Gut am Arbeitgeber finde ich
Die Kollegen, die Mitarbeiter an der Basis, sind diejenigen, die auch unter widrigen Umständen das stolze Schiff B&B Germany auf Kurs halten. Man bekommt eine gute IT-Ausstattung. Man identifiziert Schwachstellen und versucht sie zu verbessern.
Die Firmen-Events sind eine Klasse für sich. Trotzdem: Ich suche mir einen Arbeitgeber nicht danach aus, ob er deutschlandweit die beste Weihnachtsfeier hat, sondern nach Vergütung und Arbeitsbedingungen. Den Fokus sollte man verschieben.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Vor allem in den letzten 12-15 Monaten herrscht ein schlechtes Betriebsklima. Grund war der von der neuen Führung vorgegebene neue Kurs des Unternehmens. Mit dem Wechsel des CEO und der halben Führungsriege hat man zwar richtig erkannt, dass man das immer weiter wachsende Unternehmen nicht ewig mit den gleichen Strukturen weiterführen kann, die man seit den ersten 10 Hotels verwendet hat. Es ist völlig richtig, dass man die Struktur der Größe anpassen muss. Der gewählte Weg war allerdings völlig unstrukturiert und schlecht kommuniziert. Man hat Teams auseinandergerissen, verdiente Kollegen und Führungskräfte, die diesen Weg kritisiert haben, abgesägt und entweder durch Befürworter des Kurses ersetzt, oder durch niemanden und den Workload dadurch für viele Mitarbeiter bis an die Belastungsgrenze und in einigen Fällen auch darüber hinaus angehoben. Zudem hat man ein Jahr nach Beginn der Umstrukturierung nicht das Gefühl, dass sich besonders viel gebessert hat.
Verbesserungsvorschläge
Aktuell schwer zu sagen. Das Porzellan ist bereits zerschlagen. Was man durch schlechte Planung und Kommunikation in den letzten Monaten kaputt gemacht hat, wird sich nicht schnell wieder kitten lassen. Dazu müsste von der Führungsebene mindestens mal eine durchgehend ehrliche Kommunikation erfolgen. Man bekommt aber aktuell an einem Tag völlig empathielos die harten, nackten Fakten um die Ohren gehauen, am nächsten wird man bebauchpinselt. Zweiteres nimmt man der Führung aber nicht ab, wenn sie zuvor z.B. schon völlig unempathisch gegenüber entlassenen Kollegen ist. Auch wenn es unangenehm ist, sollte man offen und transparent sein. Gerade wenn man unbequeme Entscheidungen trifft, sollte man dazu stehen und die Hintergründe erklären, nicht die Schuld abwälzen und so tun, als hätte man keine andere Wahl gehabt.
Man sollte sich auch nicht in die Riege der konservativen Unternehmen dieses Landes einreihen, die die moderne, offene Unternehmenskultur mit flexiblen Homeoffice-Regelungen wieder einkassieren, obwohl es genügend Studien gibt, die belegen, dass die Arbeit im Homeoffice eben keine Produktivitätsminderung mit sich bringt. Auch mit zwei Bürotagen wurde aufgrund der tollen Teamstruktur bereits ausreichend Networking betrieben. Und die Meetingkultur fördert einen Austausch zwischen den Abteilungen ohnehin, das ist immerhin einer der Punkte, die durch die Umstrukturierungen der letzten Monate wirklich deutlich besser geworden ist: Weniger, dafür gehaltvollere Meetings mit einer verbesserten Teilnehmerstruktur. Das wird nicht besser, nur weil man die Mitarbeiter wieder ins Büro zwingt.
