Motiviertes IT-Team trifft auf sehr traditionelle Unternehmenskultur
Gut am Arbeitgeber finde ich
Das direkte Team war sehr kollegial und unterstützend. Trotz vieler struktureller Schwierigkeiten haben die Kollegen versucht, gemeinsam Lösungen zu finden und sich gegenseitig zu helfen.
Außerdem gab es im IT-Team grundsätzlich die Möglichkeit, Dinge zu verbessern und Verantwortung zu übernehmen, wenn man Initiative gezeigt hat.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
In der Praxis habe ich neben meiner eigentlichen QA-Rolle viele zusätzliche Aufgaben übernommen, etwa bei der Abstimmung mit Nutzern und Stakeholdern oder beim Strukturieren von Anforderungen für neue Softwarelösungen. Dadurch hatte ich häufig einen guten Überblick über Projekte und deren Hintergründe.
Trotzdem hatte ich manchmal den Eindruck, dass Engagement und Eigeninitiative nicht immer als solche wahrgenommen wurden. In einem Umfeld mit vielen kurzfristigen Entscheidungen und direkter Kontrolle führte das gelegentlich zu Missverständnissen darüber, wie gearbeitet wurde oder welche Aufgaben bereits erledigt waren.
Meine Zeit im Unternehmen endete damit, dass mir mitgeteilt wurde, dass die QA-Position im Unternehmen wegfallen soll. Mir wurde ein Aufhebungsvertrag angeboten, verbunden mit der Alternative einer späteren Kündigung.
Der Ablauf dieses Prozesses war für mich persönlich enttäuschend, insbesondere nachdem ich über längere Zeit versucht hatte, Strukturen und Prozesse im IT-Bereich zu verbessern.
Zu einem späteren Zeitpunkt habe ich gesehen, dass eine ähnliche Position wieder ausgeschrieben wurde, diesmal als Senior-Stelle. Das hat bei mir rückblickend Fragen zur damaligen Begründung der Entscheidung aufgeworfen.
Verbesserungsvorschläge
Mehr Vertrauen in die Fachkompetenz der Mitarbeiter und weniger Micromanagement würden vieles verbessern. Fachkräfte werden eingestellt, um ihr Wissen einzubringen und Verantwortung zu übernehmen. Entscheidungen sollten daher stärker gemeinsam mit den jeweiligen Experten getroffen werden.
Außerdem wären transparentere Gehaltsstrukturen und eine angemessene Vergütung wichtig, um qualifizierte Mitarbeiter langfristig zu halten. Wer hohe Leistung und Engagement erwartet, sollte auch bereit sein, entsprechend zu investieren.
Darüber hinaus würde eine modernere Arbeitskultur dem Unternehmen gut tun. Mehr Flexibilität bei Arbeitszeit und Arbeitsort sowie eine stärkere Ergebnisorientierung statt reiner Präsenzkultur würden besonders im IT-Bereich besser zur Art der Arbeit passen.
Insgesamt könnten klarere Prozesse, offene Kommunikation und eine stärkere Einbindung der Mitarbeiter in Entscheidungen helfen, Projekte strukturierter und effizienter umzusetzen.
Arbeitsatmosphäre
Im direkten Team war die Atmosphäre meist entspannt und kollegial. Auch wenn Dinge nicht gut liefen, haben wir gut zusammengearbeitet und uns gegenseitig unterstützt.
Der Druck kam vor allem von oben. Es gab viel Micromanagement, häufige kurzfristige Eingriffe und Entscheidungen ohne Einbindung der zuständigen Fachleute. Zusammen mit unklaren Prozessen führte das zu einem chaotischen Arbeitsumfeld.
Probleme wurden dabei oft der IT zugeschrieben, obwohl viele Ursachen strukturell waren. Durch den starken Fokus auf kurzfristige Lösungen hat sich außerdem über die Zeit viel technische Schuld angesammelt.
Image
Der Unternehmensslogan lautet ‚Luxus für jeden‘. Mein Eindruck war jedoch, dass das interne Arbeitsumfeld und die Strukturen nicht immer zu diesem Anspruch gepasst haben.
Zwischen dem nach außen kommunizierten Bild und der Realität im Arbeitsalltag gab es aus meiner Sicht teilweise eine deutliche Diskrepanz.
Work-Life-Balance
Eine echte Work-Life-Balance habe ich hier nicht erlebt. Arbeitszeiten wurden strikt kontrolliert und Flexibilität war kaum vorhanden. Obwohl viele IT-Aufgaben problemlos ortsunabhängig erledigt werden könnten, war Homeoffice nur sehr eingeschränkt möglich und wurde eher als Privileg behandelt.
Insgesamt hatte ich den Eindruck, dass Präsenz und Kontrolle wichtiger waren als Vertrauen oder Ergebnisorientierung. Durch den abgelegenen Standort kamen zusätzlich für viele Mitarbeitende lange Pendelzeiten hinzu.
Karriere/Weiterbildung
Klare Karrierepfade oder transparente Kriterien für berufliche Entwicklung habe ich nicht wahrgenommen. Weiterbildung oder gezielte Förderung spielten im Arbeitsalltag kaum eine Rolle.
