Arbeitgeber mit interessanten Aufgaben, Im öffentlichen Dienst eine der besseren Behörden.
Gut am Arbeitgeber finde ich
Die vielseitigen Arbeitsinhalte und fachlichen Themen, die das BSI bearbeitet. Das BSI tanzt auf vielen Hochzeiten, hat aber für bestimmte Themen auch viel gutes Personal.
Die guten Home-Office Möglichkeiten und die hohe Priorität, die Kommunikation und Zusammenarbeit genießen.
Zudem finde ich gut, dass das BSI auch im technischen Bereich weiterhin Fachkräfte unterhält und sich in diesem Themenbereich nicht verabschiedet. Das trägt zur Konsistenz des Fachwissens bei, wenn sich nicht immer nur Consultigunternehmen die Klinke in die Hand geben.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Den Client und die teilweise fragwürdige Führungskräfteauswahl.
Und die fehlende Durchsetzungsfähigkeit gegenüber anderen Organisationen der Bundesverwaltung. Empfehlungen sind schön und gut, aber wenn jemand Warnungen, Standards oder Empfehlungen konsequent ignoriert, darf es auch auf die Finger geben.
Verbesserungsvorschläge
Ich würde mir wünschen, dass das Thema mangelhafte Führungskräfte mehr behandelt wird. Einige Themenbereiche werden viel schlechter als nötig bearbeitet, weil eine falsche Personalauswahl getroffen wurde und das Problem weder identifiziert und angegangen wird. Hier mangelt es noch an Problembewusstsein, Konfliktfähigkeit - klar, auch für die Führungskräfte darüber auch kein leichtes Thema - und konsequentem Handeln.
Zudem finde ich es gut, dass das Thema Ziele und Strategie vermehrt eine Rolle spielt, auch durch die Präsidentin. Aber hier gibt es meiner Meinung nach auch noch Fortbildungsbedarf für die Führungskräfte: Was sind gute Ziele? Warum brauche ich diese? Wie erstelle ich eine Strategie für mein Referat/Fachbereich/Abteilung? Das darf nicht in Jira-Mikromanagement ausarten, das senkt die allgemeine Akzeptanz. Ich halte aber die Fragen Wohin, Warum und Wie für Punkte, die jede Führungskraft beantworten können muss.
In der Ebene des "Middle Managements" fehlt vielleicht auch die Involvierung in den Arbeitsinhalten und dem Output der Fachbereiche und Referate. So vermute ich, dass manchen Führungskräften der Zustand ihrer Referate gar nicht bekannt ist. Das sollte sich ändern. Ich glaube dysfunktionale Referate werden nicht zudem nicht erkannt, wenn es für diese keine KPIs gibt, die diese offenbaren würden.
Arbeitsatmosphäre
Ist insgesamt ganz ok, aber es gibt Punkte die sich negativ auswirken. Hierzu zählt meiner Meinung nach das Thema Führungskräfte (siehe unten), das frustrierende Arbeiten mit anderen Organisationen der Bundesverwaltung allgemein und das Thema Resourcen (siehe unten).
Es gibt auch Arbeitsbereiche, die durch ihre Probleme die eigene Arbeit stören und das ärgert dann natürlich auch das eigene Team, vor allem wenn diese Probleme dauerhaft fortbestehen und gefühlt "nichts getan" wird.
Image
Das BSI genießt gegenüber anderen Behörden einen hohen Stellenwert und ein hohes Ansehen, in Fachkreisen wird das Haus berechtigt regelmäßig kritisiert.
Work-Life-Balance
Es wird darauf geachtet, dass Mitarbeitende nicht überlastet werden. Aber, dass für bestimmte Aufgaben keine Stellen vom Gesetzgeber bereitgestellt werden oder die vorgesetzte Behörde diese möglicherweise zweckentfremdet, ist nicht akzeptabel. Zugesagte Stellen sind nach Jahren nicht zur Verfügung gestellt worden und die Aufgaben werden damit entweder nicht wahrgenommen oder kommen "on-top".
Umwelt-/Sozialbewusstsein
An sich wird auf Nachhaltigkeit geachtet. Für manche Dinge werden aber unnötig Gelder ausgegeben, das sorgt für Unverständnis.
Karriere/Weiterbildung
Im gehobenen Dienst (Bachelor) gibt es viele Aufstiegsmöglichkeiten, ohne das zwangsweise Führungsverantwortung übernommen werden muss (Beförderungen von A9-A13). Im höheren Dienst sind die Aufstiegsmöglichkeiten begrenzt (A13-A14), bevor dann die Bewerbung auf die wenigen Stellen einer Referatsleitung stattfinden muss und damit auch die fachliche Arbeit endet.
