Gut am Arbeitgeber finde ich
Die positiven Erfahrungen lagen dort er bei den Kollegen, als beim Arbeitgeber selbst.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Da ich ursprünglich aus der freien Wirtschaft komme, bin ich ziemlich unvoreingenommen in den Klinikalltag gegangen. Natürlich wusste ich das Krankhäuser stressig sein können - aber manches dort lag wirklich jenseits meiner Vorstellungskraft. In der freien Marktwirtschaft gilt ein ganz einfaches Prinzip: Respekt, Anstand und ein funktionierendes Team, wenn es nicht läuft fliegt der Trainer und man würde nie zulassen das so viele Mitarbeiter kündigen wegen der Führungsebene und der Verwaltung. Solche Strukturen, wie sie im Klinikalltag herrschen würden in der freien Marktwirtschaft vermutlich keine drei Wochen überleben. Die Stellenanzeigen lesen sich übrigens hervorragend. Da wird einem das blaue vom Himmel versprochen: Wertschätzung, Teamgeist, moderne Führung - quasi das LinkdIn-Profil eines Traumarbeitgebers.
In der Realität hatte man allerdings stellenweise den Eindruck, dass weniger Fachkräfte gesucht werden als Menschen die still funktionieren, alles abnicken und bitte niemals unangenehme Fragen stellen. Das ideale Profil scheint zu sein: professionell arbeiten, den Mund halten und Hierarchien bloß nicht in Frage stellen. Teilweise hatte man dort das Gefühl die Uhr steht nicht kurz vor zwölf, sondern eher schon 20 nach zwölf - nur die Verwaltung diskutiert noch darüber, wer das Protokoll zuerst unterschreibt.
Fazit: Wer still nickt, keine Fragen stellt und Hierarchien liebt, dürfte sich dort wohlfühlen. Alle anderen sammeln früher oder später vermutlich wertvolle Erfahrungen - und schreiben danach Kununu - Bewertungen.
Verbesserungsvorschläge
Vielleicht wäre es sinnvoll, sich einmal ernsthaft zu fragen, warum trotz ständiger Debatten über Fachkräftemangel so viele motivierte Menschen dem System den Rücken zu kehren. Andere Gesundheitssysteme versuchen längst moderner, menschlicher und Arbeitnehmerfreundlicher zu werden. Hier hatte man stellenweise den Eindruck, dass das Wort einer verstaubten Verwaltung mehr zählt als das von Menschen, die tatsächlich die Arbeit machen. Der junge Mensch hat sich verändert. Junge Leute lassen sich heute eben nicht mehr dauerhaft mit antiquierten Hierarchien, Macht-Spielchen und bürokratischen Theater abspeisen und das ist auch gut so!
Und ganz ehrlich: Nach diesen Erfahrungen würde ich jungen Menschen mittlerweile eher empfehlen, für Pflege oder Medizin ins Ausland zu gehen, statt sich hier von verstaubten Hierarchien klein halten zu lassen. Andere Länder suchen Fachkräfte, hören auf ihre Leute und wissen offenbar noch, was professionelle Mitarbeitende wert sind. Vielleicht fehlen gar nicht die Fachkräfte. Vielleicht fehlen einfach Führungskräfte und Verwaltungen, die endlich im 21. Jahrhundert angekommen sind. Und das wünsche ich euch, räumt eure alte verstaubte 60er Jahre Verwaltung auf. Denn irgendwann bleibt genau diese alte bürokratische Denkweise auf der Strecke - und wenn manche Häuser nicht bald die Kurve kriegen, wird aus Personalmangel irgendwann einfach ein leeres Gebäude mit Kreuz am Eingang. "Der Fisch fängt immer am Kopf an zu stinken".
Arbeitsatmosphäre
Wer schon immer erleben wollte, wie sich Mittelalter, Hierarchiedenken und modernes Krankenhausdenken miteinander Verbinden lassen, bekommt dort einen erstaunlich authentischen Eindruck. Teilweise wirkt die Führungskultur wie ein kleines Fürstentum mit angeschlossener Verwaltung: viel Kontrolle, viel Tonlage und eine bemerkenswerte Form von Boshaftigkeit, die vermutlich offiziell unter "professioneller Führung läuft".
