Außen hui, innen pfui
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Leider gibt es in der Tierklinik Haar eine ganz strikte Hierarchie. Von kollegialem, wertschätzendem, motivierenden Umgang im Team könnte man gar nicht weiter entfernt sein. Ich hatte gehofft, dass sich durch die Übernahme durch AniCura und dem generellen Wandel in der Branche dahingehend etwas geändert hätte, dem war leider nicht so. Meine Einarbeitung wurde den Assistenzärzte und vor allem den TFAs überlassen (mit Ausnahme einer ganz tollen Oberärztin), was ich ehrlich gesagt grenzwertig finde.
Verbesserungsvorschläge
Angesichts des Fachkräftemangels in der Tiermedizin sollte die Klinik ihre Strukturen und den Umgang mit ihren Mitarbeitern vielleicht überdenken.
Durch die Uni finden sich aber wahrscheinlich immer ein paar, die man dann getrost "verheizen" kann.
Arbeitsatmosphäre
Das Arbeitsklima habe ich als unangenehm empfunden.
Oberärzte lassen sich vor TFAs und anderen Assistenzärzten negativ über Assistenzärzte aus, in deren Abwesenheit. Die Kritik war, in meinen Augen, absolut nicht zutreffenden. Auch der Umgang, z.B. im OP, mit Assistenzärzten, ist mir unangenehm aufgefallen.
Assistenzärzte werden dermaßen unter Druck gesetzt, dass sie nur noch unter Psychopharmaka arbeiten können, oder beim kleinsten Fehler in Tränen ausbrechen.
Ich hatte ein Gespräch mit einem der Geschäftsführer und dem Personaler, in dem ich dermaßen aggressiv angegangen und mit haltlos Vorwürfen konfrontiert wurde. Wird das mit einem Mitarbeiter regelmäßig gemacht, kann ich mir sehr gut vorstellen, wie es zu diesem untragbaren Arbeitsklima kommt.
Ich selbst wurde nur mit einer abwertenden Bezeichnung titulier, anstatt mit meinem Namen angesprochen zu werden und es wurde mir von fast allen Oberärzten das Gefühl gegeben, zu stören oder fehl am Platz zu sein. Im besten Fall wurde ich einfach ignoriert.
Auch an neuen Oberärzten wurde teilweise kein gutes Haar gelassen.
Image
Beim Career Day hat die Klinik die Stelle ganz anders dargestellt, als sie in der Realität dann wirklich war.
Work-Life-Balance
Es gibt selbstverständlich eine elektronische Arbeitszeiterfassung. Diese wird aber ganz einfach umgangen. Kommt vor Dienstende des Assistenzarztes, z.B. eine interessante OP rein, sagt der diensthabende Oberarzt einfach, du kannst gerne mitoperieren, aber eine Überstunde kann ich dir dafür nicht genehmigen. Geht der Assistenzarzt heim, heißt es, er sein unmotiviert, möchte nichts lernen, usw.... Bleibt er, bekommt er nur seine reguläre Arbeitszeit berechnet und damit bezahlt, ohne Ausgleich für die geleisteten Überstunden. Bei diesem Arbeitsklima überlegt man sich natürlich zwei Mal, ob man am Ende seines Dienstes heim geht und sich dadurch angreifbar macht. Dieses Machtkonstrukt ist fatal.
Trotz Arbeitszeiterfassung hat sich zu früher rein gar nichts geändert.
Karriere/Weiterbildung
Dank AniCura bekommen neue Mitarbeiter sehr wertvolle Fachfortbildungen, die sich über mehrere Tage erstrecken und an denen online teilgenommen wird.
Kollegenzusammenhalt
Ich habe zum Teil absolut kollegiale, hilfsbereite und unterstützende TFAs, Assistenzärzte und eine Oberärztin kennengelernt.
Andere Assistenzärzte denunzieren ihre Kollegen bei der Geschäftsführung. Dabei ist es ihnen auch egal, ob es sich um Wahrheiten oder schlicht Lügen handelt.
Vorgesetztenverhalten
Mehr als fragwürdig. Aggressiv, autoritär, herablassend, unkollegial.
Der Personaler darf sich komplett ausleben. Eingestellt wird nur, wer ihm passt. Da wird die Bewerbung dann schon mal mehrere Wochen im Posteingang "vergessen". Sollte man es durch viel Eigeninitiative dann doch bis zur Einstellung schaffen, werden ganz raffinierte Druckmittel eingesetzt, wie z.B. den Doktortitel des Mitarbeiters auf Namensschild, Homepage, oder wichtigen Dokumenten einfach unter den Tisch fallen zu lassen. Auch wird der Geschäftsführung ständig eingeredet und suggeriert, dass der betreffende Mitarbeiter aufgrund seines Lebenslaufes ja gar nicht für die Stelle geeignet ist.
Kommunikation
In der Klinik sollten keine Kommunikationsworkshops gegeben werden, von Personen, die in keinster Weise dazu in der Lage sind ein respektvolles Mitarbeitergespräch zu führen.
Interessante Aufgaben
Es ist eine große Klinik mit vielen, sehr spannenden, interessanten und zum Teil auch seltenen Fällen.
Es gäbe so viele Möglichkeiten zu lernen.