Ein Lehrbeispiel für eine toxische Arbeitskultur
Gut am Arbeitgeber finde ich
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Verbesserungsvorschläge
Ein Unternehmen steht und fällt mit seinen Mitarbeitenden – doch genau diesen Blick scheint man hier verloren zu haben. Es braucht dringend eine echte Einarbeitungsphase, in der neue Kolleg:innen nicht ins kalte Wasser geworfen, sondern ernst genommen und unterstützt werden.
Leistung muss fair entlohnt werden, Verantwortung darf nicht blind verteilt werden – und die oben genannten Punkte gehören aufgearbeitet, nicht ignoriert. Wer langfristig gute Arbeit will, muss dafür sorgen, dass Menschen gern zur Arbeit kommen – und nicht mit Bauchschmerzen.
Arbeitsatmosphäre
Wenn Bauchschmerzen Teil des Arbeitsalltags sind: Wenn du mit einem unguten Gefühl zur Arbeit gehen willst, dann bist du hier genau richtig. Die Arbeitsatmosphäre ist geprägt von Führungskräften, die sich kaum bis gar nicht für ihre Mitarbeitenden interessieren. Teamleiter verfolgen eine „Do or Die“-Mentalität, in der Druck mehr zählt als Menschlichkeit. Kolleg:innen nutzen lieber das Flüstern hinter dem Rücken als den offenen Dialog – Hauptsache, die eigenen Beziehungen nach oben stimmen.
Image
Image – gutes Produkt, zweifelhafter Ruf als Arbeitgeber: Die Produkte – insbesondere die Bikes – genießen zu Recht ein gutes Image. Qualität und Markenpräsenz stimmen, und darauf wird auch intern viel Wert gelegt.
Das Unternehmen selbst hingegen hat als Arbeitgeber ein ganz anderes Standing. Intern wie extern gilt es für viele eher als Zwischenstation, nicht als langfristige Perspektive. Wer bleibt, gehört zur Minderheit – die meisten sehen den Job als Übergang und planen frühzeitig den Absprung.
Ein gutes Produkt allein macht eben noch kein gutes Unternehmen.
Work-Life-Balance
Work-Life-Balance – nur auf dem Papier vorhanden:
Das Unternehmen bietet Gleitzeit – was theoretisch großartig klingt. In der Praxis bleibt davon jedoch wenig übrig. Die Arbeitslast ist hoch, die Deadlines oft unrealistisch knapp. Dadurch entsteht ein permanenter Druck, der echte Flexibilität unmöglich macht.
Statt einer ausgewogenen Balance zwischen Arbeit und Privatleben entsteht das Gefühl, ständig hinterherzulaufen – egal, wie gut man sich organisiert. Gleitzeit wird so zum reinen Feigenblatt, das die eigentlichen strukturellen Probleme nicht kaschieren kann.
Karriere/Weiterbildung
Karriere & Weiterbildung – nicht unter diesen Bedingungen: Karriereentwicklung oder Weiterbildung sind in der Theorie vielleicht vorhanden, in der Praxis aber schlicht nicht möglich. Die Arbeitsauslastung – sowohl körperlich als auch mental – lässt dafür weder Raum noch Energie.
Gehalt/Benefits
Gehalt und Sozialleistungen – in keinem Verhältnis zur Leistung: Das Gehalt steht in keinem Verhältnis zur erbrachten Leistung – weder inhaltlich noch mengenmäßig. Für eine Firma, die nachweislich enorme Umsätze macht, ist das, was man als Mitarbeitende:r erhält, schlichtweg lächerlich.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Umwelt- und Sozialbewusstsein – nur wenn’s sich rechnet: Nach außen wird gern ein grünes und soziales Image gepflegt, intern sieht die Realität anders aus. Nachhaltigkeit oder soziales Engagement werden nur dann verfolgt, wenn es wirtschaftlich einen Vorteil bringt.
Kollegenzusammenhalt
Kollegenzusammenhalt – nur solange es keine „Connections“ gibt: Ein echter Zusammenhalt unter Kolleg:innen ist nur dann möglich, wenn ihr zur gleichen Zeit startet und keiner von euch Beziehungen zur Führungsebene hat. In solchen Fällen kann sich durchaus ein unterstützendes Miteinander entwickeln.
