Solide Basis mit deutlichem Verbesserungsbedarf
Arbeitsatmosphäre
Eine niederländische Bank – im Alltag aber mit deutlicher deutscher Prägung. Nicht jede Regelung aus den Niederlanden gilt auch für die deutschen Mitarbeitenden. Sabbaticals, dort gang und gäbe, sind in Deutschland nach wie vor ein Fremdwort. Auch irritierend: Selbst im Jahr 2026 gibt es noch keine flächendeckende Zeiterfassung.
Führungsverhalten und Werteverständnis hängen stark von der jeweiligen Führungskraft ab. Es gibt Abteilungen, die streng hierarchisch organisiert sind und in denen das Günstlingsprinzip dominiert – nicht immer zum Vorteil der Teams oder der Bank. Wer nicht dazugehört, hat kaum Chancen und kann höchstens gute Miene zum abgekarteten Spiel machen. Leider wird das toleriert und teilweise sogar durch das Management begünstigt – hoffentlich unbeabsichtigt.
Der Kontakt zwischen Belegschaft und Geschäftsleitung war früher deutlich persönlicher und menschlicher.
Image
Die „alte“ Bethmann Bank stand für traditionelle Werte und Premiumqualität, ganz im Sinne des früheren Claims „Echtes. Private. Banking.“ In den vergangenen Jahren versucht man, sich als nachhaltige Bank zu positionieren – insbesondere im Wealth Management. Auch wenn Nachhaltigkeit nicht mehr das Hot Topic der Branche ist (der Kundenfokus liegt aktuell eher auf Female Finance) und aus dem Headquarter inzwischen ein anderer Wind weht, hält man weiterhin stark an diesem Image fest und versucht damit, jüngere Zielgruppen anzusprechen.
Grundsätzlich ist das nichts Schlechtes. Die Frage ist jedoch, ob es dafür wirklich so pseudo-zeitgeistig sein muss. Manche Marketinginhalte erinnern eher an eine NGO oder ein Umweltmagazin als an eine Privatbank. Mit dem Zusammenschluss mit HAL besteht aus Vertriebssicht die Hoffnung, dass wieder mehr Stil, Eleganz und vor allem fachliche Inhalte Einzug in die Kommunikation halten – auch auf Social Media.
Work-Life-Balance
Wer sie hat, hat sie. Auch im Jahr 2026 fehlen eine flächendeckende Zeiterfassung und fair verteilte Ressourcen.
Karriere/Weiterbildung
Pflichtschulungen werden angeboten, ein schmales Weiterbildungsbudget ist vorhanden. Karriere und Weiterentwicklung hängen jedoch stark von der jeweiligen Führungskraft ab.
Gehalt/Benefits
Gehalt branchenüblich. Das gedeckelte Bonusmodell kein wirklicher Anreiz für Mehrleistung und fördert eher Klüngelei.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Nachhaltigkeit wird seit Jahren intensiv kommuniziert. Dabei gerät jedoch oft in Vergessenheit, dass ESG mehr ist als Mülltrennung und Stromsparen. Zwar sind Umweltaspekte im Alltag sichtbar (Bahn statt Flug), doch die Dimensionen Social und Governance sind im eigenen Haus bislang kaum verankert. Sozialverhalten gegenüber Mitarbeitenden, klare Governance-Strukturen und echte Gleichbehandlung bleiben weitgehend ein unbestelltes Feld.
Kollegenzusammenhalt
Unter Kolleginnen und Kollegen insgesamt sehr gut.
Umgang mit älteren Kollegen
Es gibt durchweg angenehme Kolleginnen und Kollegen aus allen Altersgruppen. Auffällig ist jedoch, dass jüngere Mitarbeitende oft sehr einseitig gefördert werden.
Vorgesetztenverhalten
Es gibt gute Führungskräfte. Es gibt solche, die sich ehrlich bemühen. Leider gibt es aber auch schlechte. Letztere sind oft die Lautesten – und genießen Rückendeckung durch die Geschäftsleitung, ohne Konsequenzen befürchten zu müssen. Egal, wie schlecht Mitarbeiterbefragungen ausfallen. Man feiert sich gern für eine hohe Teilnahmequote an der jährlichen Befragung. Ableitungen oder spürbare Maßnahmen bleiben jedoch meist aus.
Arbeitsbedingungen
In Frankfurt erwarten einen helle, freundliche Räume und eine sehr gute Ausstattung. Auch die IT-Grundausstattung ist top. Problematisch sind jedoch viele technische Anwendungen und der Output auf Kundenseite: oft chaotisch und stellenweise fast schon geschäftsschädigend schlecht und amateurhaft.
Kommunikation
Die Kommunikation ist über die Jahre deutlich umfangreicher geworden – leider nicht unbedingt besser. Informationen gibt es reichlich, das eigentliche Problem ist, sie in der Masse wiederzufinden. Zudem erfolgt die interne Kommunikation teilweise deutlich zeitversetzt zu öffentlich zugänglichen Quellen, etwa beim Weggang einer Top-Vertriebsführungskraft. Schade, wenn man solche Informationen zuerst aus dem Private Banking Magazin erfährt.
Früher war die Kommunikation direkter und inhaltlich gehaltvoller. Mit Corona wurde stark aufgerüstet: Was einst eine hemdsärmelige Townhall war, wird heute aus dem Studio gesendet – inklusive Ablesen von Moderationskarten. Der Informationsgehalt bleibt dabei oft überschaubar. Man lässt sich von der Moderation belehrend durchs Programm treiben, absolviert den Pflichttermin und geht wieder.
Eine klare, gut strukturierte schriftliche Kommunikation wäre in vielen Fällen wert- und sinnvoller – würde allerdings echte inhaltliche Substanz voraussetzen. Die interaktiven Icebreaker-Fragen à la „Was ist euer liebstes Weihnachtsritual?“ wirken eher auf Kindergartenniveau. Möglicherweise scheut man aber auch ehrliche Antworten im Live-Format.
Gleichberechtigung
Diversity steht seit einigen Jahren auf der Agenda, und es hat sich auch etwas bewegt. Allerdings bedeutet Diversity mehr als Female Empowerment und Frauenquote – auch wenn Frauen nach dem Nachhaltigkeitsthema als neue Zielgruppe im Wealth Management entdeckt wurden.
Interessante Aufgaben
Spannende Kunden in einem dynamischen Umfeld. Dem gegenüber stehen umfangreiche regulatorische Anforderungen sowie selbst geschaffene organisatorische und hierarchische Hürden und teils schwer nachvollziehbare Strukturen.

