Gute Kollegen und faire Bezahlung – Führung, Kommunikation und Work-Life-Balance enttäuschen
Gut am Arbeitgeber finde ich
Besonders positiv habe ich den starken Kollegenzusammenhalt erlebt. Unter den Kolleginnen und Kollegen herrschte ein sehr kameradschaftlicher und oft fast familiärer Umgang. Man konnte sich gegenseitig aufeinander verlassen, sei es durch Unterstützung im Dienst oder beim Tausch von Frei- und Urlaubstagen.
Auch die tariflich geregelte Bezahlung und die Sozialleistungen waren aus meiner Sicht fair und zuverlässig.
Zudem hat mir die Tätigkeit als Straßenbahnfahrer grundsätzlich Spaß gemacht. Die Zusammenarbeit mit der Leitstelle und der Austausch mit den Kollegen haben den Arbeitsalltag oft angenehm gemacht. Noch heute freue ich mich, wenn ich ehemalige Kolleginnen und Kollegen wieder treffe – und die Freude ist meist auf beiden Seiten spürbar.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Negativ empfand ich vor allem die Kommunikation und die mangelnde Transparenz bei Entscheidungen. Viele Informationen wurden nur kurzfristig weitergegeben oder gar nicht ausreichend erklärt.
Auch die Dienstplanung und die daraus resultierende Work-Life-Balance waren für mich schwierig, da Dienste häufig sehr spät endeten und persönliche Situationen kaum berücksichtigt wurden.
Zudem hatte ich den Eindruck, dass Weiterbildungs- und Entwicklungsmöglichkeiten nicht immer nach klaren und transparenten Kriterien vergeben wurden.
Insgesamt fehlte mir häufig die Wertschätzung gegenüber dem Fahrdienst, obwohl dieser einen zentralen Bestandteil des täglichen Betriebs darstellt.
Verbesserungsvorschläge
Aus meiner Sicht könnte das Unternehmen an mehreren Stellen Verbesserungen vornehmen.
Kommunikation und Transparenz: Entscheidungen sollten nachvollziehbarer erklärt und wichtige Informationen frühzeitig an den Fahrdienst weitergegeben werden. Ein offenerer Austausch zwischen Führung und Mitarbeitenden würde viele Missverständnisse vermeiden.
Dienstplanung und Work-Life-Balance: Dienstzeiten sollten stärker auf die persönliche Situation der Mitarbeitenden Rücksicht nehmen. Gerade bei familiären Verpflichtungen wäre mehr Flexibilität und Verständnis wünschenswert.
Faire Entwicklungsmöglichkeiten: Weiterbildungen und Aufstiegsmöglichkeiten sollten nach klaren und transparenten Kriterien vergeben werden, sodass Engagement und Leistung stärker berücksichtigt werden.
Arbeitsbedingungen verbessern: Pausenregelungen, Aufenthaltsmöglichkeiten an Endhaltestellen sowie die Einsatzplanung könnten überarbeitet werden, um den Arbeitsalltag im Fahrdienst zu erleichtern.
Wertschätzung für den Fahrdienst: Der Fahrdienst bildet das Rückgrat des Unternehmens. Eine stärkere Einbindung der praktischen Erfahrung der Mitarbeitenden sowie ein respektvoller U
Arbeitsatmosphäre
Die Arbeitsatmosphäre schwankte stark. Unter den Kollegen gab es überwiegend einen sehr guten Zusammenhalt, was vieles im Alltag erleichtert hat. Einige Kollegen vermisse ich bis heute.
Schwieriger war jedoch der Umgang seitens der Führungsebene. Häufig hatte ich den Eindruck, dass wenig Interesse am Fahrdienst besteht und die Wertschätzung für die Mitarbeitenden fehlt. Das wirkt sich negativ auf das Betriebsklima aus.
Image
Das Image des Unternehmens habe ich als eher negativ wahrgenommen. Kritik von Fahrgästen sowie Unzufriedenheit im eigenen Kollegenkreis waren keine Seltenheit.
Viele Mitarbeitende standen eher hinter ihren Kolleginnen und Kollegen als hinter dem Unternehmen selbst.