Sobald jedoch einzelne anfangen, „Connections“ zu pflegen oder sich Vorteile durch Nähe zu Führungskräften versprechen, kippt die Stimmung. Es entsteht eine „Watch Your Back“-Mentalität, in der Misstrauen, Lästereien und Konkurrenzdenken überwiegen. Offenheit und Teamgeist bleiben dabei schnell auf der Strecke.
Umgang mit älteren Kollegen
Dazu kann ich aus eigener Erfahrung keine Aussage treffen.
Vorgesetztenverhalten
Vorgesetztenverhalten – Führung nur dem Titel nach: Wer nicht Teil der Führungsebene ist, zählt hier wenig bis gar nichts. Wertschätzung? Nicht vorhanden. Auf Augenhöhe kommunizieren? Fehlanzeige.
Statt echter Leadership herrscht hier ein hierarchisches Denken, das Mitarbeitende klein hält. Man wird in verantwortungsvolle Positionen gedrängt – ohne vorher die nötige Unterstützung, das Wissen oder die Ressourcen erhalten zu haben. Fehler sind dann vorprogrammiert, werden aber ausschließlich den Mitarbeitenden angelastet.
Das Verhalten der Führungskräfte ist nicht von Vertrauen oder Förderung geprägt, sondern von Desinteresse, Machtgehabe und der ständigen Suche nach Schuldigen.
Arbeitsbedingungen
Arbeitsbedingungen – permanenter Druck durch Unsicherheit: Die Arbeitsbedingungen sind stark von Druck und Unsicherheit geprägt. Befristete Arbeitsverträge werden gezielt genutzt, um Mitarbeitende gefügig zu halten – mit dem unausgesprochenen Signal: „Wenn du nicht funktionierst, bist du weg.“
Dieser Druck ist allgegenwärtig. Statt Vertrauen oder langfristiger Perspektiven herrscht ständige Anspannung. Es geht nicht darum, gute Arbeit zu leisten, sondern darum, keine Fehler zu machen – aus Angst vor Vertragsende oder Konsequenzen.
Ein Klima, in dem man kaum durchatmen kann, geschweige denn sich weiterentwickeln
Kommunikation
Kommunikation – einseitig und destruktiv: Kommunikation findet hier fast ausschließlich dann statt, wenn man etwas falsch gemacht hat – und das passiert zwangsläufig, weil man faktisch nichts richtig machen kann. Eine strukturierte Einarbeitung? Fehlanzeige.
Zusammenhänge, Produkte, interne Abläufe – all das musst du dir selbst zusammensuchen. Fragen stellen wird nicht als Lernbereitschaft verstanden, sondern als Schwäche. Und wenn dann etwas schiefläuft, weil dir das grundlegende Verständnis fehlt, wirst du nicht unterstützt – du wirst ausgelacht.
Ein Umfeld, in dem Fehler nicht als Chance zur Verbesserung, sondern als Anlass zur Bloßstellung genutzt werden.
Gleichberechtigung
Gleichberechtigung – sekundär, wenn Beziehungen entscheiden: Gleichberechtigung wird hier nicht durch Leistung oder Einsatz bestimmt, sondern durch zwei Dinge: Betriebszugehörigkeit und Beziehungen zur Führungsebene.
Wer lange genug dabei ist oder über die richtigen „Connections“ verfügt, wird bevorzugt behandelt – unabhängig von Kompetenz, Engagement oder Fairness. Neue Mitarbeitende oder jene ohne internes Netzwerk haben es deutlich schwerer, gehört, gesehen oder ernst genommen zu werden.
Leistung allein reicht hier nicht – was zählt, ist, wer dich kennt.
Interessante Aufgaben
Interessante Aufgaben – ja, aber für drei Personen gleichzeitig: So schockierend es klingen mag: Ich habe meine Arbeit gern gemacht. Sie war fachlich interessant, aber schlichtweg zu viel – genug für drei Vollzeitstellen. Was anfangs als Bürojob ausgeschrieben war, entwickelte sich zunehmend zu einem Aufgabenmix, bei dem man nur noch den Kopf schütteln konnte.
Neben administrativen Tätigkeiten war ich regelmäßig im Lager eingesetzt – beim Kommissionieren, Einlagern und anderen Aufgaben, die nichts mit meiner eigentlichen Rolle zu tun hatten. Weder nachvollziehbar begründet noch entsprechend eingeplant – einfach gemacht.
Eine klare Aufgabenverteilung oder Rollendefinition? Nicht vorhanden.