Außen viel Glanz – innen zu wenig Klarheit und Verbindlichkeit
Gut am Arbeitgeber finde ich
• Team-Zusammenhalt (innerhalb der direkten Teams): Im Tagesgeschäft halten Kolleg:innen in vielen Situationen zusammen. Wenn es brennt, helfen sich die Leute oft gegenseitig. Vor allem innerhalb der eigenen Unit.
• Ausstattung & Benefits: Die technische Ausstattung ist grundsätzlich solide (Apple-Geräte). Getränke/Obst und einzelne Zusatzangebote sind vorhanden. Das ist nett, ersetzt aber keine funktionierenden Strukturen.
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• Alltag mit einzelnen Kolleg:innen: Es gibt engagierte, kompetente Mitarbeitende, mit denen man gerne arbeitet.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
• Fehlende Strukturen und Prozesse: Es gibt zu wenig verlässliche Standards für Projektarbeit. Abläufe wirken häufig improvisiert, Verantwortlichkeiten sind unklar, und selbst grundlegende Dinge wie Priorisierung, Übergaben oder Dokumentation sind nicht sauber geregelt. Das führt zu Doppelarbeit oder dazu, dass Aufgaben liegen bleiben.
• Miserable Projektsteuerung / -controlling: Projekte laufen oft über viele Abstimmungsschleifen, ohne klare Führung oder verbindliche Entscheidungen. Termine und Meilensteine werden nicht konsequent nachgehalten. Häufig ändert sich die Richtung kurzfristig, wodurch bereits geleistete Arbeit wieder verworfen wird.
• Fehlerkultur / Verantwortungsübernahme: Fehler werden selten offen zugegeben oder systematisch aufgearbeitet. Statt klar „Das war falsch, daraus lernen wir“ zu sagen, wird relativiert, umgedeutet oder zum nächsten Thema gewechselt. Dadurch wiederholen sich dieselben Probleme, und Vertrauen geht nach und nach verloren.
• Führung: wenig präsent und wenig verbindlich: Führungskräfte und insbesondere die Geschäftsführung sind im Alltag zu selten greifbar. Entscheidungen dauern, sind teils widersprüchlich oder werden vertagt. Standardsätze sind: „Da müssen wir uns bei Gelegenheit mal drüber abstimmen“ oder „Ich klär das und melde mich.“ (und dann passiert nichts). Zusagen und Termine werden nicht konsequent eingehalten. Mitarbeitende bleiben mit Entscheidungen oder deren Folgen teilweise alleine.
• Unklare Ausrichtung / „Alles verkaufen“: Es wirkt, als würde fast alles angeboten, was Kunden nachfragen, auch wenn die nötige Expertise nicht in der Tiefe vorhanden ist. Eine klare Positionierung fehlt. Das führt intern zu Überforderung und extern zu Erwartungsdruck. Keine ständigen Themenwechsel sondern deutlich mehr Fokus und Entwicklung auf den Kernkompetenzen
• Fluktuation / sinkendes Schiff: Es gab zuletzt viele Eigenkündigungen. Gefühlt verlassen die letzten guten Mitarbeitenden das sinkende Schiff. Gute Leute gehen, weil schlechte bleiben. Genau das zieht die Stimmung und die Leistung meiner Meinung nach weiter runter. Für die Teams bedeutet das Wissensverlust, mehr Last und noch weniger Stabilität.
Verbesserungsvorschläge
• Ehrliche Bestandsaufnahme vor Aktionismus: Bevor neue Tools, neue Prozesse oder neue Strategien ausgerufen werden, sollte zuerst sauber geklärt werden, was konkret nicht funktioniert und warum (Ursachen statt Symptome).
• Klare Rollen & Verantwortlichkeiten: Eindeutig festlegen: Wer entscheidet? Wer priorisiert? Wer trägt Verantwortung? Entscheidungen sollten nachvollziehbar dokumentiert und verbindlich umgesetzt werden.
• Fehlerkultur wirklich leben: Fehler offen benennen, Verantwortung übernehmen, Learnings festhalten und Konsequenzen ableiten und auch umsetzen, statt Dinge kleinzureden oder zu übergehen.
• Bessere interne Kommunikation: Top-down klar, rechtzeitig und vollständig informieren. Weniger „zwischen Tür und Angel“, mehr Verlässlichkeit, Transparenz und Nachvollziehbarkeit.