Es ist unglaublich schwer, sich einen so guten Ruf zu erarbeiten, wie B&B Germany ihn bis vor einem Jahr hatte, und bis dahin auch zurecht. Es ist aber äußerst leicht, sich das in kürzester Zeit komplett kaputt zu machen. Will man weiterhin gute Mitarbeiter rekrutieren, wird man entweder tiefer in die Tasche greifen müssen, oder dafür sorgen müssen, dass die Arbeitsbedingungen weiterhin attraktiv bleiben anstatt wieder in die Steinzeit zurückzugehen. Wenn ich in meiner Zeit bei B&B eines gelernt habe, dann, dass die bisherige Unternehmenskultur zu äußerst glücklichen Mitarbeitern geführt hat, die bereit waren, alles für das Unternehmen zu geben, und dass der Verlust dieser Kultur auch die Bereitschaft vieler Kollegen, die viel zitierte „Extrameile zu gehen“, quasi auf Null senkt. Ich glaube, dieser Faktor wird massiv unterschätzt.
Arbeitsatmosphäre
Hier hat sich das Unternehmen in kurzer Zeit deutlich verschlechtert. Man hat sich durch die Art und Weise, wie man die Unternehmenstransformation durchführen wollte, keinen Gefallen getan, da die Atmosphäre dadurch komplett zerstört wurde. Dass hier zwei statt einem Stern gegeben wird, liegt vor allem daran, dass es einige Kollegen gibt, die versuchen, sich die gute Laune nicht verderben zu lassen und die anderen mitzuziehen. Das ist schon toll zu erleben. Aber ist schade, dass es notwendig ist.
Image
B&B hat nach außen ein Top-Image. Erzähle ich von meinem Arbeitgeber, kommt meist positive Resonanz. Wir haben ein Top-Produkt und tun viel dafür, dass unsere Marke jedem Gast das bietet, was sie verspricht: Eine günstige Übernachtungsmöglichkeit mit einem guten Bett, einem sauberen Zimmer und einem guten Frühstück. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Das Image als Arbeitgeber bröckelt allerdings seit einer Weile, und ich verstehe, warum. Dazu muss man sich nur die negativen Bewertungen der letzten Zeit ansehen. Die sind oft äußert negativ dargestellt, aber fußen alle auf den gleichen Beobachtungen wie meine. Den zum Ausdruck gebrachten Frust kann ich jedenfalls gut nachvollziehen.
Work-Life-Balance
Auch hier lässt das Unternehmen Federn. Ja, es gibt Homeoffice, aber es müssen nun alle Mitarbeiter, egal wie weit deren Weg zum Büro ist, 60% ins Office. Bisher waren es 40%, was gerade für Eltern eine enorme Erleichterung war. Diesen Rückschritt hätte ich von B&B nicht erwartet. Viele Unternehmen gehen aktuell diesen Weg, aber das sind in der Regel die konservativ Geführten. B&B hat sich bisher als sehr offener, mitarbeiter- und auch familienfreundlicher Arbeitgeber präsentiert. Das wird hiermit nun eingeschränkt.
Auch die Tatsache, dass man gleichzeitig enorm wachsen will UND Leute entlässt, ist schon schräg und führt dazu, dass immer weniger Leute immer mehr Workload schultern müssen.
Karriere/Weiterbildung
Wer den von oben vorgegebenen Weg ohne Widerworte mitgeht, hat gute Chancen. Gute, aufstrebende moderne Führungskräfte werden aber abgesägt, wenn sie das nicht tun. Auch wenn sie maßgeblich am Erfolg der letzten Jahre beteiligt oder sogar dafür verantwortlich waren. In dem Jahr, in dem man Marktführer wird, die halbe Führungsebene auszutauschen, hat schon einen faden Beigeschmack. Gerade, wenn bei den Neubesetzungen überwiegend Vitamin B im Spiel war.
Gehalt/Benefits
In der Hotellerie verdient man weniger in vergleichbaren Stellen in anderen Branchen. Das war mir vor Antritt der Stelle bekannt, dennoch muss man es erwähnen, schließlich hat man auch hier einen zwar erfüllenden, aber zuweilen sehr stressigen Job, für den man auch gerne eine entsprechende Gegenleistung hätte. Firmenfeiern in übertrieben teuren Locations sind zwar nett, aber die meisten Mitarbeiter hätten wahrscheinlich mehr von 13. Gehältern, Weihnachtsgeld o.Ä.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Man ist bemüht, aber es gibt noch viele Punkte, bei denen man das Thema noch nicht wirklich ernst genug nimmt. Ich bin aber vorsichtig optimistisch, da man zumindest offen dafür ist, die Dinge besser anzugehen.
