignet, das Gesamtpaket für neue Mitarbeitende attraktiver zu machen.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Bei einzelnen Mitarbeitenden war das Umwelt- und Sozialbewusstsein tatsächlich stark ausgeprägt und Teil des täglichen Handelns.
Auf Unternehmensebene hatte ich dagegen eher den Eindruck, dass entsprechende Themen offensiv kommuniziert wurden, im konkreten Arbeitsalltag aber nicht immer dieselbe Priorität hatten.
Kollegenzusammenhalt
Ich habe sehr gute Kollegen kennengelernt, mit denen ich kollegial und auf angenehme Art und Weise zusammenarbeiten konnte.
Gleichzeitig habe ich den Zusammenhalt im Laufe der Zeit allerdings zunehmend vermisst. Persönliche Interessen, Abgrenzung und teilweise auch Revierdenken spielten aus meiner Sicht eine zu grosse Rolle.
Umgang mit älteren Kollegen
Grundsätzlich wurden ältere Mitarbeitende korrekt behandelt. Einen systematischen Unterschied zu jüngeren Kollegen habe ich nicht wahrgenommen.
Vereinzelt habe ich im Gegenteil sogar erlebt, dass ältere Mitarbeitende aufgrund ihres Dienstalters einen Status erreicht hatten, der es scheinbar nicht mehr zuliess, unübersehbares Fehlverhalten zu sanktionieren. Die Zusammenarbeit wurde teilweise erheblich erschwert und im Extremfall sogar verunmöglicht.
Vorgesetztenverhalten
Ich habe alles erlebt – von kollegialer Zusammenarbeit auf Augenhöhe bis zur totalen Ignoranz. Chefs, die Format hatten, und andere, die man kaum erreichen konnte; Vorgesetzte, bei denen der Eindruck entstand, dass die eigene Positionierung nach oben wichtiger war als die Mitarbeitenden.
Ernüchternd und ein wesentlicher Grund für meine Kündigung.
Arbeitsbedingungen
Wer bei LM arbeiten möchte, sollte sich bewusst sein, dass es sich um ein französisch geprägtes Unternehmen handelt. Das ist weder positiv noch negativ gemeint, aber die kulturellen Unterschiede sind real und der französische Mutterkonzern prägt das Unternehmen nach wie vor.
Für Mitarbeitende in der Deutschschweiz ist dieser Aspekt vermutlich relevanter als für jene in der Romandie.
Das Open Space des Berner Hauptsitzes empfand ich zudem als funktional, aber wenig inspirierend und für konzentriertes Arbeiten teilweise als anstrengend.
Kommunikation
Ein wiederkehrendes Problem waren für mich deutschsprachige Unternehmensdokumente, die offensichtlich sehr nahe am französischen Original formuliert waren. Teilweise hatte ich beim Lesen den Eindruck, man müsse den deutschen Text zunächst gedanklich wieder ins Französische zurückübersetzen, um sicher zu verstehen, was gemeint war.
Die beiden «Parallelwelten» Deutsch- und Westschweiz waren für mich Fluch und Segen zugleich. Einerseits gab es sicherlich eine interessante Horizonterweiterung, andererseits führten unterschiedliche Kommunikations- und Arbeitskulturen immer wieder zu Reibungen.
Gleichberechtigung
Ich habe keine systematischen Unterschiede wahrgenommen.
Karrieretechnisch war es allerdings durchaus von Vorteil, Französisch zu sprechen – was innerhalb eines französisch geprägten Unternehmens nicht wirklich überraschen dürfte.
Interessante Aufgaben
Neben vielen eher alltäglichen Bauvorhaben gab es immer wieder auch anspruchsvolle Grossprojekte.
Besonders die über mehrere Jahre laufenden Arealentwicklungen boten die Möglichkeit, den Planungsprozess über mehrere Phasen hinweg zu erleben und komplexe Aufgabenstellungen über längere Zeit zu begleiten.