Gut am Arbeitgeber finde ich
Man hat durch die verschiedenen Posten viele Einblicke in unterschiedliche Bereiche der Patisserie erhalten
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Bereits an meinem zweiten Ausbildungstag kam es zu einer Kontrolle durch das Gesundheitsamt. Die anschließenden Reinigungsarbeiten wurden von uns Azubis übernommen. Mir ist bewusst, dass solche Situationen in einem Betrieb vorkommen können, jedoch empfand ich es als sehr schwierig und kritisch, dass diese zusätzliche Belastungen über einen so langen Zeitraum direkt auf die Azubis bzw. Auf das ganze Personal übertragen wurde. Gerade am Anfang der Ausbildung hätte ich mir mehr Unterstützung und eine bessere Begleitung gewünscht.
Alles Gute für die Zukunft.
Verbesserungsvorschläge
- Mehr Wertschätzung, positives Feedback und Annerkennung dem Personal zeigen
- Eine Unterstützung durch zusätzliches Reinigungspersonal könnte die Mitarbeitenden in der Backstube und Küche entlasten
- Ein größeres Angebot an Torten und Törtchen ohne Alkohol sowie mit alternativen Geliermitteln (z. B. pflanzlicher Gelatine) würde die Auswahl für unterschiedliche Kundengruppen erweitern
- Für zukünftige Azubis eine bessere Vorbereitung und Organisation der Wochenendschichten, um unnötige Überstunden etc. zu vermeiden
- Eine finanzielle Unterstützung bei der Anschaffung von Arbeitskleidung, insbesondere bei teureren Artikeln wie Arbeitsschuhen, wäre für Azubis eine hilfreiche Entlastung.
Arbeitsatmosphäre
Wie bereits erwähnt, habe ich mich mit dem Großteil meiner Kollegen sehr gut verstanden und die Zusammenarbeit war größtenteils angenehm. Besonders in stressigen Zeiten, wie der Weihnachts- und Osterzeit, war die Arbeitsbelastung sehr hoch. Zusätzlich wurde man als Azubi häufig von einem Posten zum nächsten geschickt, wodurch es schwierig war, eine gewisse Routine und Sicherheit in den einzelnen Bereichen aufzubaue.
Gerade am Anfang der Ausbildung benötigt man Zeit, um Abläufe zu verinnerlichen, Sicherheit zu gewinnen und sich weiterzuentwickeln. Durch den Personalmangel und den damit verbundenen Arbeitsdruck war dies jedoch oft schwierig umzusetzen, da der Fokus im Alltag häufig darauf lag, Aufgaben schnell zu erledigen. Dadurch entstand bei mir zunehmende Unsicherheiten und habe mich weniger getraut, Fragen zu stellen oder offen auf andere zuzugehen. Eine unterstützende Begleitung während der Einarbeitung hätte mir geholfen.
Arbeitszeiten
Mit den offiziellen Arbeitszeiten von 06:30 Uhr bis 15:30 Uhr inklusive einer Stunde Pause war ich grundsätzlich zufrieden. Vor Beginn meiner Ausbildung war mir jedoch nicht bewusst, dass man einmal im Monat sieben Tage am Stück arbeitet (also von Montag bis Sonntag oder Samstag bis Freitag). Diese Regelung empfand ich als sehr belastend, da man entweder zwei freie Tage vor oder nach dem Wochenende erhält.
Dass am Wochenende nur drei Azubis (wenn man Glück hatte zwei Azubis und eine Gesellin) für den gesamten Betrieb verantwortlich sind, empfinde ich als kritisch. Gerade in einem großen Ausbildungsbetrieb sollte gewährleistet sein, dass eine ausbildende Person oder eine erfahrene Fachkraft anwesend und erreichbar ist.
Mir ist bewusst, dass Überstunden in der Gastronomie vorkommen können. Allerdings empfand ich es als belastend, täglich eine Stunde oder länger nach der offiziellen Arbeitszeit im Betrieb bleiben zu müssen, vor allem wenn diese Zeit hauptsächlich fürs Putzen anfiel. Gerade bei Azubis sollten Überstunden nur in begründeten Fällen und mit einem klaren Ausbildungszweck entstehen.
Ausbildungsvergütung
Leider ist es in der Gastronomie häufig so, dass die Ausbildungsvergütung vergleichsweise niedrig ist. Dennoch sind 800–1000 € Brutto für eine Person, die alleine in München lebt, sehr wenig. Besonders schade fand ich, dass es keine Unterstützung gab, z.B. bei der Wohnungssuche. Gerade in einer Stadt wie München ist es schwierig, mit dieser Vergütung alle anfallenden Kosten zu decken. Wochenendzuschläge bekommt man leider nicht und das Weihnachtsgeld lag dieses Jahr nur bei etwa 50–70 €.
Die Ausbilder
Die Ausbilder waren super freundlich, hilfsbereit und verfügten über viel fachliches Wissen. Zu Beginn meiner Ausbildung gab es jedoch nur ein bis zwei Meister sowie eine Gesellin, die insgesamt zwölf Auszubildende betreuen mussten. Aufgrund des starken Personalmangels wurden Arbeitsabläufe von anderen Azubis vermittelt. Dadurch erhielt man oft unterschiedliche Erklärungen und Arbeitsweisen, sodass man am Ende gar nicht mehr wusste, welche Vorgehensweise eigentlich die richtige ist. Am Anfang der Ausbildung war das teilweise sehr verunsichernd und hätte mir eine einheitlichere Betreuung, Struktur und mehr Zeit für die Ausbildung gewünscht.
Spaßfaktor
Die kreative und handwerkliche Arbeit hat grundsätzlich viel Spaß gemacht. Frustrierend war jedoch, dass ich über mehrere Monate ausschließlich am Obstposten eingesetzt wurde. Da dieser Bereich nach kurzer Zeit eigentlich gut zu erlernen ist, hätte ich mir mehr Abwechslung und die Möglichkeit gewünscht, weitere Posten kennenzulernen. Aufgrund des Personalmangels war dies leider kaum möglich, wodurch ich das Gefühl hatte, fachlich nur wenig dazuzulernen.
Variation
Der Betrieb bietet viele verschiedene Posten, wodurch man im Vergleich zu vielen anderen Konditoreien vielfältige Einblicke in die Patisserie erhalten kann. Ich hätte mich jedoch gefreut, wenn man sich etwas an aktuellen Trends orientieren würde und offener für neue Törtchen/Torten Konzepte ist. Das würde die Arbeit abwechslungsreicher machen und den Azubis noch mehr Möglichkeiten bieten, unterschiedliche Techniken kennenzulernen.
Respekt
Im Großen und Ganzen wurde ich herzlich in den Betrieb aufgenommen. Sowohl mit den Meistern als auch mit den meisten Azubis habe ich mich gut verstanden. Allerdings habe ich mich durch einzelne Azubis nicht willkommen gefühlt, was teilweise auch in Richtung Mobbing ging. Gerade als neue Azubi braucht man Zeit, um Abläufe und Arbeitsweisen kennenzulernen. Kommentare wie, dass man zu langsam sei oder man solle „zack zack“ arbeiten, empfand ich als unprofessionell und eher verunsichernd, anstatt unterstützend zu wirken. Fehler und Unsicherheiten gehören einfach zum Lernprozess dazu. Eine unterstützende Atmosphäre würde dazu beitragen, dass Azubis motivierter lernen und sich besser entwickeln können.