Status Quo erhalten und Verantwortung meiden ist der maximale Motivator
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Hört auf mit Firmenwagen zu werben ("Fahrzeuge, die Sie voran bringen"), die man während der Arbeitszeit nutzen kann. Sonst sollte man auch damit werben, dass man am Arbeitsplatz einen Schreibtisch hat.
Ein einziger kleiner Obstkorb in der 12. Etage pro Woche ist kein Benefit für 7 Etagen.
Die Smartphones sind ausschließlich mit Android verfügbar, obwohl die meisten Apple nutzen. Dabei sind die Funktionen so beschnitten, dass nicht einmal Outlook auf dem Handy nutzbar ist. Die Konnektivität zwischen PC und Handy ist nicht vorgesehen.
Verbesserungsvorschläge
Nehmt eure Mitarbeitenden ernst, wenn sie euch Dinge empfehlen, um den Laden voranzubringen. Akzeptiert, dass ihr keine Behörde mehr seid und denkt unternehmerisch. Man kann mit den Mitteln den Hafen definitiv besser entwickeln, als es aktuell gemacht wird, wenn man sich nur traut auch mal Dinge anzupacken und Entscheidungen zu treffen. Nur weil es immer so gemacht wurde oder immer so da war, ist es definitiv nicht gut.
Arbeitsatmosphäre
Die Arbeitsatmosphäre ist von viel Demotivation zwischen den Kollegen dominiert. Es ist sehr ernüchternd, dass man sich in endlosen Besprechungen verliert ohne das es irgendwelchen Output gibt. Junge Menschen werden schnell demoralisiert und dazu angeregt sich dem allgemeinen Trott anzupassen. Da grundsätzlich Konflikte gemieden werden führt Fehlverhalten nicht zu Konsequenzen.
Die Firma beweist im Alltag, dass sie sich keinem Konkurrenzdruck ausgesetzt fühlt. Dadurch gibt es keinen Ehrgeiz Anlagen oder Themen zu entwickeln und Innovationen zu erarbeiten und umzusetzen. Obwohl nahezu ausschließlich Steuergelder eingesetzt werden, ist für mich nicht nachvollziehbar, wie überprüft wird, ob diese auch sinnvoll bzw. hinsichtlich des Zwecks möglichst effizient eingesetzt wurden. Outsourcing von Tätigkeiten steht in unserem Bereich definitiv vor Tätigkeiten die man auch selbst durchführen kann.
Image
Das Image verschlechtert sich zunehmend. Wenn ansässigen Personen in Bremerhaven umhört, wird bremenports mittlerweile sehr negativ wahrgenommen. Der Arbeitsplatz ist sicher, aber die Arbeitsbedingungen durch Motivationslosigkeit dominiert. Hier ist man richtig, um eine ruhige Kugel zu schieben.
Work-Life-Balance
Man kann sich hier unmöglich überarbeiten. Durch mangelnde Perspektiven oder den Wunsch auf Innovation oder Entwicklung ist der Alltag sehr entspannt. Ein Boreout ist in unserer Abteilung sehr wahrscheinlich.
Es werden viele Pausen zum Rauchen oder Plaudern gemacht. Die Mittagspause darf auch gerne mal 45-60 Minuten dauern. Das ist den Vorgesetzen bekannt und die machen das auch mit.
Das ist der Eindruck aus meiner Abteilung heraus. In anderen Abteilungen wie bspw. der Finanzbuchhaltung kann das definitiv anders aussehen.
Karriere/Weiterbildung
Karriere machen ist hier in der Regel nicht möglich. Man verbleibt in der Position wo man mit gestartet ist. Ein Wechsel in die freie Wirtschaft ist nur mit deutlichem Aufwand und Umstellung der Arbeitsmoral möglich.
Mehrarbeit oder Eigeninitiative wird nicht honoriert, ganz im Gegenteil. Überstunden dürfen abgefeiert werden, Langzeitkonten sind nicht vorhanden und Auszahlungen grundsätzlich ausgeschlossen.