ABER: Angestellte werden meiner Meinung nach im öffentlichen Dienst und auch im BSI benachteiligt. Diese haben - neben einem geringeren Gehalt - auch schlechtere Aufstiegschancen. Beförderungen verbeamteter Kolleg*innen habe ich mehrere miterlebt, Höhergruppierungen keine einzige. Das liegt auch daran, dass Beförderungen als Automatismus stattfinden, ohne, dass sich die Aufgabenbeschreibung ändert. Höhergruppierungen erfordern Initiative der Referatsleitung und wesentlich mehr Papierkram.
Fort- und Weiterbildung wird insgesamt aber ausdrücklich befürwortet und gefördert.
Kollegenzusammenhalt
Ist stark abhängig von der Organisationseinheit. Kann super sein, aber wie bei so vielen Arbeitetgebern gibt es auch dysfunktionale Teams. Es gibt Fälle, dass die Zusammenarbeit zwischen eigentlich kooperierenden Arbeitsbereichen nicht funktioniert und dieses Problem nicht nachhaltig angegangen und behoben wird.
Vorgesetztenverhalten
Wie bei jedem Arbeitgeber muss man bei einem Wechsel oder einer Bewerbung bei direkten Führungsperson massiv aufpassen - diese ist so entscheidend für die eigene Arbeit und das Teamklima.
Die Führungskräfteauswahl ist aber das größte Problem des BSI! Das Problem betrifft nicht nur Referatsleitungen, sondern auch die höheren Führungsebenen. Eine Abteilungsleitung, die nichts von Strategien und Zielen hält? Unfassbar.
Hinzu kommt, dass Führungskräfte, wenn diese das Probejahr überstanden haben, ihre Posten nicht mehr verlassen oder sogar aufsteigen. Konsequenzen für schlechtes Führungsverhalten habe ich noch nicht erleben dürfen. Kaum organisiertes Referat? Keine Ergebnisse? Verschleppte Aufgaben gegenüber anderen Referaten bzw. vollständige Unzuverlässigkeit? Vollständiger Weggang von 10 MA innerhalb von 2 Jahren durch Mikromanagement? Keine Konsequenz, keine Besserung, volle Frustration der MA und anderer Stakeholder, die gezwungen sind mit den dysfunktionalen Teams zusammenzuarbeiten. Und auch das Führungskräftefeedback ist ein zahnloser, freiwilliger Tiger.
Arbeitsbedingungen
Das zweite Problemkind des BSI. Wenn man Pech mit dem Standort hat, dann erwartet einen ein baufälliges und von Problemen geplagtes Bürogebäude. Aber es gibt auch super Gebäude. Ich vermute 30% Hit or 70% Miss.
Der Client ist seit Jahren ein Problemkind und stört das produktive Arbeiten, es nervt wenn 5-10 Minuten vom Start des Laptops bis zur Arbeitsfähigkeit vergehen (müssen).
Das Beschaffungswesen ist zwar von der Finanzierung her unproblematisch, aber die langen Prozesse und grade bei Lizensierungen wiederholenden Aufwände laden nicht zu Innovation ein.
Das das Haus teilweise Fachbereiche oder sogar Referate über mehrere hundert Kilometer entfernt voneinander aufteilt, ist im Regelfall unsinnig - auch wenn es im Bereich Projektmanagement, Personal und ITSM natürlich unvermeidbar ist.
Dafür ist die Home Office-Möglichkeit und -Auststattung ganz gut.
Kommunikation
Das Haus gibt sich sichtlich Mühe die Kommunikation zwischen Bereichen zu ermöglichen und die Mitarbeitenden mitzunehmen. Dafür gibt es mittlerweile eine Vielzahl von Formaten, die es in vielen Organisationen, ob Verwaltung oder nicht, nicht gibt. Man merkt den Wunsch, dass die Kommunikation auf vielen Ebenen, vertikal wie horizontal stattfindet.
Die Kommunikation wird allerdings nicht immer von allen Arbeitsbereichen so gelebt, das ist aber nicht der Fehler der Gesamtorganisation. Manche Entscheidungen entbehren allerdings auch jeder Logik und werden nur teilweise erklärt, insbesondere bei der letzten Umorganisation.
Gehalt/Benefits
Im Vergleich zu dem restlichen öffentlichen Sektor in Deutschland ist diese Behörde hinsichtlich der Stellenbewertung sehr gut ausgestattet.
Das BSI kann an dem Besoldungssystem des öffentlichen Dienstes leider nichts ändern und gibt sich Mühe, das System so flexibel wie möglich zu gestalten.
Interessante Aufgaben
Eine sehr vielseitige Behörde mit spannenden strategischen und operativen Aufgaben.

