Massive Probleme bei Führung, Organisation und Infrastruktur
Gut am Arbeitgeber finde ich
Viele Fachkolleginnen und -kollegen.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Der Weg, auf dem sich das BSI seit einiger Zeit befindet.
Verbesserungsvorschläge
Das BSI lebt von seinem Fachpersonal, nicht von Führungskräften, die sich selbst für allwissend und unfehlbar halten.
Arbeitsatmosphäre
Die Atmosphäre auf Arbeitsebene/innerhalb der Teams ist in Ordnung. Die allgemeine Stimmung im Haus geht in meiner Wahrnehmung aufgrund der Entwicklungen der letzten Monate aber stetig bergab. Viele Kolleg:innen bewegen sich mittlerweile zwischen Frust und Resignation.
Image
Das Image bröckelt. Fachlich vermehrt fragwürdige Positionen, schwierige Kooperationen und blinder Aktionismus beim Zerschlagen von bewährten Dingen stehen im starken Widerspruch zum Leitbild, das das BSI nach außen vermitteln will. Kritik aus der Fachwelt ist entsprechend immer häufiger zu hören.
Work-Life-Balance
Zumindest in meinem Umfeld sind Überstunden selten und die Vorteile des öffentlichen Diensts funktionieren gut. Auch die Möglichkeiten des BSI zum mobilen Arbeiten werden hier großzügig ausgelegt. In anderen Bereichen ist aber auch das Gegenteil der Fall.
Karriere/Weiterbildung
Weiterbildung ist grundsätzlich gern gesehen. Karriere im öffentlichen Dienst ist allgemein schwierig. Insbesondere höhere Führungskräfte werden im BSI aktuell zudem vermehrt extern rekrutiert.
Gehalt/Benefits
Typisch für den öffentlichen Dienst, das BSI ist hier weitgehend an Vorgaben gebunden. Je nach Ausbildung und Eingruppierung sowie insbesondere für Beamte mit Hochschulabschluss durchaus attraktiv.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Man bemüht sich, wobei bei manchen Entscheidungen unklar ist, ob die Gründe im Umweltschutz liegen (wenn es etwa nach Renovierung der Toiletten kein warmes Wasser mehr zum Händewaschen gibt).
Kollegenzusammenhalt
Der Zusammenhalt auf Arbeitsebene ist noch eine Stärke des BSI -- insbesondere in vielen Fachreferaten gibt es eine gemeinsame Identität. Unverständnis über aktuelle Entwicklungen schweißt zusätzlich zusammen. Die sich ausbreitende Frustration nagt aber auch hier.
Umgang mit älteren Kollegen
Hier verhält sich das BSI aus meiner Sicht positiv.
Vorgesetztenverhalten
Kurz und knapp: Das BSI hat ein Führungsproblem. Gibt es auf Referatsebene noch viele engagierte Vorgesetzte, die aber leider oft eher Fach- als Führungskräfte sind, werden höhere Positionen seit einiger Zeit vor allem mit Karrieristen und Wunschkandidaten besetzt. Ein großes Ego und die richtigen Connections scheinen manchmal wichtiger zu sein als fachliche Qualifikationen. Fachwissen wird oft ignoriert, als Führungskraft weiß man Dinge ja sowieso besser. Probleme sitzt man aus und redet sie klein.
Arbeitsbedingungen
Die Bonner Bürogebäude des BSI sind sehr in die Jahre gekommen. Viele Büros sind renovierungsbedürftig. Defekte an Fahrstühlen oder Heizungen kommen regelmäßig vor, im Sommer wird es in einigen Bereichen unerträglich heiß. Die IT-Ausstattung ist langsam und kompliziert zu handhaben, der Support durch eine Aufteilung auf internen IT-Betrieb und einen externen Dienstleister oft überfordert. Einige IT-Probleme bestehen monatelang. Für viele Dienste (etwa Videokonferenzen) sind mehrere Lösungen im Einsatz, von denen keine wirklich gut funktioniert.
Kommunikation
Intransparente Entscheidungen und mangelnde Kommunikation sind mittlerweile an der Tagesordnung. Fachmeinungen werden häufig ignoriert. Alibimäßige Info- und Beteiligungsformate dienen primär dazu, Probleme kleinzureden und Kritik (wie diese hier) als "unkollegial" zu brandmarken. Gespräche mit Vorgesetzten oder der Verwaltung zu Problemen laufen regelmäßig ins Leere. Ergänzend zur Reaktion der Personalabteilung auf meine Bewertung: Die generische Standard-Antwort zeigt sehr schön, woran es oft hapert -- Alibi und Abfertigung statt ernsthaftem Interesse. Denn ein ehemaliger Kollege bin ich nicht und habe das auch nirgendwo angedeutet.
Gleichberechtigung
Gleichberechtigung wird teilweise mit dem Holzhammer umgesetzt. Auf Arbeitsebene funktioniert es aus meiner Sicht ganz gut. Wichtiger als das Geschlecht sind bei Führungskräften eher die richtigen Connections.
Interessante Aufgaben
Das BSI ist grundsätzlich thematisch sehr breit aufgestellt und in einem interessanten Themenfeld tätig. Schwerpunkte werden aber immer mehr auf einzelne Hype-Themen gelegt, während Grundlagen oft vernachlässigt werden. Leitungsstab und interne Verwaltung bilden einen riesigen Wasserkopf, der trotzdem zahlreiche Aufgaben auf alle Mitarbeitenden abwälzt. Viel Arbeitszeit auf Fachebene geht also für Bürokratie und Eigenverwaltung drauf, was häufig schlechte und widersprüchliche Prozesse kompensieren muss.