• Kritik ernsthaft einbinden: Nicht „glatt moderieren“, oder „ich nehme das mal mit“ sondern die kritischen Stimmen aktiv anhören. Gerade die, die am meisten genervt sind, weil dort oft die Wahrheit liegt.
Arbeitsatmosphäre
Oft stressig und unruhig, viel Zeitdruck, wenig klare Prioritätensetzung. Zusätzlich entsteht Frust, weil Leistung, Verantwortung, Lob und Anerkennung aus meiner Sicht ungleich verteilt sind.
Image
Nach außen wird stark auf Erfolg und Awards gesetzt (inkl. Posts à la „Gute Nachrichten, es gibt sie doch noch“), während intern grundlegende Themen und Entwicklungserfolge liegen bleiben.
Auch der Außenauftritt passt für mich nicht zum Anspruch: Es gab z. B. ein Posting, in dem sich über „nervige“ Kundenanfragen, endlose Abstimmungsschleifen und die eigene Arbeit lustig gemacht wurde. Das wirkt unprofessionell und respektlos – gerade gegenüber den Kunden, die am Ende das Geschäft tragen. Auch wenn dies versucht ironisch darzustellen.
Work-Life-Balance
Gleitzeit ist möglich, Zeiten lassen sich teils flexibel einteilen, und in manchen Teams gibt es auch private Aktivitäten.
Karriere/Weiterbildung
Weiterbildungen, Zertifikate oder nachweisbare Qualifikationen werden nicht aktiv gefördert und sind teils eher unerwünscht. Auch nicht bei Eigenvorschlägen oder wenn diese z.B. durch staatliche Förderprojekte nicht vom Betrieb selbst finanziell getragen werden müssten. Es gibt jedoch interne Schulungsreihen von Experten innerhalb der Agentur. Dadurch langsame Entwicklung – fachlich wie organisatorisch.
Gehalt/Benefits
Lohngefüge variiert stark bei gleichen Aufgabenbereichen. Gehaltsgespräche werden aus dem Weg gegangen. Kurzarbeit/Entlassungen haben zusätzlich für Unsicherheit gesorgt.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Eher personenabhängig, kein klarer Fokus erkennbar. Einzelne Spendenaktionen für Krisengebiete, in Verbindung mit einem sehr engagiertem Mitarbeiter der in die Ukraine organisiert und begleitet.
Kollegenzusammenhalt
Innerhalb der Squads fast immer gut, Squadübergreifend je nach Situation unterschiedlich.
Umgang mit älteren Kollegen
Soweit ich es erlebt habe, respektvoll.
Vorgesetztenverhalten
Aus meiner Sicht oft unzuverlässig, wenig empathisch und zu wenig nah am Team. Entscheidungen wirken teils widersprüchlich, unüberlegt und nicht mit anderen Führungspersönlichkeiten abgesprochen
Arbeitsbedingungen
Solide Technik, aber insgesamt viel Unruhe im Arbeitsalltag. Rollen/Verantwortlichkeiten, Informationsfluss und Dokumentation sind nicht sauber geregelt, was unnötige Reibung erzeugt.
Kommunikation
Sehr schwach, insbesondere top-down. Wichtige Entscheidungen werden spät, unklar oder gar nicht kommuniziert. Es gibt einmal im Monat den „Wicked Wednesday“, ein digitaler Livestream aus der Agentur mit News zu einzelnen Projekten, Themenschwerpunkten oder neuen Mitarbeitern. Dies ist jedoch nicht ausreichend wenn alle anderen Tage im Monat der Austausch nicht oder nur schwach vorhanden ist.
Gleichberechtigung
In der Geschäftsführung/-leitung wirken die Rollen sehr einseitig besetzt (überwiegend männlich). Seit der letzten Entlassungswelle und der Umstrukturierung von Teams zu Squads/Hubs, gibt es jetzt eine Frau in der Geschäftsleitung.
Interessante Aufgaben
Grundsätzlich wären die Themen interessant, aber fehlende Klarheit, ständige Schleifen, nicht vorhandene Prozesse und mangelhaftes Projektmanagement und sowie kurzfristige Richtungswechsel nehmen viel davon. Trotzdem muss man sagen dass es durchaus viele spannende und abwechslungsreiche Kundenprojekte und Kampagnen gibt.


