Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Arbeitsbedingungen & Ausstattung:
Die materielle Ausstattung der Ausbildung ist mangelhaft. Werkbänke werden nicht aufgefüllt, sodass viele Auszubildende mit unvollständigem Werkzeug arbeiten müssen, das bereits von Vorgängern verloren wurde. Besonders kritisch ist die ergonomische Situation: Während fest angestellte Mitarbeiter Knieschutzmatten erhalten, müssen Azubis über Monate hinweg ohne diesen Schutz auf dem Boden oder an Maschinentischen arbeiten. Auch bei der Arbeitskleidung wird gespart: Das aktuelle erste Lehrjahr wurde bisher weder mit Arbeitsjacken noch mit Pullovern ausgestattet und verfügt lediglich über eine unzureichende Anzahl an T-Shirts. Dies vermittelt den Eindruck, dass an der Sicherheit und dem Erscheinungsbild der Auszubildenden massiv gespart wird.
Karrierechancen
Die Karrierechancen und die Wertschätzung durch das Management sind enttäuschend. Obwohl man sich im Werk engagiert, bleibt man als Auszubildender weitestgehend unsichtbar; selbst nach Monaten sind den Führungskräften die Namen der Azubis oft nicht bekannt. Ein konstruktives Feedback oder positive Rückmeldungen durch Vorgesetzte oder Lead-Mechaniker fehlen fast völlig, selbst wenn man sich besonders anstrengt. Da Leistung kaum wahrgenommen oder honoriert wird, fehlt jeglicher Anreiz, über das geforderte Mindestmaß hinaus Engagement zu zeigen. Man fühlt sich eher wie eine austauschbare Nummer als wie eine künftige Fachkraft, in die investiert wird.
Arbeitszeiten
Mit einer 40-Stunden-Woche liegt der Betrieb über dem Branchenschnitt (üblich sind 35–38 Stunden), was in Kombination mit der niedrigeren Vergütung sehr unattraktiv wirkt. Da es zudem keine Gleitzeit gibt und das Modell extrem starr ist, hinkt das Unternehmen modernen Standards hinterher.
Ausbildungsvergütung
Die Vergütung liegt mittlerweile spürbar unter dem aktuellen Branchenschnitt. Besonders frustrierend ist die fehlende Dynamik in der Lohnstruktur: So verdienen Auszubildende, die im September 2025 gestartet sind, teilweise das Gleiche wie Azubis aus dem Jahrgang 2023. Eine Honorierung von wachsender Erfahrung und Betriebszugehörigkeit findet somit faktisch nicht statt. Zusatzleistungen wie Weihnachts- oder Urlaubsgeld fehlen komplett; lediglich ein kleiner Essenszuschuss wird gewährt. Zudem bleibt das Bonussystem für Azubis im Gegensatz zu den Facharbeitern völlig intransparent und kaum erreichbar.
Die Ausbilder
Der zuständige Ausbilder für die technischen Berufe (Mechanik, Mechatronik, Elektrik) wird seiner Rolle leider nicht gerecht. Aufgrund seiner starken Einbindung in andere Betriebsprozesse vernachlässigt er die fachliche Betreuung und individuelle Förderung massiv. Er verharrt bei der Wissensvermittlung in veralteten, monatelangen Routineaufgaben und zeigt wenig Bereitschaft, den Auszubildenden ihrem Leistungsstand entsprechend Verantwortung zu übertragen. Besonders problematisch ist seine mangelnde Wertschätzung: Vorhandene Kompetenzen werden ignoriert und stattdessen wird intern im Werk ein zweifelhaftes Bild über die Leistungsfähigkeit der Auszubildenden kommuniziert, was die Arbeitsatmosphäre erheblich belastet.
Spaßfaktor
Der Spaßfaktor ist stark von den Kollegen und den selteneren Momenten der Abwechslung abhängig. Die Arbeit an sich bereitet Freude, wenn sie fachbezogen ist. Leider wird diese Freude oft durch wochenlange, fachfremde Tätigkeiten getrübt. So müssen Auszubildende im Bereich Mechanik/Mechatronik teils über 1,5 Monate hinweg einfache Hilfsarbeiten wie das Einbauen von Dichtlippen, das Putzen von Blechen oder Verpackungstätigkeiten übernehmen. Diese Routinearbeiten nehmen einen unverhältnismäßig großen Raum ein und stehen einer motivierenden, fachgerechten Ausbildung entgegen.
Aufgaben/Tätigkeiten
Die Aufgabenverteilung ist leider sehr einseitig und wenig fachbezogen. Während Auszubildende für einfache Hilfsarbeiten wie Verpacken, Kehren, Bleche putzen oder das wochenlange Einbauen von Dichtlippen herangezogen werden, fehlt die Einbindung bei technisch anspruchsvollen Projekten. Es entsteht der Eindruck, dass Azubis primär als Unterstützung für unbeliebte Routinetätigkeiten eingeplant sind. Sobald es jedoch um fachlich interessante Aufgaben geht, bei denen man etwas lernen könnte, wird den Auszubildenden die Kompetenz abgesprochen. Das Ziel einer Ausbildung – die Vermittlung von Fachwissen – tritt hier hinter den Bedarf an einfachen Hilfskräften zurück.
Variation
Die Ausbildung ist extrem monoton gestaltet und weist kaum Variation auf. Die Vermittlung der Inhalte erfolgt in sehr starren, unverhältnismäßig langen Blöcken, die den Lernfortschritt eher bremsen als fördern. So wurden im ersten Lehrjahr volle sechs Monate ausschließlich mit Feilen und Bohren verbracht, gefolgt von weiteren drei Monaten reiner Dreharbeit. Ein kurzer Einblick in die Pneumatik blieb die Ausnahme. Bis zur Zwischenprüfung beschränkten sich die Tätigkeiten fast nur auf das Fräsen. Nach der Zwischenprüfung nahm die Qualität der Aufgaben drastisch ab: Statt einer Vertiefung der Fachkenntnisse folgten Tätigkeiten als Hilfskraft, wie das Verpacken, Putzen oder das reine Zuschneiden von Kabelkanälen. Eine abwechslungsreiche Ausbildung sieht anders aus.
Respekt
Die Ausbildung im technischen Bereich (Mechanik, Mechatronik, Elektrik) wird den Potenzialen der Auszubildenden leider nicht gerecht. Ein strukturierter Ausbildungsplan wurde zwar zu Beginn präsentiert, wird im Alltag jedoch kaum beachtet. Da der zuständige Ausbilder durch viele Zusatzaufgaben zeitlich stark eingeschränkt ist, fehlt die fachliche Betreuung und individuelle Förderung massiv. Statt einer modernen Wissensvermittlung dominieren monatelange, repetitive Aufgaben: So wurden im ersten Lehrjahr sechs Monate lang nur Feilen und Bohren praktiziert, was absolut nicht mehr zeitgemäß ist.