Gleichberechtigung, Vorgesetztenverhalten und Umgang mit Kritik
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Bei einer früheren Bewertung kam es über einen langen Zeitraum zu zahlreichen anwaltlichen Beanstandungsrunden. Teilweise ging es am Ende um Details wie die Frage, ob ich „Anwälte“ im Plural schreiben durfte, obwohl nach Darstellung des beauftragten Rechtsanwalts nur er selbst tätig gewesen sei.
Noch bemerkenswerter: Kununu selbst äußerte damals den Verdacht, hinter den wiederholten Meldungen könne eine Strategie stehen, Bewertungen immer wieder beanstanden zu lassen, bis Bewertende irgendwann nicht mehr reagieren und die Bewertung dadurch offline bleibt. Kununu setzte daraufhin eine Frist für die vollständige Benennung bereits bestehender Beanstandungen. Das beweist ausdrücklich keine entsprechende Absicht des Unternehmens oder der Kanzlei – auffällig finde ich es dennoch.
Ein ähnliches Phänomen dokumentiert inzwischen auch eine andere sehr kritische Bewertung eines ehemaligen Mitarbeitenden aus dem Entwicklungsbereich, der seine wiederholten Beanstandungs- und Änderungsschleifen selbst protokolliert.
Auch die heutige angeblich fehlende „Zuordenbarkeit“ finde ich vor diesem Hintergrund erklärungsbedürftig: Im damaligen Konflikt um meine Bewertung kontaktierte mich schließlich die Geschäftsführung direkt. Wie meine Person intern zugeordnet wurde, kann ich nicht beurteilen. Schwierigkeiten, meine Kritik mit mir in Verbindung zu bringen, schienen damals jedenfalls nicht im Vordergrund zu stehen.
Verbesserungsvorschläge
Aufschlussreich finde ich zudem eine aktuelle sehr positive Bewertung eines Mitarbeitenden, der nach eigener Aussage seit über 15 Jahren im Unternehmen ist. Einerseits erkennt er ausdrücklich an, dass Teams, Führungskräfte und Phasen sehr unterschiedlich erlebt werden können. Andererseits warnt er davor, dass „einzelne Erfahrungen“ für das gesamte Unternehmen stehen, und erklärt kritische Beiträge anschließend teilweise über Recruiting, Erwartungshaltung und die Frage, welche „Verstärkung“ eingestellt wird.
Für mich liegt darin eine auffällige innere Spannung: Eine Arbeitgeberbewertung beschreibt zunächst zwangsläufig eine individuelle Erfahrung. Wenn gleichzeitig ausdrücklich anerkannt wird, dass Erfahrungen sehr unterschiedlich ausfallen können, müsste auch eine sehr negative Erfahrung als mögliche Realität stehen bleiben können, ohne anschließend wieder über die „Passung“ der betreffenden Person erklärt zu werden.
Gerade die Zahlen machen diese Reaktion für mich bemerkenswert: Zum Zeitpunkt meines Updates lagen 56 von 70 Bewertungen bei vier bis fünf Sternen und lediglich vier zwischen einem und zwei Sternen. Das Gesamtbild ist also ohnehin ausgesprochen positiv. Umso auffälliger finde ich, welchen Erklärungsbedarf die wenigen stark negativen Stimmen auslösen.
Natürlich kann Erwartungsmanagement erklären, warum jemand andere Vorstellungen von Aufgaben oder Arbeitsweisen hatte. Vorwürfe über Grenzüberschreitungen, diskriminierende Erfahrungen oder einen unzureichenden Umgang mit Beschwerden lassen sich damit aber nicht sinnvoll erklären. Es kann nicht Aufgabe des Recruitings sein, Beschäftigte darauf vorzubereiten, mit solchen Vorgängen rechnen zu müssen.
Die Arbeitgeberantwort greift ausgerechnet den Gedanken eines „realistischen Bildes“ im Recruiting positiv auf. Für mich verstärkt das den Eindruck, dass stark abweichende Kritik schnell über Erwartungshaltung oder persönliche Passung eingeordnet wird, statt sie zunächst neben dem ansonsten sehr positiven Selbstbild stehen lassen zu können.
Updates
28.07.26:
Nach der Arbeitgeberantwort habe ich klargestellt, dass die Vorgänge bereits intern angesprochen worden waren und mir Unterlagen vorliegen. Ich bot ausdrücklich an, die betreffenden Aussagen über kununu prüfen zu lassen und dort Nachweise einzureichen.
28.08.26:
Darauf erfolgte zunächst keine Reaktion, obwohl zuvor erklärt worden war, die Sachverhalte könnten nicht nachvollzogen werden. Gerade dann hätte ich Rückfragen zu beteiligten Personen, Vorgängen und vorhandenen Unterlagen erwartet.
15.09.26:
Nach direkter Kontaktaufnahme blieb meine Frage zur bereits behaupteten „sorgfältigen internen Prüfung“ trotz zahlreicher Nachrichten unbeantwortet. Stattdessen wurde die externe Rechtsanwältin eingeschaltet, ohne den konkreten Prüfauftrag nachvollziehbar zu benennen. Nach dem gesamten Verlauf habe ich entschieden, hierfür keine weitere Zeit aufzuwenden.
