Zwischen Feedbackkultur und Netzwerkspiel: Als Werkstudi zählt oft, wen man kennt
Gut am Arbeitgeber finde ich
Der Stundenlohn für Werkstudierende ist grundsätzlich okay, wenn man genug Arbeitstage bekommt. Je nach Projekt kann man außerdem gute Kolleg*innen haben und fachlich etwas mitnehmen, besonders wenn man in einem passenden Projekt landet.
Das Problem ist aber genau dieses „wenn“: Vieles hängt stark davon ab, ob man überhaupt regelmäßig eingeplant wird.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Schlecht finde ich vor allem die fehlende Planbarkeit und die starke Abhängigkeit von Projekten, Kontakten und internen Gruppen. Für Werkstudierende kann der Stundenlohn zwar gut klingen, aber ohne verlässliche Arbeitstage bringt das nur begrenzt Sicherheit.
Außerdem werden aus meiner Sicht viele Änderungen und „Verbesserungen“ umgesetzt, ohne sauber zu prüfen, ob sie wirklich etwas bringen. Es gibt viele Maßnahmen, Gespräche und neue Prozesse, aber für die Betroffenen ändert sich oft wenig. Teilweise wirken Verbesserungen eher wie Aktivität nach außen, während die eigentlichen Probleme bestehen bleiben.
Ein großes Problem ist auch, dass Veränderungen durch feste Gruppen und Einflusskreise blockiert oder verwässert werden können. Solange bestimmte Kreise weiter entscheiden, wer Zugang zu Projekten, Informationen und Chancen bekommt, helfen neue Prozesse nur begrenzt. Dann sieht es zwar nach Veränderung aus, aber das System bleibt im Kern gleich.
Verbesserungsvorschläge
Die festen internen Gruppen und Einflusskreise müssen aktiv aufgebrochen werden. Es reicht nicht, allgemein über Kultur, Feedback oder Verbesserungen zu sprechen, wenn am Ende weiterhin dieselben Personen und Kreise Zugang zu Projekten, Informationen und Chancen haben. Genau dadurch entsteht der Eindruck, dass Kontakte wichtiger sind als Leistung, Zuverlässigkeit oder Kompetenz.
Gerade bei Werkstudierenden, auch in der QAS-Abteilung, wirkt vieles stark kontaktbasiert. Wer die richtigen Leute kennt oder schon in einem Projekt drin ist, bekommt eher wieder Chancen. Wer nicht angebunden ist, muss zusehen, wie er oder sie überhaupt Arbeitstage bekommt. Wenn bestimmte Personen immer wieder eingeladen werden und andere kaum Chancen bekommen, entsteht schnell ein geschlossenes System.
Natürlich ist es nachvollziehbar, dass es in bestimmten Runs Projekt-Expertise braucht und nicht jede Person beliebig austauschbar ist. Das darf aber nicht zur dauerhaften Begründung werden, warum immer wieder dieselben Personen bevorzugt berücksichtigt werden. Projektwissen sollte gezielt dokumentiert, weitergegeben und breiter aufgebaut werden, statt dauerhaft an einzelne Personen oder Gruppen gebunden zu bleiben.
Das vorgesehene System zur fairen Verteilung von Einladungen erfüllt seinen Zweck aus meiner Sicht nicht ausreichend. Wenn es Fairness herstellen soll, muss auch überprüfbar sein, ob es tatsächlich fair verteilt. Dafür braucht es klare Kriterien, transparente Rotation und eine regelmäßige Kontrolle, wer wie oft eingeladen wird und warum.
Außerdem sollten Verbesserungsmaßnahmen nicht nur angekündigt oder gesammelt werden. Es gibt viele Gespräche, Hinweise und angebliche Verbesserungen, aber für Betroffene ändert sich spürbar wenig. Feedback und Verbesserungsvorschläge bringen nichts, wenn sie am Ende keine Konsequenzen haben.
Werkstudierende brauchen planbare Mindestarbeitstage oder zumindest eine deutlich transparentere Einsatzplanung. Ein guter Stundenlohn hilft wenig, wenn man nicht weiß, ob man genug Einsätze bekommt. Die Unsicherheit des Projektgeschäfts darf nicht einfach auf Studierende abgewälzt werden.
Arbeitsatmosphäre
Die Atmosphäre hängt stark davon ab, in welchem Projekt und in welchem internen Kreis man landet. Insgesamt habe ich sie als angespannt, politisch und wenig vertrauensvoll erlebt. Nach außen wird viel von Offenheit und Feedbackkultur gesprochen, intern fühlt es sich aber oft eher nach Absichern, Kontakte pflegen und Gruppendynamik an.
Für Studierende ist das besonders schwierig, weil man nicht nur gute Arbeit machen muss, sondern auch irgendwie sichtbar und angebunden bleiben muss. Wer nicht in den richtigen Projekten oder Kreisen landet, hat schnell schlechtere Karten.
Kommunikation
Es wird viel kommuniziert, aber das heißt nicht automatisch, dass sich etwas ändert. Viele Themen werden angesprochen, diskutiert und in schöne Worte verpackt. Für Betroffene fühlt es sich aber oft so an, als würde am Ende wenig Konkretes passieren.
Das Problem ist aus meiner Sicht nicht fehlende Kommunikation, sondern fehlende Konsequenz. Manche Dinge sind nicht neu und wurden bereits mehrfach angesprochen. Trotzdem bleiben die grundlegenden Probleme bestehen.
Kollegenzusammenhalt
Unter einzelnen Studierenden oder innerhalb bestimmter Gruppen kann der Zusammenhalt gut sein. Gleichzeitig gibt es starke Grüppchenbildung. Manche Kreise halten sehr zusammen, aber es wird auch viel übereinander geredet.
