Gutes Team, aber starke strukturelle Schwächen
Gut am Arbeitgeber finde ich
junges, sympathisches Team, interessante Aufgaben und faire Bezahlung + zusätzliche Sozialleistungen.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
1. Gleichberechtigung und Diversität werden nicht aktiv gefördert. Zudem wirkt das Unternehmen insgesamt sehr homogen, sodass der Eindruck entsteht, dass bestimmte Profile stärker bevorzugt werden.
2. Mangelnde Transparenz und unzureichender Umgang mit Feedback.
3. Starke Abhängigkeit von einzelnen Führungskräften bei Gehalt, Entwicklung und Entscheidungen.
4. Eingeschränkte Karriere- und Weiterbildungsmöglichkeiten (im Labor).
5. Wenig Flexibilität bei Teilzeit und Homeoffice.
Verbesserungsvorschläge
1. Einführung eines Betriebsrats.
2. Feedback ernst nehmen, transparent umsetzen und VERTRAULICH behandeln.
3. Objektivere Strukturen bei Gehalt, Beförderung und Karriere.
4. Mehr Flexibilität bei Teilzeit, Homeoffice und Work-Life-Balance.
5. Gleichberechtigung und Diversität dringend aktiver fördern.
Arbeitsatmosphäre
Die Arbeitsatmosphäre im Team war sehr angenehm. Der Umgang unter den Kolleg*innen war überwiegend wertschätzend, unterstützend und auf Augenhöhe, auch teamübergreifend.
Herausfordernd war jedoch die strukturelle Ebene, insbesondere im Umgang mit Kritik und Feedback. Hier hatte ich teilweise den Eindruck, dass Probleme eher möglichst schnell verwaltet werden, anstatt sie nachhaltig zu lösen oder sich offen mit Vorschlägen auseinanderzusetzen. Das hat die ansonsten gute Atmosphäre im Engineering stellenweise belastet.
Image
Das Unternehmen hat insgesamt ein gutes Image.
Gleichzeitig hatte ich den Eindruck, dass dieses Bild stärker nach außen getragen wird, als es intern gelebt wird.
Mit zunehmender Unternehmensgröße hat sich der Ruf verschlechtert.
Work-Life-Balance
Die Gleitzeit mit Arbeitsbeginn zwischen 6 und 10 Uhr bietet eine gewisse Flexibilität.
Teilzeit wird jedoch strukturell wenig unterstützt und ist nur eingeschränkt möglich. Auch die Homeoffice-Regelungen sind sehr restriktiv und aus meiner Sicht nicht mehr zeitgemäß.
Die Kommunikation neuer Gleitzeitregelungen war unzureichend und hatte teilweise negative Auswirkungen auf Teilzeitkräfte.
Insgesamt ist eine Work-Life-Balance möglich, aber deutlich eingeschränkter als in vielen anderen Unternehmen.
Karriere/Weiterbildung
Die Entwicklungsmöglichkeiten im Labor sind aus meiner Sicht begrenzt. Es gibt nur wenige Aufstiegsmöglichkeiten, die schnell ausgeschöpft sind.
Weiterbildungen werden punktuell ermöglicht, z. B. im Rahmen spezieller Aufgaben oder Projekte. Diese sind jedoch meist an zusätzliche Verantwortung geknüpft, ohne dass sich dies deutlich in Gehalt oder Entwicklung widerspiegelt.
Größere Entwicklungsschritte erfordern in der Regel externe Qualifikationen und gehen oft mit einem Wechsel der Position einher.
Insgesamt sind die Karriere- und Weiterbildungsmöglichkeiten daher eher eingeschränkt.
Gehalt/Benefits
Das Gehalt ist aus meiner Sicht fair und entwickelt sich mit der Zeit gut. Ich habe selbst eine deutliche Steigerung erfahren, was ich positiv hervorheben möchte.
Auch im Vergleich zur Branche ist die Bezahlung solide, wenn auch nicht auf dem Niveau großer Konzerne.
Bei den Sozialleistungen wird sich erkennbar bemüht: Es gibt verschiedene Kooperationen mit regionalen Anbietern, Angebote wie Wellpass sowie Unterstützung bei der Integration neuer Mitarbeitender.
Insgesamt ein ganz gutes Gesamtpaket.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Maßnahmen wie die Reduktion von Verpackungsmaterialien, nachhaltigere Transportlösungen oder Investitionen in erneuerbare Energien wurden umgesetzt. Auch soziale Aktionen wie weihnachtliche Spenden- bzw. Geschenkaktionen für ein Kinderheim werden organisiert, wobei die Umsetzung teilweise auf privatem Engagement und finanziellen Beiträgen der Mitarbeitenden basiert.
Gleichzeitig hatte ich im Arbeitsalltag nicht den Eindruck, dass diese Themen tief in der Unternehmenskultur verankert sind – wobei es sich hierbei auch um ein Chemieunternehmen handelt.
Kooperationen und Auszeichnungen werden nach außen kommuniziert, ohne dass deren Einordnung oder Hintergründe für Mitarbeitende transparent gemacht werden. Irritierend war für mich eine Auszeichnung durch die dubiose „Stiftung Familienunternehmer“, die ohne weitere Einordnung kommuniziert wurde.
