Arbeiten unter ständigem Leistungsdruck
Gut am Arbeitgeber finde ich
* Die Zusammenarbeit im Team ist überwiegend kollegial und gegenseitige Unterstützung ist bei Fragen häufig gegeben.
* Die Tätigkeit bietet die Möglichkeit, fachliches Wissen kontinuierlich auszubauen und vielfältige Erfahrungen zu sammeln.
*Faires Gehalt.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Der Leistungsdruck ist sehr hoch. Mitarbeitende müssen tägliche Zielvorgaben erfüllen, die unter den tatsächlichen Arbeitsbedingungen häufig kaum erreichbar sind. Gleichzeitig wird eine permanente telefonische Erreichbarkeit erwartet, wodurch ein ständiger Spagat zwischen Quantität, Qualität und Erreichbarkeit entsteht.
Besonders kritisch empfinde ich den Umgang mit Fehlern in der schriftlichen Kommunikation. Bei einem täglichen Arbeitsaufkommen von 30 bis 40 Schreiben sind vereinzelte Flüchtigkeits-, Grammatik- oder Rechtschreibfehler trotz sorgfältiger Arbeitsweise nicht immer vollständig vermeidbar. Zusätzlich wurde vereinbart, dass pro Woche höchstens acht Grammatik- oder Rechtschreibfehler auftreten dürfen. Wird diese Grenze überschritten, folgt als Konsequenz ein einwöchiger Entzug der Möglichkeit zum mobilen Arbeiten. Anstatt den Fokus auf Unterstützung und Qualitätssicherung zu legen, setzt diese Regelung vor allem auf Sanktionen und erzeugt zusätzlichen Druck. Eine solche Vorgehensweise fördert aus meiner Sicht keine konstruktive Fehlerkultur.
Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die Regelung zum mobilen Arbeiten. Bereits im Vorstellungsgespräch wurden die Möglichkeiten des mobilen Arbeitens aus meiner Sicht deutlich anders dargestellt, als sie später tatsächlich umgesetzt wurden. Krankheitstage, Urlaub sowie der Abbau von Überstunden werden auf das Kontingent für mobiles Arbeiten angerechnet. Dadurch kann es beispielsweise passieren, dass Mitarbeitende nach einem zweiwöchigen krankheitsbedingten Ausfall oder einem längeren Urlaub in den darauffolgenden Monaten vollständig im Büro arbeiten müssen, da ihr Kontingent für mobiles Arbeiten bereits aufgebraucht ist. Diese Regelung ist aus meiner Sicht wenig nachvollziehbar, da krankheitsbedingte Fehlzeiten, Urlaub oder der Abbau bereits geleisteter Überstunden keinen Einfluss auf die tatsächliche Nutzung des mobilen Arbeitens haben sollten.
Hinzu kommt eine dauerhaft hohe Arbeitsbelastung. Um die Vielzahl der zu betreuenden Versicherten und das anfallende Arbeitspensum bewältigen zu können, sind regelmäßig Überstunden erforderlich. Von Seiten des Arbeitgebers wird wiederholt kommuniziert, dass Überstunden geleistet werden sollen. Zudem wird empfohlen, ein Überstundenkonto von mindestens 25 Stunden aufzubauen, um „auf der sicheren Seite zu sein“. Andernfalls besteht die Möglichkeit, kurzfristig länger arbeiten zu müssen. Dies erschwert eine verlässliche Planung der Freizeit und erhöht den Druck zusätzlich.
Da viele Mitarbeitende befristet beschäftigt sind, wird das Thema Übernahme regelmäßig als Druckmittel wahrgenommen. Wer zusätzliche Anforderungen hinterfragt oder ablehnt, wird teilweise darauf hingewiesen, an die eigene Übernahme zu denken. Dadurch entsteht bei vielen das Gefühl, Erwartungen erfüllen zu müssen, denen sie unter anderen Umständen möglicherweise nicht zustimmen würden.
Insgesamt ist die Arbeitsatmosphäre aus meiner Sicht stark von Leistungsdruck, Kontrolle und einer hohen Arbeitsverdichtung geprägt. Wertschätzung, offene Kommunikation und ein respektvoller Umgang auf Augenhöhe kommen dabei leider häufig zu kurz.
Verbesserungsvorschläge
* Realistische Arbeitsziele festlegen: Tagesvorgaben sollten an die tatsächliche Komplexität der Fälle angepasst werden und nicht ausschließlich auf der Anzahl der bearbeiteten Vorgänge basieren.
* Konstruktive Fehlerkultur etablieren: Statt Sanktionen bei Grammatik- oder Rechtschreibfehlern sollten regelmäßige Schulungen, Feedbackgespräche und Unterstützung zur Qualitätsverbesserung im Vordergrund stehen.
* Regelungen zum mobilen Arbeiten fair gestalten: Krankheitstage, Urlaub und Überstundenabbau sollten nicht auf das Kontingent für mobiles Arbeiten angerechnet werden. Zudem sollten die im Bewerbungsprozess kommunizierten Regelungen transparent eingehalten werden.
* Leistung nicht an einzelne Kennzahlen knüpfen: Neben der Bearbeitungsmenge sollten auch Beratungsqualität, Kundenzufriedenheit und die Komplexität der Fälle berücksichtigt werden.
* Arbeitsbelastung reduzieren: Eine bessere Personalplanung und eine realistische Verteilung der Aufgaben könnten dazu beitragen, Überstunden dauerhaft zu vermeiden.
* Überstunden freiwillig gestalten: Überstunden sollten die Ausnahme bleiben und nicht als Erwartungshaltung oder Absicherung für den Arbeitsalltag vorausgesetzt werden.
* Mehr Planungssicherheit schaffen: Mitarbeitende sollten ihre Freizeit zuverlässig planen können, ohne kurzfristig mit längeren Arbeitszeiten rechnen zu müssen.
* Offene und wertschätzende Kommunikation fördern: Kritik sollte respektvoll und lösungsorientiert erfolgen. Lob und Anerkennung für gute Leistungen sollten stärker in den Arbeitsalltag integriert werden.
* Druck im Zusammenhang mit befristeten Arbeitsverträgen vermeiden: Entscheidungen über Vertragsverlängerungen sollten transparent und anhand objektiver Kriterien getroffen werden und nicht im Zusammenhang mit zusätzlichen Erwartungen stehen.
* Mitarbeitende stärker einbeziehen: Regelmäßige Feedbackrunden oder anonyme Mitarbeiterbefragungen könnten helfen, Probleme frühzeitig zu erkennen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln.


