Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Ich war in der Vergangenheit für ein halbes Jahr als Praktikantin bei der Audi Berlin GmbH angestellt.
Was mir dort widerfahren ist, werde ich vermutlich noch mein restliches Leben erinnern, weil es SO eine schreckliche Erfahrung für mich persönlich war. Ich hatte nicht das Gefühl, dass ich wertgeschätzt werde oder mich alle Mitglieder meines Teams mit Respekt behandeln, keine Augenhöhe. Die teaminterne Situation war unter anderem aufgrund von personellen Streitigkeiten dauerhaft sehr angespannt. Mit jeder weiteren Person, die das Büro morgens betreten hat, ist die Stimmung noch weiter in den Keller gesunken. Eine Akteurin machte durchweg Probleme und das restliche Team hat, mehr oder weniger, klein bei gegeben. Die Aufgaben, die mir zugetragen wurden, waren größtenteils Aufgaben, die so gar nichts mit meinem Studium oder späteren Aufgaben in Arbeitsstätten der Branche zu tun hatten. Im Grunde genommen wurde ich für Jobs ausgenutzt, die teils nicht einmal im Ansatz etwas mit der Stelle zu tun hatten oder meinem Studium, obwohl ich bereits praktische Berufserfahrungen in der Branche vorweisen konnte. Die Art von Aufgaben, die man am besten an andere abschiebt, um sie nicht selbst erledigen zu müssen. Nur den Kaffee musste ich nicht kochen - ansonsten wahrscheinlich genau so, wie Sie sich das nun vorstellen mögen. Häufig hatte ich auch Langeweile und ich fühlte mich unterfordert - das hat mich besonders unzufrieden zurückgelassen, weil ich ein Mensch bin, der sehr lernwillig ist und lieber zu viel, als zu wenig zu tun hat. Allerdings gern auch Aufgaben, die meinen Wissensstand herausfordern oder ausbauen und keine Excel Tabellen mit hunderten Einträgen, die nun zu sortieren sind. Kann man mal machen, keine Frage, aber wenn das Aufgabenportfolio nur aus nahezu sinnfreien Tätigkeiten besteht, fragt man sich schon, wozu man dafür eigentlich ins Büro gekommen ist. Die ständige Unterforderung hat an meinem Selbstbewusstsein genagt. In vergangenen Jobs wurde mir wirklich etwas zugetraut, ich konnte Verantwortung für eigene, kleine Teilbereiche übernehmen wurde kognitiv gefordert, konnte meine Fähigkeiten erweitern und wertvolle Praxiserfahrungen sammeln. Ich hatte das Gefühl, dass ich gesehen wurde mit meinen Fähigkeiten und auch als Mensch fühlte ich mich gesehen und angenommen. Diese Erfahrung konnte ich bei der Audi Berlin GmbH leider nur beschränkt machen.
Ob ich in sechs Monaten etwas Neues lernen konnte? Naja, leider kaum - davon abgesehen, dass ich jetzt weiß, dass mich Audi nie wieder als Angestellte gewinnen wird und als Kundin der VGRD in Zukunft schon gar nicht, wobei doch so viel über die Wichtigkeit der Mitarbeitendenloyalität gesprochen wurde... Chapeau, da kann ich nur meinen Hut ziehen - junge Fachkräfte benötigen, die sich überhaupt noch für Automobile interessieren (in meiner Generation eher in der Unterzahl, Trend steigend) und arbeitswillige, lernfreudige Praktikant*innen dann so behandeln? Die Rechnung geht irgendwie nicht auf, wie ich finde. Am meisten getroffen hat mich der teils nicht besonders wertschätzende Umgang und das hängt meinem Selbstbewusstsein und -wertgefühl tatsächlich bis heute nach, nicht nur in beruflicher Hinsicht. Mental war die Situation für mich so schlimm zu ertragen, dass ich an vielen Tagen vor und/oder nach der Arbeit am Boden war und geweint habe, weil ich mich so gedemütigt gefühlt habe von der Situation und dem Fakt, dass es auch kein wirkliches Entkommen gab, da ich das Praktikum für mein Studium absolvieren musste und sonst bei Abbruch über ein Jahr länger studieren hätte müssen, um das Praxissemester wiederholen zu können. Nach der Arbeit konnte ich also auch kaum abschalten, da ein einziger Feierabend meist nicht gereicht hat, um die Erlebnisse in dieser Arbeitsstätte zu verdauen.
Zur Verteidigung des Unternehmens möchte ich allerdings sagen, dass mich eine sehr liebe und wohlwollende Kollegin aus meiner Abteilung gerettet hat und sie diese extreme emotionale Belastung durch ihre tolle Art wirklich etwas abfedern konnte. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an sie, du bist ein wundervoller Mensch und ohne dich hätte ich das nicht überstanden. Und auch der Chef meiner Abteilung hat sein bestes getan, um interne Streitereien abzumildern und war sehr bemüht, dass ich eine möglichst gute und lehrreiche Zeit während meines Praktikums erleben. Auch das weiß ich trotz der Umstände sehr zu schätzen.
Also - wenn Ihnen Ihre mentale Gesundheit am Herzen liegt, würde ich nicht zu einer Beschäftigung in diesem Unternehmen raten, wobei es auch sein kann, dass sich dieses furchtbare Erlebnis auf mich selbst & meine Abteilung beschränkt. Ich bin im Unternehmen durchaus auch freundlichen Menschen aus anderen Abteilungen begegnet.