Work-Life-Balance
Die Work-Life-Balance war für mich sehr schwierig. Meine Dienste lagen überwiegend sehr spät, häufig bis etwa 22 Uhr oder später, obwohl ich im Übergangsplan war, der theoretisch auch frühere Dienstenden ermöglicht hätte. Dadurch blieb kaum Zeit für meine Familie.
Besonders belastend war für mich, dass ich meinen Sohn im Alltag meist nur noch morgens in die Kita bringen konnte, ihn abends aber kaum noch gesehen habe. Gemeinsame Zeit am Abend oder Momente wie das Zu-Bett-Bringen waren dadurch praktisch nicht möglich.
Auch die Urlaubsplanung war durch sehr strenge Regelungen schwierig. Gewünschte Zeiträume, insbesondere beim Kurzurlaub rund um einen größeren Urlaub, konnten bei mir nicht umgesetzt werden.
Gespräche darüber brachten leider keine spürbare Verbesserung. Diese Situation war für mich ein wichtiger Grund, das Arbeitsverhältnis letztlich nicht fortzusetzen.
Karriere/Weiterbildung
Karriere- und Weiterbildungsmöglichkeiten waren aus meiner Sicht sehr begrenzt. Persönliche Entwicklung wurde nur selten aktiv gefördert.
Mein eigener Wunsch, den Führerschein der Klasse D über den Arbeitgeber zu erwerben, wurde mehrfach auf das Folgejahr verschoben, während andere Mitarbeitende diese Möglichkeit zeitnah erhielten.
Insgesamt entstand bei mir der Eindruck, dass bei der Förderung von Mitarbeitenden nicht immer Leistung oder Engagement entscheidend waren, sondern teilweise persönliche Nähe zur Führungsebene oder informelle Beziehungen eine größere Rolle spielten. Dadurch fehlte aus meiner Sicht eine klare und nachvollziehbare Linie bei Entwicklungs- und Aufstiegsmöglichkeiten.
Gehalt/Benefits
Gehalt und Sozialleistungen waren insgesamt sehr gut. Die Bezahlung erfolgte tariflich geregelt und wurde zuverlässig gezahlt. Zuschläge für Nacht-, Sonn- und Feiertagsarbeit wurden korrekt berücksichtigt.
In diesem Punkt bietet das Unternehmen aus meiner Sicht solide und faire Bedingungen.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Als Unternehmen im öffentlichen Nahverkehr leistet der Betrieb grundsätzlich einen Beitrag zur umweltfreundlichen Mobilität in der Region. Das ist ein wichtiger und gesellschaftlich sinnvoller Auftrag.
Im internen Arbeitsalltag war dieses Thema jedoch nicht immer besonders präsent. Umwelt- oder soziale Aspekte wurden aus meiner Sicht eher als Teil des Gesamtauftrags verstanden, ohne dass sie im täglichen Betrieb besonders hervorgehoben wurden.
Kollegenzusammenhalt
Der Kollegenzusammenhalt war aus meiner Sicht hervorragend. Unter den Kolleginnen und Kollegen herrschte ein sehr kameradschaftlicher, fast schon familiärer Umgang. Man konnte sich jederzeit aufeinander verlassen.
Gegenseitige Unterstützung war selbstverständlich – ob durch Urlaubs-, Frei- oder Diensttausch. Gerade im stressigen Fahrdienst hat das vieles erleichtert.
Trotz der Arbeit gab es immer wieder Momente, in denen viel gelacht wurde und der Humor nicht zu kurz kam. Diese Gemeinschaft hat den Arbeitsalltag deutlich angenehmer gemacht.
Viele meiner ehemaligen Kolleginnen und Kollegen vermisse ich bis heute.
Umgang mit älteren Kollegen
Im direkten Umgang wurden ältere Kolleginnen und Kollegen meist respektvoll behandelt. In der Praxis spiegelte sich das jedoch nicht immer in der Dienstgestaltung wider. Spezielle Entlastungen oder Anpassungen für ältere Mitarbeitende gab es aus meiner Sicht kaum.
Wenn ältere Kollegen länger krankheitsbedingt ausfielen, führte das im Kollegium teilweise zu sogenannten „Strafdiensten“, wodurch zusätzliche Belastungen entstanden. Zudem hatte ich häufig den Eindruck, dass die Erfahrung und Vorschläge älterer Kollegen nicht immer ausreichend berücksichtigt wurden.