Dadurch entsteht kein wirklich offenes Umfeld, sondern eher eine Kultur, in der man wissen muss, mit wem man gut stehen sollte.
Work-Life-Balance
Sehr projektabhängig. In manchen Projekten ist wenig los, in anderen gibt es Druck und Überstunden. Das wirkt unausgeglichen und nicht fair verteilt.
Zusätzlich gibt es wenig echten Raum für nicht abrechenbare Zeit. Interne Themen und Verbesserungen sollen zwar stattfinden, passen aber offenbar schlecht in ein System, in dem fast alles möglichst projektbezogen und abrechenbar sein soll.
Vorgesetztenverhalten
Von oben wird viel über Verbesserungen, Entwicklung und Feedback gesprochen. In der Praxis habe ich aber erlebt, dass strukturelle Probleme sehr lange bestehen bleiben. Gerade bei Werkstudierenden wird viel Unsicherheit nach unten weitergegeben.
Wenn Projekte schwanken oder enden, tragen gefühlt Studierende das Risiko. Es gibt keine Mindestanzahl an Arbeitstagen. Wer in einem Projekt drin ist, hat Glück. Wer rausfällt oder nicht gut vernetzt ist, muss wieder kämpfen. Das wirkt nicht wie faire Planung, sondern wie ein System, in dem Kontakte und Projektzufall extrem viel entscheiden.
Interessante Aufgaben
Generell egal in welcher Rolle kommt es komplett aufs Projekt an. In manchen Projekten gibt es wenig Sinnvolles zu tun, in anderen ist der Druck hoch und es entstehen Überstunden. Die Unterschiede sind groß und wirken nicht besonders gut gesteuert.
Wenn man Glück mit dem Projekt hat, kann es interessant sein. Wenn nicht, hängt man entweder herum oder steht unter Druck. Planbar ist das kaum.
Gleichberechtigung
Werkstudierende werden als wichtiger Teil des Teams dargestellt, tragen aber in der Realität viel Risiko. Der Stundenlohn von 17,50 € klingt gut, aber ohne garantierte Arbeitstage ist das nur die halbe Wahrheit.
Wenn nicht genug Projektarbeit da ist oder man nicht gut genug angebunden ist, bekommt man entsprechend weniger Tage. Damit wird die Unsicherheit des Projektgeschäfts direkt auf Studierende verlagert. Für Leute, die auf planbares Einkommen angewiesen sind, ist das ein echtes Problem.
Arbeitsbedingungen
Die Arbeitsbedingungen hängen stark vom Projekt ab. In manchen Projekten ist die Arbeitslast niedrig, in anderen entsteht deutlich mehr Druck. Dadurch fühlt sich die Arbeitsumgebung nicht einheitlich oder gut gesteuert an, sondern sehr abhängig davon, wo man gerade landet.
Für Werkstudierende ist vor allem die fehlende Planbarkeit ein Problem. Ohne garantierte Mindestanzahl an Arbeitstagen ist schwer absehbar, wie viel man am Ende wirklich arbeitet und verdient. Dazu kommt, dass nicht abrechenbare Zeit offenbar wenig Platz hat. Interne Themen, Abstimmungen oder Verbesserungen sollen zwar stattfinden, wirken aber oft so, als müssten sie nebenbei passieren.
Die Ausstattung und Rahmenbedingungen sind je nach Projekt grundsätzlich nutzbar, aber das größere Problem ist nicht der Arbeitsplatz selbst, sondern die Art, wie Arbeit verteilt, geplant und priorisiert wird.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Zum Umweltbewusstsein kann ich wenig Belastbares sagen. Beim Sozialbewusstsein wirkt vieles eher oberflächlich. Es gibt gelegentlich sichtbare Gesten, zum Beispiel zu bestimmten Anlässen oder Feiertagen, aber wenig, was sich wie echte Aufklärung, Schutzräume oder langfristige strukturelle Arbeit anfühlt.
Im Umgang miteinander habe ich grundsätzlich respektvolles Verhalten erlebt. Gleichzeitig hatte ich nicht den Eindruck, dass für Minderheiten besonders viel aktiv getan wird. Gerade bei Themen wie LGBTQ+ wirkt es eher so, als werde das Nötigste gemacht, statt wirklich ein bewusst sicheres und aufgeklärtes Umfeld zu schaffen.
Es gibt Respekt im Alltag, aber wenig aktive Auseinandersetzung darüber hinaus.
Gehalt/Benefits
17,50 € pro Stunde für Werkstudierende sind grundsätzlich okay. Das Problem ist die fehlende Planbarkeit. Ohne garantierte Mindestanzahl an Arbeitstagen kann das monatliche Einkommen stark schwanken.
Ein guter Stundenlohn hilft wenig, wenn man nicht weiß, ob man genug Einsätze bekommt.
Image
Das Unternehmen wirkt nach außen moderner und strukturierter, als es sich intern anfühlt. Begriffe wie Feedbackkultur, Entwicklung, Verbesserung und moderne Arbeitsweise werden viel genutzt. Im Alltag zählen aber oft Projektlage, Kontakte und interne Politik.
Auch Themen wie „AI first“ wirken eher wie eine neue Richtung von oben als wie etwas, das sauber und realistisch aufgebaut wird.
Karriere/Weiterbildung
Es gibt zwar formal Feedback, Kompetenzen und Entwicklungsthemen, aber im Alltag hatte ich nicht den Eindruck, dass diese wirklich entscheidend sind. Viel wichtiger scheint zu sein, in welchen Projekten man sichtbar ist und welche Kontakte man hat.
Echte Aufstiegschancen oder spürbare Gehaltsentwicklung habe ich kaum wahrgenommen. Entwicklung wirkt eher zufällig als transparent.