In der Krise zeigt sich die das wahre Gesicht… Zwischen Wertschätzung und Zahlenfokus
Verbesserungsvorschläge
Das Unternehmen hat über viele Jahre eine Kultur der Wertschätzung, des Respekts und des familiären Zusammenhalts nach außen und innen stark betont und gelebt. In den vergangenen Jahren – besonders in der Phase der wirtschaftlichen Anspannung 2023–2025 – ist diese Kultur jedoch spürbar unter Druck geraten und in Teilen unter die Räder gekommen. Der starke Fokus auf bilanzielle und kapitalmarktgetriebene Ziele hat zu umfangreichen Personalanpassungen geführt (hauptsächlich über Aufhebungsvereinbarungen, natürliche Fluktuation und punktuelle betriebsbedingte Maßnahmen). Viele erfahrene Kolleginnen und Kollegen – darunter zahlreiche aus technischen Kernbereichen – haben das Unternehmen verlassen, oft in Richtung Wettbewerber.
Aus Sicht der Produktentwicklung und R&D war besonders belastend, dass der kontinuierliche Umbau von Prozessen, Organisationsstrukturen und Systemen (ständige Reorganisationen, neue Tools, veränderte Reporting-Linien etc.) den eigentlichen Fokus auf innovative Produktentwicklung massiv gestört hat. Statt konsequenter Umsetzung und Stabilisierung gab es wiederholt Hauruck-Aktionen, die viel Energie gebunden haben, ohne dass der angestrebte Wandel vom Komponenten- zum echten Systemanbieter in der Breite gelungen wäre. Internationale Zusammenarbeit und Know-how-Transfer bleiben ausbaufähig – es dominieren weiterhin stark lokale Projekte und Silo-Denken zwischen Standorten und Abteilungen.
Weitere spürbare Herausforderungen:
• Hohe Abhängigkeit von wenigen Großkunden und zunehmender Wettbewerbsdruck – insbesondere aus Asien/China –, der sich täglich im Gefühl „wir sind zu langsam, zu teuer“ niederschlägt.
• Schlechter Informationsfluss in Krisenphasen, fehlender klarer roter Faden und oft diffuse Umsetzungsverantwortung; einzelne Bereiche bremsen den Fortschritt merklich.
• Die in guten Zeiten hochgehaltene Wertschätzung und der Teamzusammenhalt wurden in der Krise auf eine harte Probe gestellt – viele gute Leute sind gegangen, während einige der Verantwortlichen für die Missstände weiterhin in Position sind.
Beim Arbeitsmodell zeigt sich Pragmatismus je nach Bedarfslage: Vor Corona hohe Präsenzpflicht, in der Pandemie fast vollständig remote, aktuell wieder 2–3 Tage Office (je nach Rolle). Teilzeit und Sabbaticals sind weit verbreitet, was Flexibilität schafft, aber auch die Kapazitäten in Projekten streckt.
Vergütungsseitig bleiben 12 Monatsgehälter Standard, ohne Urlaubs-/Weihnachtsgeld, Mitarbeiterbeteiligung oder substanzielle Firmenpension. Erfolgsbeteiligungen fielen in den Krisenjahren aus.
Fazit aus R&D-Sicht: Es gibt nach wie vor viel fachliches Potenzial und engagierte Menschen, die das Unternehmen voranbringen wollen. Gleichzeitig haben die letzten Jahre gezeigt, dass die Priorisierung rein finanzieller Kennzahlen und permanenter Strukturveränderungen die Kernstärke – exzellente Produktentwicklung – nachhaltig beeinträchtigt hat. Ohne klare Rückbesinnung auf Stabilität, Umsetzungsstärke und echte Wertschätzung der technischen Kernmannschaften wird es schwer, langfristig wieder wettbewerbsfähig und attraktiv für Top-Talente zu werden.