Kollegenzusammenhalt
Das ist das, was B&B in der Vergangenheit stark gemacht hat und auch heute noch stark macht. Die Teams sind eine Einheit und überstehen gemeinsam auch schwere Zeiten. Tolle Charaktere bilden die Basis für ein erfolgreiches Unternehmen, und es ist diesem über die Jahre gewachsenen Teamspirit zu verdanken, dass die jüngsten Veränderungen die Firma nicht komplett runtergezogen haben. Wäre das nicht so, hätten in den letzten 12 Monaten sicher noch mehr Kollegen das Handtuch geworfen.
Umgang mit älteren Kollegen
Nichts Negatives hierüber zu sagen. Solange man keine Führungskraft ist, kann man in diesem Unternehmen bedenkenlos alt werden.
Vorgesetztenverhalten
Innerhalb eines Jahres wurde die halbe Führungsriege (C-Level & H-Level) ausgetauscht. Schon ist das gesamte Feeling im Unternehmen ein anderes. Es werden lieber neue Führungskräfte mit starkem Auftreten geholt als solche mit echtem Know-How. Das gilt natürlich nicht für alle, aber für auffallend viele. Nur die Führungskräfte, die den neuen Weg ohne Widerstand nach oben mitgehen, sind noch da. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt…
Das höchste Level ist ein Fähnchen im Wind. Macht auf Weihnachtsfeiern einen auf besten Kumpel, ignoriert einen aber völlig im Alltag und tätigt unglaubwürdige Aussagen, die so tun, als läge einem tatsächlich jeder einzelne am Herzen, obwohl die Taten genau die gegenteilige Sprache sprechen.
Arbeitsbedingungen
Bedingt durch die jüngsten Entlassungen und die durch die Umstrukturierung erfolgten Kündigungen durch Kollegen ist der Workload pro Kopf stark gestiegen. Auch, weil viele der Stellen nicht nachbesetzt werden. Die Streichung eines Homeoffice-Tages pro Woche ist ebenfalls kein Gefallen an die Mitarbeiter, vor allem diejenigen mit Familie.
Man wird bezüglich Arbeitsmitteln top ausgestattet.
Kommunikation
Ich finde, dass es aktuell noch zu viele verschiedene Informationskanäle gibt und man noch keinen Überblick hat, welche Information wo zu finden ist, wenn man danach sucht. Aber ich sehe Bemühungen, um das zu verbessern.
Die Kommunikation des aktuellen Unternehmensstatus durch die hohen Führungsebenen an die Basis findet ausreichend oft statt. Weniger Schönreden, mehr offene und ehrliche Worte, gerade bei unbequemen Entscheidungen wären sehr wünschenswert, Dann könnte man diese Entscheidungen auch besser ertragen bzw. sogar verstehen und respektieren.
Gleichberechtigung
Innerhalb der "normalen" Kollegen täglich gelebte Kultur. Je weiter oben in der Nahrungskette, desto weniger trifft das zu.
Man gibt seit Jahren das Ziel aus, mehr Frauen auch in Führungspositionen zu bringen, und obwohl es sicherlich aufstrebende Kandidatinnen in den eigenen Reihen gibt, scheint das maximal bis zum Teamleiter-Level zu gelingen. Weibliche Head Ofs oder gar Chiefs sind quasi nicht vorhanden. Ich bin kein Freund von der Vergabe von Führungsposten mittels Frauenquote. Aber dass so gar niemand auch nur in Frage kommt, diese Posten auszufüllen, macht einen schon nachdenklich.
Interessante Aufgaben
Langweilig wird es hier nie. Egal wie lang man dabei ist, man lernt jeden Tag etwas Neues. Die Hotellerie ist ein sehr abwechslungsreiches Feld, und als jemand, der es mit über 250 Hotels in Mittel- und Nordeuropa zu tun hat, hat man nie das Gefühl, dass jeder Tag wie der andere ist. Dafür poppen regelmäßig zu viele verschiedene Themen auf. Man muss nur aufpassen, dass man sich nicht im Micromanagement verliert.