Gehalt/Benefits
TVÖD - damit dürfte schon alles gesagt sein. Undurchsichtige Einstufung durch die Personalabteilung. Karriere ist damit definitiv nicht möglich. Für viele ist das in Bezug auf das teilweise sehr niedrige Belastungsprofil ausreichend.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
In den Hochglanzprospekten sicherlich top. Sonst eher weniger. Zu Baustellen kommt man gerne mit vielen Autos, wo jeder einzeln hinfährt, obwohl man hätte gemeinsam fahren können. Zur Betriebsversammlung sollen die Mitarbeiter mit einem extra gecharterten Bus anreisen. Die Geschäftsleitung kommt in der Regel (trotz gleicher Strecke) jeweils mit ihren eigenen Autos.
Der effiziente Einsatz von Ressourcen wird definitiv nicht forciert. Jeder Mitarbeiter kann ausdrucken soviel und so oft man will. Durch die mangelhafte Digitalisierung von Prozessen wird dieses Verhalten auch gefördert.
Kollegenzusammenhalt
Der Zusammenhalt ist insgesamt gut. Regelmäßige Raucherpausen (3-5 pro Tag) während der Arbeitszeit beleben zusätzlich den Zusammenhalt. Sonst wird sehr viel übereinander geredet.
Umgang mit älteren Kollegen
Da die meisten Führungskräfte 50+ sind, gibt es in der Hinsicht keine Probleme.
Vorgesetztenverhalten
Der Begriff sagt es schon, es geht um Vorgesetzte. Die meisten Vorgesetzten sind keine Führungskräfte und organisieren oder entwickeln ihr Team nicht. Entscheidungen werden nur sehr ungern getroffen und lieber immer weiter hinausgezögert, bis es vergessen wurde. Beförderungen werden als Belohnung verstanden und damit sind viele Personen Vorgesetzte, die dafür nicht geeignet sind. Es gibt aber keine interne Revision, die das mal überprüfen würde.
Vorgesetzte verhindern aktiv Veränderungen indem sie stets lamentieren, dass ihre Mitarbeitenden überlastet sind. Es gibt aber keine belastbare Bewertung der Arbeitsbedingungen und deren Auslastung.
Arbeitsbedingungen
Die Aussicht in Bremerhaven ist der größte Vorteil. Sonst wird es leider sehr schnell traurig:
- Sehr stark veraltete Arbeitsprozesse -> Jede Kleinigkeit muss ausgedruckt und analog bearbeitet werden
- Das wichtigste Arbeitsmittel ist die Umlaufmappe
- Mitarbeitende haben gerne >100 Leitz-Ordner am Platz stehen
- Digitale Prozesse werden um jeden Preis vermieden (z.B. keine digitale Rechnungsbearbeitung)
- Keine effektive Nutzung von digitalen Speicherquellen
- Grundsatz ist, dass sich der Mensch der IT anpassen muss und nicht intuitiv auf den Mensch abgeschnitten wird
- Arbeitsplätze in Bremen-Hafenstraße dürfen im Sommer schwitzen, da kein effektiver Schutz gegen Wärme vorhanden ist und auch nicht kommen wird
- Es werden keine Ziele für einzelne Arbeitsplätze vereinbart
- Stellenbeschreibungen werden so allgemeingültig wie möglich formuliert, damit am Ende jeder alles können oder machen muss
- Führungskraft ist in der Regel nicht an der Basis, sondern ausschließlich im SC
Kommunikation
Es wird durch unnötig viele interne und externe Jour Fixe so viel kommuniziert, dass das Wichtige kaum noch erkannt wird. Ebenso besteht eine ausgeprägte CC-Kultur, sodass Mails in der Regel sehr viele Personen gesendet werden, unter dem Motto "du wurdest doch informiert".
Gleichberechtigung
Gleichberechtigung ist positiv gesehen kein großes Thema. Ich habe keine Unterschiede zwischen Männer und Frauen im Umgang festgestellt.