Berufliche Entwicklung hing eher von der individuellen Initiative der Mitarbeiter ab als von strukturierten Programmen oder Unterstützung durch das Unternehmen.
Gehalt/Benefits
Mein Eindruck war, dass die Gehälter im IT-Bereich eher unter dem Marktniveau lagen. Gleichzeitig wirkten die Gehaltsstrukturen wenig transparent und es gab keine klar erkennbaren Kriterien für Anpassungen oder Erhöhungen.
Gehaltserhöhungen wurden nur selten umgesetzt, selbst wenn Verantwortung oder Erfahrung gewachsen sind. Insgesamt hatte ich den Eindruck, dass das Einstiegsgehalt oft langfristig bestehen bleibt.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Als Autohaus liegt der Fokus des Unternehmens naturgemäß auf dem Verkauf von Fahrzeugen. Ein besonderes Engagement im Bereich Umwelt- oder Nachhaltigkeitsthemen habe ich darüber hinaus nicht wahrgenommen. Auch Themen wie konsequente Mülltrennung oder andere ökologische Maßnahmen spielten im Arbeitsalltag aus meiner Sicht keine große Rolle.
Kollegenzusammenhalt
Im direkten Team war der Zusammenhalt insgesamt in Ordnung, auch wenn es – wie überall – unterschiedliche Persönlichkeiten gab. Viele Kollegen haben sich im Arbeitsalltag gegenseitig unterstützt.
Auch mit Mitarbeitern aus anderen Abteilungen war die Zusammenarbeit oft angenehm. Gerade weil Prozesse und Strukturen im Unternehmen häufig schwierig waren, haben viele Kollegen versucht, pragmatisch zusammenzuarbeiten und sich gegenseitig zu helfen.
Der positive Zusammenhalt entstand dabei eher aus der Situation heraus als durch eine gezielte Förderung seitens des Unternehmens.
Umgang mit älteren Kollegen
Dazu kann ich nur begrenzt etwas sagen. In meinem direkten Umfeld habe ich keinen negativen Umgang mit älteren oder langjährigen Kollegen wahrgenommen. Insgesamt hatte ich jedoch wenig Einblick darin, wie das unternehmensweit gehandhabt wird.
Vorgesetztenverhalten
Mein direkter Vorgesetzter war menschlich sehr angenehm im Umgang und hat dem Team viel Vertrauen entgegengebracht. Er hat versucht, innerhalb des IT-Teams eine offene und moderne Arbeitskultur aufzubauen und uns mehr Eigenverantwortung zu geben.
Gleichzeitig war spürbar, dass seine Handlungsspielräume durch die Unternehmensstruktur stark eingeschränkt waren. Die Führung insgesamt war eher klassisch hierarchisch und stark top-down geprägt, mit häufigen direkten Eingriffen in operative Themen.
Dadurch entstand oft ein Spannungsfeld zwischen dem moderneren Arbeitsansatz im Team und der eher traditionellen Unternehmenskultur.
Arbeitsbedingungen
Die grundlegende Ausstattung war in Ordnung. Kurz nach meinem Eintritt wurden neue MacBooks angeschafft und jeder Arbeitsplatz hatte einen höhenverstellbaren Tisch. Auch die Internetverbindung wurde im Laufe der Zeit verbessert.
Das Büro befand sich jedoch im Gebäude eines Autohauses. Dadurch kam es gelegentlich zu Gerüchen oder Abgasen aus dem Werkstattbereich.
Kommunikation
Innerhalb des Teams funktionierte die Kommunikation durch Dailys und direkte Abstimmung meist gut. Auf Unternehmensebene war sie jedoch oft schwierig.
Die IT wurde häufig mit Themen konfrontiert, die eigentlich außerhalb unseres Verantwortungsbereichs lagen (z. B. Telefonanlage, Internetzugang oder fehlende Berechtigungen), was zusätzlichen Aufwand und Missverständnisse verursacht hat.
Bei neuen Projekten fehlten zudem oft klare Anforderungen. In einem Fall wurde bereits mit der Entwicklung begonnen, obwohl noch nicht klar war, welche Probleme die Software eigentlich lösen oder welche bestehende Systeme sie ersetzen sollte. Versuche, Anforderungen gemeinsam mit den späteren Nutzern zu definieren, führten zunächst zu guten Ergebnissen, wurden jedoch mehrfach wieder verworfen.
Insgesamt führten häufig wechselnde Vorgaben und kurzfristige Richtungsänderungen dazu, dass Projekte unnötig kompliziert wurden und viel Abstimmungsaufwand entstand.
Gleichberechtigung
In meinem direkten Arbeitsumfeld habe ich keine Unterschiede in der Behandlung aufgrund des Geschlechts wahrgenommen. Kolleginnen waren Teil der Teams und wurden aus meiner Sicht gleich behandelt. Über die Situation im gesamten Unternehmen kann ich jedoch nur begrenzt urteilen
Interessante Aufgaben
Die Aufgaben konnten durchaus interessant sein. Ein großer Teil der Arbeit bestand darin, in bestehende Strukturen mehr Ordnung und bessere Prozesse zu bringen. Gerade im Team war es motivierend zu sehen, dass unsere Arbeit spürbare Verbesserungen bewirken konnte.