Mehr Schein als Sein
Gut am Arbeitgeber finde ich
Positiv hervorzuheben ist der grundsätzlich wertschätzende und inklusive Umgang im Unternehmen. Unterschiedliche Hintergründe, Lebensrealitäten und äußere Erscheinungsbilder wurden akzeptiert und nicht negativ bewertet. Vielfalt wird sichtbar gelebt und trägt zu einem offenen Arbeitsumfeld bei.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Im Arbeitsalltag wird viel Wert auf ein dauerhaft positives Auftreten und eine sehr angepasste Kommunikation gelegt. Dieses Verhalten wirkt teilweise aufgesetzt und erzeugt das Gefühl, sich ständig selbst beweisen zu müssen.
Auch bei durchgehend guten Kundenbewertungen entsteht der Eindruck, dass persönliche Wahrnehmungen einzelner Führungskräfte eine größere Rolle spielen als objektive Leistung. Das kann dazu führen, dass Weiterentwicklung und Feedback weniger an messbaren Ergebnissen orientiert sind, sondern stark vom persönlichen Verhältnis abhängen.
Insgesamt entsteht dadurch zusätzlicher Druck, der über die eigentliche Arbeit mit Kund:innen hinausgeht und die Authentizität im Arbeitsumfeld einschränkt.
Verbesserungsvorschläge
Zusätzlich könnte die Einführung einer unabhängigen, neutralen Ansprechperson sinnvoll sein, die weder Teil des Managements ist noch hierarchisch gebunden. Diese Rolle könnte als Vertrauensperson fungieren und sowohl für Mitarbeiter:innen als auch für Führungskräfte ansprechbar sein.
Dadurch ließe sich vermeiden, dass Anliegen ausschließlich innerhalb einer bestehenden Führungsebene verbleiben, die naturgemäß enger miteinander vernetzt ist. Eine neutrale Instanz könnte helfen, Spannungen frühzeitig aufzufangen, Vertrauen zu stärken und eine offenere, ausgewogenere Kommunikationskultur zu fördern.
Karriere/Weiterbildung
Ein interner Wechsel vom Specialist zum Technical Specialist ist grundsätzlich möglich. In der Praxis geht dieser Schritt jedoch mit deutlich mehr Verantwortung und Aufgaben einher, ohne dass sich dies spürbar im Gehalt widerspiegelt. Gerade im Verkaufsbereich sind die Aufstiegsmöglichkeiten daher begrenzt und finanziell wenig attraktiv.
Für Werkstudent:innen entsteht zudem der Eindruck, primär als flexible Unterstützung im Tagesgeschäft eingesetzt zu werden, ohne klare Perspektive auf Weiterentwicklung oder langfristige Bindung.
Kollegenzusammenhalt
Im direkten Arbeitsalltag gibt es viele hilfsbereite und engagierte Kolleg:innen, die sich gegenseitig unterstützen und Leistungen auf der Fläche anerkennen. Abseits davon, etwa im Pausenraum, habe ich jedoch wiederholt erlebt, dass über andere gelästert wird. Persönliche Anliegen oder Probleme, die Kolleg:innen teilen, werden teils belächelt oder als übertrieben dargestellt. Diese Dynamik äußert sich weniger offen, sondern eher durch Blicke, Andeutungen oder Kommentare, was das Vertrauensgefühl im Team beeinträchtigen kann.
Vorgesetztenverhalten
Der Leistungs- und Verkaufsdruck wird überwiegend durch Führungskräfte vermittelt. Es entsteht der Eindruck, dass Umsatzziele eine sehr zentrale Rolle spielen und entsprechend stark eingefordert werden. Dieser Fokus wirkt im Arbeitsalltag deutlich stärker als die offiziell kommunizierte Haltung, Kund:innen nur bedarfsorientiert zu beraten.
Zusätzlich habe ich eine sehr einseitige Erwartungshaltung im Auftreten erlebt. Es wird konstant ein positives, lächelndes Erscheinungsbild eingefordert, unabhängig von der persönlichen Situation. Ein neutrales oder zurückhaltendes Auftreten wird schnell hinterfragt, was als wenig authentisch und belastend empfunden werden kann.
In Mitarbeitergesprächen wird zwar aktiv dazu ermutigt, Probleme oder Belastungen anzusprechen. Sobald man jedoch persönliche Themen vertraulich an eine Führungskraft heranträgt – etwa Konflikte oder Situationen, die man aus Respekt oder Unsicherheit nicht direkt mit der betreffenden Person klären möchte – habe ich erlebt, dass diese Offenheit gegen einen verwendet wird. Statt Unterstützung zu erfahren, entsteht der Eindruck, selbst als Teil des Problems oder als beitragend zu einem „toxischen Klima“ dargestellt zu wer
Kommunikation
Es wird mit einer offenen Feedbackkultur geworben. In der Praxis habe ich jedoch erlebt, dass persönliche Anliegen, die man vertraulich an Führungskräfte heranträgt (z. B. das Gefühl, im Team ausgeschlossen zu werden), nicht immer unterstützend aufgegriffen werden. Stattdessen entsteht der Eindruck, dass solche Rückmeldungen eher als Problem wahrgenommen werden, insbesondere wenn man den direkten Konflikt mit der betreffenden Person nicht sofort selbst austragen möchte.