Der erste Eindruck prägt - aber der letzte bleibt
Gut am Arbeitgeber finde ich
Der Arbeitgeber ist sehr offen für Neu- und Quereinsteiger, weil er auch unerfahrenen Kräften mit einem durchdachten Onboarding die Abläufe näher bringt.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Meetings und Tools erschienen mir zuletzt als Selbstzweck.
Der Erfolgsdruck wird empathielos auf die Mitarbeiter abgewälzt. Und weil den Kunden mitunter auch Vermittlungen versprochen werden, wird vom Mitarbeiter umgehend Lieferung gefordert: "Diese Woche noch brauchen wir eine Vermittlung." Das erinnerte bisweilen an eine Drückerkolonne.
Verbesserungsvorschläge
Weniger ist mehr. Weniger Meetings brächten mehr Raum, auch mehr Spieleraum für die Arbeit und mehr Motivation, weil man sich weniger kontrolliert, dafür mehr wertgeschätzt wird.
Arbeitsatmosphäre
Kollegialität und Hilfsbereitschaft wird gelebt. Die Menschen, die dort arbeiten, habe ich als sehr nett erlebt. Allerdings muss man mit erheblichen Erfolgsdruck umgehen. Der Druck von den Kunden wird von der Geschäftsführung direkt weitergegeben. Dies wirkte auf Dauer sehr belastend.
Work-Life-Balance
Ob 4- oder 5-Tage-Woche, ob man eine Stunde oder drei Stunden Pause macht, ob man eine oder drei Pausen macht - das konnte man grundsätzlich so halten wie man mag, Das war sehr gut.
Diese Freiheit wird jedoch von der normativen Kraft des Faktischen praktisch auf relativ feste Arbeitszeiten begrenzt. Spätestens um 9 Uhr ist das erste Meeting. Dann muss man auch da sein.
Es gibt relativ viele Firmenevents, die mitunter ganz spaßig sind. Sie finden meist außerhalb der Arbeitszeit statt und werden nicht bezahlt oder ausgeglichen. Die Anwesenheit wird nicht angeordnet aber gewünscht. Ich war meist dabei. Als ich einmal wegen einer privaten und für mich sehr wichtigen familiären Angelegenheit einer Weihnachtsfeier nicht beiwohnen konnte, wurde dies missbilligt. Das empfand ich als übergriffig.
Karriere/Weiterbildung
Es gibt nur die Recruiter- und die Personalberaterebene. Mehr ist aber auch bei der Größe des Unternehmens nicht drin.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Man arbeitet papierlos. Der Obst- und Gemüsekorb ist vom Biohof.
Kollegenzusammenhalt
Hilfsbereitschaft wurde immer groß geschrieben. Ich empfand die Kolleg*innen auch immer als sehr nett.
Vorgesetztenverhalten
Die Geschäftsführerin ist grundsätzlich sehr nett. Wenn alles gut läuft. Sie bezeichnet dies als Wertschätzung. Dies ist sehr wörtlich zu nehmen, denn im Jahresabschlussfeedback rechnet sie einem tatsächlich vor, was man an Geld gebracht und was man der Firma Geld gekostet hat. In diese Richtung geht auch, dass in manchen Meetings die Vermittlungserfolge aller Kolleg*innen in einer Grafik präsentiert und verglichen wurden. Schöner kann man Firmenloser nicht an den Pranger stellen.
Betriebswirtschaftlich ist das alles vollkommen in Ordnung. Stilvoll ist es nicht.
Stilvoll ist es auch nicht, Fehler der Mitarbeiter immer wortreich zu kritisieren - mitunter auch zu dramatisieren - , seine eigenen hingegen zu ignorieren.
Besonders enttäuschend war, dass ich nach meinen Beschäftigungsende mein Arbeitszeugnis mehrfach anmahnen musste und dann ein Exemplar mit mehreren Fehlern in einer unterfrankierten Briefsendung erhielt. Das wirkt dann doch wie Hohn auf die propagierte Wertschätzung in der öffentlichen Darstellung. Dieser letzte Eindruck ist der bleibende (und gleicht eine sehr positive Bewertung aus der Startphase aus, in der diese Erfahrungen noch vor mir lagen).
Arbeitsbedingungen
Am Anfang meiner Beschäftigungszeit war deutlich mehr Freiheit und Selbstbestimmung gegeben. Am Ende wurden immer mehr Tools eingeführt, die zum Teil zu einer Doppeldokumentation führten und eher nervten als nutzten.
Kommunikation
Die Kommunikation empfand ich als eher quantitativ als qualitativ orientiert. Neben den Tages-, Wochen- und Monatsmeetings nahm die Zahl zusätzlicher Projektmeetings oder Gespräche zum Status von Vermittlungen oder auch anlassloser Termine im Laufe meiner Beschäftigungszeit immer mehr zu.
Als wirklich unangenehm empfand ich, dass die Geschäftsführerin sich bei mir über andere Kollegen erkundigte. Als ich mein Unbehagen, mich aushorchen zu lassen, konkret äußerte, hieß es nur: "Das muss dir nicht unangenehm sein". Das war es aber. In die gleiche Richtung geht ein spontantes Meeting, nachdem eine Kollegin entlassen worden war. Die Belegschaft wurde ausführlich über deren Fehlverhalten informiert. Elegant geht anders.
Interessante Aufgaben
Vor allem das Active Sourcing ist auf Dauer sehr monoton. Die Gespräche mit Bewerber*innen sind interessant.