Die eigentliche Kunst dort scheint nicht gute Arbeit zu sein, sondern möglichst geräuschlos mitzuschwimmen. Kritik und eigenständiges Denken werden ungefähr so begeistert aufgenommen wie ein Grillfest in der Klosterküche.
Image
Nach außen glänzt das Haus gern mit christlichen Werten, Menschlichkeit und einen hervorragenden Ruf.
Intern lernt man allerdings schnell, dass "christliche Werte" offenbar ein sehr dehnbarer Begriff sein können. Liest man manche Bewertungen online, könnte man meinen, dort herrsche medizinisches Disneyland mit Weihrauchduft und Feelgood-Management. Die Realität wirkte stellenweise eher wie eine Realsatire über deutsche Krankenhausbürokratie.
Work-Life-Balance
Work-Life-Balance existierte dort ungefähr auf dem gleichen Stand wie die IT: irgendwie vorhanden, aber deutlich in die Jahre gekommen.
Karriere/Weiterbildung
Veränderungen, neue Ideen oder eigenständiges Denken schienen dort eher in homöopathischen Dosen erwünscht zu sein.
Gehalt/Benefits
Gesundheits- und Sozialleistungen sind schon vorhanden - nur leider nicht in ausreichender Dosierung um die Führungskultur dauerhaft therapeutisch auszugleichen.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Der Müll, der allein im alltäglichen Klinikbetrieb anfällt, ist ehrlich gesagt enorm. Allerdings gehört das in vielen Bereichen vermutlich einfach zum notwendigen Materialverbrauch.
Kollegenzusammenhalt
Die Schwestern, viele Kollegen und auch zahlreiche Ärzte habe ich dagegen überwiegend engagiert und menschlich erlebt. Gerade deshalb fällt der Kontrast zur Führungsebene umso stärker auf.
Umgang mit älteren Kollegen
Im Team selbst konnte ich beim Umgang mit älteren Kollegen nichts Negatives feststellen.
Vorgesetztenverhalten
Einige Leitungspersonen erinnerten eher an kleine Feldwebel mit Klemmbrett - ständig bemüht, Autorität auszustrahlen, während organisatorische Probleme großzügig an andere Mitarbeitende weiterdelegiert wurden. Und irgendwo darüber schwebte dann noch jene Art von Pflegedienstleitung, die wirkt wie ein dekoratives Amtssiegel: offiziell "wichtig", praktisch hauptsächlich fürs ernste Abnicken zuständig.
Arbeitsbedingungen
Die Arbeitsbedingungen wirkten insgesamt sehr schwerfällig und organisatorisch oft unnötig kompliziert. Auch technologisch scheint dort die Zeit irgendwann zwischen Windows 95 und Faxgerät stehengeblieben zu sein. Die IT wirkte teilweise wie ein nostalgisches Museum für fragwürdige Softwarelösungen: alte Systeme, billige Konstruktionen und Web-Outlook-Bastellösungen. Computer standen herum wie öffentliche Terminals im Bürgeramt. Datenschutz wirkte dort eher wie ein optionales Hobbyprojekt.
Und natürlich wurde das Problem nicht als technischer Missstand betrachtet - sondern eher als Gelegenheit, Mitarbeitende anzupampen. Mehrmals dachte man sich einfach nur " Das kann doch unmöglich euer Ernst sein. Echt jetzt?" Die hohe Fluktuation auf der Station kam daher wenig überraschend. Menschen verschwanden dort teileweise schneller als freie Parkplätze vor dem Haus - und trotzdem schien man sich ernsthaft zu wundern, warum dauerhaft Personal fehlt. Besonders traurig ist, die moralische Intelligenz schien auf manchen Ebenen des Hauses ungefähr bei null zu liegen.
Kommunikation
Kommunikation lief dort oft nach dem Prinzip "Stille Post mit Verwaltungsbonus". Konkrete Antworten waren sehr selten, vieles musste man sich über 5 Ecken zusammensuchen - und wenn am Ende immerhin die Hälfte gestimmt hat, galt das vermutlich schon als erfolgreicher Informationsfluss.
Gleichberechtigung
Mitspracherecht war durchaus vorhanden - allerdings hauptsächlich ab einer gewissen Flughöhe im Organigramm.
Interessante Aufgaben
Die Aufgaben waren durchaus interessant.