Eine One-Man-Show im Chaos
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Was mich am Arbeitgeber am meisten gestört hat, war die Missachtung der Arbeitsqualität in meinen Augen. Statt sich auf wirklichen Meeresschutz und nachhaltige Strategien zu konzentrieren, geht es meiner Meinung nach primär darum, die Stiftung und vor allem die Führung selbst zu inszenieren. Das Ergebnis dieser Selbstinszenierung ist meiner Meinung nach eine erschreckende Nachlässigkeit bei der Arbeit, die ich in diesem Maße persönlich zuvor noch nicht erlebt hatte. Die Arbeit ist meiner Meinung nach sehr unsauber.
Die Führung selbst – eine wahre One-Man-Show – scheint kaum eine klare Vision oder Strategie für die Organisation zu haben. Es wird sehr vielen und stetig neuen Projekten "hinterhergerannt". Zahlreiche Events, auch im Ausland, werden zwar von der Führung besucht, jedoch ohne dass für mich erkennbar wurde, welches Ziel damit verfolgt wird. Ich wollte gerne vom Team lernen und meine fachlichen Fähigkeiten weiterentwickeln. Leider zeigte die Führung mir gegenüber kaum solide Fachkenntnisse, abgesehen von oberflächlichen Floskeln wie "Wir schützen, was wir kennen, deshalb ist Meeresbildung wichtig". Es blieb alles sehr an der Oberfläche, ohne tiefgreifende Auseinandersetzung mit den tatsächlichen Herausforderungen im Bereich Meeresschutz.
Um eine vollständigeres Bild der Bewertungen der Deutschen Meeresstiftung zu erhalten, lohnt es sich auch, sich das "ALDEBARAN Marine Research & Broadcast Redaktionsbüro" auf Kununu anzuschauen (gleiche Führungsperson und Büro wie die DMS). Ein Blick auf die Adresse der DMS (Grimm 12, 20457 Hamburg) zeigt auf, dass zahlreiche Entitäten dort eingetragen sind, unter anderem eben auch das ALDEBARAN Marine Research & Broadcast Redaktionsbüro, Klimawoche e.V., Förderverein Meer e.V. etc.
Arbeitsatmosphäre
Eine angenehme Arbeitsatmosphäre kam leider nie wirklich auf. Eine Mittagspause wurde im Team nicht wirklich gemacht. Meine Verbesserungsvorschläge oder Ideen wurden meinem Empfinden nach nicht ernst genommen, obwohl angeblich flache Hierarchien herrschen sollten. In der Realität, so schien es mir, entscheidet eine Person allein über alles – leider für mich fast ohne erkennbares Fachwissen oder Prioritäten.
Image
Nach meiner Erfahrung ist die Deutsche Meeresstiftung entweder wenig bekannt oder wird mit negativen Konnotationen behaftet. Ich habe während meiner Zeit bei der DMS gehört, dass einige Organisationen einer Zusammenarbeit scheuen, was für sich spricht. Auch der hohe Personalwechsel im Team lässt leider darauf schließen, dass die Bedingungen für viele untragbar sind.
Work-Life-Balance
Die Work-Life-Balance war kaum existent. Arbeitsbezogene Nachrichten kamen regelmäßig abends oder am Wochenende über private Kanäle wie WhatsApp. Das wurde als normal angesehen. Scheinbar, weil der Vorgesetzte selbst sein Privatleben zurückstellt und diese Erwartung unreflektiert auf das Team übertrug. Als ich einmal krank war, wurde mir gesagt, dass ich trotzdem am Team-Meeting hätte teilnehmen sollen, weil man das auch vom Bett aus machen könne.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Als Meeresschutz-NGO sollte der Umweltschutz natürlich im Zentrum stehen. In der Praxis hatte ich jedoch oft das Gefühl, dass es der Führung eher darum ging, möglichst viel zu netzwerken und sich selbst zu inszenieren. Der Wille zum Meeresschutz mag vorhanden sein, doch die Art und Weise, wie die Organisation geführt wird, lässt die Wirksamkeit in meinen Augen anzweifeln. Statt Impact zu erzeugen, hatte ich das Gefühl, dass Sichtbarkeit an erster Stelle steht.
Karriere/Weiterbildung
Von Weiterbildungsmöglichkeiten wurde nie etwas erwähnt. Da ich keine Kenntnisse darüber habe, kann ich dazu leider nichts Positives berichten.
Kollegenzusammenhalt
Der einzige Lichtblick waren die Kolleg*innen, mit denen ich auf derselben Hierarchieebene gearbeitet habe. Der Zusammenhalt unter den neuen Mitarbeitenden war gut. Vermutlich, weil man sich in diesem Chaos nur gegenseitig auffangen konnte.
Vorgesetztenverhalten
Das Verhalten meines Vorgesetzten empfand ich als unangenehm und es war mir sogar peinlich – sowohl menschlich als auch fachlich. Mails voller Tipp- und Rechtschreibfehler, wenig für mich erkennbare fachliche Kompetenz, wenig Plan für die Organisation, und keine für mich erkennbare Vision. Es wirkte auf mich alles wie ein einziger Versuch, Kompetenz zu imitieren.
Arbeitsbedingungen
Die Büroräumlichkeiten waren an sich vollkommen in Ordnung. Allerdings herrschte meiner Wahrnehmung nach eine eher chaotische Atmosphäre, nicht zuletzt durch Unordnung, herumliegende Technik und viel Kabelsalat. Das spiegelte leider auch das generelle Organisationschaos wider.
Kommunikation
Die Kommunikation mit mir war mehr als enttäuschend. Die Leitung nahm sich meist weder Zeit für Gespräche noch für sinnvolle Abstimmungen im Team. Meetings waren oft unstrukturiert, weil er unvorbereitet erschien. Es kam auch vor, dass er a Meetings vom Handy aus teilnahm, weil er draußen unterwegs war.
Gehalt/Benefits
Die Bezahlung war fair und pünktlich. Allerdings hätte man mir auch das Doppelte zahlen können, und ich wäre trotzdem nicht geblieben. Kein Geld der Welt kann die mangelhafte Führung dieser Organisation für mich ausgleichen.
Gleichberechtigung
Viele Frauen im Team. Das ist im Bereich Meeresschutz/NGO-Arbeit allerdings auch nicht selten.
Interessante Aufgaben
Statt spannender NGO-Arbeit bestand mein Alltag vor allem darin, dem Direktor zuzuarbeiten: Mails vorschreiben, Termine koordinieren, an Meetings erinnern und Kontakte in die Datenbank einpflegen. Projektideen gibt es zwar viele, allerdings ohne erkennbare strategische Einbettung. Es wurde, so wie ich das mitbekam, jeder Möglichkeit und jedem Event hinterhergerannt, ganz gleich ob sie thematisch passten, realistisch umsetzbar waren oder überhaupt in den Zeitplan passten. Für viele Projekte wurde mir auch die Finanzierung nicht transparent kommuniziert.
Der einzige Stern in dieser Bewertung gilt den spannenden Menschen, mit denen man theoretisch in Kontakt kommt – Fachleute, Partnerorganisationen, interessante Netzwerke. Leider blieb davon wenig übrig, weil ich mich persönlich in Gesprächen regelmäßig für das unprofessionelle Auftreten meines Vorgesetzten geschämt habe.