Kollegenzusammenhalt
Der Kollegenzusammenhalt in meinem direkten Team war sehr stark. Man hat sich gegenseitig unterstützt, Wissen geteilt und gemeinsam an Lösungen gearbeitet.
Ich habe mich im Team jederzeit wohlgefühlt und bin mit allen gut ausgekommen.
Diese Erfahrung ist jedoch stark teamspezifisch und lässt sich aus meiner Sicht nicht ohne Weiteres auf andere Bereiche oder die gesamte Firma übertragen.
Umgang mit älteren Kollegen
Das Team ist insgesamt eher jung, und es werden aus meiner Wahrnehmung überwiegend jüngere Mitarbeitende eingestellt.
Ältere Kolleg*innen werden im Arbeitsalltag jedoch geschätzt und ihre Erfahrung wird anerkannt.
Für mich persönlich war die Zusammenarbeit im Team sehr angenehm.
Vorgesetztenverhalten
Das Verhalten von Vorgesetzten ist stark individuell und lässt sich aus meiner Sicht nicht pauschal für das gesamte Unternehmen bewerten.
In meinem Fall war die Zusammenarbeit meist positiv: Ziele und Erwartungen waren klar, und mein Vorgesetzter hat sich aktiv für meine Entwicklung eingesetzt.
Gleichzeitig sind Bewertungen, Gehaltsentwicklungen und Beförderungen stark vom jeweiligen Vorgesetzten abhängig. Die bestehenden Vorgaben lassen viel Interpretationsspielraum, was zu einer hohen Subjektivität führt.
Kritischer wurde es für mich in dem Moment, in dem ich eigene Wahrnehmungen und strukturelle Themen eingebracht habe. Hier hatte ich nicht das Gefühl, dass diese auf Augenhöhe gehört oder ernsthaft berücksichtigt wurden.
Arbeitsbedingungen
Die Arbeitsbedingungen sind insgesamt gut und die Ausstattung entspricht den Anforderungen der jeweiligen Tätigkeiten. Büros und Labore sind modern und sicher.
Die technische Ausstattung variiert je nach Rolle, was nachvollziehbar ist, aber zu Unterschieden führt.
Das Essensangebot ist stark ausbaufähig: begrenzte Auswahl, schwankende Qualität und wenig Umsetzung von Mitarbeiterwünschen (z. B. Salatbar). Auch alternative Angebote wie TK-Gerichte oder der Bäckereiverkauf sind teilweise sehr teuer oder qualitativ nicht überzeugend. Leider wird auch im neuen Gebäude auf dieselbe Versorgung gesetzt...
Kommunikation
Die Kommunikation funktioniert im Arbeitsalltag gut, solange es um operative Themen geht.
Sobald jedoch kritische Punkte oder strukturelle Probleme angesprochen werden, habe ich die Erfahrung gemacht, dass diese häufig nicht ernsthaft aufgegriffen oder weiterverfolgt werden – insbesondere wenn sie nicht den Vorstellungen der Führungsebene entsprechen.
Nach außen wird Offenheit für Feedback betont, in der Praxis fehlt es jedoch aus meiner Sicht an transparenter und konsequenter Umsetzung. Das betrifft auch den Umgang mit vertraulichen Gesprächen, was das Vertrauen deutlich erschwert.
Ohne Betriebsrat fehlt zudem ein unabhängiger Ansprechpartner für strukturelle Anliegen. Viele Entscheidungen liegen dadurch stark im Ermessen einzelner Führungskräfte und wirken teilweise subjektiv (z. B. bei Gehalt oder Entwicklung).
Insgesamt ist Kommunikation zwar formal möglich, in der Praxis hat sie jedoch nur begrenzten Einfluss.
Gleichberechtigung
Gleichberechtigung wurde aus meiner Sicht nicht aktiv gefördert. Eine Gleichstellungsbeauftragte gibt es nicht.
Im Arbeitsalltag werden Bedürfnisse und Perspektiven nicht immer ausreichend berücksichtigt. So wurde z. B. mehrfach angeregt, Mülleimer für Hygieneartikel in den Toilettenkabinen bereitzustellen, was nicht umgesetzt wurde.
Auch Vorschläge für genderneutrale Sprache (z. B. „mein Kollegium“ statt „meine Kollegen“) wurden nicht aufgegriffen, unter anderem mit der Begründung, dies sei aus Platzgründen nicht möglich – obwohl beide Begriffe gleich lang sind und es entsprechende Leitlinien gibt, die vor allem nach außen konsequent angewendet werden.
Interessante Aufgaben
Ich habe im Labor gearbeitet und meine Aufgaben als insgesamt sehr interessant und abwechslungsreich wahrgenommen.
Gleichzeitig ist der Arbeitsalltag klar strukturiert: Die Aufgaben sind vorgegeben, können aber zeitlich weitgehend selbst organisiert werden.
Die inhaltliche Tiefe und Vielfalt hängen jedoch stark vom jeweiligen Team und Aufgabenbereich ab.