Vorgesetztenverhalten
Mein direkter Vorgesetzter war im persönlichen Umgang stets korrekt und respektvoll. Gleichzeitig hatte ich häufig den Eindruck, dass auch er viele Entscheidungen aus der übergeordneten Führungsebene nicht wirklich nachvollziehen konnte, diese aber dennoch umsetzen musste.
Mit der Leitung des Betriebshofs hatte ich dagegen oft Schwierigkeiten. Aus meiner Sicht fehlte es dort teilweise an Erfahrung, fachlichem Verständnis für den Fahrdienst und an einem angemessenen Umgang mit den Mitarbeitenden. Das hat den Arbeitsalltag zusätzlich erschwert.
Inzwischen wurde der damalige Betriebshofleiter innerhalb des Unternehmens befördert, was ich persönlich nicht nachvollziehen kann.
Zudem hatte ich persönlich häufig sehr späte Dienste, was meine familiäre Situation zusätzlich belastet hat.
Arbeitsbedingungen
Die Arbeitsbedingungen waren aus meiner Sicht schwierig. Pausen waren teilweise sehr kurz oder faktisch nicht vorhanden und wurden stattdessen durch längere Wendezeiten ersetzt. Verspätungen im Betrieb führten dazu, dass diese Zeiten oft nicht als echte Pause genutzt werden konnten. An vielen Endhaltestellen gab es zudem lediglich Toiletten, aber keine richtigen Aufenthalts- oder Pausenräume.
Auch die eingesetzten Fahrzeuge waren aus meiner Sicht nicht optimal für den Betrieb geeignet. Die Variobahnen von Stadler bereiteten im Alltag häufig technische Probleme und wurden von vielen Kollegen kritisch gesehen, insbesondere im Hinblick auf die Streckenführung mit vielen Kurven.
Die bereits erwähnten Dienstplanungen und sehr späten Dienste erschwerten den Arbeitsalltag zusätzlich. Im Busbereich war die Situation teilweise noch anspruchsvoller.
Positiv ist zu erwähnen, dass es grundsätzlich Sanitäranlagen gab, allerdings fehlten beispielsweise ausgewiesene Raucherbereiche.
Insgesamt hatten diese Punkte einen spürbaren Einfluss auf die Arbeitsbedingungen.
Kommunikation
Die Kommunikation war insgesamt schwach. Dienständerungen wurden teilweise erst kurzfristig am Vortag mitgeteilt. Der Austausch zwischen Fahrdienst und Führung verlief meist einseitig und führte selten zu greifbaren Ergebnissen.
Anliegen konnten zwar angesprochen werden, wurden jedoch nach meinem Eindruck oft nicht weiterverfolgt. Da Entscheidungen selten erläutert wurden, entstand viel Flurfunk und Missverständnisse.
Gleichberechtigung
Aus meiner Sicht wurden einzelne Mitarbeitende teilweise bevorzugt behandelt. Ein Beispiel war mein Wunsch, den Führerschein der Klasse D über den Arbeitgeber zu erwerben. Dieser wurde bei mir mehrfach auf das Folgejahr verschoben. Zwei später eingestellte Kollegen erhielten diese Möglichkeit jedoch zeitnah mit der Begründung, dass sie durch ihren vorhandenen Berufskraftfahrerabschluss günstiger auszubilden seien.
Insgesamt entstand bei mir dadurch der Eindruck, dass Entscheidungen nicht immer nach einheitlichen Kriterien getroffen wurden.
Interessante Aufgaben
Die Tätigkeit als Straßenbahnfahrer hat mir grundsätzlich Spaß gemacht. Auch wenn die Arbeit nicht immer besonders abwechslungsreich ist, bringt sie Verantwortung mit sich und erfordert Konzentration sowie ein gutes Gespür für den Betrieb.
Besonders positiv war für mich, dass ich meist sehr pünktlich unterwegs war und bei Trennungen oder betrieblichen Situationen die Leitstelle bei der Planung unterstützen konnte, was dort auch regelmäßig anerkennend erwähnt wurde.
Der Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen sowie mit der Leitstelle hat den Arbeitsalltag zusätzlich bereichert. Der Humor kam dabei selten zu kurz. Noch heute freue ich mich, wenn ich ehemaligen Kollegen begegne – und die Freude ist in der Regel auf beiden Seiten spürbar.

