Engagierte Teams, fehlende Führung
Gut am Arbeitgeber finde ich
Mein Team war außergewöhnlich engagiert, loyal und lösungsorientiert. Die Aufgaben waren vielseitig und verantwortungsvoll, und Entwicklungsmöglichkeiten wurden grundsätzlich eröffnet.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Es fehlen verbindliche Strukturen, klare Zuständigkeiten und ein funktionierendes Eskalationsmodell. Fachliche Einwände aus dem Team werden über Monate geäußert, bleiben aber folgenlos, bis Probleme eskalieren. Die Verantwortung für Entscheidungen der Führungsebene wird kollektiviert und faktisch auf die operative Ebene verlagert. Leistungsmaßstäbe werden ungleich angewandt, und Zusagen haben keinen verlässlichen Bestand. Nach außen wirkt das Unternehmen modern und dynamisch. Intern hängt die Stabilität vor allem am Einsatz einzelner Mitarbeitender.
Verbesserungsvorschläge
An die Führung: Zusagen schriftlich fixieren und einhalten. Rollen mit Entscheidungsbefugnis ausstatten, statt Verantwortung ohne Mandat zu übertragen. Systementscheidungen gemeinsam mit den Fachleuten treffen, die täglich damit arbeiten. Kritik als Frühwarnsystem nutzen, statt sie als Stimmungsproblem abzutun. Bei Trennungen faire Lösungen anbieten.
An Bewerber:innen und Mitarbeitende: Lasst euch jede Zusage, ob Bonus, Urlaub, Beteiligung oder Perspektive, schriftlich bestätigen. Am besten per Mail!
Arbeitsatmosphäre
Die Arbeit fand unter hoher Dauerbelastung statt. Das operative Team hielt zusammen und trug sich gegenseitig, wo Strukturen fehlten, wurde aber durch ungelöste Probleme zunehmend zermürbt.
Die Führung fragt regelmäßig nach Stimmung und Problemen. Konkrete Hinweise führen jedoch selten zu Handlungen, und Kritik wird eher als ‚emotional‘ eingeordnet als sachlich geprüft. Entscheidungen fallen häufig ohne Rücksprache mit denjenigen, die sie umsetzen müssen.
Aus meiner Sicht fehlt es der Führungsebene an Verbindlichkeit. Versäumnisse werden im Gespräch eingeräumt, bleiben aber ohne Konsequenz, und Absprachen werden im Nachhinein als ‚Missverständnis‘ umgedeutet.
Urlaub war über lange Phasen faktisch nicht planbar. Entlastung, um sich bei Krankheit auszukurieren, wurde nicht geschaffen. Die Aufgaben selbst waren anspruchsvoll und vielseitig, doch ein großer Teil der Zeit floss in die Behebung der Folgen struktureller Fehlentscheidungen.
Gleichberechtigung
Hinsichtlich Herkunft, Geschlecht oder Alter habe ich keine gezielte Benachteiligung wahrgenommen. Ungleichbehandlung zeigte sich eher bei der Frage, wessen Fehler toleriert und wessen Kritik ernst genommen wurde. Das hing stärker von der Nähe zur Führungsebene ab als von persönlichen Merkmalen. Gleiche Maßstäbe für alle habe ich nicht erlebt.
Gesucht werden Menschen, die um die Ecke denken und wachsen wollen. Meiner Erfahrung nach endet diese Wertschätzung jedoch dort, wo eine fachlich begründete Meinung nicht den Interessen der Führung entspricht. Dann wird Widerspruch schnell zum Nachteil, so professionell und berechtigt er auch sein mag, und das gilt auch für die Expertinnen und Experten, die man eigens für ihre Expertise eingestellt hat.
Das mag auch erklären, warum der Service in der Hausverwaltung aus meiner Erfahrung trotz technologischer Ausrichtung eher Rückschritte als Fortschritte gemacht hat.
Arbeitsbedingungen
Für ein Unternehmen, das sich über seine Technologie positioniert, ist das aus meiner Sicht der kritischste Punkt: Die eingesetzte Software erfüllte grundlegende Branchenanforderungen über lange Zeit nicht. Einwände der Fachleute wurden bei der Systemeinführung nicht berücksichtigt. Die Folgen waren erhebliche manuelle Mehrarbeit und fehlerhafte Kernprozesse, die das Team im Kundenkontakt auffangen musste. Verlässliche Vertretungsregelungen für Urlaub und Krankheit fehlten in Teilen.
Gehalt/Benefits
Das Gehalt war in Ordnung. Die geforderte Belastung stand jedoch in keinem Verhältnis dazu, denn sie war schlicht nötig, um die Arbeit trotz struktureller Missstände auf solidem Niveau zu halten. ‚Opfern oder geopfert werden‘ war ein Motto, das man seinerzeit auch gerne nach außen trug, und es beschreibt die Realität treffend.
Statt einer fairen Trennung wurde mir ein Aufhebungsvertrag vorgelegt, der den Verzicht auf sämtliche Ansprüche vorsah. Nach meiner anschließenden Eigenkündigung betrachtete das Unternehmen die in Aussicht gestellte Mitarbeiterbeteiligung als verfallen.
Bis heute habe ich weder ein Arbeitszeugnis, noch die Auszahlung des Jahresurlaubs (+20 Tage) oder gar eine Urlaubsbescheinigung für meinen neuen Arbeitgeber. Die schriftlichen Zusagen aus meiner Zeit als Mitarbeiter lagen mir und den Ansprechpartnern zu jeder Zeit vor.