Führungskräfte-Glücksspiel & Trinkgeld-Freundschaften
What I like about the employer
Gut am Arbeitgeber?
Das Gehalt kommt pünktlich.
Das war’s.
What I dislike about the employer
Mitarbeiter, die die Schluss-Schichten schieben, dürfen bleiben – aber nicht freiwillig.
Die Schichtleiter dürfen den Laden nicht allein schließen, also steht einer vom Rest da, wartet – und wird dafür nicht bezahlt. Bleibst du eingeloggt kannst du dich schonmal auf ein Gespräch freuen.
Herzlich willkommen im perfekten Gleichgewicht aus Verantwortungsverschiebung und Gratisarbeit.
Suggestions for improvement
Wählt endlich Führungskräfte aus, die nicht nur Zahlen lesen können. Schaut realistischer auf Produktivität und Personalkosten. Und ja, stellt mal wieder die Gäste und das Personal in den Vordergrund, anstatt sie auf Tabellen runterzubrechen.
Millionen fließen durch die Kassen deutschlandweit – und am Ende schauen die Leute im Service, die Tag für Tag alles geben, wie sie überhaupt noch ihre Rechnungen bezahlen sollen. Statt das nächste Café del Sol zu eröffnen, wo die nächste Generation ausgebrannter Mitarbeitender wartet, wäre es vielleicht sinnvoll, Gewinn endlich dort zu teilen, wo er entsteht. Mehr Respekt, mehr Verantwortung, gerechte Löhne – das wäre mal eine Idee.
Ach, und während ihr dabei seid: Hört auf, die Kommunikationsbereitschaft eurer Leute zu sabotieren. Glaubt ihnen einfach mal, statt hinterher mit Unterstellungen und juristischen Drohungen zu kommen. Nein, sie waren nicht nur „zu faul“ krank zu sein – das ist nicht nur respektlos, das ist komplett neben der Spur.
Working atmosphere
Mit den richtigen Kollegen kann der Job tatsächlich Spaß machen. Ein gutes Team rettet mehr Schichten, als das Management vermutlich glaubt.
Das Problem beginnt meist eine Ebene höher. Dort entsteht regelmäßig Druck – kombiniert mit Entscheidungen, die sich im Alltag ungefähr so logisch anfühlen wie ein Feueralarm während des Mittagservices.
Am Ende stehen die Leute im Betrieb und versuchen, das Ganze irgendwie zum Laufen zu bringen, während sie gleichzeitig erklären dürfen, warum Dinge so laufen, wie sie laufen. Eine Antwort gibt es darauf meistens nicht.
Communication
Der eine checkt nicht, was der andere macht. Egal ob Aushilfe, Teilzeit, Vollzeit, Mitarbeiter, Schichtleiter, Betriebsleiter, Operation oder Zentrale – Chaos ist Standard.
Vorschläge? Direkt abgeschmettert. Wochen später? Plötzlich die „eigene Idee“.
Danke? Fehlanzeige.
Collegiality
In Grüppchen gibt’s immerhin einen Hauch von Zusammenhalt.
Ansonsten? Trinkgeld ist der einzige echte Freund, den du hier hast.
Alles andere ist Staffage.
Work-Life Balance
Gesetzliche Vorgaben? Nie gehört.
Alles, was zählt, ist das Motto: „Hier lebt man Lebensfreude.“
Ob das mit Regeln, Verstand oder Menschlichkeit zusammenpasst – zweitrangig.
Leadership behavior
Miserabel.
Schlecht gelaunt.
Wichtige Themen? Keine Ahnung.
Psychospielchen inklusive. Überraschung: Immer die falschen Leute in Führungspositionen.
Und die „Operation“, die eigentlich bestimmen soll, wer wohin kommt? Ebenfalls komplett unfähig.
Interesting tasks
Kühlketten werden teilweise über mehrere Stunden nicht eingehalten.
Equality
Surprise surprise. Unabhängig von Position oder Erfahrung verdient hier jeder gleich viel.
Der einzige Unterschied gleicht einer Dose Redbull– und ja, die kann den Tag retten oder ruinieren. Dafür hält man aber auch gleich den ganzen Kopf hin.
Interaction with older colleagues
Ältere Kollegen haben es in gewisser Weise besser. Ihnen wurde der Kopf offenbar schon oft genug gewaschen – zumindest wirkt es so, als hätte man beschlossen, es irgendwann einfach sein zu lassen.
Mit der Zeit kommen dann auch ein paar Vorteile dazu: etwas mehr Respekt, etwas mehr Ruhe und vor allem deutlich mehr Aufmerksamkeit. Wenn Fragen gestellt werden oder Entscheidungen anstehen, wird plötzlich genauer zugehört.
Der Rest des Teams darf währenddessen weiter versuchen, überhaupt wahrgenommen zu werden.
Working conditions
Stress gehört zur Gastronomie. Das weiß jeder, der schon einmal in einem Laden gearbeitet hat. Hier wird dieses Konzept allerdings mit beeindruckender Konsequenz auf die Spitze getrieben.
Aushilfen verschwinden zwischendurch einfach – mal kurz auf Toilette, mal komplett aus dem Arbeitsbereich. Kommunikation? Optional. Währenddessen dürfen die übrigen Mitarbeitenden spontan die Arbeit von zwei oder drei Leuten übernehmen.
Und genau in diesem Moment kommt dann meist der Kommentar aus der Führungsebene: „Das habe ich aber auch schon mal schneller gesehen.“
Stimmt wahrscheinlich. Vermutlich zu der Zeit, als noch drei Leute da waren.
Environmental and social responsibility
Beim Thema Umwelt- und Sozialbewusstsein wird es interessant. Sozialbewusstsein scheint eher ein theoretisches Konzept zu sein, also konzentrieren wir uns lieber auf das Umweltbewusstsein.
Das bekommt hier großzügige drei Sterne. Mehr wäre ambitioniert.
Draußen steht der Müll regelmäßig neben den Containern. Die Gäste sehen das natürlich. Offenbar werden Mitarbeitende entweder nicht richtig informiert oder einfach zu selten daran erinnert, wie Müllentsorgung eigentlich funktionieren soll.
Drinnen wird es auch nicht unbedingt besser. Mülltrennung ist eher eine kreative Interpretation als ein System. Dazu kommt, dass es im hinteren Arbeitsbereich nicht selten unaufgeräumt ist.
Kurz gesagt: Umweltbewusstsein existiert. Nur nicht besonders überzeugend.
Salary/Social benefits
Mindestlohn. Willst du mehr? Dann freu dich drauf, dir vorher ein Bein rauszureißen. Nach ein paar Monaten bekommst du vielleicht 50 Cent drauf.
Und natürlich stehst du währenddessen unter Dauerbeobachtung deines Vorgesetzten. Jeder Move, jede Entscheidung – willkommen im Reality-TV der Gastronomie.
Image
Nach außen wirkt alles perfekt: Lebensfreude, gute Stimmung, glückliche Gäste. Genau das Motto, das überall verkauft wird.
Hinter den Kulissen sieht es oft etwas anders aus. Dort gelten plötzlich andere Maßstäbe – irgendwo zwischen kreativer Gesetzesauslegung und einem eher flexiblen Verständnis von Menschlichkeit.
Die Fassade glänzt. Der Rest läuft im Hintergrund.
Career/Professional development
Viele Versprechen am Anfang. Große Worte, große Pläne.
Am Ende bleibt davon meistens weniger übrig als angekündigt. Oft sogar deutlich weniger.
Erwartungen steigen. Die Realität senkt sie wieder.