Arbeitsatmosphäre
Die Feedbackkultur empfand ich als wenig professionell und stark von persönlichen Animositäten geprägt. Auf eine schlichte Nachricht wurde passiv-aggressiv und unmittelbar persönlich reagiert. Meine Wahrnehmung wurde als „seltsam“ bezeichnet und mir wurden pauschal „Lügen“ vorgeworfen - haltlose Anschuldigungen, die weder konkretisiert noch mit einem einzigen Beispiel belegt wurden. Für mich entstand der Eindruck, dass persönliche Animositäten nicht von einer sachlichen Kommunikation getrennt werden konnten. Eine solche Reaktion sagt aus meiner Sicht mehr über den dortigen Umgang mit Konflikten aus als über die Person, an die sie gerichtet ist.
Image
Später erklärte Adam Hall öffentlich, meine Schilderungen seien „sorgfältig intern geprüft“ worden, hätten sich aber nicht zuordnen beziehungsweise nachvollziehen lassen. Deshalb habe ich eine einfache Frage gestellt: Was wurde konkret geprüft und wie kam man zu diesem Ergebnis?
Wie vom Unternehmen angeboten, habe ich direkten Kontakt aufgenommen. Auch nach nach meiner Zählung rund neun E-Mails wurde diese Frage nicht konkret beantwortet. Eine von mir gesetzte Frist verstrich ohne vorherige Mitteilung oder anschließende Entschuldigung; konkrete Zeitangaben musste ich mehrfach einfordern. Schließlich wurde eine externe Rechtsanwältin mit einer „unabhängigen und ergebnisoffenen Prüfung“ beauftragt, ohne trotz Nachfrage nachvollziehbar zu benennen, welche konkreten Sachverhalte und Fragestellungen ihr Mandat überhaupt umfasst.
Bemerkenswert finde ich außerdem, dass ich ausdrücklich angeboten hatte, die betreffenden Aussagen über den von kununu vorgesehenen Prüfprozess überprüfen zu lassen und dort vorhandene Nachweise einzureichen. Dieser Weg wurde nicht genutzt.
Vorgesetztenverhalten
Problematisch empfand ich auch den Umgang mit meiner Erkrankung, die ich in einem Gespräch mit der damaligen Geschäftsführung offen angesprochen hatte. Eine weitere Person war bei diesem Gespräch anwesend. Nach meiner Erinnerung wurde sinngemäß angezweifelt, ob ich diese Erkrankung tatsächlich habe beziehungsweise ob sie zu meiner Person passe, weil ich mich schließlich getraut hatte, unmittelbar mit der Geschäftsführung zu sprechen. Diese Vorstellung davon, wie eine erkrankte oder introvertierte Person angeblich auftreten müsse, empfand ich als unangemessen – gerade weil es Überwindung gekostet hatte, das Thema überhaupt offenzulegen.
Zusätzlich irritierte mich der Umgang mit diesem Gespräch selbst: Kurze Zeit später wurde ich von einem Praktikanten, mit dem ich ansonsten nichts zu tun hatte, telefonisch kontaktiert und auf genau dieses Gespräch angesprochen. Wer ihm davon erzählt hatte, kann ich nicht beurteilen. Für mich verstärkte das den Eindruck, dass teilweise eher über mich als mit mir gesprochen wurde.
Kommunikation
Noch schwerer wiegt für mich der Umgang mit einem von mir als körperlichen Übergriff erlebten Vorgang. Ich habe diesen zweimal intern schriftlich geschildert; HR und mehrere Führungspersonen waren in die Kommunikation einbezogen. Nach meiner Erinnerung folgten darauf keine inhaltlichen Rückfragen an mich, keine nachvollziehbare Rückmeldung und keine Mitteilung darüber, ob und mit welchem Ergebnis der Vorgang untersucht wurde. Mein heutiger Kritikpunkt ist deshalb nicht, dass der eigentliche körperliche Vorgang nachträglich zwingend bewiesen werden müsste, sondern der dokumentierbare Umgang mit meiner damaligen Meldung.
Gleichberechtigung
In meinen Bewerbungsunterlagen waren meine tatsächlichen Sprachkenntnisse angegeben. Trotzdem wurde ich wiederholt für Übersetzungen beziehungsweise sprachbezogene Aufgaben angefragt, obwohl ich ausdrücklich klargestellt hatte, dafür nicht die richtige Person zu sein. Bei mir entstand dadurch der Eindruck, dass mir aufgrund meines Namens, Aussehens oder einer wahrgenommenen Herkunft Fähigkeiten zugeschrieben wurden, die ich tatsächlich nicht habe. Irritierend fand ich, dass diese Zuschreibung später sogar sinngemäß in einem Entwurf meines Arbeitszeugnisses auftauchte.
Auch bei Kolleg:innen, die noch nicht fließend Deutsch sprachen, habe ich wenig Bereitschaft erlebt, situativ auf Englisch auszuweichen. Für ein international auftretendes Unternehmen empfand ich das als widersprüchlich.


